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Full text of "System der Pterylographie. Nach seinen handschriftlich aufbewahrten Untersuchungen verfasst"





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THE FIELD MUSEUM LIBRARY 



3 5711 00017 0598 










C h. L. N i 1 z s c h 



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Pterylogra 



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CJfiA'isfian IJuclwig Mitzsch. 



Pfach seinen handschriftlich aufbewahrten Untersuchungen 



Teif asst 



Her m an n B u r m eiste r , 

Professor der Zoologie an der Universität zu Halle. 



}90l.:>- 



M i t X Kupfertafel n. 



Halle, 

Eduard Anton 



18 4 0. 






$4 7 



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Vorrede. 



vrewiss ist es die Pflicht des Herausgebers fremder Arbeiten, seine Le- 
ser über den Befund derselben zu unterrichten und über die Gründe 
sich auszusprechen, welche ihn veranlassten, dem Werke die gewählte 
Form und Fassung zu ertheilen. Zu diesem Endzweck bin ich genö- 
thigt, nachdem die äusseren Lebensmomente des eigentlichen Schöpfers 
der vorliegenden Arbeit schon an einem anderen Orte *) von Freundes 
Hand mitgetheilt worden sind, über die Studien desselben einige Andeu- 
tungen vorauszuschicken. Chr. L. Nitzsch gehörte zu den glücklichen 
Naturen , welche früh und bestimmt den Beruf ihres Lebens erkennen 
und denselben bis an ihr Ende verfolgen; aber auch zu den schwieri- 
gen Individualitäten, denen die sorgfältigste Benutzung alles zugängli- 
chen Materials nicht genügt, und die daher ihre Arbeit nicht eher für 
gethan ansehen, als bis auch das letzte Bruchstück des Ganzen gleich 
* sorgfältig wie die Hauptmasse untersucht worden ist. — Die unaus- 
bleibliche Folge eines solchen, die menschliche Kraft in der Regel über- 
schreitenden Unternehmens ist die Verkümmerung an der Arbeit selbst, 
die Abstumpfung der eigenen Kraft in der Masse des stets zuneh- 
menden Stoßes, und das Hinscheiden zu einer Zeh% wo man noch 



*) In der Vorrede zum neunten Bande von Naumanns Naturgeschichte der Vogel Deutschlands) 
welchen Nitzschens wohlgetroffenes Bildniss als Titelkupfer ziert. — 



/ VI 

weit vom Ziele entfernt ist. Und so war auch das »Schicksal unseres 



Von früher Jugend, ja von Rindesbeinen an dem Studium der Vö- 
gel ergeben, begann er dasselbe in jüngeren Jahren ohne bestimmten 
Plan, und untersuchte an den Thieren, was ihm gerade Merkwürdiges 
auffiel. Da boten sich ihm, indem er die gesammelten Erfahrungen der 
ersten Zeiten verglich, bald drei Richtungen dar, welche noch unbear- 
beitet vorlagen, während die übrigen, wenn auch nicht grade erschöpft, 
doch ungleich sorgfältiger behandelt zu sein schienen. Es waren dies 
die Verhältnisse des inneren Baues, des Gefieders nach denjenigen Sei- 
ten, welche die systematische Ornithologie noch nicht berührte, und die 
parasitischen Bewohner. Den inneren Bau untersuchte Nitzsch anfangs . 
nur theilweis, zunächst bloss das Knochengerüst und die in der Ruinpf- 
höhle enthaltenen Eingeweide. Ebenso gab er in früherer Zeit vom 
Gefieder oft nur die Zahlenverhältnisse der Schwingen und . Steuerfedern 
an, alles Andere unberücksichtigt lassend ; und was die Parasiten betrifft,, 
so waren diese beinahe blosser Balläst, den er aus Mangel anderer La- 
dung nicht gleich über Bord werfen wollte, dann aber, als er so 
viele interessante Seiten an ihnen wahrnahm, eine Zeitlang mit ihm 
sich vorzugsweise beschäftigte. Diese Art der Untersuchung scheint 
er vom Anfange des neuen Jahrhunderts, wo sie begann, denn noch 
habe ich Manuscriptblätter aus dem Jahre 1800 vor mir, bis etwa 
zum Jahre 1812 oder 1813 fortgesetzt zu haben, in welche Zeit 
seine Aufsätze in „Voigts Magazin" und die „ Osteographischen Bei- 
träge " fallen ; die einzigen Proben seiner Untersuchungen , welche er 
dem Publikum vorlegte. Allein seit dieser Zeit, und besonders seit er 






VII 

I 

in Halle ansässig ward , nahm seine Thätigkeit einen anderen Charakter 
an. Bekannter nunmehr mit den neueren Leistungen der Zoologie und 
den Bedürfnissen desjenigen Tkeiles, welchen er besonders zur Beschäf- 
tigung sich gewählt hatte, sah er ein, dass alle spezielle und genaue 
Untersuchung nur dann einen bleibenden und wahren Werth erhalte, 
wenn sie nicht als einzelner Beitrag zur Erweiterung unserer Kennt- 
nisse von den Dingen dastehe, sondern wenn sie zugleich in den gehö- 
rigen Zusammenhang mit den übrigen und gesammten Eigenschaften der 
Dinge trete, und genau die Grenze angegeben werde, innerhalb welcher 
jsie ein Kriterium der Form ist, eine Modifikation des typischen Grund- 
gedankens abgiebt , und dadurch die Modificationsweise bezeichnen hilft. 
Von diesem Augenblicke verlohr jede partielle Bekanntmachung dieser 
oder jener Eigenschaft in seinen Augen allen Werth, und wenn er nicht 
zugleich sagen konnte, wo sie überall vorkomme, wie weit sie sich 
ausdehne, was durch sie bezeichnet und abgeschlossen werde, so unter- 
liess er es lieber ganz, sie öffentlich anzuzeigen. Wir finden ihn daher 
fast nie anders als gezwungen auftreten, sei es um eine solche ver- 
einzelt bekannt gemachte Thatsache auf ihre natürlichen Grenzen aus- 
zudehnen, oder aus ihrem Zusammenhange gerissene Phänomene in den- 
selben zur ückzuf ühren. Nur ein einziges Mal überraschte er später das 
zoologische Pnblikum mit einer Arbeit, die vollkommen abgeschlossen 
in sich dasteht,, ganz und gar von ihm selbst gemacht wurde und gleich 
so durchgearbeitet vorliegt, dass dem Nachfolger kein Resultat mehr 
hinzuzufügen bleibt. Diese Publikation war seine Darstellung der 
Thier insekten, welche im dritten Bande von Germar's Magazin 
der Entomologie enthalten ist, und einen überraschenden Beweis giebt 



VIII 



von der Sorgfalt und Ausdauer, mit welchen er die Parasiten seiner 
Lieblinge, die ebendeshalb doch nur Nebensache v für ihn sein konnten, 
studirt hatte. Sie ist in gedrängter Kürze die umfassendste und beste 
entomologische Monographie, welche die Literatur dieses Zweiges auf- 
zuweisen hat. Hatte er dadurch den dritten Theil seiner Aufgabe gleich- 
sam abgethan und sie selbst in diesem Drittel gelöst, so konnte er nun 
den übrigen beiden Theilen mit desto grösserem Nachdrucke sich hin- 
geben. Er that dies auch vollkommen, und gedachte der Parasiten 
bloss dann, wenn ein neuer Vogel ihm neue wieder zuführte. Diese 
hat er auch später noch, aber nur sehr wortkarg, beschrieben, nie 
mehr abgebildet oder genauer untersucht. Hinsichtlich der anatomischen 
und pterylographischen Seite seiner ornithologischen Studien war es 
aber anfangs keinesweges Nitzschens Vorsatz , sie besonders zu bear- 
beiten, vielmehr waren ihm beide wieder bloss Mittel, um durch sie 
den einen höchsten Zweck zu erreichen, nehmlich das wahrhaft 
natürliche System der Vögel. Diesen Gedanken hat er öfters 
gegen mich ausgesprochen, als ich noch in seiner unmittelbaren. Nähe 
weilte, und ihn näher so bezeichnet, dass er keineswegs die natürliche 
Reihenfolge für die höchste Aufgabe des Systematikers halte, sondern 
vielmehr die richtige Begrenzung der natürlichen Gruppen. Letztere zu 
finden war das Augenmerk seiner Forschungen, und um sie zu begrün- 
den, wurde von nun an Alles in Bewegung gesetzt und jeder Theil des 
Vogelkörpers genau untersucht. Indess fehlte ihm immer noch viel, 
namentlich die Muskulatur, welche er erst später vornahm, und an sel- 
tenen ausländischen Arten oft nur in günstigen Momenten untersuchen 
konnte,. und das Nervensystem, über welches er fast gar keine Beobach- 



IX 

hingen, wenige Gehirnumrisse abgerechnet, hinterlassen hat. Dagegen 
untersuchte er, zumal seit 1825, sehr genau das Gefässsystem, wofür 
seine Abhandlung über die carotis der Vögel einen Beleg giebt. Allein 
da es viel schwieriger ist, das fernere Material, nachdem die einhei- 
mischen Arten erforscht waren, zu diesen anatomischen Beobachtungen 
herbeizuschaffen, als den Balg, dessen Ankauf die vorgeschriebene Ver- 
mehrung der zoologischen Sammlung verlangte, zu untersuchen; so ge- 
wann bald die pterylographische Seite der Studien ein Inhaltsübergewicht 
über die anatomische. Dies scheint ihn zunächst auf den Gedanken ge- 
bracht zu haben, sie für sich allein zu behandeln, und wieder einmal 
einen Gegenstand öffentlich in seinem ganzen Umfange bekannt zu ma- 
chen, der bis dahin allen Ornithologen entgangen war. Auch mochte 
ihm, seit er das fünfzigste Lebensjahr überschritten hatte, eine Publi- 
cation seiner Materialien immer nothwendiger erseheinen, zumal da häu- 
fige Unpässlichkeiten seine bis dahin gute Gesundheit zu erschüttern 
anfingen; Gründe genug zu dem Entschlüsse, die Schilderung der Fe- 
dernstellung zum Gegenstande einer akademischen Schrift zu wählen, 
welche ihm für das nächste Jahr (1833) zu verfassen oblag. Un- 
ter dem Titel: Pterylographiae avium pars prior wurde sie voll- 
endet, und an mehrere Freunde in einzelnen Exemplaren vertheilt. 
Schon damals hatte Nitzsch den Plan des Ganzen ohne Zweifel ge- 
macht, und wie es scheint so angelegt, dass zu diesem ersten Theile 
noch ein zweiter, welcher das Spezielle der Arbeit enthielt, hinzu- 
kommen und das Ganze in lateinischer Sprache ausgearbeitet werden 
sollte. Er verabredete dies vorläufig mit dem Herrn Verleger, und 
veranlasste ihn, sogleich einige hundert Exemplare des ersten Theiles 



mehr abziehen zu lassen. Wirklich ging er auch an die Ausarbeitung 
des zweiten, indem er die Handzeichnungen anfertigte, nach welchen 
die letzten neun Tafeln gestochen sind. Während der zwei Jahre, die 
hierüber vergingen, hatte sich indess das pterylographische Material, 
dem jetzt fast ausschliesslich alle freie Zeit zugewendet wurde, be- 
trächtlich vermehrt, und manche der im ersten Theile schon ausge- 
sprochenen ^Erfahrungen waren hierdurch beschränkt oder verändert 
worden. Dieser Umstand wirkte zögernd auf die Vollendung des Wer- 
kes ein; Nitzsch sah deutlich, dass es noch nicht möglich gewesen 
war, aus den bisherigen Stoffen sichere Resultate zu ziehen, und glaubte 

daher, dieselben vor der Hand nur noch vermehren zu müssen. Da- 

■j 

durch verfiel er in grosse Bedenklichkeiten, zu welchen er ohnehin 
sehr geneigt war, und wie er sich z. B. nie entschliessen konnte, die 
erste Tafel stechen zu lassen , obwohl die andern neun längst fertig 
waren, so vermochte er es auch nicht über sich, die Ergebnisse seiner 
Beobachtungen aufzustellen und für Endresultate zu erklären. Bei sol- 
cher Stimmung war natürlich an ein Ausarbeiten des Textes gar nicht 
zu denken, besonders da zuvörderst auch der erste Theil, weil er ein- 
zelne Unrichtigkeiten enthielt, wieder umgearbeitet werden musste. 
Letztere hat er in seinem mit Papier durchschossenen Handexemplare 
sorgfältig verzeichnet, und dadurch mir die Umarbeitung desselben we- 
sentlich erleichtert. So vergingen wieder zwei Jahre und mit ihnen die 
Lust, das so frisch begonnene Werk weiter zu gestalten; da war er, 
dem noch viele Zeit zur reiflichen Ueberlegung vorhanden zu sein 
schien, am Ziele seiner Thätigkeit. Mitten in dem Bemühen, neue 
Hülfsmittel zur Vollendung seiner Aufgabe herbei zu schaffen, überraschte 




XI 



ihn der Tod, und löste auf einmal alle Zweifel, die noch in seiner 
fast ausschliesslich und bestandig mit wissenschaftlichen Meditationen 
beschäftigten Seele obwalteten. Seine letzten Gedanken waren dieser 
Stimmung gemäss, er bereuete innig seine Unschlüssigkeit und hielt 
alle- Arbeit seines Lebens für verlohren! — 

Doch dass sie es nicht sei, dies war mein erster Gedanke, seit 
ich in Halle statt seiner einzog. Bekannt mit den reichen Schätzen, 
die seine Manuscripte enthielten, war es mein wichtigstes Geschäft, 
dieselben zu durchmustern und mich in ihnen heimisch zu machen. 
Es gelang mir über Erwarten, wiewohl Nitzsch selbst noch sterbend 
an der Möglichkeit gezweifelt hatte, dass ein Fremder seine Habe der 
Welt zuführen könne. Nach genommener Einsicht erkannte ich bald, 
dass der Stoff zur Vollendung der Pterylographie am reichlichsten vor- 
liege, wenn man sich entschliessen wolle, bei dem bis dahin von 
Nitzsch Untersuchten stehen zu bleiben; dass dagegen die anatomische 
Seite der Arbeiten annoch, bei grosser Reichhaltigkeit im Einzelnen, 
viel zu lückenhaft sei, um ein gleichmässiges Ganze aus ihr zu ge- 
stalten, und dass endlich sein reiches Material über die Epizoen, wie 
Nitzsch selbst alle parasitischen Insekten nannte, wohl Stoff genug 
für eine wenn auch nicht vollständige doch reichhaltige Schilderung 
dieser Thiergruppe darbiete. Solcher Eigenschaften wegen musste schon 
die Pterylographie das Erste sein, was unternommen wurde; ich be- 
gann daher ihre Bearbeitung in der Weise, wie Nitzsch sie durch den 
lateinischen Text des allgemeinen Theiles und die vollendeten Kupfer- 
tafeln mir vorgezeichnet hatte, hielt es aber sowohl der leichteren Dar- 
stellung y als auch der allgemeineren Verbreitung wegen für zweck- 



XII 

dienlicher, statt der lateinischen Sprache die deutsche zum Ausdruck 
seiner Erfahrungen zu wählen. In dieser Form bietet sich nun das fer- 
tige Werk den Freunden der Wissenschaft dar, und hofft, durch seinen 
reichen, meistens ganz unbekannten Inhalt alle Zoologen zu überraschen, 
das Andenken seines Stifters bei ihnen dauernd wach zu erhalten, und 
auch seinem Herausgeber ein beifälliges Urtheil zu verdienen. Möge es 
das erreichen helfen, was sein Urheber bezweckte, nehmlich die bes- 
sere Einsicht in die wahrhaft natürlichen Unterschiede der scheinbar so 
gleichförmigen Vogelbildung; möge es aber auch die Ornithologen ver- 
anlassen, ihren ferneren systematischen Studien eine Ausdehnung und 
Tiefe zu geben, ohne welche, das lehren, dächte ich, die bisherigen 
einseitigen und eben deshalb meistens misslungenen Versuche, grade in 
diesem Theile der Zoologie am wenigsten die Endaufgabe sich lösen 
lässt. — 

Halle, den 20. Mai 1840. 

H. Burmeister. 



Erster Tbeil. 

Allgemeine Pterylographie. 



Torerinnerung. 

MJie Mittheilungen, welche ich, nach jahrelanger mühsamer Beschäftigung mit 
ihrem Gegenstande, hier beabsichtige, betreffen einen wie es mir scheint höchst 
wichtigen, aber noch nirgend seiner grossen Bedeutung gemäss abgehandelten 
Theil der zoologischen Forschungen. Wenngleich mitunter von den Stellungs- 
gesetzen der thierischen Hautbedeckungen im Allgemeinen die Rede gewesen ist, 
so hat sich doch kein Beobachter die Mühe genommen, mehr davon anzuführen, 
als was der erste flüchtige Augenschein darbietet. Dieser zeigt aber nur, dass 
der Leib der meisten Fische und Amphibien von reihenweis gelagerten, gewöhn- 
lich gleich grossen Schuppen bekleidet zu sein pflegt, und dass den Säugethieren 
wie den Vögeln ein ähnliches aber mehr äusseres*) horniges Kleid zuertheilt 
worden ist. Von der allgemeinen und gleichartigen Vertheilung jener Schup- 
penkleider ausgehend, schloss man wohl immer auf eine ähnliche Stellung und 
Zusammensetzung des Vogelgefieders, und übersah, durch den äusseren Anschein 
irre geleitet, eine Eigentümlichkeit desselben, welche gewiss nicht der unwich- 
tigste zoologische Charakter dieser durch untergeordnete Verschiedenheiten schein- 
bar minder mannigfaltigen Thiergruppe ist. Die Absicht, jene auffallende Gleich- 



*) Auf den wesentlichen Unterschied in der Bedeckung der kalt- und warmblütigen Rückgrat thi er e 
habe ich an mehreren Orten, z. B. in meiner Naturgeschichte S. 664. hingewiesen. Bei jenen sind alle 
derartigen Gebilde Knochen, die in Taschen der Epidermis, aber unter ihr liegen; bei diesen Horn- 
fortsütze , die aus der Tasche hervorragen, Bn. 

Nitzsch Pterylographie. \ 



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2 



heit in den äusseren Formen, welche die meisten und grössten Zoologen zu einer 
fehlerhaften Gruppirung der Vögel genöthigt hat, durch genaues allseitiges Stu- 
dium dieser Thierklasse analytisch zu sondern, und die wahre Mannigfaltigkeit in 
ihr kennen zu lernen, hatte mich von Jugend auf bei meinen ornithologischen 
Untersuchungen geleitet, und die Auffindung der demnächst über die Stellungs- 
verhältnisse der Federn mitzutheilende Gesetze ist eins der interessanten syste- 
matischen Resultate , welche die mehr als dreissigjährige Beschäftigung mit dem 
Studium der Vögel mich kennen gelehrt hat. 

Wohl mit Recht darf man sich übrigens wundern , dass ein so leicht zu- 
gänglicher, und so schöne Resultate liefernder Gegenstand, wie das Vogel- 
gefieder, bisher von den Zoologen ganz auffallend vernachlässigt worden ist. 
Und doch sind die Federn, welche ich im Verein mit den übrigen hornigen Haut- 
bedeckungen am liebsten Hautgewächse (dermalophyla) nennen möchte, in- 
sofern sie alle Produkte der Haut sind, welche nach Art der Pflanzen in ihr 
wurzeln; nicht bloss ganz leicht zu untersuchen, sondern auch deshalb höchst 
angenehm, weil die Mannigfaltigkeit bei ihnen grösser ist, als irgendwo in ähn- 
lichen Umkreisen. Alle verwandten Gebilde, wie Haare, Borsten, Stacheln, und 
wie sie sonst noch heissen mögen, werden nehmlich von den Federn nicht nur 
in der Anzahl und Verschiedenheit ihrer Bestandtheile übertroffen, insofern die 
genannten meistens gar keine und höchstens einfache Aeste besitzen; sondern auch 
in dem kunstreichen Bau dieser Theile und somit wieder des Ganzen. Sie über- 
treffen dieselben ferner durch einen verhältnissmässig sehr grossen Umfang und 
durch den A titheil, welchen sie an der Bewegung des Vogelkörpers nehmen, 
sintemal die Flügel ohne die Federn unbrauchbar zum Fliegen sein würden; 
und die letzteren den Körper zugleich schützen und erwärmen, ohne grade sein 
Gewicht bedeutend zu vermehren. Neben diesen Eigenschaften darf es aber 
nicht unerwähnt bleiben, dass der Vogel seinem Federnkleide vorzugsweise, ja 
eigentlich wohl allein, die angenehme und gefällige Form verdankt, welche ihm 
so viele Freunde und Bewunderer zu erwerben pflegt. Gewiss würde der grös- 
sere Theil des nicht wissenschaftliche Zwecke im Studium der Zoologie verfol- 
genden Publikums die Vögel, wenn sie federnlose Thiere wären, ebenso sehr 
verabscheuen, wie die nackten Kröten und Eidechsen, welche jetzt, mögen sie 
auch mit einer noch so herrlichen Farbenpracht prangen, fast allgemein Wi- 



3 

derwillen erregen. Und wenn nun durch diese Eigenschaften des Gefieders schon 
der grosse Haufe sich angezogen fühlt, wie viel mehr sollte nicht der wissen- 
schaftliche Forscher zur emsigsten Untersuchung aufgefordert werden, wenn er 
die fast unzähligen Verschiedenheiten sieht, welche die Vogelfedern nach allen 
möglichen Beziehungen hin darbieten; wenn er liebender mannigfaltigsten Form 
und Bildung auch eine ebenso kunstreiche Stellung und Gruppirung über be- 
stimmte Gebiete des Körpers wahrnimmt, und die bemerkten Differenzen dann 
weiter nicht bloss bei den zahlreichen Arten, Gattungen und Familien, sondern 
auch bei den verschiedenen Altersstufen und Geschlechtern einer Art, oder end- 
lich während der aufeinander folgenden Jahreszeiten an einem und demselben 
Individuum beobachtet. In allen diesen und noch mehreren anderen Punkten 
würden ihm die Vogelfedern höchst beachtenswerthe Unterschiede darbieten. 

Nach Anhörung dieser Behauptungen, deren Richtigkeit eine vieljälirige Er- 
fahrung bestätigt, werden meine Leser mit mir die gleich anfangs ausgespro- 
chene Verwunderung theilen, wie ein so reichhaltiger Stoff für wissenschaftliche 
Arbeiten so lange unbenutzt hat bleiben können. Aber noch mehr setzt es in 
Erstaunen, dass dieser Gegenstand bei der grossen Aufgabe, welche er bietet, 
von allen Schriftstellern, die ihn behandeln, so oberflächlich abgethan worden 
ist. Wenn es gleich an Mittheiluiigen über die Vogelfedern nicht grade man- 
gelt*), auch in den gemachten manche gute Beobachtungen sich niedergelegt 
finden, so waren es doch am wenigsten Ornithologen, welche die Untersuchungen 
anstellten; und die Aufgabe der Beobachtenden ist es keinesweges gewesen, die 



*) Man vergleiche vor allen Heusinger's System der Histologie I. 2. 207., und ausser den 
Schriften von Malpighi, Hooke, Leeuyvenhoek , Camper, Baster, Poupart, der beiden 
Wenzel, Blainville, Audebert und anderen dort angeführten noch folgende: Cuvier, Voiles, 
über vergl. Anat. übers, v. Meckel. II. 588. — Tiedemann's Zoologie II. 129. — Alb. Meckel 
über die Federnbildnng, in Reil's Archiv f. d. Physiol. XII. 1. — Carus , Lehrb. d. Zootomie. p. 441. 
— Dutrochet, de Ja strueture et de la regeneration des plumes; im Journ. d. phj/s. tom. 88. 
p. 333. — Fr. Cuvier, observat. sur la strueture eile developpement des plumes. In den Mem* du 
mus. 1826. — Macgillivray, in R. Jameson, the Edinburgh, new philosoph. Journal. Vol. III. 
fasc. 6. 1827. pag. 253 ; mir nur aus der Anzeige in Oken's Isis, 1832. S. 693 bekannt. — Carus, 
Eiliiuterungstaf. z. vergl. Anat. II. u. 11. t.. 2. f. 14 — 18; — so wie auch: Eble, die Lehre von 
den Haaren. I. 128. 

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Mannigfaltigkeit des Gefieders im Einzelnen zn erläutern, sondern vielmehr den 
Bau der Federn im Allgemeinen zu erklären. 

Demnach darf ich mir wohl mit der Hoffnung schmeicheln, durch die an- 
gekündigten neuen Resultate die Theilnahme der Naturforscher zu erwecken; 
und indem ich die von' mir Fe de rnfluren (pterylae) genannten befiederten Fel- 
der des Vogelkörpers aufzähle und ausführlich beschreibe, den Beweis zu führen, 
dass dieselben, so neu*) und überraschend sie vielleicht Manchem beim ersten 
Anblick meiner Abbildungen vorkommen mögen, ebenso bedeutungsvolle und 
wichtige Merkmahle abgeben zur sicheren und naturgemässen Unterscheidung der 
Vogelfamilien. Seit ich diese Wahrheit erkannte, habe ich nicht unterlassen, 
alle mir zu Gebote stehenden Mittel zu ihrer ferneren Begründung zu benutzen, 
überzeugt, dass die richtige und naturgemässe Abgrenzung der untergeordneten 
Gruppen eine Hauptaufgabe des Naturforschers sei, und dass zu ihrer Lösung 
keinesweges ein oft leerer Schematismus nach dieser oder jener Eigenschaft führen 
könne , sondern allein die allseitigste und emsigste Untersuchung der Arten. 



*) Ich selbst habe von diesen Feder nfluren früher nur beiläufig gesprochen (z. B. in Nau- 
mann's Vögeln Deutschlands, zweite Aufl. I. S. 32. und: Ersch und Gruber, allgem. Enzyklop. 
Bd. 21. S. 147. unter Certhia, und Bd. 24. S. 207 unter Dermorhynchi). Neuerdings hat jedoch 
Herr Jac^uemin der Pariser Akademie Mittheilnngen ähnlicher Art gemacht, welche ich nicht weiter 
kenne (vergl. Froriep's Notizen etc. 1837. Febr. no. 11. S. 170.). Eine von mir unter dem Titel: 
PterylograpTiiae avium pars prior. Halae 1833. 4. herausgegebene akademische Schrift wurde mir 
in wenigen Exemplaren an Freunde vertheilt; sie ist der ersten Abtheilung dieses Werkes zum Grunde 
gelegt worden, — 



Erster Abschnitt. 



Ueber den Bau der Federn und ihre Hauptunterschiede. 

JtSevor ich die Darstellung der Federnfluren selbst beginne, scheint es mir nö- 
thig, von den Theilen und Arten der Federn zu reden, aus denen die Federn 
und die Fluren bestehen. Man wird nehmlich, sobald man sich genauer nach 
dem Stellungsgesetz der Federn erkundigt, bald finden, dass in gewissen Fluren 
nur ganz bestimmte Arten von Federn vorkommen, in anderen mehrere Arten 
untermischt ; und dass, soll man hiernach die Fluren unterscheiden, die verschie- 
denen Arten der Federn bekannt sein müssen. Die genaue Charakteristik dieser 
Federnarten ist aber unmöglich ohne eine genaue Kenntniss der Theile, aus de- 
nen die Federn bestehen; und da ich auch in Angabe dieser bei den Schrift- 
stellern mehrere erhebliche Undeutlichkeiten walirnehme, so halte ich es für 
nöthig , hier zuerst von den Theilen der Federn zu reden. Ich bemerke aber 
im Voraus, dass dies nur im Allgemeinen geschehen soll, und ich auf die zahlrei- 
chen, zum Theil höchst verschiedenen Gestalten, welche viele dieser Theile dem 
Beobachter darbieten, nicht weiter eingehen will. Nur so weit es zum Ver- 
ständniss der Stellungsgesetze nöthig ist, soll hier von den Theilen der Federn 
gehandelt werden. 

Erstes Kapitel. 

Von den Theilen der Federn. 

An jeder vollständigen, mit allen Theilen, die sie füglich haben kann, ver- 
sehenen Vogelfeder unterscheide ich: 1) den Kiel (scapus), 2) den After- 
schaft (hy-porrhachis), 5) die Aeste (rami), 4) die Strahlen (radii), 6) die 
Wimpern (ciliae) und 6) die Häkchen (Iiamuli). Sie stimmen sämmtlich da- 



g 

rin mit einander überein, dass ihre vornehmste Ausdehnung der Länge nach 
geht, und sie also ohne Ausnahme gestreckte Gebilde darstellen.*) 



*) Es scheint mir nicht unpassend, hier zur Ergänzimg der von Nitzsch geschilderten Bestand- 
teile der Federn, einige Beobachtungen, welche ich über die allmälige Entwicklung dieser Theile 
angestellt habe, einzuschalten. 

Eine junge Feder stellt, bevor sie die Grenze der Haut überschreitet, einen zylindrisch -kegel- 
förmigen, nach oben zugespitzten Balg dar, welcher überall geschlossen ist und sämratliche Bestand- 
teile der Feder enthält. Oeffnet man ihn um diese Zeit, d. h. ehe er die äussere Oberfläche der Haut 
überschritten hat , so findet mau in dem ziemlich festen fast lederartigen Balge einen zweiten häutigen 
mit einer gallertartigen Flüssigkeit gefüllten Balg, dessen Achse von Blutgefässen (einer Vene uud einer 
Arterie, von denen letztere sich durch grössere Feinheit und hellere Färbung auszeichnet) durchzogen 
ist. Diese Blutgefässe dringen von der Fettlage des Vogels unter der Haut her in das untere Ende 
des Federnbalges ein, und durchbohren ihn hier, sowohl den äusseren, alsauch den inneren. Zwischen 
beiden Bälgen befindet sich eine besondere, von einer weichen breiartigen feinkörnigen Substanz gebil- 
dete Schicht, welche den inneren Balg ebenso überzieht, wie sie sich au die innere Oberfläche des äus- 
seren anlegt. Sämmtliche drei Schichten des Federnkeimes sind so zu deuten. 

1) Der äussere Balg ist die Hülle, unter welcher sich die eigentliche Feder bildet; er geht nicht 
in die Substanz der Feder ein, und besteht aus grossen dicken Epithelium- Zellen, daher er als eine 
Fortsetzung der Oberhaut, als eine Ausstülpung derselben innerhalb der Höhle, welche die Feder ent- 
hält, zu betrachten ist. Unter Fig. 17. habe ich auf Taf. I. ein Stück dieses Balges bei öOOmaliger 
Vergriissenrngf) dargestellt; man bemerkt hier die grossen Epilhelium- Zellen und die Zellenkerne iu 
ihrer Wand. Daraus, dass durch eine jede Zelle noch mehrere, oft vier bis sechs, solcher Kerne unter ihr 
liegender Zellen hindurchschimmern, glaube ich schliessen zu können, dass der ziemlich dicke und feste 
Balg aus fünf bis sieben Lagen solcher Zellen gebildet werde. Der Deutlichkeit wegen habe ich die 
durchscheinenden Zellenkerne und Wände , welche ich ebenfalls erkennen konnte , nicht mit gezeich- 
net, soudem bloss die der obersten Schicht. 

2) Die mittlere feinkörnige Schicht ist der Bildungsstoff der Feder, nnd die Körnchen in ihr sind 
nichts als Zellenkerne, welche in dem Maasse, als sie mehr im obern Theile dieser Schicht liegen, 
deutlicher werden und schon einen klaren Hof, die spätere Zelle, bekommen, in dessen Mitte man sie 
als eiförmige Körner von gelblicher Farbe wahrnimmt. In vielen dieser Kerne erkannte ich noch einen 
dunklen Punkt, mitunter zwei 5 die sogenannten Kernkörperchcn, welche ich für eine zentrale Höhle 
ansehe, die sich erst später bildet, wenn der Kern selbst sich bis zu seinem normalen Umfange ver- 
grossert hat. 

*) Unter den Linsen 1. 2. 3. mit dem Auszuge eines Chevalierschen Mikroskops, das im Besitze 
meines Kollegen D 'AI ton sich befindet. 



1) Der Kiel (Taf. I. Fig. i. a.) bildet de» Stamm der Feder, und trägt 
alle anderen äusseren Theile. Gewöhnlich ähnelt er einem sehr lang gestreckten 



3) Der innere zentrale Balg, welcher aus einer sehr dicken schwammigen Haut hesteht, inwendig 
mit einer Gallerte erfüllt ist, und ausserdem die schon erwähnten Blutgefässe enthält, ist der Herd für 
den Bildungsstoff der Feder, die sogenannte Matrix derselben, welche offenbar die Gallerte (vielleicht 
Eiweiss) aus dem Blut bildet und demnächst in Zellenkerue umwandelt. Wirklich erkannte ich bei 
starker Vergrößerung auf die äussere Fläche des Sackes eine zahllose Menge Körnchen von unglei- 
cher Grösse niedergeschlagen, welche bei der Vermischung mit Wasser sich z. Thl. ablösten, auf dem 
Boden des Objektträgers lagen, und eine sehr ungleiche Grösse besassen. Bei weitem die meisten wa- 
ren kleiner als die Zellenkerne, manche aber auch grösser. Am Sacke selbst konnte ich keine zellige 
Struktur erkennen. 

Im Forlschritt der Federnbildung erleidet nun die mittlere Schicht eine sehr wesentliche Verän- 
derung und Umwandlung, während die beiden anderen ziemlich unverändert so bleiben, wie ich sie 
eben beschrieben habe. 

Das Erste was geschieht, wenn der Epithelium-Balg, den ich fortan bloss mit dem Namen Balg 
bezeichnen werde, die Grenze der Hauttasche, in der er steckt, überschreitet, ist die Oeffnung desselben 
an seinem obersten Ende. So wie diese erfolgt ist, tritt aus ihm die Spitze der Feder in Gestalt eines 
Pinsels feiner Strahlen hervor und breitet sich am Ende federnbuschartig aus (Taf. I. Fig. 10.) Wie 
sich dieser Pinsel erhebt, wird er grösser und stärker, die Oeffnung weiter, und bald ist dann der 
Balg in seinem ganzen Umfange offen. Noch jetzt zeigt die Feder keine Verschiedenheit, sie ist völlig 
einem Pinsel ähnlich, und überall rundlich, zylindrisch. Aber in dem Maasse , wie sie grösser wird, 
zeigt sich unter den übrigen, völlig gleich grossen Aesten, ein etwas stärkerer, an der vorderen Flä- 
che und derjenigen Seite, welche von allen Federntheilen die dem Körper am meisten abgekehrte ist. 
Dieser stärkere Ast ist das obere Ende des Kieles, und man bemerkt auch schon recht gut, wie die 
Aeste, welche an beiden Seiten zunächst neben ihm liegen, nicht mit ihm parallel in den Balg hinab- 
steigen, sondern sich an ihn ansetzen, und daher als seine Zweige zu betrachten sind. Ich finde übri- 
gens, wenigstens an den Bumpffedern, dass sich zuerst immer zwei gleich grosse Strahlen gabelig ver- 
binden, und den Anfang des Kieles bilden, und dass demnächst immer die zwei folgenden seitlichen 
mit dem Stiel der ersten Gabel in gleicher Höhe zusammentreffen. Dieselbe Bildung zeigen auch die 
Fadenfedern (Taf. I. Fig. 7. 8.), doch mit dem Unterschiede, dass nur sehr wenige Strahlen am Ende 
des Schaftes vorkommen. Ganz wie bei diesen Federn (siehe weiter unk'n) ist der oberste Theil des 
Schaftes jeder Feder völlig markleer, klar und durchsichtig; erst nach unten hin, jenseit des vierten 
und fünften Astpaares, wird er dunkler und markig. Verfolgt mau den Verlauf des Kieles weiter, so 
sieht man, dass er mit den feineren, neben ihm liegenden Aesten in den Balg eindringt und mit ih- 
nen in der körnigen Lage unter dem Balge auf der Oberfläche der Matrix sich verliert. Diese 
Köruerlage, welche ich Federnstoff nennen will, bildet einen vollkommnen Zylinder, welcher die 



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8 



Kegel, oder einer Spindel. An dem unteren Theile, welcher in der Haut steckt, 
ist er drehrund, hohl und durchsichtig, später hinauf füllt ihn ein zelliges Mark 



Matrix au allen Seilen überzieht, und der von seinem oberen freien Rande die fertigen Enden der Aeste 
aussendet. Diese zylindrische Grundform, welche hiernach alle jungen Federn besitzen, ist auch an 
der ausgebildeten Feder noch ziemlich gut zu erkennen. Ganz deutlich zeigt sie sich an der Spuhle bis 
zur Stelle, wo sie in den Schaft übergeht. Diese Stelle ist durch das von Nitzsch beschriebene na- 
belformige Grübchen bezeichnet, und dies Grübchen eigentlich nichts anders als die obere, vom unteren 
Ende des dicken Schaftes verengte Oeffnung der Spnhle. Deutlicher erkennt man die Richtigkeit dieser 
Ansicht an Federn mit grossem Afterschaft, am deutlichsten aber an den Federn des Kasuars, wo 
beide Schafte gleich gross sind. Der Schaft der Feder ist gewissermassen eine Verlängerung, mit 
Verdickung verbunden, des oberen Randes der Spuhle an seiner änssersten Stelle, und der Afterschaft 
eine zweite an der innersten grade entgegengesetzten Stelle. Selbst an den Schwungfedern, die niemals 
einen Afterschaft haben, ist die zylindrische Anlage noch daran zu erkennen, dass sämmtliche Aeste 
derselben eine in sich geschlossene Kurve, eine sehr langgezogene Ellipse, bilden, welche an beiden 
Seiton des Schaftes herabsteigt, und unten um das nabeiförmige Grübchen herumläuft, so dass auf diese 
Weise beide Reihen der Aeste zusammenhängen. Die Ansicht einer solchen Schwungfeder unter Fig. 18. 
auf Taf. I. zeigt, wie beide Astreihen {d und e) sich einander nähern, je mehr sie herunter steigen, 
und um das dicht unter a gelegene Grübchen herumlaufen würden, wenn nicht durch den Schnitt, wel- 
cher die Spuhle öffnet, ein Theil des oberen Randes mit den kleinen fast dunenartigen Aesten ent- 
fernt wäre. 

Verfolgt man nun die Aeste, wie sie zwischen dem Balge und der Matrix zum Grunde der Feder 
hinabsteigen (Taf. I. Fig. 11.), so ergiebt sich bald, dass sie anfangs noch völlig getrennt sind, und 
dass ihre beiden Strahlern eihen dicht an den Seiten des Astes anliegen. Weiter hinunter stellen diese 
Strahlen bloss schiefe Linien an beiden Seiten des Astes dar, die endlich auch verschwinden, so dass 
der ganze Ast von nun an einen schmalen bandförmigen Streifen bildet, der anfangs zwar deutlich, 
später aber nur unvollkommen von seinen beiden Nachbaren gesondert ist, und zuletzt sich in einer ganz 
homogenen gleichmässig körnigen Masse verliert. — Wir wollen nun einen einzelnen Streifen aufwärts 
von dem Punkte an, wo er als solcher deutlich erkannt wird, bis zu seiner Ausbildung in einen voll- 
ständigen Ast verfolgen. 

Unter Fig. 14. habe ich das unterste Ende eines solchen Streifens, durch dieselbe 500iuali<*e Ver- 
grosserung gesehen, abgebildet; die Zeichnung lehrt deutlich genug, dass er vollkommen aus lauter gleich 
grossen, locker verbundenen Zellen besteht, deren genau gleiche, elliptische Kerne keine Spur eines 
Kernkörperchens erkennen Hessen, ein Umstand, der mich zu der Annahme veranlasst hat, dass diese 
Kernkörporchen erst später entstehen, und wohl als Höhlungen des Kernes zu betrachten seien. Au 
diesem untersten Ende scheint der Streifen ganz flach zu sein, allein mehr nach oben wird er gewölbt, 
und noch höher dreikantig prismatisch. In dieser Form liegt die eine scharfe Kante des Prismas nach 



9 

aus. Aber auch der hohle Theil, welcher den Namen Spuhlle (calamus) führt, 
ist nicht ganz leer, sondern enthält vielmehr grosse, der Reihe nach aneinander 



aussen gegen den Balg hin, und mit den beiden anderen stösst jedes Prisma an seine beiden Nachbarn. 
Die flache Seite, welche in dieser Lage gegen die Matrix gewendet ist, ist in der That nicht flach, 
sondern etwas ausgehöhlt, und in diese Höhle dringt eine Hautfalte ein, welche beim ersten Anblick 
eine Falte der Matrix selbst zu sein scheint, aber eigentlich von einer eigenthümlichen Haut herrührt, 
welche zwischen Matrix und Federnstoff liegt. In einigen Fällen habe ich in dieser Haut Blutgefässe 
gesehen, in anderen erkannte ich bestimmt eine zellige Struktur, und zwar dieselbe Formation der Zellen, 
welche an den Streifen wahrgenommen wird. Wahrscheinlich ist dieser Zustand ein jüngerer, jener zweite 
gefässreiche eine ältere Periode der Haut. Sobald übrigens der Ast in seiner Bildung vollendet ist, 
löst er sich von der Haut ab, und sie bleibt als ein völlig geschlossener, aber auf der Oberfläche fein 
liniirter, trockner Sack in dem Zylinder der Feder über der Matrix zurück. Aus ihr entstehen dann die 
trocknen Hautgebilde, Weiche man über dem obern Ende der Matrix wahrnimmt (Taf. I. Fig. 11. d. d.) 
und die aus dem nabeiförmigen Grübchen am oberen Ende der Spuhle hervorragen (Fig. 18. ct.). Das 
Ausehn von Zellen, oder vielmehr Säcken, scheinen diese Theile dadurch zu erhalten, dass sobald sie 
anfangen, oben trocken zu werden, die Matrix eine neue frische Schicht unter der alten bildet, und 
diese in die andere hinein schiebt. . Wahre geschlossene Säcke sind nehmlich diese Hautlappen nie, son- 
dern bloss mützenförmige Taschen, die wie Tuten zum Theil in einander stecken. Auf dieselbe Weise 
ist die sogenannte Seele im Innern der Spnhle gebildet (Fig. 18. c), und es ergiebt sich daraus, dass 
auch sie als die tlicilweis abgestossene äussere Schicht der Matrix zu betrachten ist. Warum man auf 
der Oberfläche dieser Taschen der Seele keine Streifung mehr bemerkt, ist von selbst klar, da der Zy- 
linder der Spuhle nicht mehr gestreift, sondern glatt ist. Doch wir kehren zur Betrachtung des 
Astes zurück. — 

Breitet man den prismatischen Streifen an einer Stelle, wo er auf jeder äusseren Seite die er- 
wähnten schiefen Linien schon besitzt, auf einer ebenen Flache aus, so erhält mau die Ansicht, wie sie 
unter Fig. 15 dargestellt ist. Ich muss dabei bemerken, dass jene frühere Figur von einer farblosen 
Gänsefeder, diese neue von einer graueu Taubenfeder entnommen wurde. Die Färbung der Feder ist 
nehmlich an dem eigenthümlichen Ansehn Schuld, welches Fig. 15 uns darbietet. Bei einem farblosen 
Federuast bemerkt man weder die dunklen Flecke in der Mitte des späteren Stammtheiles, noch die 
scharf umgrenzten dunklen Stellen auf den Strahlen; beide sind ohne Frage Pigmentanhäufungen , und 
konnte ich an denen des Stammes sehr bestimmt die zweigförmigen Auswüchse erkennen, welche jede 
Pigmentzelle, die übrigens viel grösser ist, als eine ursprüngliche Zelle, aussendet. Ist die Feder 
farblos, so sieht man die schiefen Streifeu zu beiden Seiten des Stammes viel undeutlicher, bemerkt 
dafür aber auch desto bestimmter, dass jeder Streifeu durch Abschuürung einer schief über die Seiten- 
flächen des Prismas laufenden Zellenreihe entsteht, und dass diese Abschnürung um so vollkommner 
wird, je mehr die Stelle des Streifens dem oberen Ende des Astes sich nähert. Ist dagegen die Feder 
Niixsch Pterylograpliie. Q 



ig 

hängen Je Zellen, welche unten an Jen Grund Jer Spuhle, wie oben an Jas 
Mark Jes Kieles angeheftet sioJ. Der markige Theil Jes Kieles heisst, im Ge- 



gefärbt, so bildet sich an jedem schiefen Streifen oberhalb jeder einzelnen seiner Zellen eine Pigment- 
anhäufuug von desto grösserem Umfange, je mehr die Zelle dem Stamm des Astes nahe liegt; und 
diese Pigment-Anhäufung verursacht das gefleckte Ansehn der Strahlen. Dieselbe ist übrigens un- 
gleich an den beiden Strahlenreihen, und stärker an derjenigen , welche später die vordere Reihe wird 
und Häkchen trägt, schwächer an der entgegengesetzten, in unserer Zeichnung links gelegenen. Die 
abgebildete Stelle ist ferner aus einer Gegeud des Astes, in welcher die Ablösung der Strahlen von 
einander noch nicht erfolgt ist, und die einzelnen Zellenreihen noch mit ihren Wänden aneinander ge- 
wachsen sind. Höher hinauf löst sich auch diese Verbindung, und die Streifen sind völlig isolirtc 
Strahlen. Jeder Strahl hat nun das Ansehn einer Perlenschnur, deren einzelne Glieder jedoch nicht 
rund, sondern flach gedrückt sind; mithin eine obere und untere schmale Seite, und eine breite linke 
und rechte besitzen. Auf jenen beiden erleidet demnächst der Strahl seine Hauptveränderung, die da- 
rin besteht, dass sich die schmalen Seiten, durch einseitige Verdickung der Zellenmembran, immer 
mehr erheben und wahre Kämme bilden, die bald in Zacken auslaufen. Jede Zelle bildet nehmlich 
ihren besonderen, erst später mit den Nachbaren verwachsenden Ansläufer. An dem Basal -Theil des 
Strahles ist diese Verwachsung vollständig, gegen die Mitte hin aber nur theilweis, so dass man hier 
an fast fertigen Strahlen (Fig. 12 der linken, Fig. 13 der rechten Seite) noch die Zacken getrennt 
sieht. Dies ist jedoch mehr an der unteren Kante, wo der Strahl eine sehr dünne Lamelle bildet, der 
Fall ; an der oberen treten an den Strahlen der linken Seite niemals , an denen der rechten aber nicht 
am Grundende, solche Auswüchse auf, vielmehr verdickt sich hier der Strahl, und bildet eine Leiste, 
die der kräftigste Theil des ganzen Strahles ist. Wo diese Leiste aufhört, da fangen. die Zacken an. 
Man ersieht aus Fig. 13, dass anfangs jede noch mit dem Kern versehene Zelle nur nach unten eine 
Zacke bildet, dass dieselbe sich verlängert, an der Spitze einkrümmt und hakig wird; so wie dass 
mit dieser Hakenbildung eine auffallende Verkürzung der primären Zellen in der Längenrichtung ver- 
bunden ist. Wo die Bildung von Haken nachlässt, da treten denn auch auf der oberen Kante des 
Strahles Auswüchse am Ende der Zellen auf, und diese werden um so grösser, je weniger hakig die 
der entgegengesetzten Seite sind. Hiermit nehmen gleichzeitig die Zellen wieder an Länge zu, und 
bilden später dünne zylindrische Glieder, die an ihrem Ende nach oben und unten ein Spilzchen, die 
Wimpern der fertigen Strahlen (Fig. 4.), aussenden. Auf dieselbe Weise sind die Strahlen aller 
Dunenfedern und Fadenfedern gebildet; alle zeigen eine sehr deutliche Knotenbildung, welche der Rest 
ihres aus Zellenreihen entstehenden Ursprungs ist, und anzeigt, dass jede Zelle an ihrem Endtheile 
besondere, höchst verschieden geformte Auswüchse gebildet hat. Ist der Strahl noch juug, so sieht 
man in ihm die ursprünglichen Zellen deutlich (Fig. 9. 12.), ist er aber älter, so verschwinden die 
Zellen, und er erscheint homogen (Fig. 4. 5. 19 — 25.). Noch muss ich bemerken, dass die dunklen 
Streifen, welche in Fig. 12 und 13 wahrgenommen werden, die Ausbreitangen der unmittelbar über 



lt 

gensatz gegen die Spuhle, Schaft (rhachis) , und er ist es, von dessen abge- 
platteten Seiten die Aeste ausgehen. An seiner ganzen Aussenfläche erhält der 



der Zelle liegenden Pigmentflecke sind, und allen farblosen Strahlen (Fig. 4. 5.) fehlen. Auch der 
Dunenstrahl zeigt, wenn er gefärbt ist, nicht leicht eine homogene, sondern häufiger eine absatzweise 
Färbung (Fig. 21. 22. 24.). 

Auf diese Weise bilden sich aus den einfachen Zellenrcihen die so verschiedenen und höchst man- 
nigfachen Strahlen mit ihren Anhängen, den Knoten, Wimpern und Haken; zugleich aber erleidet der 
Ast selbst, welcher diese Strahlen trägt, eine allmälige Veränderung, die besonders in einer Umge- 
staltung seiner Zellen besteht. Wir finden dieselbe schon in Fig. 15, im Vergleich mit Fig. 14, mehr 
eckig und weniger regelmässig, im Gauzen aber etwas grösser. In dieser Art ihrer Ausbildung schrei- 
ten sie immer mehr fort, werden also noch grösser, noch ungleicher und noch eckiger. Dabei bleibt 
der Kern in ihnen sichtbar, und je grösser die Zelle ist, um so bestimmter erkennt man in ihrem 
Kern ein oder zwei Kernkörperchen oder Höhlungen. Die Form des Astes betreffend, so ist er, ganz 
wie jeder Strahl, eine Lamelle (Fig. 3. «. zeigt die Durchschnitte Von 6 Aesten aus der äusseren 
Fahnenhälfte einer Gänseschwungfeder), die nach oben und unten in einen scharfen Rand ausgeht. Der 
untere Rand des Astes ist ungleich dünner, zarter und endlich ganz häutig, ohne Zelleuinhalt; also ge- 
wiss ebenso wie der Strahl, durch einseitige Ausdehnung der Wände der letzten Zellenreihe entstanden. 
Der obere Rand hat dagegen cjne schief angesetzte Endfläche, welche neben ihrer oberen Endkante die 
vordere, Häkchen führende Reihe der Strahlen trägt, neben ihrer unteren die hintere häkchenlose 
Reihe. (Der Durchschnitt in Fig. 3. von 6 Aesten mit ihren Strahlen zeigt dieses Verhältniss sehr be- 
stimmt, y Dieser obere Rand, den man richtiger die obere Endfläche nennen könnte, erleidet in seiner 
Textur eine Aenderung, das heisst die Zellenform verschwindet in ihm, und dagegen tritt eine sehr 
deutliche Längsstreifung , eine Art Faserung, hervor. Dieselbe ist bedingt ebenfalls durch eine Modi- 
fikation der ursprünglich hier gelegenen Zellen und scheint dadurch hervorzugehen, dass jede Zelle sich 
verlängert, spindelförmig wird, und mit ihren spitzen Enden mit der vor und hinter ihr gelegenen 
Zelle verwächst. Dann bilden die Zellen ebenfalls in Knoten angeschwollene Fäden, wie ich sie unter 
Fig. 16 nach öOOmaliger Vergrösserung abgebildet habe, nnd zeigen in ihren Knoten noch sehr deut- 
lich den Zellenkern als Ursprung der Zelle. Im kleineren Maasstabe, aber noch deutlich genug, er- 
kennt man dieselbe Bildung in Fig. 6, sowohl am Schaft, als auch an den von ihm ausgehenden Aesten. 
Eine andere Zerfaserung der Zellen, als diese, habe ich nicht wahrgenommen, allein auch nicht dar- 
nach gesucht; und es könnte mithin die von Schwann (mikroskopische Untersuchungen etc. Berlin 1839. 
S. 87.) beschriebene allseitige Fasernbildung , welche er in den obersten Zellen am Hauptschaft einer 
Rabenfeder wahrnahm und abbildet« (Taf. II. Fig. 13.), leicht eine Eigenthümlichkeit der festeren 
Hornsubstauz des Schaftes und der Spuhle ausmachen. 

So weit reichen meine Beobachtungen über die Bildung der Federn; sie scheinen mir die Genesis und 
Metamorphose dieser interessanten Gebilde für unsern Zweck genngsam zn erklären. — " Ri 

2 * 



1» 

Schaft einen [hornigen Ueberzug, welcher offenbar eine Fortsetzung der Spuhle 
ist, deren gewölbte Oberfläche er noch an der nach aussen gewendeten Seite 
beibehält, während die hintere gegen den Leib des Vogels gewendete Seite des 
Schaftes der ganzen Länge nach eine Furche hat, welche sich nach unten gegen 
die Spuhle hin verflacht, und hier in ein nabelförmiges Grübchen mündet, das 
ins Innere der Spuhle fuhrt. Doch ragt bei der frischen Feder ein kleiner Fort- 
satz der die Spuhle anfüllenden Zellenreihe aus diesem Grübchen hervor (Fig. 18.«.) 
und schliesst so die Oeffnung, welche ins Innere der Spuhle hineindringt. Uebri- 
gens ist der Schaft an allen grösseren Federn ziemlich viereckig, bisweilen aber 
auch ganz platt, wie z. B. bei Aptenodytes, — 

2. Der Afterschaft (Taf. I. Fig. 1. ö.) entspringt an der unteren Seite 
der Feder, unter dem nabeiförmigen Grübchen, und zwar ziemlich genau an 
derselben Stelle, wo dieses in den Hauptschaft eindringt. Er ähnelt dem Haupt- 
schaft, sendet in gleicher Weise zweizeilige Aeste aus, und bildet so eine schein- 
bar doppelte Feder. Man findet ihn an den Federn sehr vieler Vögel, vermisst 
ihn aber an den Schwung- und Steuerfedern beständig. Am grössten ist er bei 
den beiden Kasuaren, wo er die Länge des Hauptschaftes erreicht, und ihm 
in der ganzen Form der Fahne höchst ähnlich ist. Bei anderen Vögeln ist er 
kürzer und trägt bloss dunenartige Aeste; so namentlich bei den Hühnern'*), 
deren Federnbildung aus der auf Taf. 1. Fig. 1. gegebenen Zeichnung einer Rü- 
ckenfeder von Argus giganleus erkannt werden kann. Aehnlich finde ich ihn beim 
Segler (Cypselus). Kleiner zeigt er sich bei den Tagraubvögeln, mit Aus- 
nahme der Gattung Pandion; dann bei CaprunuJgus, Prodotes ( Indicalor auctt.), 
MusopJiaga, Psillacus, den meisten Sumpfvögeln und von den Schwimm- 
vögeln bei den Longipennes , Nasutue s. Tubuläres (doch mit Ausnahme von 
Diomedea), und den Pygopodes. Einen kleinen, schlaffen und sehr schwachen 
finde ich bei den allermeisten Passerinen (einigen scheint er in der That zu 
fehlen) und bei der Gattung Picus. — Es giebt aber nicht wenige Vögel, denen 
er fehlt, und wo statt seiner einzelne Aeste vorkommen; dahin gehören die 



*) In der Begrenzung und Anordnung der Familien folge ich noch dem in meiner Abhandlung : 
De avium arteria carotide (Halae. 1829. 4/o) aufgestellten, auf anatomische Charaktere besonders 
gegründeten Systeme. 



13 

Gattungen Function, die Nachtraubvögel, die Gattungen Cuculns, Centropus, 
Coracias, Merops, Upupa, Alcedo , Rhamphaslus f Columba, Pterocles , einige 
Crypturus- Arten, dann die Schwimmvögel- Familien der Unguirostres und Sie- 
ganopodes, *) 

3. Die Aeste(Taf. I. Fig. 1. c.) gehen der Reihe nach geordnet an beiden 
Seiten sowohl vom Hauptschaft, als auch vom Afterschaft, wenn er vorhanden 
ist, aus, und bilden mit den an ihnen sitzenden Theilen die sogenannte Fahne 
(vexillum). Gewöhnlich sind sie zusammengedrückte Lamellen von lanzettför- 
miger Gestalt, die so am Schaft sitzen, dass die eine der beiden Kanten nach 
oben und aussen gerichtet ist, die andere nach unten und innen gegen den Leib 
des Vogels. Am höchsten sind diese Lamellen in der äusseren Fahnenhälfte der 
Schwungfedern; im Uebrigen zeigen sie in Gestalt, Länge und Dicke nach der 
Differenz der Vögel sehr grosse Verschiedenheiten. 

4. Die Strahlen (Taf. I. Fig. 3. b. c.) werden in ähnlicher Weise zweizeilig 
von der oberen Kante der Aeste nach vorn gegen die Spitze, und nach hinten 
gegen den Grund der Feder hin ausgesendet. Indess ist es wohl zu beachten, 
dass auch von der Spitze des Haupt- wie Afterschaftes, da wo die Bildung der 
Aeste aufhört, Strahlen ausgehen; ja dass bisweilen sogar in den Zwischenräu- 
men der Aeste **), wenn sie weitläufiger stellen, Strahlen vorkommen, welche 
denen der Aeste höchst ähnlich sind, und daher mit demselben Ausdruck bezeich- 
net werden müssen. Uebrigens sind die Strahlen , welche man mit den Blättern 
eines Baumes, wie den Kiel mit dem Stamm passend vergleichen könnte, viel 
zahlreicher als die Aeste, und zeichnen sich vor den übrigen Bestandtheilen der 
Feder durch grosse Mannigfaltigkeit in der Gestalt, Länge und Zartheit aus. 
Gemeiniglich ist jedoch ihr unterer Anfang mehr zusammengedrückt, das obere 
Ende aber mehr fadenförmig. Auch unterscheidet sich sehr häufig diejenige 
Reihe der Strahlen, welche an jedem Ast die vordere, der Federnspitze zuge- 



*) Bei Anas clangula und _<4. fuligtila findet sich ein zwar schwacher, aber demungeachtet ri- 
gider Afterschaft. Sollte er vielleicht allen Tauchenten (Hydrobates Temm.) zukommen? 

**) Dies ist i. B. au dem Theile des Schaftes der unter Fig. 1. abgebildeten Feder der Fall, 
wo die Aeste der Grundhälfte etwas ferner stehen. Vergleiche über den merkwürdigen Bau dieser Stelle 
die Erklärung zu Fig. §. 



14 

wendete ist, von der hinteren sowohl durch die Form, als auch durch die Theile, 
welche von den Strahlen wieder ausgehen. 

5. Die Wimpern (Tal. I. Fig. 4. ct.) sind, wenn sie vorkommen, die zahl- 
reichsten von allen Federn theilen, und entspringen mit den Häkchen fast nur aus 
den Strahlen der vorderen Reihe. Sie bilden gleichsam deren Aeste, sind dabei 
einfach , fadenförmig , ganz oder ziemlich grade , und stehen entweder in einfa- 
cher oder in doppelter Reihe. Niemals findet man sie an der unteren Kante des 
Strahles (wenn man nicht die breiteren Läppchen [ebenda c] , welche bisweilen 
hier vorkommen, dafür halten will), und selbst an der oberen sind sie nicht 
immer vorhanden; dann aber fehlen sie gänzlich. Wenn übrigens die Gestalt 
der Strahlen dunenartig ist, so scheinen kleine Knoten, welche mit dünnen Zwi- 
schenräumen abwechseln, die Stelle der Wimpern zu vertreten , zumal wenn 
die Knoten, was nicht selten der Fall ist, in gegenüber stehende Spitzen verlän- 
gert sind, und dadurch Wimpern darstellen. (Fig. 9. 20. 23.) 

6. Die Häkchen (Taf. I. Fig. 4. b.) sind wie die Wimpern nur dem be- 
waffneten Auge erkennbar, und bilden ebenfalls seitliche Fortsätze der Strahlen, 
finden sich aber nur an den vorderen Reihen der letzteren, niemals an den hin- 
teren, auch nur an einer Seite jedes Strahles, nehmlich der unteren. Sie schei- 
nen sich von den Wimpern nur durch ihre hakenförmige Biegung und durch 
ihren eigenthümlichen Zweck zu unterscheiden. Es greifen nehmlich die Häk- 
chen der vorderen Strahlenreihe jedes Astes so in die hintere Strahlenreihe des 
nächstfolgenden Astes ein (siehe Taf. I. Fig. 2.), dass jedes der Häkchen eines 
Strahls einen besondern Strahl des nächstfolgenden Astes festhält, die sämmtli- 
chen Häkchen eines einzigen Strahles also grade soviel Strahlen der folgenden 
Reihe ergreifen, als wie gross die Anzahl der Strahlen dieser Reihe ist, über 
welche der mit Häkchen versehene Strahl der vorhergehenden Reihe hinüber- 
ragt. Eine Betrachtung des unter Fig. 2. auf Taf. I. gegebenen Bildes wird dies 
Verhältniss versinnlichen. Man bemerkt bald, dass jeder Strahl der vorderen 
Reihe über 8 oder 9 Strahlen der hinteren Reihe des nächstfolgenden Astes weg- 
reicht , und kann sich also wohl leicht denken , wenn man die vergrösserte Fi- 
gur des häkchentragenden Strahles (Fig. 4.) mit der ebenso vergrösserten des 
häkchenlosen Strahles (Fig. 5.) vergleicht, wie in jedes der an dem letzte- 
ren (Fig. 12.) sichtbaren Grübchen ein Häkchen des anderen Strahles ein- 



15 

greifen müsse.*) Dieser eigenthümlichen [und kunstreichen Anlage kann allein 
die Fähigkeit der Fahne, als Flugwerkzeng brauchhar zu sein, zugeschrie- 
ben werden. **) 



Zweites Kapit c 1. 

Von den Hanp tb il düngen der Federn. 

Die Vogelfedern, besonders aber ihre Strahlen, zeigen eine sehr grosse 
Menge von verschiedenen Bildungsweisen. Indess geht die eine Form in die 
andere über, und nicht selten findet man mehrere Formen an denselben Federn, 
ja auch an denselben Theilen, vereinigt. Aus diesem Grunde ist eine vollstän- 
dig genügende Unterscheidung und Begränzung der Federnbildungen weder mei- 
ne Absicht, noch überhaupt möglich. Indess halte ich die bestimmtere Bezeich- 
nung einiger Hauptbildungen für nöthig, und unterscheide drei solche mit den 



*) Ich theile hier Nitzsch's Ansicht der Sache mit, glaube indess nicht, dass sie die richtige 
ist. Erstens fehlen diese sogenannten Grübchen an alten Strahlen sehr oft (Fig. 5.). Vergleicht man 
aber die Krümmung des Häkchens an dein von mir treu nach der Natur gezeichneten Strahle mit der 
Lage der Grübchen an einem anderen Strahl (Fig. 12.), so wird man bald linden, dass die Krümmung 
viel zu klein ist, um über den oberen Rand des Strahles bis zum Grübchen hinab reichen zu können. 
Ich glaube ferner auch nicht, dass jene von Nitzsch für Grübchen gehaltenen Stellen vertieft sind, 
sondern sehe sie bloss für die noch vorhandenen Höhlungen der primitiven Zellen an, aus welchen der 
Strahl gebildet ist (vergl. meine Bemerkung über die Genesis der Federn S. 10.). Eudlich bemerkte 
ich an allen Strahlen einen oberen stark verdickten Rand, der grade so gross ist, dass ihn die Häk- 
chen genau umspannen können. Hinter diesen Rand, und nicht in die sogenannten Grübchen, fassen 
die Häkchen, und halten die hinteren Strahlen auf diese Weise viel sicherer fest, weil, wenn beim 
Fluge durch den Luftdruck eine Fressung dieses Zusammenhanges verursacht wird , dadurch das Häk- 
chen nicht den Rand, bei der Verschiebbarkeit beider gegen einauder, fahren zu lassen braucht, was 
nothwendig häutig der Fall sein müsste, wenn die Spitze des Häkchens in einer so weiten und so tief 
unter dem oberen Rande, über welchen der Haken doch weggreifen muss, gelegenen Grube eingriffe. 

**) Gewiss ist es auffallend, dass das wahre Verhällniss dieser Strahlen und Aeste, welches 
schon Perralt und Horker (Microgr. rest. p. 32. f. 19.) recht gut angedeutet haben, den meisten jetzi- 
gen Schriftstellern ganz unbekannt geblieben ist, so dass sie, indem sie dasselbe auseinander setzen 
wollen, die verkehrtesten Meinungen vorbringen, und der Häkchen gar nicht gedenken. 



16 

Namen der f e de mar t igen (pennacea), dunenartigen (plumulacea) und fa- 
den federnartig e n ( filoplumacea). 

i. Die federnartige Bildung erkennt man an dem Tollständigen und star- 
ken Kiel, an dem markigen Schafte, an den starren Aesten und Strahlen, und 
an der zusammengedrückten, oder, wie es bei den metallisch glänzenden, schil- 
lernden vorkommt, flachgedrückten Form der Strahlen, von denen die vordere 
Reihe Wimpern und Häkchen zu haben pflegt. 

2. Die duneu artige Bildung entsteht, wenn der Kiel schwach und kurz 
ist, der Schaft aber, wo er sich findet, und die Aeste schlaff bleiben, die Strah- 
len sehr fein, leicht beweglich und gewöhnlich sehr lang sind, doch nur am 
Grunde zusammengedrückt, später rund, fadenförmig. Hiermit ist dann die schon 
erwähnte absatzweise Anschwellung in dunkle, zweispitzige Knoten, so wie der 
gänzliche Mangel der Häkchen immer verbunden.*) 

3. Die faden artige Bildung unterscheidet sich von den beiden anderen 
durch einen sehr dünnen starren Kiel, einen gewöhnlich durchscheinenden Schaft, 
in dem das Mark fehlt, durch sehr feine, starre, runde Aeste, und durch kur- 
ze, etwas starre, fadenförmige Strahlen. Häkchen und Knötchen finden sich 
dabei nicht. — 



Drittes Kapitel. 

Von den verschiedenen Arten der Federn. 

Wenngleich die vier Arten der Federn, welche aus den eben angegebenen 
Hauptformen gebildet werden, durch keine bestimmten Grenzen sich abscheiden 
lassen, so glaube ich doch, dass man nur diese vier annehmen darf. Ich habe 
sie mit den Namen der Kontur- oder Licht federn (pennae), der Dunen 
(plumiilae), der H a 1 b d u n e n (pennoplumae) und F a d e n f e d e r n (früher Kiim- 
m er federn von mir genannt, filoplumae) zu unterscheiden gesucht. 

1. Konturfedern mögen die mit einem steifen und vollkommenen Kiel 
versehenen Federn heissen, welche der Lichteinwirknug auf der Oberfläche aus- 



*) Matt vergleiche meine Beobachtungen über die Buntheit des FTaumengcfieders in Voigt's 
Magazin f. d. n. Zustand der Naturkunde. Bd. XI. S. 393. Taf. 6. 1806. 



I? 

gesetzt, die äusseren Umrisse des befiederten Körpers bilden. Wenigstens der 
obere Theil ihrer Fahnen, sei er nun grösser oder kleiner, besteht aus Aesten 
und gewöhnlich auch aus Strahlen von federnartiger Bildung; der untere 
dagegen, welcher der Spuhle näher und versteckt ist, hat gewöhnlich diese Theile 
dunenartig, zumal an den Seiten. Die vollkommensten Konturfedern, an de- 
nen der federnartige Fahnentheil am grössten, der dunenartige dagegen am 
kleinsten ist, sind die Schwingen der Flügel und die Steuerfedern des Schwan- 
zes. An den übrigen Konturfedern, denen oft der Afterschaft zukommt, pflegt 
wohl ihr grösserer Theil der dunenartigen Bildung anzugehören, und grade sie 
zeigen die meiste Mannigfaltigkeit nach den Familien, Gattungen und Arten der 
Vögel, so wie nach dem Alter und sogar nach dem Geschlecht. Man findet auch 
Konturfedern, die in verschiedenen Graden mangelhaft sind. So haben z. B. 
einige, deren oberer Theil federnartig ist, keine Wimpern und Häkchen, wie 
die desStrausses (Struthio) und N a n d u s (Rhea) ; anderen fehlen an den fe- 
dernartigen Aesten die Strahlen, wie bei beiden Kasuaren (Casuarius und Dro- 
maeus). Ja es giebt sogar Konturfedern, welchen schon die Aeste fehlen, sei 
es nun an dem mehr dem Lichte ausgesetzten Theile, wie bei den Mundwinkel- 
und Kinnborsten, den Augenwimpern (denen jedoch am untersten Theile eine 
Art von Fahne noch zukommt); oder sei es am ganzen Schaft, wie bei den so- 
genannten Flügelsporen des indischen Kasuars, welche ich doch für Federn 
halte, obwohl sie gar keine Aeste haben und noch in anderen Eigenschaften von 
der Regel abweichen.*) 

2. Die Dunen erkennt man an der dunenartigen Bildung aller Theile, und 
findet sie immer von den durch das Gefieder gebildeten äusseren Umrissen ent- 



*) Hierbei kann ich die Bemerkung nicht unterdrücken, dass zum vollständigen Charakter der 
Konturfedern auch noch ihre Fähigkeit gehört , von eigenen , unter der Haut versteckten Muskeln be- 
wegt werden zu können. Diese Muskeln gehen von der Haut aus, und setzen sich an den in die Haut 
hineinragenden Spuhlentheil , oder richtiger an dessen Scheide. Freilich sind diese allen Dunen fehlen- 
den Muskeln mitunter so klein, dass man sie nicht mehr gut wahrnehmen kann. Bei gewissen Vö- 
geln aber, besonders bei Mitgliedern der Steganopodes und Unguirostrcs , habe ich sie am Rumpfe 
sehr gut unterscheiden können, und zwar ihrer vier, seltener fünf, für jede Feder; so dass sich die 
Gesammtzahl dieser Muskeln bestimmt auf 12000 beläuft, indem ich sowohl bei Anas mar ila als aticfo 
bei Dysporus bassanus, gegen 3000 Konturfedern gezählt habe. 

Nitzöck Pterylographie . 3 



. 



IS 

fernt, dem Lichte entzogen, von Konturfedern oder wenigstens den zusammen- 
gefalteten Flügeln bedeckt. Sie stehen oft zwischen den Konturfedern, nehm- 
lich immer eine in der Mitte des von vier Konturfedern gebildeten Feldes, so 
dass sie mit diesen einen Quincunx darstellen. So fand ich es zumal bei Dys- 
porus, Podoa und andern. Indess steht keinesweges immer nur eine einzige 
Dune zwischen den vier Konturfedern, sondern häufig findet man mehrere, z. B. 
bei den Unguirostres, wo grössere und kleinere zugleich vorkommen, ja mitun- 
ter sehr viele, wie am Halse der Adler. Ausserdem findet man sie an Stellen, 
wo keine Konturfedern stehen, oder sie kommen gar nur an solchen Stellen, 
aber dann zerstreuter, vor. In diesem Falle sind sie wohl von der gewöhnli- 
chen, durch die Konturfedern gebildeten Decke frei, und machen äussere Um- 
risse des Gefieders, wie z. B. am Kopfe und Halse einiger Geier; allein alsdann 
haben die obersten Aeste zusammengedrückte fast federnartige Strahlen, und ge- 
llen so in die Konturfedern über.*) Ihrem Baue nach haben die Dunen entwe- 
der einen einfachen Schaft, oder zugleich einen Afterschaft, wenn auch die 
Konturfedern damit versehen sind, wie z. B. bei den Tagraubvögeln, beim 
Kranich, den Reihern und andern; oder sie sind doldenförmig, in welchem 
Fall dann der Schaft ganz fehlt, und die Aeste am obersten Ende der Spuhle 
sitzeu, z. B. bei Pelccunus. Von den eigentümlichen Puderdunen endlich, 
welche beständig Staub bilden, werde ich später reden. — 

Das Dunenkleid der jungen eben ausgebrüteten Vögel betreffend, so soll 
dies nach Einigen aus Dunen, nach Anderen aus Haaren bestehen, indessen wird 
dasselbe bei den meisten Vögeln weder aus diesen, noch aus jenen gebildet, son- 
dern lediglich aus bald abfallenden dunenartigen oder borstenförmigen Fortsätzen, 
welche auf den Spitzen der zuerst gebildeten Aeste eiuer Konturfeder, oder 
sogar einer Dune, aufsitzen. Nur bei den Unguiroslres besteht das Nestkleid 
aus wahren, mit Schaft und Spuhle versehenen Dunen. Allein diese Dunen sind 
in allen Theilen steifer als die späteren, und ihre Strahlen ausserordentlich 
dünn. Kuoten bemerkt man an ihnen entweder gar nicht, oder sehr kleine, 
abwechselnd nach hier und dort gebogene. 

*) Vielleicht sollte man diese Lichtdunen zu den Konturfedern rechnen und annehmen, dass 
der dunenarlige Theil , welcher sich bei den meisten Konturfedern nur am unteren Eude Torfindet, hier 
bis zur äusserslen Spitze emporgestiegen sei. 



19^ 

3. Die Ha II) dunen halten gleichsam die Mitte zwischen den Dunen und 
den Konturfedern, insofern sie nehmlich von diesen den längeren steifen Kiel, 
von jenen die dunenartigen Aeste und Strahlen besitzen. Niemals stehen sie, 
wie ächte Dunen, zwischen Konturfedern, sondern am Rande oder Ende der 
Federnfluren, und führen hier die Konturfedernreihen aus, oder nehmen ganz 
deren Stelle ein. Sogar Fluren bilden sie ohne Konturfedern, und stehen dann 
dichter gedrängt neben einander. Dennoch werden sie von Konturfedern be- 
deckt und dem Lichte entzogen. Häufig haben sie einen Afterschaft, wenn 
derselbe auch bei den Konturfedern sich findet, und unterscheiden sich alsdann 
von den nächsten Konturfedern bloss durch den Mangel der federnartigen Spitze. 
Andere ähneln mehr Dunen. Am grössten findet man sie bei einigen Störchen, 
z. B. bei C- Argala und C. Marabu, wo sie unter den unteren Deckfedern des 
Schwanzes sitzen, und von unseren Damen häufig als Schmuck benutzt werden ; 
auch bei Falco albicilla kommen sie daselbst vor. 

4. Die Faden federn (Taf. I. Fig. 7.) unterscheiden sich sehr auffallend 
von den übrigen drei Federnarten durch eigenthümliche Stellung, durch ausser- 
ordentliche Schlankheit und durch die entweder fehlende, oder höchst kleine 
Fahne. Zugleich sind sie mit den Konturfedern gleichsam vergesellschaftet, so 
dass einer jeden Konturfeder des Kopfes, Halses und Rumpfes eine oder sogar 
zwei Fadenfedern ganz nahe stehn, und fast aus derselben Hauttasche mit ihr 
hervorzukommen scheinen. Seltener, wie bei den Reihern und Unguirostres, fin- 
den sich mehrere, sogar bis zehn, Fadenfedern neben jeder Konturfeder, Sie 
gehören ihrer Bildung nach zu der fadenfederartigen, und keine andere Federn- 
bildung kommt bei ihnen vor, ausser dass sie bisweilen, z. B. bei einigen Hüh- 
nern, am Grunde dunenartige Aeste und Strahlen haben. *) Gemeiniglich ist 
ihr Kiel so dünn, dass man ihn kaum noch mit blossem Auge erkennen kann; 
nur bei den Kasuaren ist er viel dicker und gegen die Regel sehr flach ge- 
drückt. Dennoch ist er immer steif, grade, lang, fadenförmig, und hat eine 
sehr kurze, vom marklosen Schalt kaum verschiedene Spuhle. Dieser Kiel sen- 



*) Eine solche beim Haushulm (Gattus BanTciva do7tiesticus) gefundene Fadenfeder hat Heusiw- 
ger (Histologie I. Taf. 3. Fig. 1. 2.) abgebildet; «usere Abbildung zeigt keine Dunenstrahlen, und ist 
nach einer Feder der Gans entworfen. — 



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2Q 

det, ganz wie das Haar, entweder gar keine Aeste aus, oder nur wenige, oft 
gar nur einen oder zwei, und zwar am obersten Ende des grüsstentheils ganz 
nackten Schaftes. Solche Fadenfedern dürften wohl allen Vögeln eigen sein; 
denn niemals habe ich darnach vergeblich gesucht, wo ich mir die nöthige Mühe 
gab. Uebrigens sind die den Konturfedern sehr nahe stehenden kürzer und von 
diesen ganz bedeckt; indess finden sich bei den meisten Passerinen, nament- 
lich bei Fringillct, Sylvia, Turdus, einige längere Fadenfedern im Nacken, wel- 
che vorragen und die Spitzen der benachbarten Konturfedern überschreiten. Bei 
der Gattung Trichophor'iis Temm. ragen sie sogar abwärts gekrümmt als einfache 
astlose Haare weit hervor. Auf eine andere und viel mehr entwickelte Art finden 
sich Fadenfedern bei der Gattung Halieus III. (Carbo Meyer.), wo sie fast den 
Charakter der Konturfedern annehmen. Ich glaube nehmlich, dass man die 
zarten, schmalen und weissen Dunen, welche am Halse aus dem übrigens schwar- 
zen metallischen Gefieder der genannten Vogelgattung hervorragen, für Faden- 
federn halten muss, da sie, wenngleich mit vollkommenen Fahnen versehen, in 
der Stellung sowohl, als auch in der Schlankheit des Kieles und der übrigen 
Theile mit der genannten Federnart übereinstimmen. 

Hiermit glaube ich den Bedürfnissen dieser Arbeit gemäss den Bau und die 
Arten der Federn bezeichnet zu haben, und gehe nunmehr zu ihrer Stellung, 
als dem eigentlichen Gegenstande meiner diesmaligen Mitteilungen über, wohl 
wissend, dass das Voraufgeschickte nur eine sehr dürftige Andeutung der un- 
endlichen Verschiedenheiten ist, welche bei sorgsamem Studium des Vogelge- 
fieders sich wahrnehmen lassen. 



31 



Zweiter Abschnitt. 

Ueber die Vertheilung des Vogelgefieders in bestimmt begränzte 

Fluren. 



Erstes Kapitel. 

Ueber die Federnstellung' im Allgemeinen. 

Nur bei sehr wenigen Vögeln stehen die Konturfedern , wie die Haare der 
Säugethiere, gleichmässig in ununterbrochener Folge über den ganzen Körper 
so vertheilt, dass nur der hornige Ueberzug des Schnabels und die Zehen mit 
dem Lauf von ihnen nicht bedeckt werden; bei den übrigen und meisten sind 
sie in sich kreuzende Reihen geordnet. Eine ununterbrochene Federnbekleidung 
findet sich z. B. bei der Gattung Apienodytes Linn., bei welcher ich sie beson- 
ders vollständig fand, dann bei den Kasuaren, wo ausser den nackten Theilen 
des Kopfes und Maises nur noch die Brustschwiele keine Federn hat; ferner bei 
Palamedea cornutu, an der lediglich die Achselgegend federnlos ist, und bei 
Patamedea Chuvaria, die überdem noch das bekannte federnlose Halsband be- 
sitzt. Noch einige Vögel giebt es, bei denen ein ähnliches Verhalten, doch in 
geringerem Grade der Ausbildung, wahrgenommen wird. Aber bei den meisten 
Vögeln findet sich ein lückenhaftes Federnkleid, indem die Konturfedern 
am Halse, Rumpfe und den Vordergliedmassen mehr oder weniger in die Länge 
gezogene schmale Streifen bilden, und von anderen nackten oder wenigstens 
nur von Dunen bedeckten Streifen begrenzt werden; welche letzteren zwar die 
Konturfedern der benachbarten befiederten Streifen mit bedecken, aber keines- 
weges bekleiden. 

Diese befiederten Streifen nenne ich F e d e r n f 1 u r e n oder K o n t u r f e d e r n- 
fluren (pteryhie *] ) , die nackten oder wenigstens nicht mit Konturfedern be- 
setzten dagegen Federuraine (apteria). Beide Arten von Streifen lassen sich 
nach den Theilen des Körpers, an denen sie vorkommen, leicht unterscheiden, 



*) Eigentlich Federn wald, abgeleitet toii titsqÖv und v^. 



23 

und durch Epitheta benennen; ich will sie daher lieber sogleich aufführen, und 
die Benennungen hersetzen, deren ich mich in der Folge bedienen werde. 

I. Folgende Fluren habe ich besonders deutlich unterschieden: 

1) die Rückgrat flur (pt. spinalis), 2) die Schulterfluren*) (pt. hu- 
merales) , 3) die Oberschenkel- oder L endenfluren {pt. femorales 
s. lumbales), 4) die (einfache oder doppelte) Unter flur (pt. gaslraei). — 
Bei sehr wenigen Vögeln finden sich 5) Halsseite nfluren (pt. colli la- 
terales) , welche in die Rückgrat- und Unterfluren übergehen. Die übri- 
gen noch von Konturfedern bedeckten Theile würden folgende Fluren, 
, wenn man sie wegen der gleichmässigen Befiederung dafür halten darf, 
ergeben: 6) die Kopfflur (pt. capitis), 7) die Flügelfluren (pt. ala- 
rum) } 8) dieUnterschenkelfluren (pt. crurales) und 9) die Schwan z- 
flur (pt. caudae). 

II. Als Raine unterscheide ich: 

i) die Halsseitenraine (apt. colli lateralia), 2) die Rumpfseiten- 
raine (apt. trunci lateralia), 5) den Unterrain (apt. mesogastraei) ; 
wozu entweder gewöhnlich, oder seltener noch kommen: 4) der Rück- 
gratrain (apt. spinale) , 5) die oberen Flügel raine (apt. alae supe- 
riora), 6) die unteren Flügelraine (apt. alae inferiora) , 7) die Un- 
terschenkelraine (apt. cruralia) und 8) die Kopf raine (apt. capitis). 
Von diesen allen werde ich zuerst im Allgemeinen und dann von jedem 
einzelnen besonders handeln. 



Zweites Kapitel. 

Von den Ursachen des lückenhaften Gefieders. 

Dieselben dürfen wir eines Theils in dem bedeutenden Gewicht der Federn 
suchen, anderen Theils in der Biegung und Bewegung der Gliedmassen und 
des Halses. Oifenbar sind nehmiich die Konturfedern des Halses und Rum- 
pfes, wenngleich sie viel kleiner zu sein pflegen als die Flügel- und Schwanz- 



*) Der Plural soll andeuten, dass die Flur stets paarig oder doppelt ist. 



83 

, 

federn, doch im Vergleich mit den Dunen oder gar Haaren so gross und zumal 
so breit, damit sie die Ungleichheiten und Buchten der Körperoberflüche be- 
decken, die Verschiedenheit der äusseren Umrisse ausgleichen und dem Leibe 
jene glatte und abgerundete Form verleihen, welche der Schönheit wie dem 
Flugvermögen gleich entsprechend ist. Indess würden die Federn eben wegen 
ihrer Grösse die Bewegung und Biegung der Gliedmassen, besonders der Flügel, 
wenn auch nicht grade verhindern, doch sicher erschweren; auch könnten sie 
gewiss nicht die äussere Oberfläche gleichmässiger machen, wenn sie den gan- 
zen Leu) überall und dicht bedeckten, und nicht jene nackten oder wenigstens 
konturfedernlosen Stellen übrig Hessen, an denen die Gliedmassen leichter be- 
wegt, in welche sie während der Ruhe besser hineingepasst, und durch die 
endlich manche allzu starke Hervorragungen des Körpers wieder ausgeglichen 
und versteckt werden können. Ohne Frage hat jeder Federnrain einen solchen 
Zweck, wovon indess erst weiter unten die Rede sein soll. Denn schon aus 
dem grösseren Umfange der Konturfedern glaube ich muss die lückenhafte Be- 
fiederung als nöthig abgeleitet werden; sintemal eines Theils so grosse Gebilde 
nicht ohne bedeutenden Aufwand von organischen Stoffen und Thätigkeiten 
gleichmässig auf der ganzen Körperoberfläche erzeugt werden könnten , anderen 
Theils aber auch ihre Grösse abhängig sein müsste von der Ausdehnung und 
Zahl der Federnfluren, und zwar auf die Weise, dass letztere in demselben 
Masse abnehmen, wie erstere sich ausdehnen und vergrössern. — Dies bestäti- 
gen diejenigen Vögel, welche nur sehr schmale Raine besitzen, wie z. B. die 
JJnguirostreSf die Sleganopodes (Taf. X.) und die Gattungen Buceros (Taf. VI. Fig. 
i. 2.) und Colins (ebenda Fig. 10. 11.), indem sie alle am Halse und Rumpfe 
zwar sehr viele, aber nur kleine Konturfedern haben; wogegen die mit sehr 
breiten Rainen begabten sehr grosse aber an Zahl geringe Konturfedern in ihren 
Fluren erkennen lassen. Vögel endlich, die gar keine Raine zeigen, haben ver- 
kümmerte zum Fliegen untaugliche Flügel und entweder sehr kleine Federn, 
wie Aptenodyles Linn. , oder wenn auch nicht kleine, doch sehr schmale, wie 
die Kasu are. Bei Palamedea findet sich zwar ein anderes Verhältniss, indem ihre 
Flügel noch zum Fliegen taugen, indess ist deren Federnkleid in der That eigentlich 
nicht ganz lückenlos (vergl. d. zweiten Theil, Familie der Aleciovides). 



*-^ 



m 

JD r 1 1 1 e s Kapitel. 

Von den Methoden, die Federnfluren und Raine zu beobachten. 

Die Untersuchung des Federnkleides auf die Fluren und Raine ist sehr 
leicht bei allen denjenigen Vögeln, deren Junge Nesthocker sind, und zugleieh 
ziemlich nackte Raine haben, so lange als sie noch im Neste liegen, und die 
Konturfedern in der Bildung begriffen sind, also die Raine noch nicht bedecken ; 
doch darf auch kein allgemeines Dunenkleid vorhanden sein. Da indess jene 
Art der Raine nicht immer vorkommt, oder man nicht grade Gelegenheit hat, 
so junge Vögel untersuchen zu können, so bedarf es einiger künstlichen Vor- 
richtungen, um die Federnfluren wahrzunehmen. Vorzüglich eignen sich dazu 
drei Methoden, welche sind: i) den Vogel sorgsam zu rupfen, und sich die Ta- 
schen oder Grübchen zu merken, in denen die Kontarfedern steckten; oder 
2) die Konturfedern an der Wurzel abzuschneiden und den Leib alsdann nass 
zu machen; oder 3) die Haut abzuziehen und dieselbe, nachdem sie sorgfältig 
gereinigt ist, von der inneren Seite zu untersuchen. Leicht verrathen sich bei 
der letzten Methode die Konturfedern durch die vorragenden Enden ihrer Spuh- 
len. Welche Methode man wählen soll, hängt von Umständen ab, indess ist 
es rathsam, mehrere bei demselben Vogel in Anwendung zu bringen, weil bald 
diese, bald jene, je nach der Individualität des Vogels, besser zum Ziele führt. 
Indess reicht nach äusserer Untersuchung des ganzen Gefieders, welche niemals 
unterbleiben darf, gewöhnlich die Betrachtung der inneren Hautoberfläche hin, 
und immer muss sie genügen, wenn man bloss das zum Ausstopfen für Samm- 
lungen bestimmte Fell erhalten kann. Hätte ich nicht diese dritte Methode im- 
mer angewendet, so würde es mir schwerlich gelungen sein, die Federnstellung 
bei so vielen Gattungen und Arten, und unter diesen an grossen Seltenheiten, zu 
studiren. *) — 



•) Auf die beschriebene Weise beobachtete icli nicht nur hier in Halle, sondern auch in den viel 
reicheren Museen zu Berlin, Frankfurt am Main, Leyden, Paris und Genf; deren Schätze 
mir durch die ausgezeichnete Güte ihrer Vorsteher, der Herren Lichtenstein, Cretschmar, Tem- 
minck, beider Cuvier, Geoffroy Vater und Sohn, zu Gebote standen. Reichlich unterstützten mich 
dabei die ausgezeichneten Küustler, deren Talenten und Fleiss jene Sammlungen zum grossen Theile 
ihren Glanz verdanken, namentlich die Herren Rammelsberg zu Berlin, Florenz Prevost , Pebrot 



»5 

Viertes Kapitel. 

Von der verech ied c n en Anlage der Federnfluren im Allgemeinen. 

In der Anlage der Federnfluren habe ich zwei Hauptverschiedenheiteu 
beobachtet, nehmlich dichtfiedrige Fluren (densipennae) , wie ich sie der 
Kürze wegen nenne, oder solche, deren Federn an einander gedrängt sind, und 
sperrigfiedrige (ran'pennae) , deren Federn zerstreuter stehen und durch 
grössere Zwischenräume getrennt bleiben. — Ausser den Konturfedern enthal- 
ten die Fluren immer Fadenfedern, hin und wieder auch einige Halbdunen, zu- 
mal am Rande. Aechte Dunen fehlen den Federnfluren aller vom mir alsLuft- 
und Erdvögel bezeichneten Gruppen, dagegen finden sie sich immer bei den 
"Wasservögeln zwischen je vier Konturfedern der Flur, und zwar theils ei- 
ne, theils mehrere (s. oben S. 18.). Fernere Unterschiede der Federnfluren be- 
zeichne ich durch die Ausdrücke: kräftig, wenn die Konturfedern sehr dicke 
Spuhlen haben, und schwach oder verkümmert, wenn die Konturfedern 
nur klein und unbedeutend sind. Gewöhnlich erscheinen die Fluren recht 
deutlich, wenn sie nehmlich von einer bestimmten Grenze umschrieben sind, 
aus kräftigen Federn bestehen, und von nackten oder bloss dunigen Rainen be- 
grenzt werden. Mitunter jedoch verschwinden sie gegen den Rand hin, und 
verlieren sich als schwache Fluren in die benachbarten Raine, die dann stär- 
kere Dunen oder sogar Halbdunen tragen. Durch diese Anlage, wie ich sie 
z. B. bei Buceros und Colins fand, geht das lückenhafte Gefieder allmälig in 
das ununterbrochene über. 

Auch in der Breite variiren die Federnfluren gewaltig, sintemal sie bei ei- 
nigen Vögeln, wie bei Gcdbula, Merops, Upupa und Ardea (siehe Taf. IV. und 
Taf. VIII.) ausserordentlich schmal sind; bei anderen dagegen massig breit, 
die Raine aber desto schmäler. Auch diese Art des Gefieders, wie sie bei 
den Sleganopodes und TJngiäroslres (Taf. X.) vorkommt, ähnelt einigermassen 
dem ununterbrochenen, und kann bei flüchtiger Beobachtung dafür genommen 
werden. — 



und Bibron zu Paris, sowie Linder zu Genf, Alle haben sich um diesen Theil meiner Studien ganz 
besonders veidient gemacht. 

Nitzsch Pterylographie. ,4 



m 

Diese eben angedeuteten Verschiedenheiten kommen bisweilen bei demsel- 
ben Vogel, ja selbst an einer und derselben Flur vor. Denn es giebt Fluren, 
welche theils dichtfiedrig sind, theils sperrigfiedrig ; und andere erscheinen in 
einem Theile kräftig, in dem anderen schwach. Einige haben an dieser Seite 
einen scharf abgeschnittenen Rand, an jener gehen sie fast unmerkbar in den 
benachbarten Rain über. Man findet auch Fluren, (die an einer gewissen Stelle 
sehr breit sind, im Uebrigen aber ganz schmal. 

Auf diese Weise entstehen mannigfache Formen. Zwar bilden fast alle Flu- 
ren lange, der Längendimension des Körpers folgende Streifen, die länger sind 
als breit; allein wenn sie auch bei vielen Vögeln ununterbrochen fortlaufen, so 
sind sie doch bei anderen durch wahre oder scheinbare Lücken zerrissen. Eine t 
wahre Lücke nenne ich eine Stelle in der Flur, welche gar keine Federn trägt, 
eine scheinbare oder falsche dagegen, wenn schwächere und den Dunen ähn- 
liche Konturfedern sie noch bedecken. Auch spaltet sich öfters eine Flur bloss 
der Länge nach, welche bei anderen Vögeln doppelt ist; oder eine andere ist 
doppelt da, welche gewöhnlich nur einfach vorkommt; dann wieder vereinigen 
sich wohl zwei Fluren, welche sonst getrennt zu sein pflegen; endlich dehnen 
sich Fluren aus oder ziehen sich zusammen, bald in diese, bald in jene Form. 
Es fehlen selbst Fluren, ganz oder theilweis , bei einzelnen Vögeln, die gewöhn- 
lich vorhanden zu sein pflegen. Auf diese Unterschiede muss ich in der Folge, 
bei Schilderung der einzelnen Fluren zurückkommen, daher ich hier nicht w e i~ 
ter in dieselben eingehe, überzeugt, dass jeder Leser aus den gegebenen Andeu- 
tungen schon auf eine beträchtliche Mannigfaltigkeit schliessen wird. 

Wenn nun gleich die Anlage der Fluren bei ähnlichen Vögeln mitunter sehr 
verschieden ist, oder übereinstimmender bei sehr wenig verwandten , so kann es 
doch dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, dass die Fluren sehr häufig 
nach den Familien der Vögel theils übereinstimmen, theils von einander sich 
unterscheiden, und dass man ihnen unter den Merkmahlen, welche zur Fest- 
stellung der Vögelfamilien,, oder höheren Gruppen, als tauglich angesehen wer- 
den, keinesweges die niedrigste Stelle anweisen darf. Dies erhellt schon daraus, 
dass es unter den Vögeln ganze Familien und eine Menge von Gattungen giebt, 
welche von anderen ähnlichen durch kein äusseres Merkmahl besser unterschie- 
den werden können, als durch die Gestalt und Bildung ihrer Federnfluren. 



Beispielsweise erwähne ich nur die Nachtraubvögel, die Passerinae, Ma- 
crockires, Columbinae, Gallinaceae, Ilerodii, die Limicolae; und von den Gat- 
tungen einige, statt der sehr vielen, nehmlich: Rhynchodon Nob. (die Edelfal- 
ken enthaltend), Pandion, Hybris Nob. (Strix flammea und Verwandte), Cin- 
clus 9 Ocypterus, Merops , Galbula, Cuculus, Prodotes (Indicalor Cuv.) , Colius, 
Pavo, Otts, Psophia. 

Ist dagegen die Anlage der Federnfluren innerhalb gewisser Vögelfamilien, 
wie z. B. der Cuculinae, Lipoglossae und Amphibolae, wenig übereinstimmend 
und kaum brauchbar zur Aufstellung eines allgemeinen Familien Charakters; so 
findet man dafür die Gattungen nach der Anlage der Federnfluren desto besser 
unterschieden. Wenn aber ein sehr bestimmter Familientypus der Federnfluren 
aultritt, wie bei den Gruppen : Passerinae, Limicolae, Longipennes, Sleganopodes 
und Unguirostres, so verschwinden Gattungsunterschiede wenn auch nicht ganz, 
doch mehr und mehr. So haben unter den Passer inen einige Gattungen eine 
auf dem Rücken gespaltene Rückgratflur, die meisten dagegen eine einfache; 
gewöhnlich bildet sie sogar an dieser Stelle eine Erweiterung, die bei den mei- 
sten Gattungen eine rhombische Form hat, bei einigen jedoch eine elliptische, 
seitlich abgerundete ödes fast kreisförmige. Bei wieder anderen Gattungen ist 
der vordere, vor der Erweiterung befindliche, Theil der Flur breiter als der» 
hintere; oder es verhält sich umgekehrt. Von den Unterfluren ist in dieser Fa- 
milie zu erwähnen, dass sie sich auf der Brust etwas erweitern, dagegen bei 
vielen Gattungen ebenda einen bald grösseren bald kleineren Ast ausschicken. 
Bei Oriolus und anderen Gattungen verschwinden eben diese Fluren am Innen- 
rande, während sie bei den meisten dort sehr kräftig sind. Nur bei der Gat- 
tung Cinclus finden sich in dieser Familie Dunen zwischen den Konturfedern, 
und auch gewöhnlich auf den Rainen. *) Bei Ocypterus (Taf. III. Fig. 4.) allein 
kommen endlich die merkwürdigen P uderdunenf lecke vor, von welchen 
ich später reden werde. Doch genug von solchen Differenzen. 

Die Arten einer und derselben Vogelgattung stimmen gewöhnlich in der An- 
lage der Federnfluren mit einander überein, vorausgesetzt, dass die Gattung eine 



*) Also nicht bloss in der Lebensweise, sondern auch in einem auffallenden Orgauisationsmomenl, 

4 * 



stimmt diese Gattung mit den Wasser vögeln überein. 



m 

natürliche Begrenzung hat und ihre Arten hinlänglich bekannt sind. Hat sie aber 
einen zu weiten Umfang, und enthält zahlreiche einander unähnliche Arten, so 
wird es nicht auffallen dürfen, dass auch in Hinsicht der Federnfluren Unter- 
schiede, die den Gruppen der Arten entsprechen, sich finden lassen. So sah ich 
ziemlich auffallende Artunterschiede bei den Gattungen Falco, Alcedo, Bucco 
und deren Verwandten. 

Was endlich die zahlreichen Individuen einer Art betrifft, so kommen bei 
denen nie Unterschiede in den Federnfluren vor, es seien denn geschlechtli- 
che, nach denen sich nicht bloss, wie bei Paradisea, die Federnbildung > son- 
dern auch die Stellung zu ändern scheint; wenn ich anders richtig beobachtet 
habe. (Vergleiche unten die Gattung Paradisea unter den Passerinen.) Zu- 
fällige Unterschiede dagegen sind mir niemals aufgestossen. — 



Fünftes Kapitel. 

Von den einzelnen Federnfluren. 

Nachdem ich schon früher (S. 22.) die verschiedenen, von mir beobachte- 
ten Federnfluren namhaft gemacht, und so eben ihre allgemeinen Eigenschaften 
und Unterschiede erörtert habe, gehe ich jetzt zur umständlicheren Schilderung 
jeder Flur im Besonderen über. 

I. Die Rückgrat flur (pleryla spinalls), 

Sie erstreckt sich längs der ganzen Wirbelsäule über die Mitte des ganzen 
Rückens (im Sinne des Illigerschen nolaeum) vom Nacken bis zum Schwänze, 
und wird von den Halsseiten- und Rumpfseitenrainen begrenzt. Den 
Theil derselben vom Nacken bis zwischen die Schulterblätter nenne ich den vor- 
dere n (pars anlicct) oder freien (aprica), den übrigen auf dem Rücken da- 
gegen den h i n t e r e n (postica) oder b ed eckten (lecta). Die Konturfedern des 
vorderen Theiles am Nacken und zwischen den Schultern bleiben immer frei 
sichtbar, die des hinteren dagegen werden von den zusammengelegten und an 
den Leib gezogenen Flügeln gewöhnlich bedeckt. — In ihrer Gestalt bietet die 
Rückgratflur sehr grosse Unterschiede dar. Nur bei sehr wenigen Vögeln behält 



m 

sie in ihrem ganzen Verlauf dieselbe Breite, oft aber erweitert sie sich an zwei 
Stellen, nehmlich entweder zwischen den Schultern, oder hinten auf dem Rü- 
cken, oder an beiden Stellen, und wird dann wieder schmal. Es giebt aber 
auch Vögel, bei denen sie auf dem ganzen Rücken viel breiter ist, als auf dem 
Halse. Bald ist sie ununterbrochen, bald hat sie eine wahre oder falsche Lücke. 
Diese Lücke pflegt ebenfalls an zwei Stellen, neben den genannten Erweiterun- 
gen, vorzukommen; und zwar, was der häufigste Fall ist, entweder auf der 
Grenze des freien und bedeckten Theiles , oder mehr nach hinten auf dem Rü- 
cken. Dabei erscheint die Rückgratflur unmittelbar vor der Lücke gewöhnlich 
sehr breit, dichtfiederig und kraftig, hinter derselben aber geschwächt und erst 
allmälig wieder kräftigere Federn bekommend. Ausserdem ist die Rückgratflur 
oft gespalten und enthält alsdann einen bald längeren, bald kürzeren, bald brei- 
teren, bald schmäleren Rückgratrain an denselben Stellen, wo sonst die Erwei- 
terung zu sein pflegt. Ganz eigenthümlich aber ist es, wenn eine Reihe zer- 
streuter stehender Federn die Seiten des hintersten Theiles der Flur begleitet, 
wie ich dies bei den Spechten fand. (Taf. V. Fig. 13.) 

Die besonderen Formen, welche ich an der Rückgratflur beobachtete, sind 
nachstehende : 

1) Ununterbrochen im ganzen Verlauf und kräftig, ohne bemerkbare Er- 
weiterung oder Spaltung, findet sich die Rückgratflur bei Prionites Momota und 
Epimachus superbus. Indess ist diese Form schwer von einer ähnlichen, aber 
durch eine falsche Lücke unterbrochenen Flur zu unterscheiden. 

2) Ununterbrochen längs des ganzen Rückens, in der Mitte kaum merklich 
erweitert, im Nacken dagegen schwach und etwas verkümmert sah ich sie bei 
einigen Alcedo - Arten , namentlich A, ispida. 

o) Aehnlich der vorigen, aber kräftig im Nacken und durch eine falsche 
oder wahre, weite oder kurze Lücke zwischen den Schulterblättern unterbro- 
chen. Beispiele dieser Form geben Alcedo rudis, A. mcucima, A. capen- 
sis. Bei Dacelo gigantca ist der ganze Rückentheil schwach, der Nackentheil 
aber kräftig. 

4) Ununterbrochen und kräftig, grossentheils schmal, aber auf dem Rücken 
in ein Schild oder einen Sattel von meistens rhombischer (seltener elliptischer 
oder rundlicher) Form erweitert und darauf wieder eng. So findet sich die 



ao 

Rückgratflur bei fast allen Passer inen, denen nicht die fünfte Form eigen ist; 
auch bei einer Gattung der Ku'knke, nehmlich bei Trogon, habe ich sie so ge- 
sehen. Bald ist der Theil vor dem Sattel breiter, bald der hinter ihm. Bei 
Oriolus (Taf. III. Fig. 8.) und Pardalolus ist die Ausbreitung mehr elliptisch, 
ebenso bei Trogon viridis, aber rhombisch bei Trogon glocitans (Taf. IV- 
Fig. 19.). 

5) Der vorigen Form höchst ähnlich , aber der rhombische, z. Thl. bedeck- 
te Sattel umschliesst einen inselartigen, lanzettförmigen oder rhombischen Rain. 
Eine solche Rückgratflur fand ich bei den Pa ss er inen- Gattungen Corvus, Am- 
pelis, Coracina, Eurylaimus (näsulus Taf, III. Fig. Id.), ChasmarJiynchus, Psaris, 
Plilorhynchus , Cephatopterus. (Taf. III. Fig. 10), Sericulus, Glaucopis (varians), 
Pipra, Orinus Nob. (Rupicola auctt.), Phibalura, Alcmda, Dicaeum, Edolius, 
Oxyrhynchus, Tyrannus, Arachnolheres ; und ausserdem bei der K*ik uks -Gat- 
tung Prodotes Nob. (Indicator auctt. Taf. IV. Fig. 17.) 

6) Uebereinstimmend mit der fünften Form, aber die sehr nach hinten ge- 
rückte Ausdehnung ist ein- oder zweimal durchbrochen und daher zweilappig. 
Eine solche Flur haben die Gattungen Picus , wo zwei Lücken sich finden, eine 
vor, die andere am hinteren Ende des zweilappigen Sattels (Taf. V. Fig. 15.), 
Yunx, Bucco {armillaris. Taf. V. Fig. 2.), Pogonias (sulcirostris) , wo die Schen- 
kel des gabeligen Sattels durch eine Reihe zerstreuter stehender Federn mit dem 
hinteren Theile der Flur noch verbunden sind (Taf. V. Fig. 7.), Micropogon 
{erylhropygos), wo die Lücke genau auf die Mitte des Sattels trifft (Taf. V. Fig. 5.). 
Endlich kommt diese Form auch den Passerinen-Gattungen Hirundo (Taf. III. 
Fig. 14.) und Dicaeum zu. Leicht geht sie übrigens in die vorige über, wenn 
der Anfang des hinter der Lücke befindlichen Flurtheiles gespalten ist, wie ich 
dies bei mehreren Arten der Gattung Bucco, im Sinne von Linne und Latham 
genommen, gefunden habe. 

7) Ununterbrochen und kräftig, im Nacken nur schmal, aber von den Schul- 
terblättern an erweitert und dabei nicht der Länge nach gespalten. Diese Form 
der Rückgratflur sah ich bei Phasianus, Gallus, Numida, Perdix (P. cinerea 
und P. colurnix), Cryplurus (Taf. VII. Fig. 12.) und Musophaga Paidina (Taf. 
VI. Fig. 9.). 



M 

8) Wie die vorige Form, aber der breitere Theil ist von den Schultern 
an durch einen Längsrain gespalten. Beispiele dieser Flur liefern Telrao Uro- 
gallus, Perdix javanica, Hemipodius. Bei den Tauben ist zwar dieselbe Bil- 
dung, allein die Federn am Anfange der Erweiterung oben zwischen den Schul- 
tern sind viel kräftiger, und stellen einen zweilappigen Sattel dar (Taf. VII. Fig. 2.). 
Fehlt dieser eben angedeuteten Modifikation der Längsrain, so geht sie in die 
elfte Form über. 

9) Ununterbrochen und überall kräftig, auf dem Rücken lanzettlich - elli- 
ptisch , und in dieser Erweiterung einen laugen , gleichfalls lanzettförmigen Rain 
einschliessend. Diese Form, welche, wenn sich die Erweiterung verkürzt, leicht 
in die fünfte, oder wenn der Rain bis ans Ende der Flur reicht, in die zehnte 
Form übergeht, findet sich bei mehreren Vögelfamilien; nehmlich bei den M«- 
crochires, mit den Gattungen Trochllus (Taf. III. Fig. 19), Cypselus (Taf. III. 
Fig. 17) und Hemiprocne Nob.; dann bei den Kukuks- Gattungen GalbuJu 
(Taf. IV. Fig. 8), Scylhrops, Nyctornts Nob. (Nyctibius Vieill. Taf. IV. Fig. 4), 
Phoenicophanes , Cenlropus (Taf. IV. Fig. 14), Crolophaga, Cuculus (Taf. IV. 
Fig. 12); — ferner bei Upupa (Taf. VI. Fig. 4) aus der Familie Lipoglossae ; — 
sodann bei einigen Fulicariis , als Fuiica, Rallus (Taf. VIII. Fig. 6) und Gcdli- 
nula; — endlich noch bei Dicholophus , welche Gattung ich den Aleclorides 
beigeselle. 

10) Ununterbrochen und schmal, zwischen den Schulterblättern gabelför- 
mig getheilt, aber hernach nicht wieder verbunden, so dass eine rechte und 
linke Rückenflur entsteht, welche beide bis zum Schwanz hinablaufen. Biese 
höchst merkwürdige Form fand ich nur bei Rhamphastus (Taf. V. Fig. 13) und 
Pteroglossus, Mitunter ist die Flur grade an der Theilungsstelle geschwächt, 
und erscheint dann lückenhaft. — 

11) Am Ende der Schulterblätter durchbrochen, so dass der vordere 
freie Theil durch eine theils falsche, theils wahre Lücke von verschiedener 
Grösse von dem hinteren und bedeckten getrennt wird. Der vordere Theil ist 
sehr kräftig, allmälig breiter und gabelig; der hintere aber schwächer, meistens 
schmal, und weder theilweis erweitert, noch gespalten. Eine solche Flur be- 
sitzen die meisten Raubvögel, und zwar von den Tagraubvögeln die 
Gattungen Aelos Nob. (enthält Aquila und Buleo auctt.), Circus, Mllvus, Elanus, 



wmw 

Perms (Taf. I. Fig. 4), Astur, Polyborus, Morphnus und andere mehr, welche 
ich alle in eine Gattung Falco verbinde, aber davon die Gattungen Rliynclio- 
don Nob. (Falco auctt. im engeren Sinne. Taf. I. Fig. 6) und Pandion ausschlies- 
se, dann Gypogeranus , Gypaetos (Taf. I. Fig. 2), so wie Vultur , Neöphron 
und Catharles ; letzteren dreien fehlt jedoch der Anfang des Nackentheiles. Bei 
den Nachtraubvögeln verbinden zwei aus mehreren Federnreihen gebil- 
dete Streifen die Gabel mit dem hinteren Theil der Rückgratflur (Taf. I. Fig. 
9. 10) ; und ganz dasselbe findet Statt bei Gypaetos und Pernis, doch ist hier 
jeder Streif nur einreihig, was bei den Eulen selten gefunden wird. — Eine 
ähnliche Rückgratflur zeigen noch viele Arten der Gattung Psittacus (Taf. V. 
Fig. 17), ferner Coracias (Taf. IV. Fig. 6), Opislhocomus (Taf. VI. Fig. 15), 
Eurypyga (Taf. VIII. Fig. lä), Diomedea (Taf. X. Fig. 4) und Thalassodroma. 

12) Unterbrochen, wie die vorige Form, und am Ende des vorderen Thei- 
les gabelförmig, aber der ganze hintere Theil schwach und sehr breit. 
Beispiele dieser nicht häufigen Form liefern Falco cacJiinnans und F. brachypte- 
rus (Taf. I. Fig. o). Ziemlich ähnlich ist die Rückgratflur von Phoenicoplerus 
(Taf. IX. Fig. 7). Auch schliessen sich hieran die Gattungen Crax, Penelope und 
Plerocles (Taf. VII. Fig. 4), wiewohl bei ihnen der hintere Theil der Rückgrat- 
flur so sehr erweitert ist, dass derselbe mit den Lendeufluren zusammenfliesst, 
wie es bei den Nasulae (mit Ausnahme von Diomedea , Taf. X.) und den Un- 
guirostres (ebenda) wieder vorkommt. Alsdann nähert sich diese Form der vier- 
zehnten, bei welcher aber der breite Hintertheil einen mittleren Längsrain hat, 
mithin gespalten ist. 

13) Unterbrochen wie die elfte Form, mit schmalem nicht so kräftigem, 
hinterem Theil, allein die Spaltung des vorderen Theiles erstreckt sich über 
den ganzen Nacken bis zum Hinterkopf. Diese Form sah ich nur einmal, 
uehmlich bei Scopus uihbretta (Taf. IX. Fig. 4). 

14) Unterbrochen zwischen den Schulterblättern, der vordere Theil am 
Ende gespalten und ziemlich kräftig, der hintere Theil fast der ganzen 
Länge nach gespalten, aber am Anfange mehr oder weniger geschwächt; 
dabei die äusseren Seiteu nlhnälig verkümmert, die inneren Ränder scharf ab- 
geschnitten, und das äusserste ungespaltene Ende unmittelbar vor dem Schwänze 
viel schmäler. Diese Form geht in die neunte über, und kann nicht immer ge- 



33 

nau von ihr unterschieden werden, sie findet sich häufig bei verschiedenen Vö- 
gelfamilien. Von den Tagraubvögel n haben sie die Gattungen RhyncJiodon 
(Taf. II. Fig. 6) und Pandion, von den Papageien Psillacus pullarias ; ferner alle 
Gattungen der Longipennes (Taf. IX.) unter den Schwimmvögeln, mehrere Gat- 
tungen der Sumpfvögel, namentlich Schnepfen, z. B. Oedicnemus, Charadrius 
(Taf. IX. Fig. 9), Slrepsilas, Tolanus, Tringa , Numeniiis, Ibis, Li?nosa, Recur- 
virostra, Dromas, Scolopax, Cursor ins und GlareoJa; dann einige AVass er hüh- 
n er (Fulicariae) , wie Gras, Psophia (Taf. VIII. Fig. 4), Aramus, Podoa (Taf. 
VIII. Fig. 9) und Störche (Pelargi), z. B. Tantalus , Platalea. 

15) Der vorigen Form höchst ähnlich, aber das Nackenstück des vorderen 
Theiles der Rückgratflur ist so breit, dass dasselbe mit der Kehlflur in eine den 
ganzen Hals bedeckende Befiederung verfliesst, mithin die Halsseite nraine 
fehlen. Diese Form fand ich nur bei Ciconia (Taf. IX. Fig. 2) und Colymbus 
III. (Podiceps Lath. Taf. X. Fig. II). Aehnlich ist die Bildung bei Phoenico- 
pterus (Taf. IX. Fig. 7), allein wegen des ungeteilten Dorsalstückes habe ich 
diese Gattung schon zur zwölften Form gezogen. Bemerkenswerth ist es noch, 
dass die Spaltung des Cervicaltheiles nicht erst zwischen den Schultern sichtbar 
wird, sondern viel mehr nach vorn, auf der hinteren Fläche des Halses. Daher 
laufen die beiden langen Schenkel einander parallel, während die viel kürzeren 
der vorigen Form noch recht deutlich divergiren. — 

16) Ununterbrochen, sehr breit, doch geschwächt, und am Rande des be- 
deckten Theiles vorzugsweise verkümmert, dabei im Nacken und zwischen den 
Schultern durch einen schmalen Rain der Länge nach gespalten. So findet sich 
die, Rückgratflur bei Buceros (Taf. VI. Fig. 2), den Unguiroslres (Taf. X.), fer- 
ner bei Eudytes (Taf. X. Fig. 12), Alcu (Taf. X. Fig. 14), Uria (Alle); ähnlich 
bei Procellaria glacialis (Taf. X. Fig. 2), Pr. capensis, bei Dysporus (Taf. X. 
Fig. 9) und Halieus. Bei anderen Gattungen der Steganopodes, namentlich bei 
Phaelon, Plotus und Pelecanus, ist die Rückgratflur viel breiter und fliesst mit 
den Schulter- und Unterfluren zusammen, so dass beinahe ein ununterbrochenes 
Federnkleid entsteht. 

17) Mangelhaft, indem der Nackentheil fehlt ; alsdann gehen zwei feine, zwi- 
schen den Schulterblättern verlaufende Rückgratfluren von den hier vorhandenen 
Halsseitenfluren aus und enden bald, noch vor der Spitze der Schulterblätter. 

Nifzsch Pterylographie. g 



ü^a^BBaH 



m 

Ihnen entsprechen zwei geschwächte, erst am Schwänze verbundene Dorsalstrei- 
fen. Dieser Bau findet sich bei Ardea (Taf. VIII. Fig. H) und Cancroma (Taf. 
VIII. Fig. 14); ähnlich ist die Bildung bei Otts telrax, allein Otts tarda weicht 
darin ab, dass die Halsfluren an der Kehlseite zusammenhängen, und der Dor- 
saltheil der Rückgratflur breiter, sein Mittelrain aber schmäler ist. (Taf. VIII. 
Fig. 1. 2.) 

II. Die Schulterflur (pteryla humeralis). 
Sie gehört zu den paarigen Fluren, und findet sich bei allen Vögeln in zwie- 
facher Zahl. Ihrer Anlage nach ist sie ein allermeist schmaler Streif, der von 
der Mitte der Schulter, etwas vor dem Schultergelenk., unmittelbar voii dem 
Rande der grossen Flughaut entspringt, und in schiefer Richtung über den Ober- 
arm, der Richtung der Schulterblätter parallel, fortsetzt. Vorwärts fliesst sie 
nicht selten mit dem der Schulter zunächst gelegenen Theile der gleichnamigen 
Unterflur, oder mit der Befiederung der grossen Flughaut zusammen; sonst ist 
sie ringsum von Rainen umgeben, und wird namentlich von der Rückgratflur 
durch den Rumpfseitenrain, von der Befiederung des Armes durch den oberen 
Flügelrain getrennt. Indess ändert sie doch etwas ihre Lage, und rückt bei 
einigen Vögeln näher an das Schulterblatt, oder läuft fast über die Mitte des 
Oberarms fort. Dies ist unter andern bei den Passerinen der Fall (Taf. HL), 
jenes z. B. bei den Hühnern (Taf. VII.) und Tauben. Grössere Unterschiede 
kommen indess kaum an der Schulterflur vor. Immer pflegt sie unter allen 
Fluren, diejenigen ausgenommen, welche die Schwung- und Steuer federn 
tragen, die kräftigste zu sein, besonders am hintersten Ende, wo die durch ihre 
dicken Spnhlen ausgezeichneten Achsel federn, welche sich in der zusam- 
mengefalteten Lage des Flügels oben auf denselben legen, in ihr wurzeln. In 
der Zahl, Grösse und Gedrängtheit dieser Federn sind auch die wenigen Form- 
unterschiede begründet, welche ich an der Schulterflur wahrgenommen habe. 
Kräftig und breit sah ich sie bei den Raubvögeln, zumal den Falken 
(Taf. II); bei den Reihern (Taf. VIII.), als Ardea Leuce, A. Egrclta, A. Gar- 
zetla, welchen die eigenthümlichen sehr grossen Achselfedern zukommen, und 
dann bei den Longiyenncs (Taf. IX.); — viel schwächer ist sie bei den Pas- 
ser inen und Cuculinen (Taf. III — V.); — sehr klein, aber auch sehr gross 
{Colymbus), bei verschiedenen Pygopoden (Taf. X.). Merkwürdig ist die Gat- 



35 

'■■.,"' > 

tung der Spechte (Taf. V. Fig. 15) wegen der an jeder Seite doppelten Schul- 
terflur, einer kleinen inneren und einer viel grösseren äusseren, welche beide 
in die Befiederung der grossen Flughaut übergehen. Bei einigen Vögeln, z. B. 
den Steganopodes (Taf. X.), bei Buceros und Colius , welchen eine sehr breite 
Rückgratflur zukommt, sind die Schulterfluren mit dieser verbunden, jedoch als 
eigenthümliche Fluren an der kräftigeren Federnbildung leicht zu erkennen. — 

III. Die Oberschenkel- oder Lendenflur (pleryla femoralis 

s, lumbalis). 

Gleich der vorigen beständig doppelt, nehmlich eine linke und eine rechte, 
bildet sie auf der äusseren Seite des Oberschenkels einen länglichen schiefen 
Streif von verschiedener Ausdehnung nach beiden Dimensionen, und wird von 
Theilen des Rumpfseitenraines begrenzt. Sie ändert auf mehrfache Weise ab. 

1) Schmal, einfach, gradlienigt und schief, d. h. der Mittellinie des Rü- 
ckens nicht parallel, vielmehr mit ihr in der imaginären Verlängerung nach hin- 
ten zusammentreffend. Bei dieser Anlage kann sie sein : 

a) lang, d. h. vom äussersten Ende des Sitzbeines bis zum Knie sich 
erstreckend. So zeigt sie sich bei den Gattungen Cypselus (Taf. III. Fig. 17), 
Trochilm (Taf. III. Fig. 19), Prioniles, Musophaga (s. Corythaix , Taf. VI. 
Fig. 9), Alcedo (Taf. VI. Fig. 6), Upupa (Taf. VI. Fig. 4), Psittacus (Taf. V. 
Fig. 17. 18). 

b) kurz, wenn sie weder das Knie, noch das Becken erreicht. Diese 
Form besitzt sie bei einigen E u 1 e n, bei den meisten Passerinen (Taf. III.), 
und ausserdem bei Galbula (Taf. IV. Fig. 8), Todus (Taf. IV. Fig. 10), Tro- 
gon (Taf. IV. Fig. 19), Scythrops, Micropogon (Taf. V. Fig. 4. 5), Bucco 
(Taf. V. Fig. 2), Merops, so wie bei den Gattungen Sierna und Rhynchops 
unter den Longipennes. ; 

2) Der vorigen Form ähnlich, aber das hintere Ende fliesst mit der 
Rückgratflur zusammen. Beispiele dieser Form liefern Lesiris (catarrJiactes, 
Taf. IX. Fig. 14), Procellaria (glacicdis, Taf. X. Fig. 2), Coracias (gamdiis, Taf. 
IV. Fig. 6). 

5) In der Richtung der ersten Form gleich , aber dabei so breit , dass sie 
schon am vorderen Ende mit der Rüekjiratflur zusanimenhiinjjt. Diese sei- 



-• ^.-^.-^=^J^ 



tene Anlage sah ich bei Cuculus (Taf. IV. Fig. 12) und Puffinus (obscurus, Taf- 
X. Fig. 5) 5 wo die Flur kurz ist; sowie bei den Tauben (Taf. VII. Fig. 2), 
wo sie eine beträchtliche Länge hat. 

4) Lang, grade, vorn und hinten mit der Rückgratflur verbunden, so 
dass ein scheinbar eigentümlicher Rain von ihnen beiden gebildet wird. Diese 
Form sah ich nur bei Colius (Taf. VI. Fig. 11). 

ä) Sehr breit und kräftig, so dass sie sich fast über die ganze äussere Seite 
des Schenkels ausdehnt, aber von der Rückgratflur und Unterschenkelflur voll- 
kommen getrennt bleibt. Eine solche Lendenflur haben die meisten Hühner 
(Taf. VII.), namentlich Phasianus, Gallus , Pavo , Telrao und Perdix. 

6) Schmal aber doppelt, nehmlich in einen inneren und einen äusseren, viel 
schieferen, bis zum Knie sich erstreckenden Streif aufgelöst. So sah ich sie 
bei Strix brachyolus und den Rhamphustis (Taf. V, Fig. 15). Bei den Spech- 
ten, zumal Picus viridis (Taf. V. Fig. 15), treffen die beiden sehr kurzen Strei- 
fen nach hinten zusammen, und der innere besteht nur aus einer Reihe von 
Federn, wie beide bei den Rhamph ästen. 

7) Sperrigfiedrig, die ganze äussere Seite des Oberschenkels bekleidend und 
mit der Rückgratflur völlig verbunden. Beispiele liefern die Gattungen Buceros 
(Taf. VI. Fig. 2), Phoenicophanes , Pleroclcs (Taf. VII. Fig. 4), einige Schnep- 
fen, z. B. Scolopax (Taf. IX. Fig. 10), ferner die Unguiroslres (Taf. X.) und 
Alca (Taf. X. Fig. 14). 

8) Sehr geschwächt, von der Rückgratflur weit abstehend, aber mit der 
Unterschenkelflur mehr oder weniger vereinigt. Diese Anlage zeigen die Gat- 
tungen Diomedeci (Taf. X. Fig. 4), Plolns, Dyspoms (Taf. X. Fig. 9), mehrere 
Gattungen der Pygopoden, z. B, Colymbus (Taf. X. Fig. 11), und die Gattung 
Phoenicopterus (Taf. IX. Fig. 7). 

9) Völlig fehlend fand ich sie bei einigen Raubvögeln (Taf. II.), z. B. 
Gypdelos (Fig. 2) , Folco brachypterus (Fig. 5) , Strix bubo (Fig. 9), in welchem 
Falle die Unterschenkelflur sehr kräftig ist. Bei anderen Raubvögeln findet sich 
noch ein kurzer, aus einer Reihe von Federn gebildeter Streif auf dem hinter- 
sten Theile des Oberschenkels, z. B. bei Falco apivorus (Fig. 4) und Rhyncho- 
don peregrinus (Fig. 6). Nur die Schleiereulen (Hybris, z. B. II. ßammea, 
Fig. 10) haben eine mehrreihige, kräftige, sehr schiefe Lendenflur. — 



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IV. Die Unter flur {pteryla gaslraei). 

Sie ist anfangs gewöhnlich einfach, und zerfällt erst später in eine linke 
und eine rechte. Auf der ganzen unteren Gegend des Körpers, welche Illiger 
mit dem Kunstausdruck gaslraeum bezeichnet hat, bildet sie allein das Gefieder, 
und beginnt, wenn sie nicht durch die Kehlfedern mit der gleichmässigen Befie- 
derung des Kopfes und Nackens zusammenhängt, bald näher bald ferner vom 
Kehlwinkel. Durch die Seitenraine des Halses und Rumpfes ist sie von den 
übrigen Fluren gesondert, und um wie weiter der Halsseitenrain zum Kopfe 
hinaufsteigt, um so näher dem Kopfe oder der Kehle beginnt die Unterflur. 
Gewöhnlich fängt sie jedoch entweder schon am Kinn an, wie bei den Nach t- 
raub vögeln (Taf. II-), oder sie entspringt wenigstens im Kehlwinkel, ist in 
ihrem ersten und kürzeren Theile ungespalten, theilt sich aber bald , indem sich 
der Unterrain in sie hineinschiebt, in einen rechten und einen linken Streif, wel- 
che beide getrennt und ununterbrochen auf die Brust*) übergehen, nachdem 
sie die Schulterfluren oder einen seitlichen Lappen der grossen Flughautbefiederung 
in sich aufgenommen haben, und dann über den Bauch fortlaufen, bis zum 
After oder Schwanz sich erstreckend. Auf der Brust sendet jeder Streif aller- 
meist einen äusseren seitlichen Ast ab; aber sehr selten findet sich schon früher 
ein zweiter Ast, der zum Gabelbein hingeht, wie bei Galbtila (Taf. IV. Fig. 7). 
Man kann daher an der Unteröur gewöhnlich drei Theile recht gut unterschei- 
den, nehmlich: i) den Kehltheil, welcher am Halse sich befindet; 2) den 
Rümpft heil (p. Ihoracogastrica) , welcher sich über Brust und Bauch erstreckt; 
und 3) den Asttheil oder äusseren Zweig, den ich bisweilen auch Seiten flur 
(pt. lateralis) nenne, welcher auf der Seite der Brust neben dem Rumpftheil 
liegt, und die allermeist grösseren öfters gedrängt stehenden Federn aussendet, 
auf denen die zusammengeschlagenen Flügel ruhen. Der innere Ast endlich 
entspringt, wo er vorkommt, aus dem untersten Ende des Halstheiles, und ist 
immer nur kurz. 

Die Unterflur bietet nach den Gruppen der Vögel nicht wenigere und nicht 
minder bemerkenswerthe Unterschiede dar, als die Rückgratflur. Sie beziehen 
sich auf die Breite, die Gedrängtheit der Federn, auf die Richtung und auf die 



*) Brust nenne ich die ganze Körpergegcnd über dem Brustbein. 



38 

Gestalt. Besonders mannigfach ist die Anlage des Asttheiles, denn bald kann 
man ihn deutlich genug unterscheiden, wegen der bestimmten Trennung vom 
Rumpftheil, bald ist er mit diesem verbunden und nur am Ende frei. Dabei 
ist er bald lang, bald kurz, bald breiter als der Rumpftheil, bald ebenso breit, 
bald endlich schmäler. Seiner Gestalt nach sah ich ihn sowohl lanzettförmig 
und zugespitzt, als auch abgestutzt oder abgerundet. Bei einigen Vögeln, z. B. 
den Gattungen Coracias, Bliamphastus (Tai. V. Fig. 12), Strix (Taf. II. Fig. 8) 
und bei den Falken, wird er hakenförmig, indem er einen linienförmigen, von 
der Lebergegend bis zum Arm sich erstreckenden Streif aussendet. Diese Linie 
scheint auf die innere Flughaut, in den von Mühring benannten falschen 
Flügel («/« notha), überzugehen. Bei wenigen Vögeln kehrt der Asttheil nach 
hinten in den Rumpftheil zurück und bildet so einen inselförmigen Rain, wel- 
cher von der Unterflur umschlossen ist (z. B. bei Centropus Taf. IV. Fig. 13). 
Es fehlt aber auch der Asttheil sehr vielen Vögeln. Alsdann erweitert sich der 
Rumpftheil auf der Brust, und zwar entweder so, dass sein äusserer Rand ganz 
grade bleibt, ohne Spur eines Winkels oder einer seitlichen Hervorragung; oder 
so, dass er in der Gegend, wo das Knie liegt, welche Gegend ich mit dem Na- 
men Kniehafen (lalibulum geniculi s> cruris) belege, plötzlich unter einem 
stumpfen Winkel sich verschmälert. Eine solche Erweiterung ist eigentlich ei- 
nem nicht abgetrennten , vielmehr in seinem ganzen Verlauf mit dem Rumpf- 
theile verbundenen Aste gleich zu achten. — Im Uebrigen ist die Unterflur fast 
immer ununterbrochen; selten fand ich eine falsche (z.B. bei Nyctornis grandis 
Taf. IV. Fig. 3) oder wahre (Ardea stellaris Taf. VIII. Fig. 10, Scopus umbretla 
Taf. IX. Fig. 3) Lücke , die entweder am Ende des Kehltheiles , oder am An- 
fange des Asttheiles gelegen war (z. B. bei Gypaelos barbatus Taf. II. Fig. 1). 
Folgende Hauptformen habe ich noch an der Unterflur beobachtet: 
1) Ohne äusseren Ast, sperrigfiedrig, schon an der Kehle durch einen schma- 
len Rain in einen linken und rechten Streif getheilt, von denen sich jeder statt 
des Astes auf der Brust sehr erweitert, dann plötzlich in der Kniegegend ver- 
schmälert und nun sich gleich bleibt. Eine solche Unterflur haben einige Tag- 
raubvögel, z. B. Gypaelos (Taf. II. Fig. 1), Falco ecaudalus Daud., bei wel- 
chem ein innerer oder Kehlast vorkommt, und die Geyer alle, denen indess 
der Kehltheil fehlt, wegen des nackten Halses, mit Ausnahme von Neophron, 



89 

wo er fast vollständig ist; ferner die Gattungen Buceros (Taf. VI. Fig. 1), Po- 
gomas (sulcirostris Taf. V. Fig. 6), Ciconia und die übrigen Pelurgi (Taf. IX.), 
Phoenicopterus (Taf. IX. Fig. 6) und Fulica (Taf. VIII. Fig. 8). Bei Gallinnla 
chloropus findet man zwar eine ähnliche Bildung, allein der Bruststreif ist schmä- 
ler und zeigt die Spur eines Astes. 

2) Aehnlich der vorigen, breit oder sehr breit, aber der Pmmpftheil sendet 
in der Gegend vor dem Kuiehafen einen kurzen Ast ab , und ist hinter diesem 
nicht viel schmäler. Beispiele dieser eigenthümlichen Form liefern Procellctria 
{glticialis, Taf. X. Fig. 1. und capensis) , Puffinus (obscurus), Diomedea, bei 
welcher der Streif sehr breit ist und der Einschnitt hinter dem Ast tief; ausser- 
dem die Unguiroslres (Taf. X.) , bei welchen diese Flur die grösste Breite hat, 
und kaum getheilt, der Einschnitt aber unmerklich ist. — 

3) Ohne Ast, überall sehr breit, am Halse kaum getrennt, erst oben auf 
der Brust von einem schmalen Unterrain gespalten. So finde ich die Unterflur 
bei Dyspor us (Taf. X. Fig. 8) und den andern Steganopo den. . 

4) Ohne Ast , schon an der Kehle deutlich und getheilt , an der Brust brei- 
ter, aber ohne plötzlich abgesetzte Erweiterung nach aussen, und nach hinten 
allmälig verschmälert. So zeigt sie sich bei Cypselns und Trochilus (Taf. III.); 
ähnlich ist sie bei, den ächten Cuculinen und bei Plerocles^ indess bei beiden 
breiter auf der Brust und am Innenrande geschwächt. 

5) Ohne Ast, erst auf der Brust unterscheidbar (indem das Gefieder des 
Halses lückenlos ist) und hier in einen rechten und linken Streif getheilt, wel- 
che beide am Anfange sehr breit sind und sich nach hinten allmälig verschmä- 
lern , ohne die Spur eines Astes oder einer abgesetzten Erweiterung an sich zu 
haben. So sah ich sie bei Opislhocomus crislatus. 

6) Ohne Ast und sehr abweichend, nehmlich am Halse und der Vorderbrust 
zu einem lückenlosen Gefieder verbunden, auf der Brust dagegen in 4 Streifen 
getheilt , welche bis zum Schwanz hinablaufen und 3 Raine umschliessen (den 
einen in der Mitte , 2 nach aussen daneben). Die äusseren Streifen sind auf der 
Brust bis zum Kuiehafen nach aussen erweitert, dann verschmälert; die inneren 
dagegen zeigen sich überall linienförmig und schmäler als die äusseren. Diese 
in der That einzige Anlage sah ich bei Otts tarda (Taf. VIII. Fig. i) und ähnli- 



'».- , ■ '"- \iwm—m^—^-mm^^\ i i u I 



40 



chen Arten; bei Oft\s tetrax sind dagegen die inneren Streifen höchst geschwächt, 
sperrigfiedrig und unvollkommen , oder wiederum getheilt. 

7) Mit undeutlichem Ast, schmal und schon an der Kehle beginnend, aber 
durch einen Mittelrain getheilt, welcher besonders an der Brust und am Bauch 
breit ist; der Seitenast gar nicht, oder nur am Ende etwas abstehend, und hier 
grade abgestutzt. Eine solche Unterflur zeigen die Passer in eh (Taf. III.) und 
die Gattungen: PhoenicopJwnes (viridirufus) , Trogon (viridis, glocitans Taf. 
IV. Fi«*. 18), Prodoles (Taf. IV. Fig. 16), Prionites, Capito (melanotis, Tama- 
tia , Taf. V. Fig. 9) und Monastes (fitscus). 

8) Mit undeutlichem Ast, der vorigen Form ähnlich, aber mit einer wahren 
Lücke am Ende des ungespaltenen Kehltheiles ; dieser enthält sehr grosse Federn 
und bekleidet eine hängende wammeuartige Hautfalte. Diese merkwürdige 
Bildung findet sich bei Coracina cephaloptera (Cepludopterus ornalus Geoffr., 
Taf. III. Fig. 9). 

9) Mit doppeltem Ast, überall sehr schmal, schon an der Kehle deutlich 
und in einen linken und rechten Streif getheilt, mit eingeschobenem breitem 
Mittelrain; der äussere Ast ist sehr kurz, fast senkrecht gegen den Stamm ge- 
stellt, und entspringt neben dem Kuiehafen; der innere längere Ast dagegen 
verläuft längs dem Gabelbein und geht vom unteren Ende des Halstheiles aus. 
Diese Form sieht man bei der Gattung Galbula (Taf. IV. Fig. 7). 

10) Höchst ähnlich der vorigen Form, aber ohne inneren Ast. So kommt 
sie bei Merops (viridis, nubicus) vor; ziemlich dieselbe Anlage hat auch Cora- 
cias (wovon Colaris nicht gut generisch getrennt werden kann, Taf. IV. Fig. 5), 
aber der äussere Ast ist etwas länger, fast hakig, und der Hauptstamm von der 
Brust abwärts geschwächt. 

11) Mit einem Ast, schmal aber kräftig, oft schon von der Kehle an deut- 
lich abgesondert und bald darauf in einen linken und rechten Streif gespalten, 
welche beide den breiten Mittelrain umschliessen. Der Rumpftheil linienför- 
mig, geschwächter; der Ast deutlich, lang, dichtfiedrig, weiter abstehend, am 
Ende abgestutzt, mitunter hakenförmig. Diese Form der Unterflur haben viele 
Pvaubvögel (Taf. II.), namentlich die Falken, bei denen sich unten am Hals- 
theil wohl ein Einschnitt, ähnlich einem Innenaste, bemerkbar macht, und Eu- 
len. Ferner die Gattungen Picus (Taf. V. Fig. 14), Yunoc , Pogonias (senega- 



41 

lensis, unidenlatus, aber nicht sulcirostris) , Micropogon (erylhropygos , cayen- 
nensis) , Bucco (armillaris, roseicollis und ßavifrons Taf. V. Fig. 1). 

12) Mit einem Ast und der vorigen Form ähnlich, aber überall sperrigfie- 
drig und geschwächt; der Ast ziemlich lang, stumpf und am Innenrande un- 
deutlich abgegrenzt. Diese Bildung findet man bei Papageien, doch mit dem 
Unterschiede , dass bei einigen Arten, wie Psilt. galeritus und pertinux, der äus- 
sere Ast sehr deutlich abgesondert ist, bei anderen dagegen, wie bei Ps. hae- 
matodes , pullarius und Erithacus , mit dem Rumpftheil grössten Theils ver- 
wachsen, indem sich zwischen den Ast und den Hauptstamm eine geschwächte 
Befiederung eingeschoben hat, welche dieser Form grosse Aehnlichkeit mit der 
ersten giebt. 

13) Mit einem Ast , wie die elfte Form , doch der Ast lang oder massig 
lang, deutlich abgegrenzt, stumpf, dichtfiederig ; dabei erscheint der Rumpftheil 
geschwächt, nach hinten erweitert, und seinem Nachbar besonders an der Brust 
genähert, weshalb denn der Unterrain schmäler ist, aber doch bis fast zur 
Kehle hin sich erstreckt. Eine solche Unterflur sah ich bei den meisten Schne- 
pfen (JLimicolae s. Scolopacinae) , nehmlich bei Numenius, Charadrius , Tritt» 
ga 9 Scolopax (rusticola, wo indess die Theilung erst unten am Halse anfängt); 
ferner bei den Fulicarien, als Grus (cinerea), Psophia (crepitans f welche 
die schmälsten und einander zumeist genäherten Bruststreifen besitzt ; Taf. VIII. 
Fig. 5), Rcdlus und Crex (Taf. VIII.). Aehnlich ist auch die Unterflur der Lon- 
gipennen, allein bei einigen grösseren Arten, z. B. bei Lestris catarrhactes 
(Taf. IX. Fig. 13), ist der Bruststreif so breit und der Ast so kurz und schmal, 
dass diese Bildung mehr mit der zweiten Form, wie wir sie bei Diomedea ge- 
funden haben, «hereinkommt. 

14) Mit einem Ast, breit, überall kräftig und dichtfiedrig, von einem schma- 
len Rain gespalten; der Ast lang, am Ende abgerundet, durch eine schmale 
Spalte von dem Bruststreif, dem er parallel läuft, gesondert. So sah ich die 
Unterflur bei Uria. 

13) Mit einem Ast, schon am Halse deutlich und in einen linken wie rech- 
ten Streif getheilt, von denen jeder auf der Brust einen sehr grossen, breiten, 
spitzen, lanzettförmigen Ast aussendet; der Bruststreif dagegen sehr schmal oder 
ganz geschwächt, durch eine wahre oder falsche Lücke von dem Ast geson- 

Nitzsch. Pterylographie. Q 



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42 



dert. Diese Form findet man besonders bei Hühnern (Taf. VII.)* aber nicht 
bei allen. 

16) Mit einem Ast und schmal, der Ast recht deutlich abgesondert, aber 
gekrümmt und nach hinten wieder mit dem Stamm vereinigt, so dass er mit 
ihm einen inselartigen Rain umschliesst. Diese sonderbare Form der Unterflur 
fand ich bei den Schleiereulen (Hybris N Taf. II. Fig. H), bei Crotophaga, 
Coccygius (Guira) und Saurothera (Cuculus viaticus Licht.). Aehnlich ist sie 
auch bei Scythrops (Taf. IV. Fig. 15), denn der inselförmige Rain jener Gat- 
tungen ist hier mit einzelner stehenden Federn bedeckt, also geschwächt. 

17) Unregelmässig, insofern der Halstheil fehlt und theils die Halsseitenflu- 
ren, theils der Nackentheil der Rückgratflur, seine Stelle einnimmt. So besteht 
denn die Unterflur bloss aus einem schmalen, astlosen oder verästelten, vom 
Nachbar durch einen breiten Unterram weit getrennten Rruststreifen , welcher 
nach vorn mit der Schulterflur und der Rückgratflur verbunden ist. Diese ganz 
eigenthümliche Bildung habe ich bloss bei den Reihervögeln (Erodii) ge- 
funden. Es sind übrigens die Bruststreifen von den Halsseitenrainen bald durch 
eine falsche Lücke getrennt, wie bei Ardea slellaris, minuta, scapularis und 
Cancroma cochlearia, bald dagegen mit ihnen verbunden; so bei Ard. cinerea, 
purpnrea und den übrigen sogenannten dünn halsigen Reihern. Einen voll- 
ständigen Ast fand ich nur bei Cancroma, bei Ardea fehlt er ganz oder ist sehr 
unvollkommen (Taf. VIII. Fig. 10. 12. 13.). 

V. Die Halsseiten flur (pteryla colli lateralis). 

Nur bei wenigen Vögeln, nehmlich den eben erwähnten Reihern und der 
Trappe (Otis tetrax), findet sie sich', und^zwar doppelt, eine linke und eine 
rechte. Eigentlich bildet sie gar keine besondere Flur, sondern entsteht aus der 
Vereinigung der Rückgrat- und Unterflur, wenn beide durch einen breiten Rain 
in ihrer ganzen Länge getheilt sind, ein Halsseitenrain aber fehlt. Bei den 
dünn halsigen Reihern gehen daher diese Halsseitenfluren ohne Unterbre- 
chung sowohl in die Rückgratflur, als auch in die Unterflur jeder Seite über ; bei 
den dick halsigen (Butaurus) dagegen, wenigstens bei Ardea stellaris } ininu» 
ta und scapularis, sind sie von beiden durch eine falsche Lücke gesondert 
(Taf. VIII.). Bei Ardea nyeticorax und bei Cancroma schwebt die Bildung zwi- 



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sehen beiden Formen in der Mitte; denn bei diesen setzen sich die Halsseiten- 
fluren bloss in die Rückgratflur fort, nicht in die Bruststreifen der Unterflur. 
Bei Cancroma sind sie überdem am Ende des Halses auf eine eigentümliche 
Weise verbunden, und umschliessen mithin einen Halsmittel rain. 



Die bisher betrachteten Fluren verdienen diesen Namen vorzugsweise, und 
ihre Schilderung, glaube ich, würde zur Darstellung der verschiedenen Arten 
des lückenhaften Gefieders genügen, indem die übrigen Fluren des Kopfes, der 
Flügel und des Schwanzes allermeist aus einem kaum oder gar nicht unterbro- 
chenen Gefieder zu bestehen pflegen und keiner weiteren wortreichen Beschrei- 
bung bedürfen. Wem jedoch eine gleichartige Benennung mehr gefallen sollte, 
der mag immerhin auch diese Theile des Gefieders Fluren nennen; alsdann 
aber müsste er den schon erwähnten noch die nun folgenden hinzufügen. — 

VI. Die Kopfflur (pteryla capitis). 
Sie bekleidet gewöhnlich alle Gegenden des Kopfes, und geht unmittelbar 
in die Rückgrat- und Unterflur über, so dass diese beiden gleichsam aus ihr 
entspringen. Ist aber der Halsseitenrain erst tiefer am Halse sichtbar, so kann 
man die Kopfflur auch als auf den Hals fortgesetzt betrachten. 

VII. Die Flügelflur {pteryla alaris). 
Sie ist doppelt, eine für jeden Flügel und umfasst alle an ihm haftenden 
Federn, nur diejenigen ausgenommen, welche die Schulterflur bilden. Es ge- 
hören also zu dieser Flur die am hinteren Rande des ganzen Flügels, von der 
Zehenspitze bis zum Ellenbogen, sitzenden Schwungfedern (remiges); die an 
der Innenfläche des Unterarmes in 1 — 5 Reihen herablaufenden Arm federn 
(pteromata)', die Flügeldeckfedern (tectrices) oder Flughautfedern der obe- 
ren Seite und der oberen Armfläche; der am Daumen sitzende Afterflügel 
(alula spuria) , so wie auch der obere und der untere Nebenflügel (p«- 
raplerum super ius et inferius, oder jener parapterum, dieser hypopterum von 
mir genannt*), zwei Federnreihen, von denen die eine am hinteren Rande des 



*) Möhring naunte diese Nebcnflügel, welche Jlliger merkwürdiger Weise mit den Achselfe- 
dern verwechselle, alae nothae. Der untere Nebenflügel wird übrigens von einer Reihe flacher Federn 

6 * 



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Oberarms, die andere an der Innenfläche desselben angebracht zu sein pflegt. 
Ferner enthält die Armflur das Gefieder der grossen Flughaut, besonders den am 
Rande derselben sitzenden Theil, welcher durch den oberen und unteren Flü- 
gelrain von der übrigen Befiederung getrennt ist, und an der Schulter gewöhn- 
lich in die Unter- und Achselflur übergeht. 

VIII. Die Unterschenkelflur (pteryla cruralis)- 
Auch diese Flur ist doppelt , und kommt in gleicher Form am linken wie 
am rechten Beine vor. Sie bekleidet daselbst die ganze oder grössere Ober- 
fläche desselben, und erstreckt sich bei einigen Vögeln auch auf den Lauf, bei 
sehr wenigen sogar bis auf die Zehen. Häufig ist sie überall, oder doch an der 
Innenseite des Unterschenkels, geschwächt, an der Aussenseite aber bei eini- 
gen sehr kräftig, zumal bei allen Tagraubvögeln und den ächten Kukuken 
(Cuculus). Näher wird sie noch bei Darstellung des Unterschenkelraines ge- 
schildert" werden. 

IX. Die Schwanzflur (pteryla caudae). 
Findet sich am eigentlichen Schwanz, oder den letzten Schwanzwirbeln. 
Aus ihr entspringen die Steuerfedern (rectrices) und die oberen wie un t e- 
ren Schwanzfedern (tegmina caudae superiora et inferior a) ; auch umschliesst 
sie die später noch ausführlicher zu betrachtende Bürzeldrüse. Sie nimmt 
ferner die hintersten Enden der Rückgratflur, die beiden Rumpfstreifen der 
Unterflur, auch wohl den äussersten Theil der Oberschenkelflur in sich auf. 



Will man endlich einige sehr kleine, besonders befiederte Stellen berück- 
sichtigen, so könnte man noch eine Afterflur (pteryla ani) und eine Bür- 
zeldrüsenflur (pteryla glandulae uropygii oleosae) annehmen. Erstere um- 
giebt als Konturfedernring die Afteröffnung, und findet sich am deutlichsten bei 
den Singvögeln, besonders schön bei Parus caudatus; letztere bekleidet die 
Spitze der genannten Drüse im Umfange ihrer Mündungen und besteht nicht 



gebildet, welche auf der inneren Seite des Oberarms nicht selten bis zur Brust fortläuft, oder sogar 
Ton dem Seitenast der Unferflur herkommt. Er bedeckt den unteren FJügelrain, oder, wenn er länger 
ist, auch einen grossen Theil des Rumpfscitenraines. 



45 

selten aus Doldendunen, gewöhnlich aber aus zarten Federchen", welche die 
Mitte zwischen Konturfedern und Duuen halten, dem Lichte aber niemals aus- 
gesetzt sind. 



Sechstes Kapitel. 

Von den Rainen. 

Da die Raine und Fluren sich gegenseitig bilden, so ist mit der Beschrei- 
bung dieser auch die Form jener schon ziemlich vorgezeichnet; auch liess sich 
bei der Darstellung der letzteren die Berührung der ersteren nicht wohl ganz 
vermeiden. Daher habe ich hier über die Raine nur dasjenige kurz nachzuho- 
len, was bei der Beschreibung der Fluren übergangen wurde, oder sich nicht 
gut anbringen liess. 

Dass die Raine nicht von Konturfedern bekleidete, wohl aber von Kontur- 
federn oder den ruhenden Flügeln mit bedeckte Stellen der Körperoberfläche 
seien, haben wir oben (S. 21.) gesehen. Ich glaubte sie von den wahrhaft 
nackten, nicht einmal auf jene Weise bedeckten, sondern immer frei sicht- 
baren Hautstellen, unterscheiden zu müssen, und wählte so diesen Ausdruck. 
Man untersucht sie zugleich mit den Fluren und auf dieselbe Weise ; darf indess 
zu ihrer genaueren Keimtniss niemals die Beobachtung des Vogels mit noch un- 
versehrtem Gefieder versäumen, weil je vollkommner noch die Flur ist, um so 
deutlicher der Rain hervortritt. 

Hinsichtlich ihrer Bildung sind die Raine bald ganz nackt, bald von Dunen 
theils spärlich theils dicht bedeckt; letzteres zumal bei Wasservögeln. Faden- 
federn fand ich bisher auf ihnen nicht, vielleicht kommen sie dann vor, wenn 
ihr dichteres Federnkleid den Konturfedern ähnlicher ist. Solche Raine nenne 
ich falsche (apteria spuria) und bemerke, dass sie weniger genau begrenzt zu 
sein pflegen und daher auch die Unterscheidung der Fluren schwieriger machen. 
Es giebt übrigens Vögel, deren sämmtliche Raine die erwähnte Beschaffenheit 
haben, während sie bei andern entweder nackt, oder theilweis mit Duuen be- 
deckt sind. Ganz nackt, d. h. ohne alle Spur irgend einer Dunenfeder in ihrem 
ganzen Verlauf, finden sich übrigens die Raine wohl bei keinem einzigen Vogel ; 



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aber ziemlich nackt, oder fast nackt, .bei sehr vielen, z. B. Passerinen, Ma-> 
crochiren, Spechten, Kukuken, Nachtraub vögeln und Hühnern« 
Am häufigsten ist der Halssaitenrain und der Achselrain ganz nackt, wenn gleich 
an den übrigen Rainen Dunen vorkommen. Auch verändert sich der Charakter 
mancher Raine zur Brutzeit. Alsdann pflegen die an Brust und Bauch befindli- 
chen Theile der Raine sehr vieler Vögel, bei gleichzeitiger grosser Vollblütigkeit 
der Haut, ihre Dunen, mit denen sie sonst bekleidet sind, ganz zu verlieren, 
und nackte Stellen zu bekommen, welche man, nach Faber's Vorgange, Brut- 
flecke genannt hat. Sie finden sich sowohl bei Weibchen, als auch bei Männ-i 
chen, je nachdem beide abwechselnd, oder bloss das erstere allein, die Eier 
ausbrüten.*) 

Betrachten wir nun die einzelnen schon oben erwähnten Raine. 

I. Der Seitenhaisrain. 

Er ist eigentlich nur eine Fortsetzung des Rumpfseitenraines, und bloss der 
leichteren Schilderung wegen mit einem besonderen Namen belegt. An jeder 
Seite des Halses zwischen dem Nackentheil der Spinalflur und dem Kehltheil 



*) Die Brutflecke, welche ich zu beobachten Gelegenheit hatte, lagen meistens im mittleren Unterrain, 
oder auch im astförmigen Fortsatze der Seitenraine. Indess habe ich mich bei einigen Eulen überzeugen 
können, dass auch Konturfedern der Bebrütung wegen verlohren gehen und dadurch Lücken in den Un- 
terfluren entstehen. Faber und Brehm unterscheiden Brutflecke nach Zahl und Lage , ja wenden sie 
sogar zur Charakteristik der Vögel selbst an, allein ihre Darstellung ist ungenau und ohne Werth, da 
sie die regelmässige Stellung der Federn nicht beachten und nicht einmal angeben, ob die Brutflecke 
sich in den Rainen oder in den Fluren finden. Auch Iässt sich dies nicht aus Faber's Unterscheidung 
zwischen wahren und falschen Brntflecken (Ueber das Leben der hochnordischen Vögel. S. 136 
und 138.) abnehmen. Er giebt nur an , dass die ersteren bloss am Bauche einiger nordischen Was- 
servögel vorkämen, und von den Vögeln selbst durch Ausreissen der Federn (ob Dunen oder Konturfe- 
dern, wird nicht gesagt) gebildet würden, während die letztern auch an der Brust erscheinen, nnd durch 
Abnutzung beim Brüten von selbst entstehen. Mit Bestimmtheit habe ich die beiden Brutflecke, welche 
derselbe Schriftsteller den Phalaropus - Arten zuschreibt, zwischen dem Seitenast und dem Hauptstamm 
der Unterflur gesehen, und mich von dem freiwilligen Ausfallen der Dnnen an dieser Stelle überzeugt. 
Dasselbe dürfte auch mit den Konturfedern der Fall sein, wenn sie, wie bei den Eulen (siehe diese 
Familie) zur Brutzeit fehlen. Auch mag der Vogel die locker gewordeneu Federn sich selbst ausreis- 
sen und dadurch das Entstehen der Brutflecke befördern. 



ig 

der Unterflur aufsteigend, geht er bei den meisten Vögeln kaum über die Mitte 
des Halses hinaus, erreicht jedoch in vielen Fällen den Kopf, und endet bei den 
Eulen (Taf. II. Fig. 8. und li.) erst unmittelbar am Kinn. Am kürzesten finde 
ich ihn bei den Unguirostres (Taf. X. Fig. 7.), Steganopodes (ebenda 8. 9.) und 
einigen Sumpfvögeln, z. B. Plutalea. Er fehlt ganz bei den Reihern (Taf. VIII.) 
und Störchen (Taf. IX.), wo auf seiner Stelle die Seitenhals flur verläuft, 
während die übrige Halsoberfläche ein Rain ist. Auch bei den Vögeln mit 
ununterbrochenem Halsgefieder, wie bei Opisthocomus (Taf. VI. Fig. 12. 13.), 
findet mau ihn nicht. 

Bei allen langhälsigen Vögeln, deren Hals sich S- förmig biegt, so dass der 
Kopf bis an die hohen Schultern tritt, legen sich alsdann die letzteren in diesen 
Seitenhaisrain wie in einen Busen hinein, und diese Aufnahme der Schultern 
scheint der Hauptzweck des Raines zu sein. — 

H. Der Rumpf seitenrain. 

Kommt am häufigsten vor und trägt vorzugsweise zum lückenhaften Gefie- 
der bei. Wiewohl er der grösste von allen Rainen ist, und ihn nur der ru- 
hende Flügel bedeckt, so wird er doch wahrend des Fluges nicht sichtbar, weil 
sich die Konturfedern des Seitenastes der Unterflur auf ihn legen, oder, falls 
dieselben nur klein sind, der untere Nebenflügel ihn mit bedeckt. Am kleinsten 
ist er bei Palamedea, deren Gefieder keine andere Lücke hat, als in der Ach- 
selgegend ; gewöhnlich ist er aber sehr gross. An der ganzen Seite des Rum- 
pfes verlaufend, wird er um so breiter, je schmäler die Spinalflur ist, umfasst 
dabei den grössten Theil des Flügels und Schenkels , und setzt sich von den 
Schultern zwischen der Spinal- und Unterflur, die seine Grenze bilden, mehr 
oder weniger nach hinten fort, oft bis zum Schwänze. — Sein vorderer und 
Rückentheil, welcher zwischen der Spinal- und Unterflur liegt, geht in den Sei- 
tenhalsrain über; der unter der Achsel gelegene Theil dagegen in den unteren 
Flügelrain. Auch über die Schenkel dehnt er sich aus, deren Raine ich, da sie 
nur wenig vom Rumpfe abstehen, für Theile des Rumpfseitenraines zu halten 
mich veranlasst finde. So nimmt dieser Rain den Schenkelrain in sich auf. 
Auch umgiebt er, wie das Meer eine Landzunge umfliesst, den äusseren Seiten- 
ast der Unterflur, wo sich ein solcher findet, und trennt ihn eigentlich erst von 



dein inneren Hauptzuge der Unterflur ab. — Den Nutzen dieses Raines finde ich 
nicht bloss in der durch ihn bewirkten leichteren Beweglichkeit des Flügels, son- 
dern er dient auch zur Aufnahme des ruhenden Flügels, damit sich derselbe 
auf den Federn des Astes der Unterflur stützen könne. Daher ist überall da, 
wo die Flügel sich in der Ruhe nicht so dicht anlegen , oder nicht auf den Fe- 
dern des genannten Astes ruhen , der Saitenrain im Vergleich mit dem Umfange 
der Flügel sehr gering. Der Einsprang aber zwischen dem äusseren Aste und 
dem Hauptzuge der Unterflur scheint die leichtere Bewegung der Beine zu be- 
fördern, und auch, wie wir gesehen haben, als Hülfsmittel beim Brüten zu 
dienen. — 

III. Der Unterrain. 
Er verläuft als einfacher unpaarer Rain in der Mittellinie der Bauchseite 
zwischen den beiden Zügen der Unterflur, und beginnt an verschiedenen Pun- 
kten der Kehlgegend. Nur bei wenigen Vögeln, z. B. den Reihern (Taf. VIII.) 
entspringt er nahe am Kinn; bei den meisten bildet er sich erst auf der vorde- 
ren Hälfte des Halses, und läuft über Brust und Bauch bis zum After. Hiernach 
kann man ihn in drei Abtheilungen bringen. Der Halstheil fehlt den meisten 
Palmipeden und der Halcedo ispida fast ganz, wie überhaupt allen Vögeln 
mit ununterbrochenem Halsgefieder. Der Brusttheil differirt, wie der Bauchtheil, 
vorzüglich in der Breite , und steht in dieser Beziehung mit der Unterflur im 
Wechselverhältniss , denn je breiter diese , desto schmäler der Unterrain , und 
umgekehrt. Am breitesten finde ich ihn bei vielen Luftvögeln, z. B. den 
Accipitrinen (Taf. II.), Passerinen (Taf. III.) , Macrochiren (Taf. III.), 
den meisten Guculinen (Taf. IV.), den Pi einen (Taf. V.), und bei Upupa 
(Taf. VI. Fig 3.). Schmal ist er besonders bei den Hühnern (Taf. VII.) und 
vielen Wasservögeln, z.B. bei den Fulicarien (Taf. VIII.), Limicolen 
(Taf. IX.), Longipennen (Taf. IX.) und Nasuten (Taf.X.); doch wird der 
Bauchtheü bei allen diesen allmälig breiter. Am schmälsten fand ich ihn bei 
den Steganopoden, Unguirostren und Pygopoden (Taf.X.). Von sei- 
nem eigentümlichen Bau bei Otis (Taf. VIII. Fig. 1.), wo kein Hals- und 
Brusttheil sicli findet, und der Bauchtheü aus drei schmalen parallelen insel- 
förmigen Streifen besteht, habe ich schon früher bei der Unterflur dieses A T o- 
gels geredet. (S. S. 39.) 



49 

Was den Zweck dieses Rains betrifft, so glaube ich ihn darin suchen zu 
müssen, dass der Hals, wenn er sich zurückzieht und nun an seinem unteren 
Ende einen grossen Vorsprung bildet, dem der eben so stark vorspringende 
Kamm der Brust entgegen tritt, die Federnbedeckung, wenn sie auch an diesen 
Stellen vorhanden wäre, unverhültnissmässig vergrössern, und dadurch den Körper 
des Vogels natürlicher Weise verunstalten müsste ; statt dass es doch eher darauf 
ankam, diese hervorragenden Theile so unsichtbar als möglich zu machen, also 
sie unter dem benachbarten Gefieder zu verstecken. Dazu musste aber die Ge- 
gend des Körpers, in welcher die genannten Vorsprünge sich befinden, selbst 
federnlos sein. Zugleich mag der Unterrain wahrend des Brütens eine wichtige 
Rolle spielen, wie ich dies schon früher angedeutet habe. — 

IV. Der Rückgratrain. 

Er entsteht durch eine Längstheilung der Spinalflur, und macht dieselbe 
an den Stellen, wo er sich findet, doppelt. Sehr oft fehlt dieser Rain, oder 
wenn er vorkommt, ist er kurz, selbst inselförmig. Gewöhnlich findet er sich 
nur auf dem Rücken an den Stellen, wo sich die Spinalflur erweitert. Nur bei 
Ardea und Cancroma (Taf. VIII.) tritt er an die Stelle des sonst einfachen Na- 
ckentheiles der Rückenflur, und wird von den Seitenhaisfluren, die sich auch 
als Spinalfluren auf dem Rücken fortsetzen, begrenzt. Bei Rhamphastus (Taf. V. 
Fig. 15.) findet er sich dagegen bloss auf dem Rumpfe, nicht auf dem Halse 
und Nacken. Die übrigen Abweichungen dieses Rains lassen sich leicht aus den 
früher angegebenen Verschiedenheiten der Spinalflur erkennen. 

V. Der obere Flügelrain. 

Dieser Rain dehnt sich über einen bald grösseren bald kleineren Theil des 
Oberarms und der grossen Flughaut aus, trennt die Achselflur von den übrigen 
befiederten Theilen, und wird von den Achselfedern, welche eben die genannte 
Flur bilden, mit bedeckt. Er fehlt wohl nie, wenn nicht einigen Vögeln mit 
ununterbrochenem Gefieder, ist aber mitunter sehr klein und fast verkümmert, 
wie bei manchen Wasservögel u. Gross findet man ihn bei Luft vögeln, 
besonders bei Passer inen (Taf. III.) und Picinen (Taf. V.). 

Nifzsch Pterylographie. 7 



5Q 

VI. Der untere Flügelrain. 

Ist in der Regel viel grösser als der vorige, und verbreitet sich über den 
unteren Theil des Oberarms, der grossen Flughaut, der Achselflughaut und selbst 
des Unterarmes; wird aber nach vorn von den in diesem Rande der grossen 
Flughaut steckenden, und zu diesem Endzweck breiten und langen Konturfedern 
bedeckt. Gewöhnlich ist er eine Fortsetzung des Rumpfseitenraines und steht 
mit diesem in unmittelbarem Zusammenhange, wenn er nicht bloss auf die grosse 
Flughaut beschränkt ist. Bei einigen Vögeln, z.B. den Accipitrinen (Taf. IL 
Fig. 1.) und Wasservögeln, enthält er mitten auf seiner Fläche eine Reihe 
Konturfedern und wird von diesen mehr oder weniger versteckt; zugleich aber ver- 
schwindet er, wenn sich die Befiederung am vorderen Rande der grossen Flug- 
haut über deren Fläche mit ausbreitet. Bei vielen anderen Vögeln ist dagegen 
dieser Rain theils ganz nackt, theils von Dunen zerstreut oder dicht bedeckt. 
Am breitesten finde ich ihn bei allen Passerinen (Taf. III.), bei vielen Cu- 
culinen (Taf. IV.), bei Upupa (Taf. VI. Fig. 3.), Alcedo (Taf. VI. Fig. 5.), den 
Picinen (Taf. V.), Fulicarien (Taf. VIII.), den Erodien (Taf. VIII.) und 
anderen mehr. Indess haftet der Nebenflügel des Unterarms, wenn er zugleich 
mit diesem Rani vorkommt, in ihm selbst, und bedeckt ihn zum Theil. 

Sowohl der untere als auch der obere Flügelrain ist zur leichteren Bewe- 
gung, als auch besonders zur leichteren Einfaltimg des Flügels vonnöthen. — 

« 

VII. Der Unterschenkelrain. 

Er trennt gewöhnlich die Schenkelflur von der übrigen Befiederung des Bei- 
nes und zeigt sich als ein nackter Gürtel am oberen Ende des Unterschenkels, 
welcher sich an der Innenfläche desselben ausbreitet und sie zu überziehen pflegt. 
Bald ist er ganz oder ziemlich nackt, bald dagegen dicht mit Dunen bedeckt; 
bei den Wasservögeln pflegt er meistens sehr undeutlich und gar nicht scharf 
begrenzt zu sein, wie er denn überhaupt von untergeordneter Wichtigkeit für 
die pterylographischen Charaktere der Vögel ist. Seiu Nutzen besteht wohl be- 
sonders darin, die freie Beweglichkeit des Beines zu fördern, und vorzüglich ei- 
ne Rückwärtsbiegung desselben zu gestatten. 



51 

VIII. Die Kopfraine. 
Ausser den ganz nackten Stellen, welche am Kopfe sehr vieler Vögel •wahr- 
genommen werden, giebt es hier hei mehreren noch wahre federnlose, aber 
vom benachbarten Gefieder verdeckte Raine. Ein solcher Rain findet sich z. B. 
bei den Spechten mitten auf dem Scheitel, der Längenrichtung desselben fol- 
gend (Taf. V. Fig. 15.), und einen zweiten kleineren kreisrunden bemerkt man 
an jeder Seite daneben. Unter dem ersteren liegen die in der Ruhe aufgerollten 
Hörner des Zungenbeins. Bei Upupa epops (Taf. VI. Fig. 3. und 4.) finde ich eben 
diese beiden Raine wieder, und bei den Kakadus ist hinter der quer gestellten 
Holle ein grosser runder Scheitelrain vorhanden. Bei Coracias, Oriolus und den 
meisten, wenn nicht allen, Passerinen (Taf. III. Fig. 2. 3. 7. 9. 15.) habe ich neben 
dem Auge auch eine kleine nackte Stelle bemerkt, welche man wohl Schläfen- 
rain (apterium temporale) nennen könnte; aber der mittlere Scheitelrain fehlt hier. 
Ein verhältnissmassig grösserer Rain zeigt sich im Nacken bei Trochilus moschitus 
(Taf. III. Fig. 19.), und könnte als Nackenrain (apt. nuchale) bezeichnet wer- 
den. Derselbe ist mir nur noch bei Colitis capensis (Taf. VI. Fig. IL), aber 
in unvollkommnerem Grade, wieder vorgekommen. 



Den allgemeinen Betrachtungen, welche eigentlich mit Angabe dieser ver- 
schiedenen Raine geschlossen sind, füge ich indess noch ein Paar Data über die 
merkwürdigen Puderdunenfluren und über die Bürzeldrüse hinzu, da 
ich an keiner anderen Stelle schicklicher ihre allgemeine Schilderung einreihen 
zu können wüsste. Freilich gehören die ersteren, als Fluren, richtiger ans Ende 
des fünften Kapitels ; allein da diese Fluren nicht aus Konturfedern, sondern aus 
Dunen bestehen, auch gar nicht bei allen oder vielen Vögeln vorkommen, so 
hielt ich es für besser, sie von der Flurenschilderung auszuschliessen. Noch 
weniger scheint die Schilderung der Anal- oder Bürzeldrüse hierher zu gehören. 
Indess darf man wohl, da diese Drüse theils nackt, theils wenigstens an ihrem 
Ausgange von einem Federnkranze bedeckt ist, sie des letzteren Umstandes we- 
gen als Träger einer besonderen Flur, oder, wenn der Federnkranz fehlt, als 
mit einem eigenen Rain begabt, ansehen, und so ihre Betrachtung mit der Schil- 
derung des Vogelgefieders verbinden. Diese Gründe bestimmten mich, beide 

7 * 



5% 

Gegenstände am Schluss der allgemeinen Pterylographie einer allgemeinen Dar- 
stellung zu unterwerfen. 



Siebentes Kapitel. 

- Von den Puderdunen und ihren Fluren. 

Bei einigen Vögeln aus sehr verschiedenen Gruppen finden sich Dunen von 
merkwürdiger Bildung, deren Schaft an seinem untersten Ende niemals fertig 
wird, sondern vielmehr bestündig aus dem bleibenden Balge hervorwächst, wäh- 
rend die oberen Enden der Aeste abgestossen werden. Diese Dunen nenne ich 
Puder- oder Staüb-Dunen, weil sie fortwährend einen weissen oder bläuli- 
chen Staub aus dem oberen offenen Ende des Balges , welcher den Schaft um- 
giebt, ausschütten, der ohne Frage der trockne Rest der Flüssigkeit ist, aus 
welcher die Feder gebildet wird. *) 

Solche Dunen, die man gewissermassen für Sekretionsorgane halten konnte, 
finden sich besonders in der Hüftgegend und an den Seiten des Rückens; allein 
auch an anderen Stellen. Bei einigen Vögeln stehen sie überall zerstreut, nicht 
zu Fluren verbunden, wie bei Gypaelos barbatus, wo sie einen gelben Staub 
absondern**); ferner bei Rhynchodon subbuteo und einigen Papageien, als Psit-? 
tacus galeritus , sulphureus 9 Dufresnii, ochroeephalus , Alexandri und pondi- 
cerianus. Dagegen bilden sie bei anderen Vögeln sehr dichte Fluren, und zwar 
immer an gewissen Stellen , die nicht mit Konturfedernfluren bedeckt zu sein 
pflegen. — 

Solche bestimmt begrenzten Puderduneiifluren von übrigens sehr ver- 
schiedener Form, Zahl und Stellung fand ich bei einigen Falken aus den Unter- 
gattungen Elanus und Circus, dann bei Ocypferus, Crypturus f Eurypyga, allen 
Ardeis und bei Cancroma. 



*) Sollte dieser Staub nicht durch Zerbröckelung der Haut entstehen, welche zwischen Matrix 
und Feder liegt, und die in dem Maasse, wie letztere sich vergrössert, vertrocknet und abgestossen 
wird? Vergl. oben meine Bemerkungen über die Genesis der Federn. S. 9. Br. 

**) Später fand ich bei diesem Vogel keine wirklichen Puderdunen wieder; wenn er also welche 
hat, so sind sie es wohl nur Torübergehend. 



53 

* -- ^— 

Bei Elanus furcalus giebt es eine einfache? grosse, ununterbrochene Puder- 
dunenflur auf der hinteren Flache des Rückens und der Lendengegend , welche 
den auf den Becken wirbeln gelegenen Theil der Rückenflur, der von dem Schul- 
tertheile deutlich getrennt ist, begleitet, und nach vorne weit über ihn hin- 
aus reicht. 

Bei Elanus melanopterus und Cymindis uncinata bilden dagegen die Pu- 
derdunen zwei symmetrische Fluren auf den Seiten des Beckens, und das hiu- 
tere Ende der Rückenflur zieht sich zwischen ihnen hindurch. — Ebenso finde 
ich sie bei Circus aeruginosus, pygargus und cinerarius, nur dass jede Flur nach 
vorn in einen schmalen Streifen sich verschmiiehtifft. 

Bei Ocypterus leucorrhyncJius (Taf. III. Fig. 4.) habe ich an jeder Seite vier 
Puderdunenfluren gefunden, die in einer ganz eigentümlichen , bei keinem an- 
deren Vogpl mir vorgekommnen Weise, Fortsetzungen oder Säume von Kontur- 
federnfluren bilden. Eine von diesen liegt neben dem rhombischen Sattel der 
Rückenflur j die zweite und dritte begleiten die beiden Seiten der Schenkelflur; 
die vierte ist ein ziemlich quadratischer Anhang am Ende des Seitenastes der 
Brustflur. 

Bei Cryplurus variegatus sind die Puderdunen zwischen die Seitenfedern 
des grossen Sattels der Fiückeuflur hineingeschoben , und bilden mit ihnen zu- 
sammen eine gemischte Flur, insofern der Theil der Spinalflur vor und hinter 
dieser Stelle viel schmäler ist. (Taf. VII. Fig. 12.) 

Bei den Reihern (Taf. VIII.), bei denen allein man diese Puderduneii 
schon früher kannte, aber nicht ihrem Wesen nach begriff, finde ich immer 
zwei grosse Fluren auf dem hinteren Theile der Hüften und zwei kleinere neben 
dem Gabelbein ; nicht immer ist noch ein drittes, aus schmalen Streifen gebilde- 
tes Paar in der Leistengegend vorhanden. Alle drei Paare sah. ich bei Ardea 
cinerea, purpurea, nycticorax und ralloides; das dritte fehlte bei Ardea Stella- 
ris und ntinuta, und dürfte vielleicht den Rohrdommeln allen nicht zukommen. 

Mit den ächten Reihern stimmt Cancroma cochlearia in der Form und 
Lage der Puderdunenfluren völlig überein (Taf. VIII. Fig. 13. und 14). — Bei 
Eurypyga Helios (ebenda Fig. la.) dagegen, die ich durch Cuvier's Güte in Pa- 
ris untersuchen konnte, fand ich nur die beiden grossen Rückenfluren nach Art 
der Weihen. 



54 

Achtes Kapitel. 

Von der Bürzel driise. 

Die merkwürdige , von der Schwanzflur umgebene Drüse , welche unter 
dem Namen der Bürzeldrüse ziemlich allgemein bekannt ist, und den mei- 
sten Vögeln zukommt , wurde bisher von den Schriftstellern nur oberflächlich 
berührt, aber von Niemandem genauer bei vielen Vögeln untersucht; so dass, 
mit Ausnahme dessen, was ich selbst in den Beiträgen zu Naumann'« Naturge- 
schichte der Vögel Deutschlands und an einigen anderen Orten mitgetheilt habe, 
fast nichts Spezielles über sie veröffentlicht worden ist.*) 

Sie liegt über den letzten Wirbeln des Schwanzes zwischen den Spuhlen 
der Steuerfedern , pflegt gewöhnlich nur von der Haut, bisweilen aber von ei- 
ner Flechse, aus welcher die Schwanzhebemuskeln ihren Ursprung nehmen, be- 
deckt zu sein, und sondert die ölartige Flüssigkeit ab, mit welcher die Vögel 
ihre Federn einschmieren. 

Eigentlich besteht sie aus zwei gleich grossen Drüsenkörpern, welche bald 
mehr, bald weniger, immer aber am hiuteren Ende mit einander verbunden 
sind , und die , indem jeder Lappen nach vorn breiter und abgerundet , hinten 
schmal und zugespitzt ist , hier einen gemeinschaftlichen Ausgang haben , mit 
dem zusammen sie die allgemeine Form eines Herzens darstellen. Ihrem inne- 
ren Bau nach besteht die Drüse aus fadenförmigen parallelen, gedrängten Se- 
kretionsröhrchen , die mit blinden Anfängen beginnen und sich nach und nach 
in mehrere Stämme oder Taschen vereinen , welche entweder in eine gemein- 
same Höhle von sehr verschiedener Ausdehnung, oder unmittelbar am Ende des 
verlängerten hinteren Fortsatzes münden. **) 

Am grössten ist die Bürzeldrüse bei Wasser vögeln und denjenigen Luft- 
vögeln , welche ins Wasser gehen; kleiner bei den übrigen. Verhältnissmässig 



*) Einiges findet man von ihr in Tiedemann's Zoologie (II. 135.), Cuvier's Vorlesungen über 
vergleichende Anatomie (V. 260.) und bei Blainvtlle (de Vorganisat. des animanx I. 104.). 

**) Den inneren Bau der Bürzeldrüse des Schwans hat jüngst Joh. Müller in seiner vortreff- 
lichen Arbeit über die Drüsen (de glandularum secernent. slructura penitiori. Ltps. 1830. fol. pag. 
41. tab, IL f. 1. u. b.) genau dargestellt. 



55 

am grössten finde ich sie bei Pandion, Dysporus, Sterna und Procellaria; die 
relativ kleinste habe ich bei Ccvprimulus europaeus gesehen» 

Eine grosse Merkwürdigkeit scheint es mir zu sein, dass diese Drüse ge- 
wissen Vögeln regelmässig ganz fehlt. *) So vermisste ich sie bei allen Exem- 
plaren der von mir oftmals untersuchten gemeinen Trappe {Otts tarda) und bei 
zweien von Otis tetrax, welche bei Halle erlegt wurden. Desgleichen fehlt sie 
bei Casuarius novae Hollandiae, von dem ich zwei Stück zu Paris durch Cuvier 
zur Untersuchung erhielt, und ein drittes noch jüngst für die Hallische akade- 
mische Sammlung erworben habe; ferner bei eben so viel Stücken von Casua- 
rius indicus 9 die neulich hier in Halle starben und deren Häute nunmehr im 
zoologischen Museum der Universität aufgestellt sind. Auch die übrigen von mir 
mit dem Namen Platysternae belegten Laufvögel, wie Struthio Camelus und 
Rhea americana, haben die Bürzeldrüse nicht. Bei Aptenodytes dagegen, dem 
ich die Drüse früher absprach, ist sie vorhanden, jedoch unter sehr steifen 
Federn versteckt. Wohl aber fehlt sie mehreren Amerikanischen Papageien, 
von denen ich frische Stücke zu wiederholten Malen untersuchen konnte, z. B. 
dem Psiitacus rufirostris Illig., dominicensis, leucocephalus, oclirocephalus, Du- 
fresnii , menstruus, purpureus; was um so auffallender ist, da die meisten an- 
deren Arten, unter denen einige den erwähnten sehr nahe stehen, 'eine recht 
vollkommene Bürzeldrüse besitzen. Solche scheinbare Anomalien giebt es in- 
dessen noch mehrere, und ich erwähne von mir bekannt gewordenen den Mangel 
der Drüse bei Columba coronata und C- militari 's , so wie bei Argus giganteus, 
Vögel, deren nächste Verwandte mit derselben sehr wohl versehen sind. 

Aber auch abgesehen von diesen Ausnahmen giebt es noch manche merk- 
würdige Verschiedenheiten an dem genannten Organe. — Für eine solche Dif- 
ferenz von grosser Wichtigkeit halte ich es, ob der verlängerte Ausgang der 
Drüse am Ende mit einem Federnkranze versehen ist, oder ob letzterer fehlt. 
Immer giebt dieser Umstand einen bestimmten Gruppencharakter ab, und ist 



*.) leb sage regelmässig, und keinesweges durch Missbildung, wie es bei den schwanzlosen Haus- 
hühnern der Fall ist, von denen man bisher, so viel ich weiss, diesen Mangel allein erwähnt hat 
Vergl. R£aumuii , art de faire eclore des oiseaux dornest iques IL a. 1752. p. 332. und Tiede- 
mann's Zoologie a, a. 0. 



m 

entweder ein Familienmerkmahl , oder wenigstens ein Gattungscharakter. So 
finde ich den bemerkten Federnkranz bei allen Tagraübvögeln (mit Ausnah- 
me von Cathartes), den Picinen, Amphibolen, Psittacinen, Lipoglos- 
sen, Gallinaceen und sämmtlichen Wasservögeln; dagegen fehlt er bei 
den NachtraubYÖgeln, Passerinen, Macrochiren, Cuculinen (mit 
Ausnahme von Prodotcs s. Indicalor) und den Golumbinen. 

Mit dem Mangel und der Anwesenheit dieses Federnkranzes steht die Befie- 
derung der über der Drüse selbst gelegenen Haut in einer nahen Beziehung. 
Sie fehlt immer bei denjenigen Vögeln, denen der Federnkranz an der Mündung 
mangelt, ist dagegen im umgekehrten Falle gewöhnlich vorhanden, zeigt aber 
dann Differenzen, in so fern die Federn bald dicht stehen, bald vereinzelter, 
und dabei entweder Dunen sind, oder doch zum Theil wenigstens steifere Kon- 
turfedern. Am häufigsten und grössten habe ich solche mit Dunen vermischte 
Konturfedern bei Diomedea exulans auf der Bürzeldrüse wahrgenommen. 

In Bezug auf die Gesammtform der Drüse finde ich folgende Hauptunter- 
schiede : 

Ziemlich dreieckig bei Vxütur leucocephalus , Falco Milvus , Lantus 
minor und den meisten Passerinen. 

Wahrhaft herzförmig, also nicht länger als breit, bei den meisten 
Tagraubvögeln, bei Strix Nyclea und ßammea, bei Cypselus apus , Picus viri- 
dis, Yunx torquilla, Musophaga Paulina, Alcedo ispida, Oedicnemus crepi- 
tans , u. a. m. 

Länglich herzförmig bei einigen Eulen, wie Slrix aluco, St. Olus, 
bei unsern Tauben und bei Scolopax ruslicola. 

Stumpf herzförmig, nehmlich vorn zweilappig, hinten abgestutzt, bei 
Ciconia, Larus 9 Sterna und Halieus- 

Tief zweilappig, indem die beiden Hälften weit getrennt sind und erst 
am Ende verbunden, bei Cuculus, Coccygius, Picus marlius, Psitlacus Aracanga 
und Ararauna , bei den Enten und einigen Sä getan ehem. 

Quer nieren form ig bei Sturnus, und ziemlich ähnlich bei vielen ande- 
ren Passerinen. 

Sehr breit, nehmlich quer elliptisch, bei Tetrao telrix. 



gl 

Herzförmig elliptisch, länger als breit, bei Perdix coturnix, Dyspo- 
rus bassanus und Pelecanus crispus. 

Es giebt übrigens Formen, welche zwischen den genannten die Mitte hal- 
ten, so wie Abweichungen bei verschiedenen Individuen derselben Art, welche 
auf Verschiedenheiten des Alters, des Geschlechtes, oder der individuellen Anlage 
zu beruhen scheinen. 

Dick und gewölbt ist sie gewöhnlich bei den Wasservögeln, doch bei 
manchen auch platt, am plattesten bei Dysporus, 

Beinahe aufgerichtet, so dass bloss der hintere Theil auf dem Schwänze 
liegt, finde ich sie bei Strix flammen und Caprimulgus europäeus» 

Manchmal ist der Ausführimgsgang nicht deutlich von der Drüse geschieden, 
sondern geht vielmehr, sich nach vorn verdickend, allmälig in sie über; an- 
derswo ist er dagegen schon gleich anfangs sehr dünn und vom Körper der 
Drüse leicht unterscheidbar. Diese letztere Form finde ich bei allen Passerinen, 
dann bei Upupa, wo der Ausgang einen hohlen, ziemlich birnförmigen Körper 
bildet, bei einigen Hühnern, Enten und bei Scolopax rustlcola; jene erstere 
ist die gewöhnliche bei allen übrigen Vögeln. Dabei pflegt der Gang in der Re- 
gel durch allmälige Verlängerung der beiden Drüsenhälften nach hinten zu ent- 
stehen, doch geht er auch von der hinteren Oberfläche der Drüse aus, und es 
ist dann der Körper der Drüse am Grunde des Ganges mehr oder weniger in 
die Höhe gezogen, wie ich das bei den Passerinen, bei Tetrao, Perdix und Co- 
lymbus gesehen habe. 

Bei Dysporus und Pelecanus fehlt ein solcher Fortsatz ganz, vielmehr finde 
ich hier* an jeder hinten abgestutzten flachen Drüsenhälfte vor dem Endrande 
eine besondere Oeffhung, welche bei Dysporus einfach ist, bei Pelecanus aber 
aus mehreren Löcherchen besteht. — Uebrigens ist auch in dem Fall, wo der 
bemerkte Fortsatz nicht fehlt, die äussere Oeffhung doppelt, und jede Drüsen- 
hälfte hat ihre besondere Mündung. Gewöhnlich lassen sich beide recht gut 
von einander unterscheiden; aber bei den Passe rinen, Eulen und überhaupt 
wohl allen Vögeln , deren Ausgang keinen Federnkranz hat , sind sie so klein 
und so dicht an einander gerückt, dass man sie nur mit Mühe wahrnehmen 
kann. Bei Upupa epops, wo, wie ich schon erwähnte, der Ausgang birnför- . 
mig gestaltet ist, hat derselbe in der That nur eine einfache Mündung; allein 

Niizscli Pterylograpbie. JJ 



53 

in den Grund seiner ziemlich weiten Höhle *) ergiesst jede Drüsenhälfte ihr 
Sekret durch eine besondere Oeffnung. Ob es ausser diesem Vogel noch Falle 
der Art giebt, weiss ich nicht, gewiss aber sind sie selten; denn bei vielen, bei 
denen ich anfangs nur eine einfache Mündung zu finden glaubte, habe ich spä- 
ter bei genauerer Untersuchung zwei freilich kleine, aber dennoch gut unter- 
scheidbare Oeffnungen erkannt. 

Dass mehrere äussere Oeffnungen an jeder Drüsenhälfte vorkommen, habe 
ich schon oben von Pelecanus erwähnt. In der That ist dies der gewöhnliche 
Fall bei den Wasservögeln, die einen kurzen, dicken, von Federn bekränzten 
Ausgang besitzen, wie die Pelargi, Longipennes, Dioniedea, Vria und Alca* 
Bei Ciconia alba, C. nigra und Diornedea exulans sind an jeder Drüsenhälfte 
5 in einen Bogen gestellte Mündungen vorhanden; bei Grus cinerea, Slerna hi- 
rundoy Lesiris catarrhactes und Vria troile finde ich daselbst nur drei, die bei 
den zwei zuletzt genannten in einer Grube liegen ; bei Tantalus Ibis bilden zahl- 
reiche Oeffnungen an jeder Drüsenhälfte einen geschlossenen Kreis, und an der 
sehr grossen Drüse von Pelecanus crispus liegen die je sechs Oeffnungen in 2 
parallelen Linien der Länge nach auf ihrem Rücken.**) 

In allen Fällen, wo mehrere Endöffnungen an der Bürzeldrüse vorhanden 
sind, finden sich auch ebenso viele Hauptstämme oder Taschen, in welche die k 



*) In dieser Höhle, welche durch die in ihrer Wand liegenden Spuhlen der Kranzfedern aasge- 
spannt erhallen wird, sammelt sich beim Weibchen, aber nur bei diesem, nicht beim Männchen, wel- 
ches auch nicht mit brütet, wenn es gleich die Jungen mit füttert, das anfangs gelbe, später schwarz- 
braune Sekret der Drüse an, und ist dann die Ursache des heftigen Gestankes, den der Wiedehopf 
um diese Zeit verbreitet. Es stinken ursprünglich nur die Weibchen, und die Jungen; erstere aber 
nur so lange sie brüten und die Jungen futtern, letztere so lange sie im Neste liegen, später nicht 
mehr. Sollte dieser Gestank vielleicht dazu bestimmt sein, Weibchen und Junge vor den Nachstellun- 
gen der Eaubthiere zu schützen? 

**) Joh. Müller beschreibt a. a. Orte an der Drüse des Schwans zwei grosse Oeffnungen, wel- 
che von zahlreichen kleineren umgeben wären. Diese letzteren sind jedoch keinesweges Drüsenmün- 
dungen, sondern die Löcher, in denen die Kranzfedern steckten, welche, da die Drüse in Weingeist 
aufbewahrt worden war, wie gewöhnlich in einem solchen Fall, wenn die Flüssigkeit nicht stark genug 
ist, durch die eintretende Fäulniss sich lösen und herausfallen. Der Schwan hat, wie alle Ungniro- 
stres, nur eine ziemlich weite Mündung an jeder Drüsenhälfte. 



59 

Drüsengänge münden. Giebt es aber nur zwei Endöffnungen, eine für jede Drü- 
senhälfte, so hat auch jede von diesen eine einfache Höhlung, die das von den 
Drüsengängen ergossene Sekret enthalt. Diese Höhlung zeigt wieder manche 
Verschiedenheiten. Bald ist sie eng und kurz, und geht in die Drüsenmasse so 
wenig ein, dass sie mehr eine Höhle des Ausgangszipfels zu bilden scheintj bald 
dagegen viel weiter und länger. Am grössten fand ich sie in der grossen Bür- 
zeldrüse des Fischadlers (Pandion haliaetos), wo sie selbst noch eine sehr dicke 
Wandung hat, welche von den Mündungen der zahlreichen Sekretionskanälchen 
durchbohrt wird. 

Was endlich den von der Drüse abgesonderten Stoff betrifft, so ist derselbe 
zwar immer ölartiger Beschaffenheit, aber doch verschieden nach Dickigkeit, 
Farbe und Geruch. In den meisten Fällen hat er die Konsistenz der Salbe, 
seltener gleicht er flüssigem Oel; seine Farbe ist meistens weisslich, mitunter 
bräunlich, bei Wasservögeln gewöhnlich gelb, selbst safranfarben erinnere ich 
mich ihn gesehen zu haben. In der Regel riecht er gar nicht, doch hat er auch 
häufig einen eigenthümlichen aber verschiedenen Geruch, der z. B. bei Anas mo- 
schata, wie schon Tiedemann bemerkt, dem des Moschus ähnelt. Wie sich 
übrigens in dieser Hinsicht noch manche temporäre Verschiedenheiten ergeben 
möchten, ist schon ans dem oben von Upupa epops erwähnten Beispiel zu er- 
sehen. — 

Aus diesen Mittheilungen über die Bürzeldrüse geht zugleich hervor, dass 
sie zur Bestimmung natürlicher Gruppen unter den Vögeln sich sehr wohl eig- 
ne, und dass theils ganze Familien, wie die Tagraubvögel, Passerinen, 
Columbinen, theils viele einzelne Gattungen (z.B. Cathartes, Pandion, Cin- 
clus, Upupa, Caprimulgus, Dysporus, Pelecanus) durch die Bildung derselben 
am besten und sichersten von ihren Verwandten unterschieden werden können. 



8 



Zweiter TlieiL 

Spezielle Pt erylogr aphie. 



Erstes Kapitel. 

Raubvögel, uiccipitrinae. 

Das einzige bezeichnende und allgemeine Verhältniss in der Flurenbildung 
dieser Gruppe ist die ga bei ige Spaltung und Absetzung des zwischen den 
Schulterblattern gelegenen Theiles der Spinalflur, durch welches sie wenigstens 
von den Passerinen sicher zu unterscheiden ist. Hierzu kommen noch einige 
minder charakteristische Eigenheiten, besonders die weite Entfernung der bei- 
den Uiiterflurzüge von einander, so wie die Ausschickung eines äusseren Ne- 
benastes von jeder, der gewöhnlich nur vorn mit dem Stammtheil zusammen- 
hängt. Die Lendenflur ist überall nur wenig ausgezeichnet , oder fehlt ganz; 
dafür aber desto kräftiger die Unterschenkelflur. Handschwingen giebt es im- 
mer zehn, und im Daumenfittig (ala spürüi) fand ich beständig vier Federn. 
Die Anzahl der Schwanzfedern beläuft sich bei den meisten Raubvögeln auf 
zwölf, und ist nie geringer, doch haben einige Geyer vierzehn. 

I. Tagraubvögel. Accipitrinae diurnae. 
Die wichtigsten pterylographischen Charaktere derselben bestehen in der 
Anwesenheit eines Afterschaftes an den Konturfedern, der nur bei Catfiartes und 
Pandion fehlt; in dem Vorkommen von Dunen zwischen den Konturfedern an 
den Fluren, und in der Anwesenheit eines Federnkranzes am Zipfel der Bür- 
zeldrüse, welcher jedoch merkwürdigerweise den Geiern der neuen Welt 
(SarcorrhampJms und Cathartes) wieder nicht zukommt. Es schliessen sich diese 



et 

Geier nicht bloss dadurch, sondern auch durch die Gestalt des Brusttheiles der 
Unterflur, an die Eulen, namentlich an Hybris flammen, und ein Gleiches gilt 
von Pandion, der ausserdem noch durch die Wendezehe den Eulen nahe tritt- 
Uebrigens herrschen unter den Geiern der alten Welt, denen der neuen Welt, 
und den Falken noch andere pterylographische Differenzen von ziemlicher Be- 
deutung« 

A. Geier der alten "Welt. 

Pterylographischer. Hauptcharakter derselben ist die enorme Erweiterung je- 
der Hälfte der- Unterflur -auf den grossen Brustmuskeln in einen äusseren Ast, 
der aber seinem ganzen Verlaufe nach mit dem Hauptzuge verbunden bleibt. 
Hierzu kommt die Absonderung des Halstheils der Unterflur von dem Brusttheil 
durch einen Rain , der wohl nur bei diesen Geiern gefunden wird , und dicht 
vor dem Gabelbein am Halse herabläuft. Man könnte ihn Gurgel ra in (apte- 
rium jugulare) nennen. 

I. GYPAETOS barbatus. 

(Taf. II. Fig. I. und 2.) 

Von diesem Vogel untersuchte ich zu verschiedenen Malen Exemplare im 
Fell, und zuletzt zwei (ein altes Weibchen und ein junges Männchen) vollstän- 
dige frisch aus Chur vom Gemsenjäger Georg Gutscher mir übersandte Stücke, 
deren Häute und Skelete nunmehr schöne Präparate der akademischen zoologi- 
schen Sammlung bilden. Ich fand folgende Pterylose. 

An den Federn des Rumpfes und Kopfes ist der Afterschaft ziemlich deut- 
lich, selbst an den Schnabel- und Bartborsten, die wahre Konturfedern und da- 
durch besonders merkwürdig sind, dass am Hauptschaft die Aeste fast ganz feh- 
len, während der nur wenig kürzere Afterschaft an seiner Grundhälfte recht 
deutliche Aeste trägt. — Alle Raine waren dicht mit grossen Dunen von weisser 
oder gelblicher Farbe besetzt; nur nicht der Unterrain des Weibchens, welchem, 
als Brutfleck, an Brust und Bauch die Dunen fehlten. Auch die Konturfe- 
dernfluren haben Dunen zwischen ihren Federn, aber an der zusammenhängen- 
den Befiederung des Kopfes und Halses vermisste ich sie so gut wie ganz. Dass 
diese Dunen mit einem gelben Staube, der auch an den Konturfedern des Kop- 
fes und Halses als ein hauchartiger Ueberzug wahrgenommen wird, abfärben, 



veranlasste mich , sie für Puderdunen zu halten , was sie indess nicht zu sein 
scheinen. Wahre Puderdunenfluren bilden sie gewiss nicht. 

Aus der gleichmässigen, bis auf ein Drittel der Halslänge herabreichenden 
Befiederung des Kopfes entspringen drei Fortsätze, von denen der eine als Spi- 
nalflur im Nacken bis zu den Schultern hinabläuft, und sich hier in eine breite 
Gabel spaltet- Die beiden andern gehen allmälig divergirend an der vorderen 
Halsfläche fort und umfassen deren Grund, mit ihren zugespitzten Enden sich 
einander nähernd, ein Umstand, der für Gypaelos charakteristisch ist. Die Un- 
terflur besteht aus zwei symmetrischen weit getrennten Hälften , deren Erweite- 
rung auf den Brustmuskeln sehr beträchtlich ist. Nach hinten gegen das Ende 
des Brustbeins verschmälern sie sich wieder und gehen über den Bauch bloss 
als schmale Streifen fort, die vom Endo des Beckens an sich gegen einander 
biegen und neben demAfter enden. Der hintere Theil der Spinalflur ist mit 
der erwähnten Gabel durch zwei konvergirende Reihen einzelner Federn anfangs 
verbunden, geht aber dann ununterbrochen als schmaler Streif auf den Rücken- 
wirbeln fort, und endet an der Bürzeldrüse. Ausserdem bemerkt man noch sehr 
deutlich eine breite, von der übrigen Befiederung des Arms abgesonderte Ach- 
selflur, aber keine Sckenkelflur, welche völlig fehlt. Die Flügel haben 
oberhalb eine homogene, über die grosse Flughaut gleichmässig vertheilte Be- 
fiederung; unten zeigen sich ein Paar Reihen successiv grösserer Federn am 
Vorderrande der grossen Flughaut, der übrige Theil ist ein wahrer unterer 
Flügelrain, welcher indess von einem weichen Flaum, wie alle Raine , bekleidet 
und von den Konturfedern am Vorderrande mit bedeckt wird. In diesem Rain 
liegt noch der musculus exlensor metacarpi radialis, der übrige Theil des Ar- 
mes trägt die in drei Reihen gestellten unteren Flügeldeck federn (pfero- 
tnata), welche gegen den Ellenbogen hin beträchtlich an Länge zunehmen. 
Das paraplerum inferius, oder die ala notha Möhring's, ist ansehnlich und be- 
steht aus 10 in einer Reihe innen am Oberarm herablaufenden Federn, unter 
denen die vierte vom Ellenbogen an gerechnet eine Länge von 8 Zoll hat. Das 
paraplerum superius ist klein und besteht aus 5 (in Fig. 1. links im Achselge- 
lenk angedeuteten) Federn, welche zwar genau in der Richtung der pteryla 
axillaris stehen, aber durch das apterium alare superius von ihr gesondert 
sind. — Die Anzahl der Schwungfedern ist 51 , wovon 10 wie bei allen Tag- 



63 

raubvögeln, an der Hand sitzen; die erste und fünfte sind Ton gleicher Länge, 
ebenso die drei dazwischen stehenden beträchtlich längeren. Alle fünf zeichnen 
sich vor den folgenden noch durch eine allmälig kürzere Ausschweifung der in- 
neren Fahnenhälfte aus, die besonders an der ersten sehr lang und bedeutend ist. 
Die sechste bis zehnte fallen dann schnell in der Länge ab, aber die am Un- 
terarm sitzenden sind alle von gleicher Länge; die achtundzwanzigste ist die 
Ellenbogenschwinge, die einunddreissigste sehr kurz. Die Unterschenkelflur 
hat eine beträchtliche Stärke, besonders an der Aussenseite; sie erstreckt sich 
bis auf den grösseren Theil des Laufes, welcher indess am unteren Ende wirk- 
lich nackt ist, doch von den höher stehenden Federn mit bedeckt wird. Der 
lange Schwanz steht noch ein Beträchtliches über die zusammengelegten Flügel 
hinaus und enthält zwölf stufige Steuerfedern. Die Bürzeldrüse ist nicht bloss 
am Zipfel, sondern auch auf ihrer vorderen Fläche mit dunenartigen Federn 
bedeckt. — 

2. V V L T U R. 

Von Gypaetos durch den theils ganz nackten, theils bloss mit Dunen beklei- 
deten Kopf und Oberhals verschieden, aber darin ihm verwandt, dass die beiden 
Bruststreifen der Unterflur durch eine Lücke von der unteren Halsbefiederung, 
dem Halstheil der Unterflur, getrennt sind. Dieser Halstheil ist aber ungetheilt, 
nicht, wie bei Gypaetos, zweischenkelig, und bildet ein eigenes, aus dicht an- 
gelegten flaumlosen Konturfedern gebildetes grosses Schild unten an der Gurgel. 

Durch Savignt's schöne Untersuchungen (Descript. deVEgypte T. 23. p. 231.)> 
Ist es zuerst bekannt geworden, dass die Geier zwei bestimmt unterscheidbare 
Familien bilden. Diese beiden Abtheilungen sind auch pteiylographisch von ein- 
ander verschieden. 

a. G Y P S S a v i o n i i. 

Kleiuköpf ige Geier. 
Mit kleinem, oberhalb mehr nacktem Kopf; fast senkrechten, schmalen, 
spaltenförmigen Nasenlöchern; am Rande stacheliger Zunge und vierzehn 
Schwanzfedern. — 

Aus dieser Gruppe untersuchte ich Vultur fulvus, den ich fünf Monate 
bei mir lebend erhielt, V.indicus und V- galericulatus, beide in Fellen aus der 



W^^^BWl 



m 

Lamare PreouoT'schen Sammlung. — Das wichtigste, gemeinsame pterylogra- 
phische Merkmahl ist wohl, ausser der angegebenen Zahl der Steuerfedern, die 
Anwesenheit einer sehr deutlichen, aus einer oder zwei Federnreihen gebil- 
deten Lendenflur, welche sowohl von der Unterschenkel- , als auch von der 
Rückenflur durch einen wahren Rain gesondert ist. Hierzu kommt die Verbrei- 
terung des hinteren Theiles der Spinalflur, welche auf dem Becken beträchtlich 
ist, sich aber nach vorn zuspitzt, und mit dieser Spitze zwischen die* Schenkel 
des vorderen Theiles hineinragt* 

1. V. indicus: Temm. pl. col. 26. (alter Vogel) — Kopf und Oberhals 
ganz nackt, ohne alle Federn. Konturfedern des Rumpfes statt des Afterschaftes 
mit einzelnen Flaumästen. Dunen äusserst weich und schimmelartig, mit sehr 
langen feinen schlaffen Aesten und sperrigen quer stehenden Strahlen. Doch 
sind es keine Doldendunen, sondern sie zerfallen bestimmt in zwei Schafte, die 
aber gleiche Länge haben, indess doch als Haupt- und Afterschaft zu betrach- 
ten sind. Ihre Farbe ist schneeweiss. Sie besetzen alle Raine und finden sich 
ebenfalls zwischen den Konturfedern. 

Halskrause wenig ausgebildet, aus weisslichen kurzen etw^s zerschlissenen 
Federn bestehend. Im Uebrigen nur bemerkenswerth, dass die auf den Brust- 
muskeln sehr breiten Unterfluren bei weitem nicht bis zum After reichen; dass 
die Lendenflur nur eine Reihe von 6 — 7 Federn bildet, über welcher noch eine 
einzelne Feder steht; und dass die hintere Hälfte der Rückenflur aus anfangs 
weissen später braunen Federn in 6 Reihen zusammengesetzt ist. — An den Flü- 
geln fand ich folgende Federnstellung. 

Schwungfedern sechs und dreissig, zehn an der Hand. Bei der Zu- 
sammenlegung schlagen sich alle Handschwingen unter die Armschwingen, wel- 
che nach hinten an Länge zunehmen und so weit reichen, wie die längsten 
der Hand. Die erste Schwinge so lang wie die siebeute, die zweite mit der 
fünften gleich lang , die dritte Und vierte die allerlängsten. Untere Flügeldeck- 
federn dreireihig, die hinteren gegen den Ellenbogen hin Zusehens länger, und 
so lang wie die ebenda stehenden Armschwingen. Parapterum (superius) aus 
wenigen (etwa ä — 6) grossen Federn gebildet, die von der Achselflur getrennt 
zu sein schienen; hypoplerum gross, aus etwa 10 platten Hauptfedern gebildet, 
welche von ebenso vielen platten unteren Deckfedern, die in einer Reihe vor 



6*5 

ihnen stehen, am Grunde geschützt werden. — Unterschenkelfluren bilden ä'us- 
serlich wirklich sogenannte Hosen, bestehen aber inwendig bloss aus weisslichen 
Dunen; die Läufe mit rundlichen Schuppen, welche auch auf den Anfang der 
Zehen sich erstrecken, später Schilder. Mittelzehe auffallend lang, mit den be- 
nachbarten durch eine ausgeschweifte Hautfalte verbunden. Alle Krallen stark 
und krumm. 

Schwanzfedern steif, etwas Verstössen, reichten aber doch weiter als 
die angelegten Flügel; alle ziemlich gleich lang. — 

2. V- galericulalns. Kopf und Oberhals borstig befiedert, der untere 
Theil bis zur Krause kräftiger. Halskrause deutlich, wie die Piückenhälfte der 
Spinalflur, die unteren Flügeldecken, die kleinen Flügeldecken, und die inneren 
Seiten der Schenkel weiss; ebenso alle Dunen. Konturfedern braun, mit weiss- 
lichem Schaftstrich; im Ganzen straff, mit wenig Flaum und wenig merklichem 
Afterschaft. Unter fluren fangen erst au den Schultern an, sind auf den 
Brustmuskeln sehr breit, und bestehen hier aus zerstreut stehenden Federn; später 
schmal, aus 3 Federnreihen gebildet und nicht bis zum After reichend. Nacken- 
flur stark gabelig, breit. Rückenflur beginnt schon zwischen der Gabel, und 
wird bald breiter, besteht aber aus kurzen, ziemlich vereinzelten Federn. Len- 
denflur sehr deutlich, aus zwei Reihen ziemlich grosser Federn gebildet. 

Schwungfedern sechsunddreissig , zehn an der Hand, die fünf ersten 
mit sehr deutlichem Ausschnitt der inneren Fahne und von hier an bis zur Spitze 
verschmälert ; die erste so lang wie die siebente, die zweite wie die sechste, ebenso 
die dritte und fünfte, aber die vierte etwas länger und die längste von allen. 

Schwanzfedern wohl vierzehn, doch konnte ich an diesem Exemplar 
nur zwölf entdecken. Bürzeldrüse wie gewöhnlich bei Geiern mit kurzem Fe- 
dernkranz am Zipfel. 

3. V. fulvus. Die Pterylose stimmt genau mit der von V- galericulalus 
überein, selbst in der leichten, von borstenartigen Federn gebildeten , später du- 
nigen Befiederung des Kopfes und Oberhalses. Die wahren Fluren des Halses 
fangen erst in der Federnkrause an und die der Brust sind durch einen schmalen 
Rain von ihnen getrennt. An allen finde ich nichts Auszeichnendes; auch die 
Lendenilur ist vorhanden. Die Anzahl der Schwingen ist sechsunddreissig, 

Nitzsch Pterylographie. <) 



68 

die fünf ersten haben eine sehr tief hinabreichenile Ausbuchtung der inneren 
wie äusseren Fahnenhälfte, welche von der ersten Schwinge her an Sichtbarkeit 
abnimmt, und sich ganz wie bei V, indicus verhält. In der Länge gleicht die 
erste der siebenten, die zweite der fünften, und die dritte ist etwas kürzer als 
die vierte, längste. Die Handschwingen und die ganze Hand legen sich auch hier 
in der Ruhe unter die Armschwingen und werden von ihnen bedeckt, so dass, 
da die letzten Armschwingen sehr lang sind, nur etwa ein Zoll von der Spitze 
der Handschwingen sichtbar bleibt. — Schwanzfedern sehr bestimmt vierzehn. 
Bürzeldrüse von Dunen bedeckt und daher äusserlich kaum bemerkbar; ihr Zip- 
fel kurz, breit, mit dem gewöhnlichen Federnkranz. Zwei deutliche Mündun- 
gen an ihrem Ende. — 

b. AEGYPIUS Savionii. 

Grosskopf ige Geier. 

Mit grösserem, oberhalb meistens von borstigen Federn bedecktem Kopf; 
kreisförmigen offenen Nasenlöchern; einer weiteren Ohröffnung; einer am Rande 
dickeren, erhöhten, fleischigen, glatten Zunge und zwölf Schwanzfedern. 

Von den Mitgliedern dieser Sektion untersuchte ich V- ctnereus (s. arrianus 
Temm.), V. pondicerianus , und K. angolensis Lath. , letztere beiden nur im 
Fell, und zwar diesen bloss im ausgestopften Zustande. Der vollkommene Man- 
gel der Lendenflur scheint allen eigen zu sein, und ihr pterylographisches Haupt- 
merkmahl zu bilden. Nicht minder charakteristisch ist die schmälere Form des 
Rückentheils der Spinalflur, welche auch vorn nicht zwischen die Schenkel des 
gabeligen Schultertheils hineinreicht, sondern durch zwei divergirende Reihen 
einzelner Federn mit den Enden der Gabeläste verbunden ist. In beiden Pun- 
kten stimmen diese Geier völlig mit Gypaetos überein. — 

1. V* cinereus. Kopf mit eigentümlichen sperrigen Konturfedern, die an 
den Enden der Aeste in haarfeine borstenartige Spitzen auslaufen. Am Hinter- 
kopf diese Federn länger und der Hauptschaft mit seinen Aesten aufwärts ge- 
krümmt, was an der einzelnen Feder so aussieht, als wäre sie verkehrt und der 
Afterschaft, weleher kaum ein Drittel so gross ist, süsse auf der äusseren Fläche. 
Ohröffnung von einem Federnkranz umgeben, darüber ein nackter Streif, der 
sicli nach dem ebenfalls ganz nackten Genick hinzieht. Kopfseiten auch völlig 



m 

• 
nackt. Die Kehle, oder der Raum zwischen den Unterkieferästen, mit schma- 
len langen borstenartigen Konturfedern besetzt, welche vorn bis zur pteryla fu- 
gularis sich erstrecken , und mit dieser ein Ganzes bilden. Letztere zieht sich 
an der Vorderseite des Halses hinab, allmälig breiter werdend, und bildet un- 
ten das allen Geiern eigenthümliche Schild , welches zwar von den beiden Un- 
terfluren durch einen Rain gesondert wird, allein weniger anliegend und aus- 
gezeichnet ist, als bei Gyps. — Die Spinalflur fängt höher oben, bald hin- 
ter dem nackten Genick, an, und ist gleich anfangs ebenso breit als später. Da 
wo sie auf den Rumpf tritt, spaltet sie sich in zwei weniger divergirende Aeste, 
welche , wie schon erwähnt worden , durch zwei Reihen einzelner Federn mit 
dem schmalen, drei Federn breiten Rückentheil zusammenhängen. Dieser hat 
jederseits in massigem Abstände noch eine Reihe weitläufig stehender Kontur- 
federn neben sich. Unterfluren ganz wie bei den übrigen Geiern, auch hinten 
vom After etwas getrennt. Lendenflur fehlt. Unterschenkelfluren bilden Hosen, 
aber die Federn darin nicht sehr gross. S c h u 1 1 e r f 1 u r e n sehr ausgebildet, nach 
hinten breiter und dichtfiederig , nach vorn mit der Unterflur innig verbunden. 
Da wo diese Verbindung ist, stehen an der Achselhöhe mehrere längere etwas 
nach vorn und oben gekrümmte Federn, welche in den Abbildungen richtig 
angegeben sind. Flügelfedern ohne Eigenheiten, am Rande füufunddreissig 
Schwingen, zehn an der Hand; die fünf ersten mit Ausschnitt am Innenrande, 
der allmälig abnimmt. Die erste Schwinge so lang wie die siebente, die zweite 
länger als die fünfte, aber kürzer als die vierte, die dritte von allen die längste. 
Schwanz stärker abgerundet , mit zwölf Federn. Bürzeldrüse befiedert und mit 
einem Federnkranz am Ende des kaum abgesetzten Zipfels. 

Alle Raine mit grossen langen buschigen Dunen besetzt, besonders gross 
die in den Halsseitenrainen, welche sehr deutlich sind, sich zwischen der Kehle 
und Unterflur fortziehen und mit dem Unterrain zusammenhängen. 

Konturfedern mit einem Afterschaft, der an den ziemlich langen schmalen 
Federn des Unterhalses besonders steif und rigide ist. — 

2. V- pond icerianus Temm.^Z. col> 2. Kopf und Oberhals nackt, er- 
sterer mit zerstreuten Borstenfedern, letzterer jederseits mit einer abstehenden, 
auch in den befiederten Theil auf den Halsseitenrain hinabreichenden, nackten 
Hautfalte. Im Uebrigen völlig wie V- cinereus, aber das Konturfedenikleid an 

9 * 



jpg 

allen Theilen schwächer, wohl am schwächsten unter allen Raubvögeln. Auch 
das Untergurgelschild war länger, schmäler und seine Federn weniger straff oder 
weniger angedrückt, als bei den übrigen Geiern. Die Unterschenkel an der In- 
nenseite bloss von Dunen bekleidet, vielleicht in der Mitte sogar ganz nackt. 
Schulterflur mit jeder Unterflur vorn verbunden; die Federn der letzteren am 
stärksten und längsten am inneren Rande, während sie sonst da am schmälsten 
sind. Der Flaum der Konturfedern reichlicher und auch an den Dunen sehr 
weich, weiss und beweglich. Beide Verhältnisse kommen übrigens auch dem 
grauen Geier zu, aber nicht den kleinköpf igen. Flügel ohne Auszeichnung; 
ebenso der Schwanz. — 

3. V. angolensis Lath. Dieser seltene Vogel, von dem ich zwei aus- 
gestopfte Stücke im K. K. Naturalienkabinet zu Wien sah, hat etwa die Grösse 
von NeopJiron percnopterus, dem er auch durch den dünneren Schnabel ähnelt, 
sich jedoch sogleich an den kleinen senkrechten elliptischen Nasenlöchern von 
ihm unterscheidet. Beide Exemplare waren verschiedenen Geschlechts, das 
Männchen hat einen dünneren Schnabel mit viel längerer, stärker hakiger Spitze. 
Es ist das Original zu der Zeichnung im Museum, Leverianutn, und wurde aus 
der LEVER'schen Sammlung erstanden. Auch der in Brown illustrat. of zool. 
abgebildete Geier ist eben dieser Vogel. Das Weibchen, etwas grösser als ein 
Kolkrabe, hat ziemlich die Schnabelform von V. cinereus, aber das Nasenloch 
ist mehr elliptisch. Bei beiden Geschlechtern ist der Oberkopf, die Ohrgegend 
und der Hals von borstenartigen Konturfedern bedeckt; das übrige Konturge- 
fieder mit grossem, flaumigem Afterschaft. Pterylose, so weit ich sie untersu- 
chen konnte, ganz wie bei den Geiern, mit breitem Brusttheil der Unterfluren, 
Schwanz bei beiden Individuen mit zwölf Federn; aber an den Armen fand 
ich höchstens nur fünfundzwanzig Schwingen, doch unter ihnen augenschein- 
lich einige Lücken ; die zwei ersten stufig, die dritte, vierte und fünfte die läng- 
sten, alle fünf mit wenig merklicher, aber tief hinabgehender innerer Fahnen- 
verschmächtigung. Flügelspitzen reichen bis ans Ende des Schwanzes. An den 
Unterschenkeln vollkommene Hosen. Ob die Lendenflur fehlt, ungewiss.*) 



*) Iu genannter Sammlung stand dieser Vogel unter Ealco, wohin er gewiss nicht gehört. 
Ebenso wenig halte ich ihn für einen Vultur^ eher für einen Neophron. Das Superciliarbein, wel- 



69 

5. NEOPHRON. 

Nach Untersuchung von N. percnoplerus und N. monachus hat diese Gattung 
alle pterylographischen Merkmahle der ächten grossköpfigen Geier, zumal den 
schmalen Rückentheil der Spinalflur, welcher nicht zwischen die Schenkel des 
Nackentheiles hinaufreicht, aber mit ihnen durch Reihen einzelner Federn ver- 
bunden ist. Auch die Lendenflur fehlt ganz und gar. Dass die Unterflur auf 
der Brust stark verbreitert ist, versteht sich hiernach von selbst, desgleichen 
die völlige Sonderung des Halstheiles von ihr durch einen Rain , und ihre Ver- 
bindung mit den Achselfluren. Ebenso sind alle Raine mit weichen Dunen be- 
setzt j und auch zwischen den Konturfedern fehlen die Dunen nicht. In der 
Flügelbildung scheint sich lVeophron durch eine geringere Zahl der Schwingen, 
(achtundzwanzig bei N. monachus, wovon zehn an der Hand) zu unterschei- 
den; sonst sind auch diese wie bei Kultur, d.h. die fünf ersten mit innerer Fah- 
nenverschmächtigung und stufig , so dass die erste der sechsten gleicht , die 
zweite der vierten und die dritte die längste ist. Merkwürdig ist es übrigens, 
dass N- percnoplerus konstant vierzehn Schwanzfedern hat, und N. mona- 
chus nur zwölf. Auch der völlige Mangel einer Jugularflur bei N. mona- 
chus, dessen Hals bekanntlich ganz nackt ist, während bei N. percnoplerus ei- 
ne gabelige schon von der Kehle ausgehende Jugularflur , so wie eine einfa- 
che am Hinterhaupt beginnende Gervicalflur vorhanden ist, scheinen Gruppen- 
unterschiede anzudeuten. Diese Gabelung der Jugularflur möchte übrigens den 
pterylographischen Hauptunterschied zwischen JYeophron und Kultur abgeben- 
Bei N. percnoplerus ist die lange schmälere Zunge am Rande nicht gezähnt ; die 
von N. monachus habe ich nicht untersuchen können. Fussbildun<j wie bei Vul- 



ches deu Vulturcn zukommt, fehlt offenbar, wie bei Neophron und Cathartes; doch ist der Schna- 
bel weniger gestreckt als bei ersterem, und die Lage der Nasenlöcher eine ganz andere. Die Farbe 
des Gefieders ist beim Männchen weiss, beim Weibchen lehmgelb; der Schwanz schwarz, an der Spitze 
,weiss; ala spuria und Armschwiugen schwarz, ebenso die Decken, aber die Handschwingen weiss, 
beim Weibchen mit schwarzer Spitze. Achselfedern gross, schwarz, an der Spitze weisslich. Läufe 
dick, massig lang, durchaus mit rauhen Schuppen bekleidet; Vorderseite mit etwas grösseren in der 
Mitte. Zehen auch beschuppt, aber an der Spitze 3 — 4 Schilder. Krallen ziemlich krumm und spitzig, 
Zehenspitzen unten mit eben solchen stechenden Papillen wie bei Pandion; zwischen Mittel- und Aus- 
senzehe eine Spannhaut. — 



*© 

tur, nehmlich alle nackten Theile von kleinen runden Schuppen bedeckt, und 
erst dicht vor den Krallen drei oder vier Schilder; zwischen der äusseren und 
mittleren Zehe eine massige Spannhaur. Die Krallen stark, spitz, krumm, nicht 
viel minder als bei Iudco buleo; die der Hinterzehe und der inneren wie ge- 
wöhnlich am stärksten gekrümmt. — 

JB. Greier der neuen "Welt. 

Sie haben, gleich den Geiern der alten Welt, in der Bildung des Brustthei- 
les der Unterflur ihren pterylographischen Hauptcharakter. Derselbe ist nehm- 
lich nicht von dem Jugular- oder Halstheil durch einen Rain getrennt, sondern 
beide Abschnitte gehen vollkommen in einander über. Sobald die Unterflur, 
sich allmülig verbreiternd, auf den Brustmuskeln angekommen ist, nimmt sie 
die Achselflur in sich auf, und erreicht dadurch eine ganz auffallende Breite. 
Nun theilt sie sich in zwei Aeste, die aber im Ganzen schwach und dadurch 
undeutlich sind, dass die Federn der Flur mehr zerstreut stehen. Beide Aeste 
sind anfangs gleich breit und laufen parallel, gegen das Ende der grossen Brust- 
muskeln biegen sie sich gegen einander, und während der innere unverändert 
als Bauchtheil fortgeht, verschmälert sich der äussere, und kehrt durch einen 
schmalen, am Rande des musculus pecloralis major verlaufenden Fortsatz zum 
Bauchtheil zurüek. Auf diese Weise wird von beiden ein massig grosser Insel- 
rain umschlossen, und die ganze Flur ähnelt dadurch sehr der von Cenlropus 
(Taf. IV. Fig. 13.). Hiermit ist jedoch die pterylographische Eigentümlichkeit 
der Geier Amerikas noch nicht beendet ; vielmehr muss man dazu rechnen : 
1) die Verschmelzung der Jugulartheile der Unterflur mit dem Cervikaltheil der 
Spinalflur, welche die Befiederung des Unterhalses in eine contiuuirliche ver- 
wandeln würde, wenn nicht der Unterrain sie ganz oder zum Theil 
durchbräche. 2) Die auffallende Verschmälerung des Rückentheils der Spi- 
nalflur, die häufig nur aus zwei nach vorn divergirenden und mit den Gabel- 
ästen des Nackentheiles zusammenhängenden Federiireihen besteht. 3) Die An- 
wesenheit einer grossen Lendenflur. 4) Die auf zwölf festgesetzte, unabän- 
derliche Anzahl der Schwanzfedern. 3) Den Mangel eines Federnkranzes am 
Zipfel der Bürzeldrüse. Hiermit scheint die stumpfe breite Form dieses Organs 
im Zusammenhange zu stehen. An ihrem Ende sind zwei deutliche Oeffhungen. 



91 

V 

6) Kann noch die Bedeckung der Fiisse als charakteristisches Moment aufgeführt 
werden, insofern dieselbe zwar am Lauf aus kleinen Schuppen besteht, aber 
auf der Oberflüche der ganzen Zehe aus Schildern ; auch sind nicht bloss die 
-Aussen- und Mittelzehe geheftet, sondern auch die mittlere und innere. 

Die langgezogenen, mit der Längenrichtung des Schnabels parallelen Nasen- 
löcher erinnern zwar an Neophron , aber der Mangel einer knöchernen Schei- 
dewand zwischen ihnen ist ein für die Geier Amerikas am meisten charakteri- 
stisches äusseres Unterscheidungsmerkmahl. Die Zunge hat übrigens Zahnreihen 
am Rande, wenigstens bei C. papa und Aura. 

Ich untersuchte C. gryphus, papa, Aura und JJrubu {foelens Illig.), und 
fand zwar bei allen einige geringe Abweichungen in der Form der Fluren, 
aber keine Charaktere , wornach ich die Trennung derselben in die Gattungen 
Sarcorrhamphus und Calharles rechtfertigen könnte. — 

4. C AT HARTES. 

Dunen überall auf den Rainen und zwischen den Konturfedern, letztere mit 
einigen weichen Aesten statt des eigentlich fehlenden Afterschaftes. Kopf ganz 
oder fast nackt, ebenso der Oberhals , dieser wohl immer. Die Pterylose be- 
ginnt erst von der Federnkrause, und zwar als Continuum, das bloss unten durch 
den Unterrain durchbrochen wird. Dieser anfangs ganz nackt. Flügel mit sehr 
verschiedener Schwingenzahl, höchstens sechsunddreissig, mindestens dreiund- 
zwanzig , davon zehn an der Hand ; die drei ersten sehr stufig , die dritte wohl 
immer die längste, die erste gleicht der siebenten; alle bis zur sechsten am In- 
nenrande der Fahne verschmächtigt, alula spuria mit vier Federn. Paraplerum 
wenig merklich, aus acht von den übrigen Federn nicht gut unterscheidbaren 
Federn gebildet; hypopterum deutlicher, besteht aus zwölf langen platten am 
Oberarm herablaufenden Federn. 

1. C gryphus. Am Kopf und Oberhals haarartige kurze JTedern ; Hals- 
krause bloss aus Dunen gebildet. Seitenhalsrain kurz, reicht von der Schulter 
bis auf den Grund des Halses. Spinalflur gleich anfangs sehr breit (6 — 10 Fe- 
dern), stark, aber die kurzen Lappen des Gabeltheiles spitzen sich bald so zu, 
dass sie mit einer einzigen Feder enden. Piückentheil bis zur Hälfte aus zwe 
weitläufigen Federnreihen bestehend, dann vierreihig, aber nicht breiter. Schul- 



terflur gross und breit; zwischen ihren Spuhlen, wie es scheint, Luftzellen; der 
Rain zwisclien ihnen und der oberen Flügelbefiederung sehr schmal. Unterflur 
sehr sperrig fiederig, der Inselrain nicht sehr gross, und daher wenig bemerk- 
bar; der Bauchtheil reicht bis zum After. Lendenflur zweireihig, in jeder zwölf- 
federig, von der Spinalflur deutlich getrennt, aber mit der Unterschenkelflur 
verflossen. Hinter der Bürzeldrüse Dunen, die zum Theil unter ihr stehen, und 
nicht für Zipfelfedern angesehen werden dürfen. Im Ganzen sechsunddreissig 
Schwingen, die dreiunddreissigste am Ellenbogen; an der Hand, wie immer, 
zehn. — 

2. C- papa. Hals ganz kahl, nur im Nacken zieht sich ein aus haarärtigen 
Federn gebildeter Streif herab, der auch über den Scheitel sich ausdehnt; Unterhals 
oben überall befiedert, aber die Befiederung ungleich, vorn dichter, die Krause 
bildend, ebenso dichtfiedrig ein schmaler Streif in der Richtung der Spinalflur, 
die Seitengegenden sperrig befiedert; unten von der ganz nackten Unterflur 
durchbrochen. Halsseitenrain bloss auf die Schulter beschränkt. Schultertheil 
der Spinalflur deutlich, die Gabelung tiefer und die Aeste der Gabel schmäler, 
am Ende stumpf. Achselfluren kräftig und gross, liegen nahe an den Schul- 
terblättern, daher der sie vontder Armbefiederung trennende Rain breiter ist. 
Hintere Hälfte der Spinalflur ganz aus zwei Federnreihen gebildet, die anfangs 
divergiren und zerstreuter stehen, später parallel und dichter; in der Beckenge- 
gend etwas verbreitert. Lendenflur kurz , von der Unterschenkelflur getrennt, 
zweireihig. Unterflur etwas dichtfiedriger als bei C gryplius 9 aber dafür auch der 
Inselrain viel grösser und ganz nackt. Unterrain wegen der Biegung des inneren 
Astes der Unterflur nach innen anfangs schmal, auf dem Bauch etwas breiter; 
vorn völlig nackt. Flügelbefiederung wie bei C. gryphus, aber nur zweiund- 
dre issig Schwingen, von denen die vorletzte am Ellenbogen steht. 

5. C. Aura. Vieillot galer. pl. 4. Kopf und Vorderhals ganz nackt. Die 
Befiederung des Halses geht weiter zum Kopf hin, ist aber gegen den Rumpf ge- 
schwächt , an den Seiten abgekürzt , und hier der Halsseitenrain vor den Schul- 
tern bemerkbar. Spinalflur ganz wie bei Cpapa, nur die Federn in der Mitte 
des Rückentheiles etwas weicher und fast dunig. Lendenflur von der Unter- 
schenkelflur getrennt. Unterflur in der Anlage ebenfalls wie bei C.papa, aber 



jpg 

die Federnstellung sperriger und einzelne Konturfedern auch auf den Inselrain 
gerückt, so dass dieser klein und undeutlich wird. Alles Uebrige wie bei C. pa- 
pa t aber nur siebenundzwanzig Schwingen; die zehn an der Hand in dem- 
selben Verhaltniss wie bei C. gryphus und papa, die füufundzwanzigste am El- 
lenbogen und von den Armschwingen die längste. — 

4. C Urubu (foetens Illig., atratus Temm. , Buff. pl. etil. 187.). Kopf 
und Vorderhals warzig, mit haarartigen sehr zerstreuten Federn. Halsgefieder un- 
unterbrochen, beginnt mit einer aufsteigenden Spitze schon nahe am Hinterkopf, 
bildet keine Krause, und scheint auch nach vorn nur unten durch eine Fort- 
setzung des Unterrains getrennt zu sein*); die Federnstellung im Ganzen sperrig. 
Nacken- und Schultern theil der Spinalflur ganz wie bei C papa, ebenso der 
etwas breitere, hinten dreireihige Rückentheil. Halsseitenrain kurz, aber 
bemerkbar. Lendenfluren gehen in die Unterschenkelfluren über. Unterflur sehr 
breit aber sperrigfiedrig, mit kleinem Inselrain auf den Brustmuskeln; der Aus- 
seiest vorn sehr breit, breiter als gewöhnlich. Nur drei und zwanzig oder 
höchstens fünfundzwanzig Schwingen, aber doch zehn an der Hand. Schwanz 
nicht abgerundet, wie bei den anderen Arten, sondern grade abgestutzt, also 
die mittleren Federn etwas verkürzt. Bürzeldrüse bestimmt nackt. 

Alle vier Arten nach Häuten der Hallischen Sammlung, die zweite auch 
frisch untersucht. 

€. Falken. 

I A L C O Link. 

Diese an Arten zahlreiche, durch den Bau ihres Schnabels wie ihrer Füsse 
leicht und sicher charakterisirte Gruppe hat kein einziges ebenso allgemeines und 
ausschliessendes pterylographisches Merkmahl. Denn obgleich bei den meisten 
Falken die Unterflur einen frei abstehenden äusseren Seitenast besitzt, der, wenn 
er allgemein wäre, sie sowohl von den Geiern der neuen Welt, als auch von 
denen der alten, bestimmt unterscheiden würde; so giebt es doch nach meinen 
Beobachtungen zwei Ausnahmen von dieser Regel, indem sowohl bei Falco ha- 



*) Da das Fell des einzigen Exemplares, welches ich untersuchte, unten der Länge nach auf- 
geschnitten war, so Hess sich die Ausdehnung des Unterrains nicht genau bestimmen. 
Nitssch Pterylographie. jQ 



^4 

liäetus (Taf. II. Fig. 7.), als auch bei Falco ecaudatus Daud. eine einfache all- 
gemein erweiterte Brustflur gefunden wird, wodurch diese beiden Falken völlig 
mit den Geiern der alten Welt übereinstimmen. Indess lässt sich, trotz dieser 
so grossen Aehnlichkeit, ein pterylographischer Unterschied zwischen ihnen und 
den Geiern nachweisen, der darin besteht, dass bei den letzteren der Halstheil 
der Unterflur von dem Brusttheil durch einen Rain vollkommen gesondert ist, 
bei jenen Falken aber beide zusammenhängen und in einander übergehen. Diese 
Verbindung beider Fluren ist zwar allen Falken eigen , aber nicht immer gleich 
deutlich und vollkommen. Es bildet nehmlich bei ihnen der Halstheil der Un- 
terflur an seinem Ende dicht vor dem Gabelbein einen nur bei Pandion und 
Rhynchodon fehlenden inneren Ast, der am Gabelbein bis zur tiefsten 
Stelle herabläuft, und hier endet. Dieser Ast ist häufig nur sehr kurz, aber 
dennoch daran kenntlich, dass die Unterflur selbst gleich hinter dem Ast ver- 
schmächtigt ist, und dann nur noch aus einer einzigen Federnreihe besteht, wel- 
che über das Gabelbein fortsetzt und die Verbindung zwischen dem Halstheil und 
Brusttheil bewerkstelligt. Fehlte sie ganz, was ich jedoch nie gesehen habe, so 
würde es eine totale Annäherung an Gypaetos sein, wenn zugleich der äussere 
Ast des Brnsttheiles mit dem Stamm verschmolzen wäre ; allein dieser Fall kommt 
meines Wissens nicht vor, und immer bleibt die erwähnte Verbindung bei gleich- 
zeitigem ungetheiltem Bruststreif der Unterflur ein charakteristisches Merkmahl 
der Falken. Da übrigens der Halstheil der Unterflur bei diesen Vögeln immer 
gespalten und zur Hälfte doppelt ist, so sind sie schon deshalb mit den ächten 
Vulturen nicht zu verwechseln, und es wären eigentlich nur Gypaetos und 
JVeophron, denen sich die beiden genannten abweichenden Falken in der Bildung 
der Unterflur am meisten nähern. Von den Geiern der neuen Welt sind dagegen 
die Falken schon in dem Mangel des Inselrains der Brustflur und der vollkom- 
menen Spaltung der Unterflurenzüge des Halses sicher genug unterschieden. 

Uebrigens ist der Brusttheil der Unterflur überhaupt bei Falken sehr verän- 
derlich, und ausser der völligen Verschmelzung des Astes mit dem Stamm, und 
der völligen Absonderung jenes von diesem, giebt es noch eine ganze Reihe von 
Zwischenstufen , welche zeigen , wie die eine Form allmälig in die andere über- 
geht. So ist der Ast oft bloss am Ende frei (F. bidentatus, Temm. pl. col. 38.), 
in anderen Fällen bis zur Mitte (F. lopholes, Temm. pl. col* 10.), oder bis auf 



m 

ein Drittel (Gypogeranus serpenlarius) , oder endlich ganz und vollständig, wie 
ich es von Falco fulvus (Fig. 5.) habe abbilden lassen. Dieser Fall ist jedoch 
der häufigste. 

Nicht minder mannichfach, und daher ebenso wenig als charakteristisches Mo- 
ment anwendbar, ist der hintere Theil der Spinalflur. Schon bei den Geiern bot 
pr uns zur pterylographischen Unterscheidung devGypes und Aegypii einen Charak- 
ter durch seine zwiefach verschiedene Form an die Hand, und noch mehr verschie- 
denartig ist seine Gestalt bei den Falken. Am allgemeinsten verbreitet zeigt sich 
die schmale streifenartige Form, wie sie bei Gypaetos und Aegypius vorkommt, in- 
dess ist auch sie keinesweges ein konstantes Merkmahl derjenigen Arten, denen 
sie zukommt, da der hintere Theil bald auffallend kurz ist, wie bei F. buleo, 
bald lang und bis zur Gabel des vorderen Theiles reicht, wie bei F. Milvus; doch 
pflegt er dann jene Auflösung in zwei hier längere divergirende Federnreihen 
zu besitzen (Taf. IL Fig. 4.) , die auch bei jenen Geiern gefunden wird. Eine 
andere, mehr konstante, also auch besser bezeichnende Form ist die gänzliche 
Spaltung und Verbreiterung der beiden Schenkel bis zur Schwanzgrube, welche 
die Gattungen Rhynchodon (Taf. II. Fig. 6.) und Pandion charakterisirt. Sel- 
tener fand ich eiue dritte Hauptform, die als allgemeine, an den Seiten sper- 
rig fiedrige Verbreiterung (Fig. 5.) auftritt. Zwischen dieser Form und der er- 
sten halten zwei Amerikanische Falken (F. tnelanops, Temm. pl. col- 103. und 
F- unthvacinus Licht, aus Mexiko) die Mitte, insofern bei ihnen zwar ein schma- 
ler gleichbreiter Rückenstreif vorhanden ist, neben ihm aber sperrige Kontur- 
federn zerstreut stehen. 

Bei Aufzählung solcher Differenzen darf ich es dann nicht unerwähnt lassen, 
dass auch die Lendenflur in die Reihe der mannichfaltigen pterylographischen 
Gebilde gehört, und bald ganz fehlt, bald zwar vorhanden ist, aber immer, so 
scheint es, keine sehr erhebliche Ausdehnung und Stärke zu erreichen pflegt. 
Das Auftreten von Puderdunenfluren in ihrer Nähe ist schon früher (S. 52.) 
im allgemeinen berührt worden, und wird uns weiter unten noch einmal be- 
schäftigen. 

Von der Mannichfaltigkeit in Flügel- und Schwanzbildung schweige ich fürs 
erste lieber, da diese bekannt ist und von den Ornithologen grösstenteils zur 
Charakteristik ihrer zahlreichen Untergattungen schon in Anwendung gebracht 

10 * 



?(i 

wurde ; hier soll nur wiederholt werden , dass alle Falken zehn Handschwingen 
und zwölf Steuerfedern besitzen. 

Berücksichtigt man nun die eben angedeuteten Verschiedenheiten der Pte- 
rylose, um darnach die Falken übersichtlich zu ordnen, so versteht es sich von 
selbst, dass diese Eintheilung, schon weil sie bloss von einem einzigen Bestim- 
mungsgrunde ausgeht, keine natürliche sein kann 5 wir dürfen auch diese Ansprü- 
che gar nicht an sie machen, sondern müssen uns vielmehr mit dem hier ge- 
forderten Resultat begnügen, die pterylographische Mannichfaltigkeit übersichtlich 
in ihr dargelegt zu finden. Dies war ja unsere Aufgabe. 

1. Falken mit nngetheiltem Brustzuge der Unterflur. 

a. Mit schmalem, gleich breitem, vorn zweischenkeligem hinterem Theil der Suinalflur. 

Der Repräsentant dieser merkwürdigen und dem Geiertypus so äusserst ähn- 
lichen Kombination ist Falco ecaudalns Daüd. (Je baleleur , Le Vaill. ois. 
d'Afriq.l. pZ. 7. et 8.), aus welchem Lesson die Untergattung Theratopius ge- 
bildet hat. Ich finde pterylographisch an diesem überhaupt eigenthümlichen 
Vogel noch zu erwähnen, dass der innere Ast am Ende des Halstheiles der Un- 
terflur sehr deutlich ist, die Verbindung des Halstheiles mit dem Brustzuge nur 
ans einer einzigen Federnreihe besteht, und dass die Lendenflur zu fehlen 
scheint. Ganz auffallend lang sind die beiden Schenkel des Schultertheils der 
Spinalflur, da sie noch über die Spitzen der Schulterblätter hinausragen. Der 
Rückentheil reicht bis ziemlich an diese Schenkel, und spaltet sich nun erst in 
zwei sehr kurze divergirende Federnreihen, welche zu den Schenkeln der Gabel 
sich begeben. Die Anzahl der Schwingen beträgt dreiunddreissig, für einen 
Falken eine ganz enorme Zahl; die erste ist vielleicht die längste, was ich un- 
entschieden lassen muss, da sie im Nachwachsen begriffen war, sonst geAviss die 
zweite, die dritte ein wenig kürzer, die folgenden bis zur zehnten schnell ab- 
fallend. Die fünf ersten haben an beiden Fahnenhälften einen Ausschnitt, wel- 
cher an der äusseren schwach ist, aber an der inneren eine sehr spitze Ecke 
bildet, und etwa in der Mitte der Federnlänge beginnt. Dadurch wird die zweite 
Hälfte auffallend schmal und spitz. Schwanz sehr kurz, beträgt kaum ein Vier- 
tel des über ihn hinausragenden Theiles der angelegten Flügel. 

Im übrigen Körperbau schliesst sich dieser Vogel an die Buteonen, hat aber 



w 

ganz von Schuppen bedeckte Füsse und erst dicht vor dem Nagel ein Paar 
Schilder auf dem Zehenrücken; ebenfalls eine bemerkenswerthe Analogie mit 
dem Typus der Vulturen. — 

b. Mit tief getheillem, an jedem Schenkel nach aussen erweitertem hinterem Theil 
der Spinalflnr. 

FALCO (PANDION) halia'etos. 

(Taf. II. Fig. 7.) 

Nicht bloss in den beiden schon angegebenen Merkmahlen hat dieser in 
vieler Beziehung merkwürdige Falke seine Eigenheit, sondern er weicht ptery- 
lographisch noch in mehreren Punkten von seinen übrigen Genossen sehr ab. 
Dergleichen Abweichungen sind: 

i) Die Konturfedern haben gar keinen Afterschaft, sind überhaupt 
sehr klein und kurz, ja kleiner als bei irgend einem anderen Falken. Daher 
bemerkt man an den Beinen auch keine Hosen, und der Rumpf erscheint sehr 
klein gegen die Flügel und Beine. Von allen wieder am kleinsten sind die Fe- 
dern der Unterflur. *) 

2) Die Unterflur theilt sich schon dicht an der Kehle und beide Schenkel 
entfernen sich merklich. In der Nähe der furcula erweitern sie sich, bilden 
aber keinen inneren Ast, sondern gehen ununterbrochen und beständig breiter 
werdend auf die Brustmuskeln über, deren ganze Mittelfläche sie einnehmen, im 
gleichen Abstände vom Kamm des Brustbeines wie vom Aussenrande des pecto- 
rctlis major sich nach hinten fortsetzen, und ebenfalls breiter als gewöhnlich 
auf die Bauchfläche treten, auf dieser aber schon vor dem Becken und dem 
After enden. 

3) Das hypoplerum, welches in der Regel bloss auf die Innenseite des Ober- 
arms beschränkt ist, setzt sich auf die Brust fort und bildet unmittelbar am 
Aussenrande des Brustzuges eine Reihe grösserer Konturfedern. 



*) Durch den Mangel des Afterschaftes an den Konturfedern nähert sich dieser Falke ebenso sehr 
pterylographisch den Eulen, wie zoologisch durch die Wendezehe, oder anatomisch durch die nicht 
pneumatischen femora und den vollständig geschlossenen Knochenkanal am os metatarsi zum Durch- 
gange der Sehne des extensor digilorum communis. 



98 

4) Die Spinalflur ist bis zur Schulter ohne Auszeichnung, aber der Rücken- 
theil besteht anfangs aus zwei Reihen einzelner Federn , die parallel von den 
Spitzen der Gabel ausgehen, in dem Maasse als sie länger auch breiter werden 
und erst hinten dicht vor der Bürzeldrüse in einen kurzen breiten Stamm zu- 
sammen fliessen, welcher nocli zerstreute Konturfedern neben sich hat. (Vergl. 
Fig. 6.) 

5) Die Lendenfluren fehlen wohl ganz. 

6) Die Bürzeldrüse ist auffallend gross, relativ wohl am grössten unter allen 
Vögeln und herzförmig; der Zipfel kurz, mit zwei getrennten Mündungen; jede 
Drüsenhälfte mit tief hineinreichender grosser weiter Höhle, deren Wand aus 
einer sehr dicken Haut besteht. 

7) Am Flügel finde ich neunundz wanzig Schwingen, ebenfalls eine ver- 
hältnissmässig grosse Zahl, von denen die erste etwas länger ist als die fünf- 
te, die zweite und dritte aber alle andern an Länge übertreffen. Die drei 
ersten haben an der inneren Fahnenhälfte einen Winkelausschnitt, und sind 
von dieser Stelle an verschmächtigt ; an der vierten findet sich noch eine Spur 
davon. Die ala spuria mit dünner grader Kralle, und, wenigstens mitunter, 
fünf Federn. 

8) Schwanzfedern kurz, reichen nur bis zur Spitze der angelegten Flügel. 

2. Falken, deren Brustzug einen äusseren ganz oder theilweis freiea Ast aussendet. 

a. Mit tief gelheiltem , an jedem Schenkel nach aussen erweitertem Rückenzuge der 
Spinalllur (Fig. 6.). 

Hierher alle Edelfalken, welche ich, da sie sich mehr als irgend eine 
andere Gruppe, von den übrigen Falken entfernen, für eine Gattung ansehe 
und Rhynchodon nenne. Nach Untersuchung von Rh. islandicus, peregriniiSj 
Aesalon, subbuteo, tinnuncuhis, tinnunculoides , niffjpes, concolor Temm. und 
coerulescens Lath. zeigen sie eine sehr grosse und vollständige Uebereinstimmung 
in der Pterylose, deren Haupteigenheit in der schon angegebenen Form des Rü- 
ckentheils der Spinalflur und des Halstheiles der Unterflur ausgedrückt ist. Fol- 
gende Punkte scheinen mir bemerkenswert!]. — 

Die Dunen sind weiss oder grau, auffallend zart, schimmelartig und beim 
Druck zusammenklebend; alle mit kurzem Hauptschaft und ebenso langem Af- 



*9 

terschaft. Sie fehlen an einigen Rainen, z. B. dem Seitenhaisrain, mitunter ganz, 
und stehen überhaupt spärlicher. 

Konturfedern mit ansehnlichem aber, wie immer, bloss dunigem Af- 
terschaft; der Hauptschaft straff, mit grösstenteils federnartigen Aesten. 

Kopf gleichmiissig befiedert, aber die Augengegend nackt, und die Zügel 
mit borsten artigen quirlförmig gestellten Federn bekleidet. 

Spinalflur durchaus mit robusten Federn, geht fast vom Hinterhaupt aus 
und spaltet sich in eine lange Gabel zwischen den Schultern. Der Rückentheil 
beginnt mit zwei parallelen Reihen einzelner Federn zwischen der Gabel, und 
wird an der Aussenseite beider Reihen durch Ansatz neuer zusehends breiter, 
aber auch sperrigfiedriger. Beide Reihen verbinden sich erst auf der Schwanz- 
grube und gehen dann als breiter Streif zur Bürzeldrüse. — Ebenso fanden wir 
diese Flur schon bei Pandion, und ist ihre Form nur diesen beiden Gruppen 
eigenthümlich. 

Schulte ruf Iure n nicht sehr breit, mit wenigen, aber sehr grossen stark- 
spuhligen Federn. 

Lendenfluren immer klein, jede höchstens aus zwanzig Federn beste- 
hend, mitunter fast verkümmert, mit Puderdunen untermischt und der Spinalflur 
sehr genähert. 

Unters chenk elf luren bloss an der Aussenseite aus Konturfedern gebil- 
det, hosig; innen dunig. 

Unterflur bis zur Mitte des Halses einfach, schmal, durch den Seiten- 
halsrain von der Spinalflur gesondert. Beide Schenkel ebenfalls schmal, stark 
divergirend, daher an der Schulter mit der Achselflur verbunden, aber unten 
ohne den inneren Ast, welcher den meisten Falken zukommt und von dem 
Gabelbein in der Halsbeuge herabsteigt (Fig. 5.). Dagegen ist der äussere, mit 
dem inneren Zuge gleichbreite Ast auf den Brustmuskeln vorhanden. Die 
Lücke zwischen beiden ist ansehnlieh und grösser als gewöhnlich; auch fehlt 
der äussere Haken an seiner Spitze, welcher vielen Falken zukommt, und zum 
hypopterum führt. Uebrigens nähert sich der Hauptzug vorn sehr dem Kamm 
des Brustbeins, und divergirt nach hinten, so dass der Unterrain auf dem Bauch 
viel breiter ist; beide Züge biegen sich gegen den After und enden unmittelbar 
daneben. 



■"^«■■»■«■■■1« 



30 

Schwingen dreiundzwanzig, bisweilen vierundzwanzig oder fünfundzwan- 
zig, selten nur einundzwanzig, aber immer zehn an der Hand. Die erste mehr 
oder weniger verkürzt, die zweite immer die längste; beide, oder nur 
jene, mit Winkelausschnitt, welcher der Spitze sehr nahe liegt. Die dritte bald 
länger, bald kürzer als die erste. — 

Schwanzfedern sehr rigide, meistens etwas länger als die Spitzen der 
angelegten Flügel, die äusseren mit den Euden nach innen gebogen, hier ganz 
unter den mittleren versteckt, daher der Schwanz nach hinten schmäler erscheint. 

Die untersuchten Arten differiren bloss in der Zahl und Form der Schwin- 
gen, daher ich diese angebe. Letztere liesse sich füglich als Artcharakter be- 
nutzen. — 

Rh. islandicus. Fünfundzwanzig Schwingen, die zwei ersten mit Win- 
kelausschnitt, die dritte länger als die erste, aber die vierte kürzer. 

Rh. peregrinus , dreiundz wanzig Schwingen, die zwei ersten mit Win- 
kelausschnitt, der aber an der zweiten schon unvollständig ist, die dritte schon 
kürzer als die erste. 

Rh. Aesalon, vierundzwanzig Schwingen , die zwei ersten mit vollstän- 
digem Winkelausschnitt, der an dem dritten noch bemerkt wird; die erste so 
lang wie die vierte [, oder noch ein wenig kürzer. 

Rh. subbuteo, dreiundzwanzig Schwingen. Die zweite die längste, die 
erste nur wenig kürzer, länger als die dritte. 

Rh. tinnunculus, dreiundz wanzig Schwingen, die erste und zweite mit 
geringem Wiukelausschnitt, jene fast so lang wie die vierte. 

Rh. tinnunculoides s. cenchris, dreiundzwanzig Schwingen, die zweite 
die längste , die erste so lang wie die dritte , oder etwas kürzer. 

Rh. rufipes, Zahl ungewiss, nur *die erste mit einem Winkelausschnitt 
und etwas kürzer als die dritte. 

Rh. concolor Temm. pl. col. 330., dreiundzwanzig Schwingen, die Haud- 
schwingen sehr schmal spitz, nur die erste mit bemerkbarem Winkelausschnitt 
und schon länger als die dritte, die vierte reicht bis zum Ausschnitt der ersten ; 
die zwanzigste am Ellenbogen und die längste Armschwinge. — Flügelspitzen 
mindestens so lang wie der Schwanz, wenn sie nicht etwas darüber hinaus- 
ragen. 



31 

HA. coerulescens, einundzwanzig Schwingen, die erste und zweite mit 
schwachem, tiefer hinabreichendem Winkelausschnitt, jene beträchtlich länger 
als die dritte. Besonders auffallend war mir auch der Mangel des Federnkran- 
zes am Zipfel der Bürzeldrüse, welchen ich wenigstens bei zwei von mir un- 
tersuchten Exemplaren gefunden habe. Ob es Regel ist, wage ich nicht zu 
entscheiden. — 

b. Mit allseitig erweitertem ungetheiltem sperrigfiedrigem Rückenzage der Spioal- 
flur. (Fig. 5.) 

Aus dieser Gruppe kenne ich zwei auch dem äusseren Anscheine nach sehr 
ähnliche, aber doch hinlänglich verschiedene Falken. 

1) JPalco cachinnans Linn. Herpetolheres cachinnans, Vieih. 
galer, I. pl. 19. — Augenlieder mit deutlichen Wimpern. Kopfbefiederung unun- 
terbrochen, davon ausgehend oben die Spinalflur, unten die Unterflur. Jene bis 
zum Schultertheil ohne Auszeichnung, aber der Rückentheil bis zur Schwanzgrube 
sperrigfiedrig, von hier an verschmächtigt , und als schmaler Streif über den 
Schwanzwirbeln bis zur Bürzeldrüse hin fortgesetzt. Demnach im Ganzen wie bei 
Rhynchodon geformt, aber ohne die mittlere Längstheilung, und deshalb sperrig- 
fiedriger. Lendenfluren bestimmt vorhanden, aber kurz und von der Unterscheii- 
kelflur gesondert. Die Unterflur in allen Theilen schmal, der innere Ast am Ende des 
Kehlzuges nicht deutlich ; der äussere Ast des Brustzuges völlig abgesondert, etwas 
breiter als der schmale Hauptzug selbst, und weit von ihm entfernt; letzterer auf 
dem Bauch sehr nach aussen gerückt, am Rande desselben verlaufend und seitlich 
vor dem After endend. Schwingen nicht vollständig, daher ihre Zahl ungewiss; 
die erste sehr beträchtlich verkürzt, kaum zwei Drittel der zweiten messend ; diese 
so lang wie die fünfte, aber die dritte und vierte nur sehr wenig länger, und 
die längsten von allen; die sechste etwas länger als die erste, aber viel kürzer 
als die fünfte, die folgenden noch mehr abfallend. Die drei ersten mit bemerk- 
barem, etwa auf der Mitte der Fahne angebrachtem Ausschnitt und entspre- 
chender Verschmälerung der inneren Fahnenhälfte, welche Verschmälerung an 
der vierten noch schwach angedeutet ist. Schwanz massig laug, etwas länger 
als die angelegten Flügel, abgerundet. Lauf so lang wie bei I. buleo , kräf- 
tig, überall beschuppt; die Zehen ebenfalls beschuppt, aber mit drei Schildern 
vor der Kralle. Schnabel gross, besonders dick und hoch, schon vom Grunde 

Nitzsch Pterylographie. \\ 



8% 

aus gebogen, dem der Bussarde am ähnlichsten. Nasenlöcher rund, mit einem 
im Grunde bemerkbaren Zentralknorpel.*) 

2. Fctlco brachyjpterus Temm. pl. coh no. 116. jung, no. 141. alt. — 
Bei grosser äusserer Aehnlichkeit mit dem vorigen Falken, doch nicht bloss spezi- 
fisch von ihm verschieden, sondern auch einer ganz anderen Gruppe angehörend. 
Pterylographisch stimmt der Nacken- und Schultertheil der Spinalflur, so wie die 
ganze Unterflur, völlig mit der Form jenes Vogels überein, höchstens wäre es 
bemerkenswerth, dass die beiden Züge der letzteren einander viel näher stehen, 
und über die Mitte des Bauchs sich fortziehen. Ganz anders aber verhält sich 
der Rückentheil der Spinalflur, insofern derselbe einer lang gezogenen Ellipse 
gleicht (Taf. II. Fig. 5.), nur dicht vor der Bürzeldrüse in einen kurzen, aber 
doch breiten Streifen zusammengezogen ist, und völlig aus sperriggestellten, nur 
nach hinten etwas kräftigeren Federn besteht. Zu diesen Unterschieden kommt 
noch der völlige Mangel der Lendenflur und der grossen Wimpern an den Au- 
genliedern. Flügel auch sehr abweichend , die Anzahl der Schwingen ungewiss, 
die fünf ersten allmälig länger, doch so, dass die Verlängerung jeder folgenden 
geringer ist ; die fünfte die längste , die sechste etwas länger als die dritte , die 
folgenden sehr allmälig verkürzt. Schwanz auffallend lang und nur am Grunde 
von den angelegten Flügeln bedeckt; die Federn breit, abgerundet. Schnabel 
ziemlich wie bei Buteoneai, aber plumper kräftiger; das Nasenloch rund, die 
Spitze des Unterschnabels ausgebuchtet , zweizackig. Lauf sehr lang , ganz von 
Schuppen bedeckt, ebenso die Zehen allein über jeder Gelenkstelle und am En- 
de vor den Krallen zwei Schienen. 

c. Mit schmalem, zwei- bis dreireihigem, aber kräftigem Rückenznge der Spinal- 
flur, welcher von dem Schultertheil entweder ganz getrennt ist, oder nur durch 
zwei Reihen einzelner Federn mit ihm zusammenhängt. 
ct. Neben dem streifenförmigen Rückenzuge der Spinalflur noch sperrige zer- 
streute Konturfedern. 

Auch aus dieser Gruppe sind mir zwei Arten bekannt geworden, nehmlich : 



*) Durch den Mangel des Superziliarbeines unterscheidet sich dieser Falke am auffallendsten von 
den Buteonen, und schliesst sich darin an Rht/nchodon, wenngleich der Schnabel ganz anders ge- 
baut, die Fussbildung weniger kräftig und auch die Fliigelbildung anders ist. Er steht zwischen bei- 
den in der Mitte. 



83 

i) Falco melanops Temm. pl. col. no. 105. Der Halstheil der Unterflur 
hat an seinem Ende einen zwar deutlichen aber kurzen Ast, und ist hinter dem- 
selben bis auf eine einfache Federnreihe verschmächtigt. Der Aussenast des 
Brustzuges ist vollkommen frei, aber lange nicht so breit wie der Brustzug 
selbst, und am Ende in einen Haken erweitert, der zum hypopterum geht. An 
der Spinalflur finde ich bis zur Schulter nichts Merkwürdiges; der Rückentheil 
ist durch eine völlige Lücke vom Schultertheil getrennt, ziemlich derbfiederig, 
und hat drei bis vier Reihen sperriger Konturfedern neben sich. Die Lenden- 
fluren fehlen. Am Flügel drei undzwan zig Schwingen, die erste sehr ver- 
kürzt, weniger, aber doch sehr- merklich, die zweite und dritte; die vierte mit 
der fünften, längsten, beinahe gleich lang, die folgenden schnell kürzer. Die 
drei ersten mit bemerkbarem Ausschnitt in der Mitte der inneren Fahnenseite 
und Verschmächtigung der Endhälfte dieser Seite, daher die zweite Hälfte der 
Schwingen sehr spitz. Schwanz massig, abgerundet, ragt mit etwas mehr als 
der Hälfte über die angelegten Schwingen hinaus. *) Die Läufe hinton mit 
breiten Schildern, vorn kleinere mehr schuppenfürmige. Schnabel und Nasen- 
loch ganz anders als bei Falco cachinnans, und mehr dem der Bussarde ähn- 
lich; auch fehlen die Augenwimpern, welche F. cachinnans besitzt.**) 

2) Falco anthr acinus Licht., aus Mexiko. Pterylose ganz die des vo- 
rigen Vogels , aber alle Fluren etwas breiter und kräftiger, zumal der Schulter- 
theil der Spinalflur. Der Rückentheil in seinem Hauptzuge etwas kürzer, und 
die sehr sperrigen ihn umgebenden Konturfedern über den ganzen Rücken und 
die Lenden vertheilt, ohne aber hier eine eigentliche Flur zu bilden. Im Flü- 
gel viernndzwanzig oder fünfundzwanzig Schwingen, die fünf ersten stufig, aber 
die Unterschiede beinahe gleich gross, oder doch ganz allmälig kleiner; die 
fünfte die längste, die erste kaum so lang wie die elfte, oder erste Armschwinge, 



*) In Temminck's Figur sind die Flügel zu kurz und zq stumpf dargestellt, auch ist die 
Schwanzbinde bei meinem Exemplar viel breiter und der Spitze mehr genähert; beides vielleicht Al- 
tersverschiedenheit. 

**) Es scheint daher nicht passend, diesen Falken, nach Lesson's Vorgange, mit Herpetotheres 
Vikill, zu verbinden, zumal da derselbe auch die Snperziliarbeine besitzt, die letzterem fehlen (sieh 
oben). Temminck macht aus ihm einen u4stur i doch halte ich ihn eher für einen Buteo. 

11 * 



84 

alle bis zur fünften mit innerer Fahnenverschmächtigung , welche sehr tief hin- 
abreicht, doch an der letzten kaum noch bemerkbar ist. Schwanz massig 
lang, abgerundet. Läufe vorn und hinten geschildert.*) 

ß. Neben dem streifenförmigen Rückenzuge der Spinalflur stehen keine zerstreu- 
ten Konturfedern, sondern entweder bloss Dunen, oder zwei sehr sperrige Rei- 
hen einzelner Konturfedern, eine an jeder Seite. 

Die pterylographischen Unterschiede, welche die zahlreichen Arten dieser 
Gruppe darbieten, sind im ganzen gering, und beziehen sich bloss auf die grös- 
sere oder geringere Absonderung des Aussenastes der Unterflur von ihrem Haupt- 
zuge, oder auf die Längenverhältnisse der Schwingen; doch könnte man den 
Mangel oder die Anwesenheit der Lendenflur, so wie das Auftreten der Puder- 
dunenfluren, noch zur Charakteristik einiger wenigen Arten, denen sie zukommen, 
in Anwendung bringen. Letztere beobachte ich bei den von mir untersuch- 
ten Weihen (Circi), so wie bei Falco plumbeus , bidentatus, melctnopterus, 
lophotes und uncinatus ; und zwar bei allen in Form zweier elliptischen Fel- 
der 1 , die zu beiden Seiten des Rückentheils der Spinalflur, ziemlich nahe am 
Schwanz angebracht sind. Aeusserlich neben diesen Puderdunengruppen verläuft 
die schmale Lendenflur, welche ich Wenigstens bei den Weihen, bei JF. bi- 
dentalus, plumbeus und lophotes gefunden habe. Ausserdem fand ich eine sehr 
deutliche Lendenflur bei Gypogeranus serpentarius , den Adlern und Bus- 
sarden, undeutlicher und schwächer ist sie bei den Habichten, beim We- 
spenfalken und den ihnen verwandten Untergattungen, wo sie mitunter auch 
wohl ganz fehlt. Was die Absonderung des äusseren Astes der Unterflur betrifft, 
so ist diese am vollständigsten bei den Gruppen Circus , Gypogeranus, Milvus, 
Astur und Morphnus; weniger vollständig, insofern die Lücke zwischen ihm und 
dem Hauptzuge weder so breit, noch so tief ist wie bei jenen, finde ich ihn bei 
Aquilcif Buteo , Polyborus und Cymindis; ganz unvollständig, so dass nur die 



*) Wiewohl sich dieser noch nicht abgebildete, vielleicht nicht einmal beschriebene Vogel ganz 
den Bussarden in der Bildung nähert, so kommt er doch in der Länge des Laufs am meisten mit 
Falco Urubitinga (Temm. pl. col. no. 55.) überein. Er ist ganz schwarzbraun, nur die vier ersten 
Schwingen sind weiss an der Wurzel, die übrigen heller und dunkler gebändert. Der Schwanz hat 
eine mittlere weisse Binde. Die Wachshaut und die Füssc sind gelb. 



85 

Endhälfte, oder gar nur das letzte Drittel abgesondert erscheint, habe ich ihn 
bei Falco lophotes, plumbeus und besonders bei bidentatus gesehen# Den- 
noch ist in allen diesen Fällen der Aussenast in seinem ganzen Verlauf durch 
abweichende Richtung seiner aus stärkeren Federn gebildeten Reihen sehr be- 
stimmt ausgezeichnet. Dass von seiner Spitze sehr oft, namentlich bei Circus, 
Gypogeranus , Astur , Polyborus und Pernis, ein hakenförmiger Ast entspringt, 
der in das hypoplerum übergeht, habe ich schon früher mehrmals bemerkt. 
Hiernach wäre die Zahl und relative Grösse der Schwingen dasjenige Verhält- 
niss, welches uns noch näher beschäftigen muss. 

1. A Q U I L A. 

a. Mit befiederten Läufen. 

1. F. fulvus. Die Form seiner Unterflur, welche zugleich als Typus für 
die meisten übrigen Falken angesehen werden kann, ergiebt sich aus Ansicht 
von Fig. 5. auf Taf. II. Eigentümlich ist den Adlern bloss die grössere Breite 
des Aussenastes, welcher auch kräftigere Federn enthält. An dem Rückentheile 
der Spinalflur ist der Umstand merkwürdig, dass zwischen ihm und der Gabel 
des Schulter theiles einige zerstreute Konturfedern wahrgenommen werden, die 
bei den Seeadlern zahlreicher und mithin auch dichter gestellt sind. Diese An- 
lage bildet gleichsam einen Uebergang von der bei jP. melanops und untlira- 
cinus gefundenen zu der gewöhnlichen Falkenbildung mit zwei divergirenden 
Federnreihen, die von F. upivorus unter Fig. 4. auf Taf. II. dargestellt ist. — 
Siebenundzwanzig Schwingen, die fünf ersten mit dem gewöhnlichen Win- 
kelausschnitt, von dem an der sechsten noch die Spur sichtbar ist. Die erste 
Schwinge merklich verkürzt, so lang wie die achte; die zweite etwas kürzer 
als die sechste; die dritte mit der vierten und fünften beinahe gleich, doch die 
vierte in der That ein wenig länger als beide. — 

2. F. chrysaetos s. imperialis. In allen Theilen ebenso, aber die 
erste Schwinge ist länger als die achte , und wenig kürzer als die siebente. 

3. F. naevius. Die sechs ersten Schwingen mit Winkelausschnitt, wel- 
cher an der sechsten schwach ist} die erste Schwinge langer als die achte. 

4. F. ducalis Licht. (F. Bonellii Temm. ph col. 288.). Erste Schwinge 



86 

von der Länge der achten, die vierte die längste, die fünf ersten mit tief ste- 
hendem und stark ausgehöhltem Winkel der inneren Fahne. 

5. F. p ennatus Temm. pl. col. 35. Die fünf ersten Schwingen mit einem 
beträchtlichen Winkelausschnitt ; die erste so lang wie die achte , die zweite 
wie die sechste, die dritte wie die fünfte, die vierte nur wenig länger als beide, 
b. Mit nackten Läufen. 

Bei den Adlern dieser Sektion ist das ganze Gefieder gedrängter, der Aus- 
senast des Brustzuges der Unterflur n u r halb frei, und an seiner Spitze durch 
einen Haken mit dem hypopteruni verbunden. Auch ist der Rückentheil der 
Spinalflur länger, und kaum vom Schultertheil gesondert. 

1. F.leucoceplialus, Buffon, pl. enlum. 411. Schwingen etwas unvoll- 
ständig, indess die erste wohl so lang wie die siebente, die dritte wie die fünfte, 
und die vierte ein wenig länger als beide. 

2. F. albicilla- Im Ganzen siebenundzwanzig Schwingen, die fünf 
ersten mit tiefstehendem Winkelausschnitt, wovon an der sechsten noch eine 
Spur vorhanden ist; erste Schwinge so lang wie die achte, zweite länger als 
die siebente, die fünfte die längste, aber die dritte, vierte und sechste nur 
wenig kürzer. 

3. F. br achydactylus. Ebenfalls siebenundzwanzig Schwingen, 
die fünf ersten mit sehr scharfem Winkelausschnitt der inneren Fahne, Welcher 
an der ersten ziemlich tief steht, dann aber immer höher hinaufrückt. Die er- 
ste Schwinge kaum so lang wie die siebente, die zweite länger als die sech- 
ste, und die dritte (bei zwei von mir untersuchten Exemplaren) die längste. 

4. F. Macei, TEMM.pZ. color. 8. et 223. Siebenundzwanzig Schwin- 
gen, die fünf ersten mit sehr tief stehendem Winkelausschnitt. Erste Schwinge 
kaum so lang wie die achte, die zweite länger als die siebente, die dritte und 
fünfte gleich lang, doch die vierte um so viel länger, um wie viel die sechste 
kürzer ist als die fünfte. 

2. B U T E O. 

a. Mit befiederten Läufen. 
F» lagopus. Vierundzwanzig Schwingen, die vier ersten mit Winkelaus- 



8? 

schnitt, die vierte die längste. Aussenast des Brustzuges der Unterflur ganz frei. 
Lendenflur sehr undeutlich. 

b. Mit nackten Läufen. 

1. F. bitte o. Fünfundzwanzig Schwingen, die vier ersten mit Winkelaus- 
schnitt der inneren Fahne, die erste so lang wie die achte, die zweite länger 
als die sechste, die dritte und vierte die längsten. Rückentheil der Spinalflur 
ziemlich entfernt von dem Schultertheil. Innerer Ast des Halstheiles deutlich, 
aber kurz; die Verbindung mit dem Brustzuge sehr schmal. Brustzug vorn mit 
der Schulterflur vereinigt, der Aussenast ganz frei, am Ende mit einem sehr 
deutlichen Haken. 

2. F. Baccha (Haematornis Goüld). Le Vaill. ois. d Afr.pl. 15. Fünf- 
undzwanzig Schwingen, die erste von der Länge der zehnten, die zweite so 
lang wie die siebente, die dritte wie die sechste, die vierte und fünfte gleich lang 
und die längsten, diese fünf mit schwacher Verschmälerung der inneren Fahne. 
Pterylose ganz wie bei F. bute o, der Aussenast der Unterflur ganz frei, mit einem 
Haken am Ende. • Läufe und Zehenwurzeln beschuppt, nur die zweite Hälfte der 
letzteren geschildert. Lauf lang, Zehen kurz. — Wegen der kurzen, nur über 
den Anfang des Schwanzes etwas hinausreichenden Flügel scheint die Absonde- 
rung dieses Vogels von den Bnteonen nöthig. Er schliesst sich etwas an die 
H a r p y i e n. 

3. F. busarellus Shaw. Le buser ay , Le Vaill. ois. d'Afr. I. pl. 20. 
Fünfundzwanzig Schwingen, die ersten fünf stufig, doch die dritte, vierte und 
fünfte nur wenig in der Länge verschieden, wenngleich die fünfte die längste 
ist. Die Verschmälerung der inneren Fahne sehr allmälig, keinen Winkel bil- 
dend. Pterylose zwar der von F. butco ähnlich, aber der Aussenast des Brust- 
zuges der Unterflur nur halb frei, wie bei den Seeadlern. — 

3. M O R P II N V S. 

a. Mit nackten Läufen, 

F. TJ rubitinga. Temm. pl. col. 55. Beide Augenlieder mit schwachen 
Wimpern. Schwingen in der Mauser begrhTen, wahrscheinlich fünfundzwan- 
zig, die erste sehr kurz, die zweite, dritte und vierte gleichmässig stufig, letztere 



88 

die längste, aber die fünfte nur wenig kürzer, und die sechste so lang wie die 
dritte. Die vier ersten mit tief herabreichendem, aber unvollständigem Win- 
kelausschnitt. Armschwingen lang, die längste von der Länge der zweiten 
Handschwinge. Pterylose etwas eigenthümlich , zumal wegen der sehr geringen 
Breite aller Fluren. Halstheil der Unterflur mit sehr schmalem innerem Ast, 
und durch eine einzige Federnreihe mit dem Brustzuge verbunden. Aussenast 
desselben ganz frei, aber schmal, am Ende mit einem einreihigen Haken; 
der Hauptzng oben neben dem Ast etwas verbreitert. Lendenflur bemerkbar, 
aber schwach. — 

b. Mit befiederten Läufen. 

F. tyrannus. Temm. pl. col. 73. Beide Augenlieder mit schwachen Wim- 
pern. Fünfundzwanzig Schwingen, die fünf ersten stufig, die Unterschiede gleich- 
massiger und geringer ; die erste ganz auffallend kurz, die fünfte die längste, die 
sechste kürzer als die vierte, die siebente länger als die dritte. — Pterylose der 
vorigen Art, aber alle Fluren etwas breiter, und die Aeste, sowohl der innere 
alsauch der äussere, kürzer. Rückentheil der Spinalflur sehr schwach. — 

4. C Y M I IV D I S. 

Die beiden von mir untersuchten Arten dieser Gruppe, nehmlich F. Jiama- 
tus, Temm. pl. col. 61. und F. uncinatus, Temm. pl. col. 103. 104. 113, unterschei- 
den sich in der Pterylose wenig von Buteo, und zwar wohl nur dadurch, dass 
der Aussenast des Brustzuges der Unterflur sehr dicht an den Stamm gerückt ist, 
und oben etwas mehr mit ihm zusammenhängt. Uebrigens sind alle Fluren 
schmal, sonst aber ohne Auszeichnungen. Die Flügel, welche beinahe bis ans 
Ende des Schwanzes reichen, bestehen bei hamatus aus fünfundzwanzig, 
bei uncinatus nur aus dreiundzwanzig Schwingen, von denen die erste so 
lang ist wie die siebente, die Eweite der sechsten ziemlich gleicht, doch etwas 
kürzer ist, grade so viel, wie die dritte kürzer als die fünfte, und die vierte 
die längste ist. Die erste hat einen sehr starken, tiefstehenden Winkelausschnitt, 
der an den beiden folgenden nur noch schwach angedeutet erscheint — Von 
den Buteonen unterscheidet sich übrigens diese Gruppe am besten durch den 
Mangel der Bindehaut der Zehen, und die Kerbung des inneren scharfen Ran- 
des der Mittelkralle. 



gg 

5. POLYBORUS. (Caracara Cuv.) 

Das fast nackte Gesicht und die stark entwickelten Wimpern an den Au- 
genliedern unterscheiden diese Gruppe Ton der vorigen, und bringen jsie in eine 
nahe Beziehung zu der folgenden, welche überhaupt sowohl an Polyborus, als 
auch an Morphnus } sich am meisten anschliesst. 

1. F. a t er r iinu s Temm. pl, col. 37. und 342. Zweiundzwanzig Schwin- 
gen , die erste etwas kürzer als die siebente, die zweite etwas länger als die 
sechste, die dritte ebenso zur fünften sich verhaltend, aber die vierte ein we- 
nig länger als beide ; überhaupt die Handschwingen sehr lang und die Armschwin- 
gen sehr kurz , die vier ersten mit Verschmächtigung der inneren Fahne. Pte- 
rylose ohne Eigenheiten, alle Fluren schmal, aber der Aussenast der Unterflur 
breiter und ganz frei, am Ende mit starkem Haken. Rückentheil der Spinal- 
flur kurz, halb sperrigfiederig, hinten dichtfiederig. Augenlieder mit kleinen Wim- 
pern. Nasenloch mit dem Zentralzapfen, wie bei Edelfalken. 

2. F. Degen er Illig. Schnabel mit den Nasenlöchern und Wangen ganz 
wie bei der vorigen Art, aber die Pterylose in allen Theilen etwas kräftiger und 
die Spinalflur verschieden, nehmlich ganz auffallend kurz gegabelt, ihre Schen- 
kel breit und stark divergirend. Bis zu ihnen reicht der hintere Theil mit sei- 
nen vordersten sperrigen Federn. — Schwingen nicht vollzählig, die vier er- 
sten stufig, die erste so lang wie die siebente, die zweite länger als die 
sechste, die dritte mit der vierten gleich lang, und die längsten, die fünfte we- 
nig kürzer als beide; die drei ersten mit schwachem Winkelausschnitt der in- 
neren Fahne. 

3. F. Cheriway s. brasiliensis , Viejll. galer. I. pl. 7. Im Schnabel- 
bau weicht diese Art durch die auffallende Höhe desselben und die schiefe Stel- 
lung der langgezogenen Nasenlöcher ab. Auch die Pterylose ist, bei übrigens 
grosser Uebereinstimmung mit der von F. Degener, dadurch verschieden, dass 
sich der Rückentheil der Spinalflur auf der Schwanzgrube elliptisch erweitert, und 
hier einen schmalen lanzettförmigen Inselrain umschliesst; eine mir sonst bei 
Falken nicht wieder vorgekommene Bildung. Schwingen nicht vollzählig, die 
fünf ersten mit Verschmächtigung der inneren Fahnenseite, die dritte und vierte 
die längsten. — 

Nitzsch Pterylographie. ^2 



90 



6. G Y P G E R A N U S. 

Der merkwürdige, unter dem Namen des Reiherfalken (F. serpentarius 
Gmel.) bekannte Vogel, welcher den einzigen Repräsentanten dieser Gruppe 
bildet, scheint mir seinem Gesammtbau nach den Untergattungen Morphnus und 
Polyborus am nächsten zukommen, und eigentlich bloss eine sehr excessive Form 
des langläufigen Typus zu sein, welcher den meisten Mitgliedern dieser Gruppen 
eigen ist. Auch die totale Beschienung des Laufs ist keinesweges eine ihm eigen- 
thümliche Abweichung, sie findet sich schon in der Anlage bei F- anthracinusLiciiT., 
der, abgesehen von den Unterschieden in der Pterylose, dem F. Urubitinga am 
nächsten steht. Indess ist unser Gypogeranus in mancher Hinsicht auch ptery- 
lographisch eigen thümlich, namentlich am meisten durch den Zusammenhang der 
beiden Halszüge der Unterflur unter einander bis zu dem Punkte, wo der Innen- 
ast von ihnen ausgeht. Dieser fehlt nicht , ist aber sehr schmal. Breiter da- 
gegen, und wohl zweimal so breit wie der Hauptzug, ist der Aussenast, dabei 
aber ganz frei, und weit vom Hauptzuge entfernt. Letzterer steigt sehr dicht 
am Kamm des Brustbeins herab, und begiebt sich erst auf dem Bauche etwas 
mehr nach aussen , hier in bedeutender Entfernung vom After endend. Breit 
und dichtfiederig ist der Halstheil der Spinalflur, in dem auch die beiden Reihen 
grösserer Nackenfedern sich befinden; seine Gabeläste zwischen den Schultern 
sind kurz, aber doch breit. Der Rückentheil beginnt mit zwei parallelen Reihen 
einzelner Federn an der Gabel, geht so fort bis zur Schwanzgrube, und wird 
hier breiter, ist aber seitlich unbestimmt begrenzt und sperrigfiederig. Die Len- 
denfluren sind vorhanden, zweireihig, aber nicht lang. An den Flügeln zähl- 
te ich achtundz wanzig auffallend spitze Schwingen, von denen die erste der 
siebenten gleicht und die zweite der sechsten ; die dritte, vierte und fünfte sind 
die längsten, auch unter sich in so weit gleich, als die vierte die beiden ande- 
ren um ein Geringes überragt. Die fünf ersten haben eine sehr tief stehende 
Fahnenverschmächtigung , und reichen in der Ruhe ziemlich bis auf die Mitte 
des Schwanzes. Die Steuerfedern sind stufig und spitz, aber die beiden mittle- 
ren stumpf und plötzlich viel länger. Die nackten Zügel, Wangen, Backen und 
Augenlieder sind zwar dieser Gruppe nicht eigenthümlich, allein wohl bei keiner 
anderen so vollständig. Hiermit scheinen die grossen sehr starken Wimpern, 
deren ich dreissig am oberen und halb so viele am unteren Augenliede zählte, 



ei 

in Beziehung zu stehen, denn überall bei nacktwangigen Falken finde ich sie 
sehr entwickelt, und dagegen klein bei denen, bei welchen diese Gegenden be- 
fiedert bleiben. — Schnabel ohne alle Zahubildung oder Winkelung am Rande 
des Oberkiefers, ganz wie bei Morphnus, Polyborus und Buteo, auch in demselben 
Grössen verhältniss , und viel kraftiger als bei Perms, Astur , Milvus und Circus, 
bei welchen Gattungen eine mehr oder minder bemerkbare Winkelung des Ober- 
schnabelrandes aufzutreten pflegt. — 

7. P E R N I S. 

F. apivorus. (Taf.II. Fig. 4.) Zügel und Augengegend dicht befiedert, selbst 
die .Augenlieder, deren Wimpern ganz fehlen. Die Pteiylose völlig wie b^i Buleo, 
der Aussenast des Brustzuges ganz frei, mit bemerkbarem Endhaken; der Iimenast 
am Ende des Halstheils deutlicher und länger. Piückentheil mit zwei divergi- 
renden Federnreihen, die bis zur Schultergabcl reichen, sonst schmal. Vier- 
uudzwanzig Schwingen, bisweilen eine weniger, die erste kaum so lang wie 
die siebente , die zweite länger als die sechste , die dritte nur wenig kürzer als 
die vierte, längste; nur die drei ersten mit einer tief unten beginnenden Ver- 



schmälerung der Fahne. 



8. A S T U R. 



Von dieser Gruppe untersuchte ich F. palumbarius 9 nisus, gabar (Temm. 
pl. col. 122.) und nitidus Lath. (F. striohtlus Temm. pl, col. 87.). In der 
Pterylose fand ich Alles' wie bei Pernis, doch scheint der Aussenast des 
Brustzuges etwas kürzer, aber oben mehr an den gleich breiten Stamm ange- 
drückt zu sein; dagegen ist der Endhaken und der Innenast ebenso deutlich. 
Lendenfluren fehlen wohl ganz, oder bestehen nur, wie bei Pernis, ans einer 
einzigen Reihe weniger Federn, Flügel reichen bis zum Aufang des Schwanzes 
und enthalten dreiundzwanzig bis sechsundzwanzig Schwingen; die erste gleicht 
oft kaum der zehnten, die zweite der siebenten oder achten, die dritte der 
sechsten, die vierte der fünften, ist jedoch in der Piegel etwas länger und dann 
die längste von allen. Die fünf bis sechs ersten mit allmälig schwächerer Ver- 



schmälerung der inneren Fahnenhälfte. — 



12 



92 

9. milvus. 

Pterylose nicht eigenthümlich , der Innenast am Halstheil deutlich, aber 
kurz; der Aussenast ganz frei, mit bemerkbaren Endhaken. Rückentheil der 
Spinalflur in der Regel lang. Schwingen auffallend lang, sehr spitz, die dritte 
mit der vierten die längste, die erste von der Länge der siebenten oder achten; 
die drei bis fünf ersten mit scharfem tiefstehendem Winkelausschnitt und darauf 
folgender Verschmächtigung der inneren Fahuenhälfte. 
A. Schwanz gabelig. 

Aus dieser Gruppe untersuchte ich F. milvus, «fer und furcalus. Bei al- 
len ist der Gruppentypus vollständig entwickelt; auch haben sie die Lendenflu- 
ren, wenngleich sehr schwach. Bei milvus und aler ist die vierte, bei furca- 
lus die dritte Schwinge die längste. 

b. Schwanz abgestutzt. 
Hieher ziehe ich F. pondicerianus , der in der übrigen Organisation ganz 
mit F. milvus übereinkommt, und auch in der Pterylose bloss durch den Man- 
gel der Lendenfluren abweicht. Weniger bestimmt lässt sich F- plumbeus (Icti- 
nia Vieill. Temm. pl. col. 180. jung) hierher stellen, doch weicht er pterylo- 
graphisch nur durch einen dichter an den Hauptzug gerückten Aussenast der 
Unterflur ab. Seine Flügel sind ganz wie bei F. milvus, die vierte Schwinge ist 
wenig länger als die dritte, welche, wie die beiden früheren, einen schwächeren 
Winkelausschnitt hat. Im Ganzen sind dreiundzwanzig Schwingen vorhanden, 
und die Lendenflur fehlt nicht. Der Zahn am Schnabel, welcher diese Art aus- 
zeichnet, ist auch bei F. pondicerianus und den ächten Milanen angedeutet. 

10. E L A N U S. 

Die Pterylose rechtfertigt die Absonderung dieser Gruppe von der vorigen, 
nach Untersuchung des F. melanopterus (Temm. pl. cot. 85, alt; 519, jung), voll- 
ständig. 

Es ist nehmlich der Halstheil der Unterflur sehr schmal und sein Innenast 
auflallend lang. Der Aussenast des Brustzuges hängt bis auf drei Viertheile mit 
dem Hauptstamm zusammen , und entfernt sich dann noch, sehr merklich von 
ihm. Der Rückentheil der Spinalflur erreicht die Gabel des Schultertheils nicht, 



ig 

aber zwei Reihen einzelner Federn, die mit ihm parallel laufen, begeben sich 
dahin. Unmittelbar an den äusseren Seiten dieser Federnreihen beginnen die 
beiden grossen elliptischen nach hinten zugespitzten Puderdunenfluren, und rei- 
chen bis zu den Lendenfluren, die nur aus einer Reihe kleiner Federn bestehen. 
Die Flügel enthalten fünfundzwanzig Schwingen, von denen allein die erste einen 
wahren Winkelausschnitt hat und wenig kürzer ist als die zweite, längste. Die 
noch nicht erwähnte, aber bekannte, auflallend weiche, seidenartige Beschaffen- 
heit des Gefieders trägt übrigens nicht wenig zu der pterylographischen Differenz 
zwischen dieser Gruppe und der vorigen bei. 

ff. 

Als Repräsentanten einer besonderen Gruppe betrachte ich den merkwür- 
digen F. lopholes (Temm. pl. col. 10.), den Cuvier mit zu den Edelfalken zieht, 
wohin er aber gewiss nicht gehört. Pterylographisch schliesst er sich sehr an 
die vorigen Falken, namentlich durch den nur am Ende abgesonderten Aussen- 
ast der Unterflur und die deutlich vorhandenen, ebenda gelegenen Puderdunen- 
fluren. Die Flügel sind aber kurz, und enthalten vierundzwanzig Schwingen, von 
denen die ersten stufig sind. Ihr Verhältniss lässt sich nicht genau angeben, da 
sie im Anwachsen begriffen waren, doch dürfte die dritte die längste sein. Diese 
hat mit den zwei vorhergehenden einen tief stehenden unvollständigen Win- 
kelausschnitt. — 

12. D1PLODON. 

Unter diesem Namen sondere ich zwei von Temminck und Cuvier zu den 
Edelfalken gezogene Arten als Gruppe ab, die ebenso wenig, als die vorige, achte 
Edelfalken sind. Leider habe ich nur die eine Art: F. bidentatus Lath. (Temm. 
pl. col. 38.) genauer untersucht, und ziehe die zweite, F. Diodon Temm. pl. col. 
f9Ö- , bloss der äusseren Uebereinstimmuug nach hieher. Pterylographisch har- 
monirt übrigens F. bidentatus vollständig mit F. lophotes, doch ist der Aussenast 
der Unterflur noch weiter mit dem Stamm verbunden , als bei dieser Art. Der 
Rückentheil der Spinalflur bleibt weit ab vom Schultertheil, und hat keine Fe- 
dernreihe neben sich. Die Puderdunenfluren erstrecken sich als schmale Strei- 
fen nach vorn bis zu den Schultern. Schwingen zählte ich dreiundzwanzig; die 
erste war so lang wie die neunte, die zweite wie dritte im Nachwachsen be- 



■"-■^^^"^"^^^^^^^■■■■i 



94 



griffen, die vierte merklich länger als die fünfte, also wohl sie, oder die dritte, 
die längste. Der Ausschnitt der ersten Schwinge ist schwach, so gut wie 
nicht vorhanden. — 

13. C I R C U S. 
Die von mir untersuchten Arten dieser Gruppe, als: F- pygargus, aerugi- 
nosus und cinerarius , stimmen in allen Verhältnissen der Pterylose mit Milvus, 
Pernis und Astur überein, namentlich in der schmalen Form der Fluren, in dem 
Verhältniss des Rückentheils der Spinalflur, in der Kleinheit der Lendenflur, in der 
Kürze des Innenastes der Halsflur; und möchten bloss durch eine schiefe Stel- 
lung des Aussenastes der Unterflur, w elcher also dem Hauptzuge nicht parallel 
läuft, und daher oben etwas mehr als bei jenen Falken mit ihm zusammenhängt, 
von ihnen verschieden sein. Ein deutlicher ovaler Rain vor dem Ohr und unter 
dem Auge , welchen ich wenigstens bei F. pygargus fand , vermehrt diesen Un- 
terschied; am sichersten aber lassen die zu beiden Seiten des Rückentheils der 
Spinalflur bis zu den Schultern hinaufsteigenden Puderdunenfluren die Weihen 
als eine wenigstens von allen Europäischen Falken abweichende Form erkennen. 
An den spitzen und schmalen Flügeln fand ich vierundzwanzig bis fünfundzwan- 
zig Schwingen, von denen die erste der sechsten oder siebenten gleicht, "die 
zweite nicht völlig der fünften, und die dritte mit der vierten entweder von 
gleicher Länge ist, oder sie nicht ganz erreicht. Die vier letzten haben einen 
sehr unvollkommenen Winkelausschnitt und eine entsprechende Verschmächti- 
gung der inneren Fahne. 

Schliesslich gedenke ich noch des Nestduuenkleides der Tagraubvögel, 
welches ich zumal bei Falco aeruginosus und palumbarius genauer untersucht 
habe. Es besteht, wie gewöhnlich (siehe S. 18), aus dunigen Aesten, welche auf 
den zuerst fertig werdenden Aesten aller Konturfedern, sogar der Schwin- 
gen und Steuerfedern, aufsitzen und verlohren gehen, je mehr der Vogel flügge 
wird. Uebrigens ist der ganze Körper, mit Ausnahme der Achselhöhle und des 
Halsseitenraines, mit wahren bleibenden Dunen, die durchaus keine vergängli- 
chen Spitzen tragen, bekleidet. Borstenartige Spitzen an dieseu Nestdunen, wie 
sie sonst wohl, z.B. bei den Laufvögeln (vergl. den II. Theil, sechstes Ka- 
pitel) vorkommen , fand ich hier nicht. — 



95 



II. Nachtraubvögel. Accipitrinae nocturnae 

Zwei Punkte sind es, welche ;diese Gruppe pterylographisch von der ihr 
korrespondirenden früheren wesentlich unterscheiden, nehmlich der beständige 
Mangel des Afterschaftes, nnd der Mangel des Federnkranzes am Zi- 
pfel der Bürzeldrüse. Ausserdem lässt sich noch die auffallende Grösse aller 
Konturfedern, und die daraus folgende Enge der Fluren, als allgemeiner Charakter 
der Eulen hervorheben. Letztere bestehen an vielen Stellen, zumal an den 
beiden Halstheilen der Unterflur, nur ans zwei Federnreihen, gewöhnlich aber, 
wie am Rückentheil der Spinalflur, aus drei Reihen, deren Federn abwechselnd 
stehen, so dass immer zwei Federn jeder äusseren Reihe mit einer der mittleren 
einen Quiucunx bilden. Nur am Nackenstreif und an den Bruststreifen pflegen 
mehr Reihen, und dann meistens fünf, vorhanden zu sein. Zwischen diesen 
Federn der Fluren fehlen die Dunen wohl ganz , wenigstens vermisste ich sie 
immer, wo ich genau darauf achtete. Die Form der Fluren betreffend, so 
stimmt sie zwar im allgemeinen mit der der Falken überein , hat indess auch 
bemerkenswerthe Unterschiede. Dahin gehört es vor allen, dass bei den Eulen 
die Kehlgegend zwischen den Unterkieferästen niemals kontinuirlich befiedert 
ist (Taf. II. Fig. 8. H-), sondern die Unterflur als schmaler Streif schon vom 
Kinuwiiikel ausgeht, und dann auf der Mitte des Halses, oder erst dicht vor 
dem Gabelbein, sich spaltet; aber nie einen inneren Ast aussendet. Ferner 
sind die Rumpfzüge der Unterflur, wie bei Circus, sehr dicht an den Kamm des 
Brustbeines gerückt, dabei geschwungen, sich gegen die Bauchfläche hin von 
einander mehr entfernend, und erst am After zusammentreffend. Auch die Spi- 
nalflur zeigt, bei gleicher Anlage mit dem Haupttypus der Falken, den Unter- 
schied, dass die beiden Schenkel des Rückentheils, welche zur Gabel des Schul- 
tertheils sich begeben, wohl immer aus zwei Federnreihen bestehen. 

Die Verschiedenheiten der Arten unter einander zeigt folgende Gruppirung. 

1. Eulen mit hinten freiem Aussenast der Unterflur. 

Diese Form der Uuterflur, welche aus Taf. II. Fig. 8. ersichtlich ist, stimmt 
völlig mit dem Haupttypus der Falken überein ; auch der vom Ende des Aussen- 
astes entspringende und zum Jn/poplerum hinlaufende Haken fehlt in der Regel 



96 

nicht. Nach dem Schultertheil der Spinalflur bilden die hierher gehörigen Arten 
wieder zwei Gruppen. 

A. Mit tief gespaltener Gabelung des Schültertheiles der Spinalflur. 

In diesem Fall reicht die Gabelung bis zum Ende des Halses, dem cigentp. 
lichen Nacken, und steht immer durch zwei wenig divergirende zweireihige 
Konturfedernstreifen mit dem von der Schwanzgrube an einfachen Rückentheil 
in Verbindung. Derselbe begiebt sich nicht bloss bis zur Bürzeldrüse, sondern 
umfasst sie noch mit seinen Federn. 

a. Mit Ohrbüscheln. 

i. B U B O. Cvy. 

ct. Läufe und Zehen befiedert. 

1. Str. bubo. Die Fluren, auf Taf. II. Fig. 8. 9. dargestellt, haben alle 
Charaktere dieser Gruppe vollständig ausgebildet, und können daher als Haupt- 
repräsentanten der achten Eulenbildung sehr wohl angesehen werden. Eine wahre 
Lendenflur fehlt; dagegen bemerkt man oben am Unterschenkel zwei Reihen 
stärkerer Kontürfedern, welche eine Art Hosen bilden. Am Flügel neunund- 
zwanzig Schwingen, die zwei letzten klein. Die drei ersten mit Winkelaus- 
schnitt der inneren Fahne; die erste durchgängig, die zweite nur an der Spilze 
mit gezähntem Rande der äusseren Fahne; jene etwas kürzer als die fünfte, 
die dritte die längste, aber sehr wenig länger als die zweite und vierte. 

2. Str. mexicana. Fluren ganz wie bei bubo; fünfundzwanzig (?) 
Schwingen, die drei ersten mit Winkelausschnitt der inneren Fahne dicht vor 
der Spitze, die erste, so lang wie die fünfte, oder gar etwas länger; die zweite 
die längste, die dritte wenig, aber die vierte merklich kürzer. 

o. Str. virginiana, Wils. Am. Om. IL 2o7. pl. 30. f. 1. Fluren ganz 
wie bei bubo, siebenundzwanzig Schwingen, die drei ersten mit Winkelausschnitt 
der inneren Fahne nahe an der Spitze; die erste so lang wie die fünfte, die 
dritte die längste, aber wenig länger als die zweite und vierte. 

4. Str. lactea, Tjemm. pl. col.A. Alles wie bei bubo. 



gff 

ß. Länfe und Zehen nackt, von einer gleichmäs9ig warzigen Hanf bedeckt 
in welcher erst dicht vor der Kralle zwei bis drei Halbgürtel sich bil- 
den. Die Befiederung lässt hinten den Hacken frei , aber läuft vorn als 
ein zugespitzter Streif etwas am Lauf hinab. 

5. Str. ceylanensis Lath. (Str. ketupa Temm. pl. col. 74.) Alles wie 
bei Str. bubo , nur der Hauptzug der Unterflur war auf der Brust ganz abgerie- 
ben, unstreitig weil der Balg einem Weibchen angehört hatte, das brütete. 
Denn die Konturfedern dieses Theils gehen zur Brutzeit verlohren, wie ich es 
auch bei einheimischen Arten, namentlich bei Str. alueo und Str. ßammea, be- 
obachtet habe. Vierundzwanzig Schwingen, die drei ersten mit schwa- 
chem, tiefstehendem Winkelausschnitt, die erste der neunten gleich, die fünfte 
die längste, aber wenig länger als die vierte und sechste; die zweite und dritte 
merklich verkürzt. — 

6. Str. Leschenauldiif Temm. pl. col. 20. Vierundzwanzig Schwingen» 
die vier ersten mit bemerkbarem Winkelausschnitt, welcher an den zwei ersten 
viel beträchtlicher ist 5 erste Schwinge ein wenig länger als die achte, die zweite 
der fünften gleich, die dritte und vierte gleich lang, aber wenig länger als die 
benachbarten. — 

2. O T U S Cuv. 

Pterylose ziemlich wie bei Bubo , aber die grösseren Konturfedern am Un- 
terschenkel stehen höher, etwa am Knie, und setzen sich auch auf den Anfang 
des Oberschenkels fort, hier eine massig starke Lendenflur bildend. Auch be- 
merkt man noch zwei Streifen zweireihiger zarter Konturfedern, die an beiden 
Seiten des Rückentheils der Spinalflur in starkem Abstände von ihr parallel vom 
Schulterblatt bis zum Hüftgelenk herablaufen. Die Gabel des Schultertheils sper- 
riger und die Schenkel des Rückentheils kürzer, mithin der einfache Hauptzug 
länger als bei Bubo. 

i, Str. Otus. Vierundzwanzig Schwingen, die zweite und dritte die 
längsten, beide mit einem wenig merklichen Winkelausschnitt der inneren Fahne 
nahe an der Spitze. 

2. Str. braehyotus. Vierundzwanzig Schwingen, die zweite die läng- 
ste, die erste etwas kürzer als die dritte, und sie, die erste, mit einem Win- 
kelausschnitt gejien das Ende der inneren Fahne. 

Nitzsch Pterylographie. |3 



3. S C O P S. C ü v. 

In der Pterylose finde ich durchaus keinen anderen Unterschied von Bubo, 
als dass die Fluren, zumal der Rückentheil der Spinalflur, zarter sind. 

1. Str.Asio, Temm. pl. coL 80. Zweiundzwanzig Schwingen, die vier 
ersten mit schwachem , unterem Winkelausschnitt der inneren Fahne und stufig, 
die vierte die längste, die dritte gleicht der sechsten, die zweite der siebenten, 
die erste kaum der neunten. 

2. Str. scops. Dreiundzwanzig Schwingen, die drei ersten mit einem 
der Spitze nahe stehenden starken Winkelausschnitt der inneren Fahnenhälfte, 
die erste so lang wie die fünfte, die zweite und dritte fast gleich lang, doch 
letztere die längste. Keine Ohrklappe. Zehen nackt. 

b. Ohne Ohrbüschel. 

1. Str. aluco. Pterylose ganz wie bei Bubo, nur der Rückentheil der 
Spinalflur scheint anfangs vom Schultertheil getrennt zu sein, und die ihn mit 
letzterem verbindenden konvergirenden Federnreihen scheinen zu fehlen. Len- 
denfluren vorhanden und ansehnlich. Dreiundzwanzig Schwingen, die erste bis 
fünfte mit Winkelausschnitt , die vierte und fünfte die längsten. — Schon oben 
erwähnte ich, dass bei brütenden Weibchen die Konturfedern des Hauptzuges der 
Unterflur fehlen, und dadurch die Brutflecke entstehen; der äussere Ast war 
dabei nicht im Geringsten mit angegriffen. 

2. Str. uralensis , Temm. pl. col. 27- Die Pterylose konnte ich nicht 
untersuchen , ebenso wenig die Anzahl der Schwingen genau ermitteln ; ich er- 
wähne daher bloss, dass die erste der zehnten gleicht, und dass die vierte und 
fünfte die längsten sind. Die drei bis vier ersten haben einen Winkelausschnitt. 

3. Sir. lapponica. Auch diese Art, welche den beiden vorigen am 
nächsten steht, und gnnz das Ansehn eines jungen Vogels hat, habe ich bloss 
ausgestopft zu Berlin und Paris untersuchen können. Schwingenzahl nicht genau 
bestimmbar, die erste nur so lang wie die zehnte, die zweite wie die siebente, 
die dritte wie die sechste, die vierte und fünfte die längsten; die vier ersten 
mit rechtwinkeligem Ausschnitt der inneren Fahue, welcher der Spitze sehr 
nahe ist. 

4. Str. nycicct. Pterylose ganz wie bei Aluco, die Spinalflur hinter der 



99 

Gabelung unterbrochen , aber die Lücke kürzer. Neunundzwanzig Schwingen, 
die erste fast so lang wie die fünfte, die zweite wie die vierte, die dritte nur 
wenig länger, aber doch die längste. Die sechsundzwanzigste steht am Ellen- 
bogen. Dem Daumen fehlt der Krallnagel. 

A. Mit kurz gespaltenem Schultertheil der Spinalflar. 

Die Spaltung dieses Theils ist zwar in der Regel noch bemerkbar, aber 
doch beständig kürzer als die halbe Entfernung der Gabelenden vom Ende des 
Halses. Oefters hat man Mühe, eine Gabelbildung überhaupt noch zu erken- 
nen. Mit ihr steht der Rückentheil immer durch zwei konvergirende Reihen 
einzelner Federn in Verbindung. Alle anderen Verhältnisse der Pterylose 
weichen von der bei Bubo und Aluco geschilderten durchaus nicht ab, auch die 
Lendenflur ist vorhanden. — 

a. Mit ziemlich deutlicher Gabelung. 

1. Str. nisorea. Vierundzwanzig Schwingen, die erste so lang wie die 
sechste, die zweite die Mitte haltend zwischen der vierten und fünften, die dritte 
etwas länger als die vierte ; die drei ersten mit einem der Spitze ziemlich nahe 
gelegenen Winkelausschnitt. 

2. Str. cunicularia, Temm. pl. col. 146. Alles wie bei der vorigen 
Art, aber die erste Schwinge gleicht schon der fünften, und hat allein einen 
Winkelausschnitt. 

5. Str. pygmaea, Bechst. Genau wie beide vorigen Arten. Schwin- 
gen, wie der ganze Vogel, in der Mauser begriffen, daher die Verhältnisse un- 
bestimmbar. 

b. Mit kaum bemerkbarer Gabelung. 

4. Str. passerina, Bechst. Vier- oder fünfundzwanzig Schwingen, die 
erste von der Länge der fünften oder sechsten, die dritte und vierte die läng- 
sten, besonders letztere 5 die vier ersten mit deutlichem Winkelausschnitt, und die 
zweite bis vierte mit einer entsprechenden Verschmälerung der äusseren Fahne. 

o. Str. da-sypuSf Bechst. Pterylose auffallend zart, das heisst die Flu- 
ren sehr schmal an allen Theilen. Schultertheil fast gar nicht gespalten. Drei- 
undzwunzig Schwingen , die zwei ersten mit starkem Winkelausschnitt neben 

13 * 



top 

der Spitze ; die erste gleicht der achten , die zweite der fünften , und die dritte 
ist die längste.' 

6. Str. putnila, Temm. pl. col. 59. Fluren genau wie hei der Vorigen. 
Fünfundzwanzig Schwingen, die zwei ersten mit schwächerem tiefer stehendem 
Winkelausschnitt ; die erste kürzer als alle Handschwingen, die zweite gleicht 
der siebenten , die dritte der fünften, und die vierte ist sehr wenig länger 
als beide. — 

2. Eulen, deren Aussenast der Uuterflur hinten in den Stamm zurückkehrt. 

Die zu dieser Gruppe gehörigen Schleiereulen (Str.ßammea Linn. , Str. 
perlata Licht. , Str. furcata Temm. , Str. badia Temm.) sind in jeder Beziehung 
so eigentümlich organisirte und von den übrigen Eulen so sehr abweichende 
Vögel, dass ich ihnen den Rang einer besonderen Gattung zuerkennen muss, 
für welche ich den Namen Hybris in Vorschlag bringe. Verweilen wir indess 
hier bloss bei den pterylographischen Differenzen. Dieselben beschränken sich 
der Hauptsache nach auf die in der Ueberschrift angegebene, aus Taf. IT. Fig. II. 
näher ersichtliche Form des Aussenastes der Unterflur, welche genau mit der 
von Catharles übereinstimmt, und nur darin verschieden ist, dass bei Hybris 
die . Konturfedern zahlreicher sind und dichter stehen. Auch hier hatte ich Ge- 
legenheit, die Bildung der Brutflecke durch Schwinden der Konturfedern an 
dem Theile des Hauptzuges, welcher dem Ast gegenüber liegt, zu beobachten. 
Bei den Männchen, die ich zu derselben Jahreszeit darauf untersuchte, fand ich 
die Brutflecke nicht. — Vierundzwanzig Schwingen, keine mit einem Winkel- 
ausschnitt, die drei ersten beinahe gleich lang, aber die zweite in der That die 
längste. Bürzeldrüse kurz herzförmig, nach vorn sehr breit, mit grosser tief 
hineinreichender Höhle und zwei winzigen Federn am Zipfel über den Oeff- 
nungen, die nicht zufällig sein können, da ich sie immer gefunden habe. 

Der Schleier,' nach dem diese Gruppe ihren Namen führt, und der bei ihr 
auch am vollständigsten ist, besteht bei allen Eulen aus mehreren Pieihen star- 
ker, aber kleiner, sehr gekrümmter Konturfedern, welche vorn über dem Auge 
am Schnabelgrunde ihren Anfang nehmen, an den Seiten der Stirn und des Schei- 
tels fortlaufen, in einem Bogen hinter der OhröfFuung hinabsteigen und sich un- 
ter dieser und dem Auge am Rande des Unterkiefers fortsetzen, bis sie an der 



tot 

Kehle, vorn zwischen den Aesten des Unterkiefers, wieder unter einem Bogen 
zusammenstossen. Die ganze Gegend der Haut, wo diese Federn stehen, ist 
faltenartig gehoben, besonders an der Stelle hinter der Ohröffnung, und in die- 
ser Falte stecken die sehr derben Spuhlen der bezeichneten Federn. Gemei- 
niglich sieht man diese kleinen Federn gar nicht, weil die langen, sperrigästigen, 
zum Theil borstenförmigen Federn des Zügels, der Augengegend und der Backen 
sich über sie legen , und diese sind es dann , welche den eigentlichen Schleier, 
das heisst den Federnkranz um das Auge, bilden. In der Gegend zwischen Auge 
und Ohr sind diese Federn sehr zahlreich, und stehen auf einer hier aus den 
Kopfbedeckungen plötzlich sich erhebenden zweiten hohen Hautfalte, welche sich 
vor die grosse Ohröffnung legt, und dieselbe verschliesst (Taf. II. Fig. 11. stellt 
die Falte zurückgeschlagen vor). Mit der Grösse des Schleiers nimmt auch diese 
Falte, passend Ohrdeckel genannt, zu und ist daher bei Str. ßammea aus- 
nehmend gross, aber auch stark genug bei Str. otus und brachyotus, bei Str. alu- 
co , uralensis und lapponica. Sehr klein, beinahe fehlend, fand ich sie bei 
Str. nyclea, Str. nisoria und den kleinen Käuzen. Hiermit hängt denn auch die 
geringe Entwickelung des Schleiers zusammen. Die Schleierfedern von Str. otus 
sind besonders merkwürdig, weil sie aus einer sehr grossen, oben ganz offenen 
Spuhle bestehen, an der ein sehr kleiner, sperrigästiger Schaft sitzt. Sie geben 
durch diesen Bau einen sehr bestimmten Beweis ab für die Deutung des Schaftes 
als einseitige Verlängerung des äussersten abgekehrtesten Punktes der oberen 
Spuhlenkaute. Uebrigens ist in dem Maasse, als der Schleier unvollkommner 
wird , auch die Hautfalte schwächer , auf welcher die kleinen kräftigen Kontur- 
federn sitzen, und es fehlen alsdann wohl immer diejenigen Theile der Falte, 
welche vor dem Auge im Gesicht sich befinden. Es treten in einem solchen Fal- 
le bloss zwei gesonderte kleine Hautfalten am Ohr auf, eine vordere, welche 
den Deckel bildet, uud eine hintere, welche man der Ohrmuschel vergleichen 
könnte- — 



1Q3 

Z w est es Kapitel. 

Singvögel. Passerinäe. 

Die pterylographische Mannigfaltigkeit in dieser grossen , zwei Fünftel aller 
bekannten Vögel enthaltenden Gruppe ist ungleich geringer, als in der vorigen 
oder folgenden , und es bestätigt auch dieser Theil ihrer Organisation die mir 
aus allen Verhältnissen der Singvogel hervorgegangene Erfahrung, dass sie, in 
ihrem richtigen und natürlichen Umfange genommen, die konstanteste und gleich- 
förmigste Gruppe sind, welche es unter den Vögeln giebt, nnd dass man daher 
ganz besonders umsichtig verfahren müsse , wenn man die wenigen Differenzen, 
welche sie darbieten, zu einer Gruppirung der Arten zu natürlichen Gattungen, 
Untergattungen und Familien benutzen will. *) Folgende pterylographische Merk- 
mahle sind allgemein und beachtenswerth. 

Die Konturfedern haben in der Regel einen sehr schwachen nur flaumigen 
Afterschaft *-*) , aber keine Dunen zwischen sich, eine Gattung (Cinclus) ausge- 
nommen. Auch an den Rainen fehlen die Dunen in den meisten Fällen ganz, 
oder stehen doch sehr einzeln. Die Zahl der Konturfedern ist wenn auch nicht 
die kleinste, welche bei Vögeln vorkommt, doch ohne Frage sehr gering. Sie 
bilden ohne Ausnahme eingeschränkte schmale Fluren, und lassen den grösseren 
Theil des Rumpfes unbesetzt. Die Anzahl dieser. Fluren ist die gewöhnliche, 
doch sind unter ihnen bloss die Verhältnisse der Spinal- und Unterflur charakte- 
ristisch. Den Kopf bekleidet in der Regel eine ununterbrochene Befiederung, 
in welcher jedoch unmittelbar hinter dem Auge eine kleine nackte, rundliche, 
von den Konturfedern bedeckte Stelle wahrgenommen wird, die ich Schläfen- 
rain (s. oben S. ol.) nenne (vergl. Taf. III.). Dieser Rain fehlt auch oft, z. B. 
bei Tanagra, Pardalotus und anderen. Vom Kopfe gehen zwei Fluronzüge aus, 
einer im Nacken als Anfang der Spinalflur, der zweite von der dichtbefiederten 
Kehle als Anfang der Unterflur. Jeuer, die Spinal flur, bildet immer einen 



*) Man vergleiche über die gesammte Organisation dieser Gruppe den Artikel Passerinäe in 
Eksch und Grubek's Enzyklopädie, dritte Sekt. Bd. XIII. S. 139; welcher nach einem Aufsatze von 
Nitzsch bearbeitet worden ist. Bk. 

**) Nicht immer habe ich ihn entdecken können, und muss daher annehmen, dass er mitunter 
fehle, z. B. bei Ocypterus, Eurylaimus, 



108 



schmalen linienförmigen oder bandförmigen Streifen, ist niemals zwischen den 
Schulterblättern abgesetzt, und erst auf dem Rücken hinter den Schulterblättern 
in einen rhomboidalen oder elliptischen Sattel ausgebreitet, welcher in vielen 
Fällen einen ovalen oder schlitzförmigen Rain, den Sattelrain (aplerium sei- 
hte), umschliesst. Hinter dem Sattel beginnt der Bürzelstreif, und zwar, wenn 
ein Rain da ist, häufig mit zwei konvergirenden Reihen einzelner oder doppel- 
ter Konturfedern (Taf. III. Fig. 13-), wird aber auf der Schwanzgrube wieder 
ein einfacher meistens etwas breiterer Zug, welcher an der Bürzeldrüse aufhört. 
Sehr selten scheinen die beiden Federnreihen hinter dem Sattel zu fehlen, z. B. 
bei Hirundo (Taf. III. Fig. 14.). Die Unterflur zerfält schon vor der Mitte 
des Halses in zwei symmetrische Hälften, von denen jede sich über die Mitte 
der Brust fortsetzt und vor dem After endet. Beide Hälften sind weit von ein- 
ander entfernt, entsenden auf der Mitte der Brust keinen eigentlichen Seitenast, 
sondern sind in dieser ganzen Strecke stark verbreitert, und erst am Ende der 
Verbreiterung ist die äussere Ecke etwas vom Zuge abgesetzt. Nur bei wenigen 
Gattungen, z. B. Menura (Taf. III. Fig. 11.) und GraTlina 9 reicht diese Abson- 
derung bis zur Mitte des breiteren Theiles, und hier kann von einem halb 
freien Aussen ast die Rede sein; gewöhnlich ist nur die Spitze abgesetzt 
(Taf. III. Fig. 9.) , doch in vielen Fällen (Taf. III. Fig. 7. 13.) auch diese nicht 
einmal. Der Bauchtheil endlich erreicht niemals den After, oder die hinter ihm 
befindliche Schwanzflur. Diese Verhältnisse beider Fluren finden sich ausserhalb 
der Passerineu etwa nur noch bei Trogon und Pogom'as, bei denen jedoch wie- 
der andere Verhältnisse der Pterylose eintreten, welche ihre Trennung von den 
Passerinen rechtfertigen. Die Schulterfluren der Singvögel sind klein, we- 
nigstens schmal, liegen sehr abwärts, quer über den Oberarm, sind durch einen 
sehr grossen oberen Flügelraiu von der Befiederung des Flügels getrennt, und 
stehen nach vorn wohl immer mit dem Halstheil der Unterflur in unmittelbarer, 
wenngleich schwacher Verbindung. Die Lendenfluren sind ebenfalls klein, 
und verbinden sich weder mit der Schwauzflur, noch erreichen sie das Knie; 
doch scheinen sie niemals ganz zu fehlen. Das hypoptermn, oder der Brust- 
armfittig, wie man es deutsch nennen könnte, fehlt ganz , und seine Ge- 
gend wird, gleich wie der untere Flügelrain, von den Federn, die am Rande 
der grossen Flughaut sitzen , bedeckt. Höchstens findet man Halbdunen an seiner 



1Q4 

Stelle. Das Parapterum, oder die Befiederung am hinteren Rande des Oberarms, 
daher Oberarmfittig, besteht nur aus wenigen kurzen Federn (Taf. III. Fig. 
2. 8. 9- 10.). Die Zahl der Schwingen beläuft sich bei den Passerinen am ge- 
wöhnlichsten auf achtzehn oder neunzehn. Wenn jene Anzahl da ist, so 
stehen nur neun am Handtheil, und die erste, wohl immer etwas verkleinerte, 
Schwinge fehlt ganz. So ist es bei Procnias, Tanagru, Pardcdotus 9 Euphorie, 
Erlngilht, Loxin , Emberiza, Anthus, Motaeilla und einigen anderen. Findet 
man aber neunzehn oder noch mehr Schwingen, so stehen immer zehn an 
der Hand, wie bei den übrigen Gattungen. Indess kommen auch beide Fälle 
in derselben Gattung vor, z.B. bei Alauda, Mehr als neunzehn Schwingen habe 
ich selten gefunden, z. B. zwanzig bei Coracina, Chasmarhynchus; noch mehr 
kamen mir nur ein einziges Mal bei Ptilorhynclms holosericeus (Temm. pL coh 
395. und 596.) vor, nehmlich drei- oder gar vierundzwanzig. Diese Verschie- 
denheit ist aber in einer so grossen Gruppe für äusserst gering zu achten, be- 
sonders wenn man weiss, wie viel grösser sie bei anderen Familien, z.B. den 
Raubvögeln, zu sein pflegt. Schwanzfedern sind so gut wie immer zwölf, 
nur Menura superba hat im männlichen Geschlecht sechszehn, und Phreno- 
trix wie Edolhts vielleicht immer, gewiss aber mitunter, nur zehn. Die Bür- 
zeldrüse endlich ist in die Breite gezogen und mit einem sehr kurzen, schma- 
len, abgesetzten, fast zylindrischen, am Ende abgerundeten Zipfel versehen, dem 
der Federnkranz um die Mündungen gänzlich fehlt, wie überhaupt diese Drüse 
bei den Passerinen ganz nackt ist, die Gattung Cinclus ausgenommen, welche 
kleine Dunen auf deren Oberfläche trägt. Kein anderer Vogel hat dies Organ 
von ganz gleicher Beschaffenheit, indem die meisten mit einem Federnkranze 
am Zipfel versehen sind, oder wo dieser fehlt, der Zipfel mit dem Körper all- 
mälig vereinigt ist, die ganze Drüse also eine kegelförmige Gestalt zeigt. — 

Auch die Bekleidung der allermeist*) ganz vom Haken herab nackten Füsse 
hat manches Auszeichnende, wenngleich dieselbe keinesweges ein so konstantes 
und charakteristisches äusseres Merkmahl für diese Gruppe abgiebt, wie neuer- 
dings behauptet worden ist. **) Sie besteht auf der Vorderseite des Laufs und 



*) Nur einige Schwalben haben befiederte Füsse. 
**) In Wiegmann's Archiv. 1839. 1. S. 332. 



IQ5 

der oberen der Zehen immer aus hornigen Halbgürteln, deren Anzahl am Lauf 
Ton zwei bis neun wechselt , auf den Zehen aber insofern konstanter ist , als 
über jeder Geleiikstelle ein kleiner Halbgürtel liegt und zwischen diesen ein oder 
zwei grössere. Hinterwärts bemerkt man oben am Haken, wie unten neben 
den Zehen, immer eine weiche, warzige Haut, aber zwischen diesen beiden 
Punkten in der Regel Schilder. Am gewöhnlichsten finden sich zwei lange, 
schmale, linienformige Schienen, die so auf der hinteren Fläche des Laufs auf- 
liegen, dass sie mit einander unter einer scharfen Kante zusammenstossen , und 
nach vorn von den umgebogenen Rändern der vorderen Schienen mit bedeckt 
werden. Oben berühren sie das Hackengelenk, unten reichen sie nicht völlig 
bis zum Daumen hinab, und haben hier oftmals noch ein oder zwei kleinere 
Schilder neben sich. Diese Rildung kann man als den eigentlichen Singvogelty- 
pus ansehen, da sie bei den meisten Gattungen sich findet, namentlich wohl im- 
mer bei Corvus, Glaucopis , Paradisea, Epimachus, Bombycilla, Tanagra, Eu- 
phone , Fringilla, Loxia, Emberiza, Ploceus , Cassinis, Icterus, Slurnus, Pa- 
stor, Buphaga, Oriolus, Lantus, Tamnophilus, Bethylus, Ceblepyris, Muscicapa, 
iZdolius , Lamprotornis , Turdus, Ixos, Accentor, Malurus, GraUina, Motacilla, 
Anthus , Saxicola, Sylvia, Regidus , Parus, Troglodytes, Cinclus, Pilla, Myo- 
thera, Anabates, Sitta, Dendrocolaptes , Certhia, Philedon, Nectarinea, Coe- 
reba und Hirundo. Jedoch eine ebenfalls nicht unbeträchtliche Anzahl von Gat- 
tungen hat diesen Rau keinesweges. Zunächst geht, wenn dieser Fuss dicker 
und plumper wird, wie bei Promerops Cuv. , Gracula (Eulabes Cuv.), manchen 
Slurnus- und Lantus - Arten , die hintere scharfe Kante, unter welcher die bei- 
den Stiefelschienen, wie ich sie nenne, aneinander zu stossen pflegen, ver- 
lohren, und es bildet sich hier eine Reihe eben solcher elliptischen Schuppen 
oder Warzen zwischen den Schienen, wie oberhalb und unterhalb derselben 
am Hacken und an der Zehengelenkung. Auffallender als dieser Unterschied, 
ist die Bildung von Alauda, Pteroptochus und Menura, wo statt der beiden 
langen Schienen zwei Reihen Schilder auftreten, von denen die innere Reihe, 
zumal nach unten, aus ganz schmalen elliptischen Schildchen besteht. Auf ei- 
ner dritten Modifikationsstufe geht dann diese innere Schilderreihe ganz verloh- 
ren, und es lässt nur noch die äussere eine Spur von sich, in der Gestalt von 
6 — 7 grösseren ovalen Schuppen, während die ganze übrige Hinterseite von 

Nitzsch Pterylographie. \\ 



106 

kleinen genabelten elliptischen Schuppen bedeckt ist. So finde ich die Bil- 
dung bei Psaris (Lan. cayanus , vulidus) und Musclcapa plumbea, anirnösa, 
ferox und anderen mehr. Eine vierte und letzte Modifikation ergiebt sich 
dann durch den völligen Mangel aller grösseren Schuppen unter den kleinen 
elliptischen, genabelten, welche den ganzen hinteren Theil des Laufs bekleiden. 
Diese Bildung ist der herrschende Typus bei den Ampeliden, namentlich bei 
Coracina , Cephalopterus , Gymnocephalus , Chasmarhynclius, Ampelis, Eurylai- 
tnus, Calyptomene , Rupicola und Phibalura; erleidet aber bei Eurylcrimus Co- 
rydon insofern eine Ausnahme, als diese Art, wegen der sehr dicken Läufe, 
grade auf der hinteren Kante eine Reihe parallelogrammatischer Schilder zwi- 
schen den Schuppen besitzt, die den übrigen Arten fehlen. Die genannten Gat- 
tungen zeichnen sich im ganzen durch dicke Läufe aus, und daher ist die hin- 
tere Schuppenbekleidung sehr breitj wird der Lauf dünner, zierlicher, so 
verschmälert sich die Schlippenbekleidung, und besteht dann nur noch aus 
zwei bis drei Reihen. So finde ich die Fussbekleidung bei Philedon auricu- 
laris und Syncdlaxis seteria, der einzigen Art dieser Gattung, welche ich un- 
tersuchen konnte.*) 

Zuletzt habe ich noch von dem Nestkleide der Passerinen die Bemerkung 
zu machen, dass es, wie bekannt, nicht aus Dunen besteht, sondern aus langen 
haarförmigen Gebilden, die auf den Spitzen der obersten, noch ganz jungen 
Konturfedernäste aufsitzen. Sie treten als ein sehr lockeres gelbliches Haar- 
oder Borstenkleid zuerst an den beiden Seiten des Kopfes, an den Schulterflu- 
ren und dem Sattel der Spinalflur hervor, und erscheinen etwas später auch 
an den übrigen Theilen der letzteren, den Lendenfluren, an den Spitzen 
der Armschwingen und vielleicht auch an den Spitzen der Steuerfedern ; 
dagegen habe ich sie an der ganzen Unterflur sehr junger Nesthocker nicht 
gefunden. 

Bei Beachtung der pterylographischen Differenzen, zu deren Angabe ich nun 
übergehe, zeigt sich bald, dass dieselben hier eben so wenig, wie bei den 
Raubvögeln, zu einer natürlichen Eintheilung benutzt werden können, da die 



*) Die hier gegebene Schilderung des Laufs der Siugvögcl gründet sich auf meinen eigenen Un- 
tersuchungen in der Hallischen akademischen Sammlung. Bit. 



10? 

verwandtesten Gattungen , aber nicht leicht Arten einer Gattung, in der Form 
des Sattels und des Brustzuges, den allein diflerenten Theilen der Pterylose, von 
einander abweichen. Ich folge daher hier derjenigen Gruppirung der Gattungen, 
welche ich für die natürlichste halte, und gebe bei jeder die mir bemerkens- 
werthen Eigenheiten und Abweichungen an. —r 

\. conriNAE. 

Alle von mir untersuchten Mitglieder dieser Familie haben einen breiten, 
seitlich scharfeckigen Sattel der Spinalflur, der einen länglich spaltenförmigen 
Rain enthält. Ich fand ferner neunzehn, selten zwanzig Schwingen und zehn 
an der Hand, von denen die erste bis dritte verkürzt, und die vierte und fünfte 
in der Regel die längsten sind; allein bei C fuliginosus und azureus, welche 
zwanzig Schwingen haben, sind die fünfte, sechste und auch wohl die siebente 
länger als alle andern, und die ersten vier stufig. Uebrigens ist die Verbreite- 
rung des Bruststreifs am Ende eine ziemliche Strecke vom Hauptzuge abgesetzt 
und der Rain dem hinteren kürzeren Theile des Sattels etwas näher gerückt, 
hier aber bloss von den zweireihig fedrigen Schenkeln des anfangs vier, später 
fünf, zuletzt gar sechs Federn breiten Bürzelzuges umfasst. Die Schwanzfedern 
sind gewöhnlich gleich lang, bei Corvus pica, vagabundus } fuliginosus und azu- 
reus aber stufig. 

Ganz denselben Bau der Fluren wie bei Corvus finde ich bei Glaucopis leu- 
copfera und cinerea; beide stimmen im Flügelschnitt am meisten mit C- fuli- 
ginosus überein. 

Bei Glaucopis varians Temm. (Plirenolrix Temia Horsf.) habe ich aber 
nicht bloss achtzehn Schwingen und neun an der Hand wahrgenommen, von 
denen die fünfte und sechste die längsten sind; sondern auch, was viel merk- 
würdiger ist, bloss zehn sehr stufige Schwanzfedern, deren zwei mittlere sich 
am Ende erweitern. Die genaueste Untersuchung liess keine Lücke im Schwanz 
erkennen. Uebrigens spricht auch die abweichende Befiederung der Nasengru- 
ben nicht bloss für die Absonderung dieser Art von Glaucopis , sondern auch 
für ihre Verbindung mit der folgenden Gruppe. 



14 



1Q8 

2. PARADIS1DAE. 

A. Ohne SaMelrain. 

1. Paradisea apoda (Taf. III. Fig. J3-). Der Sattel breit rhombisch, 
scharfeckig; die Unterflurzüge ohne Absatz des verbreiterten Theiles, aber beim 
Männchen merkwürdig wegen der grossen sehr dicht stehenden Schäfte der 
Schmuckfedern, welche allein in diesem Theile der Unterflur wurzeln, aber von 
kleinen zarteren Federn umgeben sind. Zwanzig Schwingen, zehn an der Hand, 
die eisten fünf stufig, die sechste die längste. 

2. Epimachus. Diese Gattung, welche man gewöhnlich in die Nähe des 
Wiedehopfs zu stellen pflegt, ist ohne allen Zweifel ein Mitglied der Passe- 
rinen -Gruppe, und verhält sich wohl zu Paradisea, wie Corvus graculus zu den 
ächten Raben und Krähen. Die beiden von mir untersuchten Arten: E. super- 
bus und regius, differiren etwas in der Pterylose; jener schliesst sich insofern 
mehr an Paradisea , als die Verbreiterung des Brustzuges am Ende nicht abge- 
setzt ist; allein die Rückenflur hat einen sehr schmalen kaum bemerkbaren Sat- 
tel. Bei E- regiits ist die Verbreiterung des Brustzuges am Ende sehr bestimmt 
abgesetzt, und der Sattel vollkommen herzförmig, nach hinten zweilappig. Zwi- 
schen beiden Lappen entspringt im Ausschnitt des Herzens der Bürzelstreif mit 
zwei Federnreihen , die sich etwas entfernen, und auf der Schwanzgrube zu 
drei und noch später zu vier Reihen anwachsen. Beide haben zwanzig Schwin- 
gen, wovon zehn an der Hand; die ersten stufig, die dritte bis fünfte bei E. re- 
gius die längsten, beim Männchen merkwürdig breit und am Ende ausgebuchtet. 

5. Gracula religiosa. (Eulabes Cuv.) Sattel wie bei Paradisea; 
Verbreiterung des Brustzuges am Ende abgesetzt. Neunzehn Schwingen, die 
vierte die längste. 

4. Kitta thalassina. (Taf. III. Fig. 6.) Sattel rhombisch, stumpfeckig, 
entsendet neben dem Bürzelstreif zwei Reihen einzelner Konturfedern. Schwin- 
gen unvollzählig. — 

B. Mit grossem Sattelraiu. 

5. Plilorhynchus holosericeus, Temm. pl. coh o96. Alle Fluren 
schmal, die Verbreiterung des Brustzuges am Ende abgesetzt. Sattel länglich 
rhombisch, mit einem lanzettlichen ebenso langen Rain. Drei- oder gar vier- 
undzwanzig Schwingen , die fünfte und sechste die längsten. — 



1Q9 

3. AMPELIDA E. 

a. Mit einem grossen zentralen Rain im Sattel der Spinalflnr. 

(Allen Mitgliedern dieser Gruppe fehlen die hinteren Stiefelschienen am Lauf; 
es treten statt ihrer elliptische Warzen auf, die jedoch hei den meisten grossen 
Ptjprä- Arten fehlen, und so den Lauf hinten ganz nackt lassen. Br.) 

i. Coracina, Zwanzig Schwingen oder eine mehr, die ersten bis zur 
sechsten stufig. Der Sattel an den Seiten scharfwinkelig. C- calva, C. scutata, 
C- rubricollis (Mnscic. Latii.). 

2. Cephalopterus. Schwingenzahl nicht genau erkannt; die Fluren aus 
der Abbildung auf Taf. III. Fig. 9. und 10. ersichtlich, von denen als Hauptun- 
terschied die langgestreckte, seitlich stumpfe Form des Sattels zu erwähnen ist. 
Auch die Absetzung der Halsuuterflur von der Brustflur hinter dem Kehlsack ist 
merkwürdig. Nur das Männchen hat den schönen Federnbusch, und statt seiner 
das Weibehen eine kurze aufrechte Stirnhaube. 

5. Chasmarhynclius nadicollis. Zwanzig oder einundzwanzig Schwin- 
gen, die dritte und vierte die längsten. Sattel seitlich scharfwinkelig und breit, 
wie bei Coracina. 

4. Eurylaimus. Achtzehn oder neunzehn Schwingen, die dritte, oder 
bei letzterer Zahl, die vierte die längste. Dieser Fall findet sich bloss bei 
E. Corydon, der auch einen mehr länglichen, seitlich stumpfen Sattel hat; da- 
gegen finde ich ihn kürzer, seitlich spitzer und achtzehn Schwingen, wovon neun 
an der Hand sitzen und die dritte die längste ist, bei E. Horsjicldii , nasuius 
und cucullalus. Bei allen sind die Schwanzfedern stufig. 

5. Calyptomene viridis Raffl. (Riipicola virid- Temm.). Pterjlose 
völlig wie die zweite Gruppe von Eurylaimus, aber neunzehn Schwingen, zehn 
an der Hand , und die dritte die längste. 

6. Pipra. Dem Beispiel Waglers (Isis 1830. 928) folgend, vereinige ich 
unter diesem Namen die Gattungen Pipra, Rupicola und Phibalura um so lie- 
ber, als alle von mir untersuchten Arten derselben keine Unterschiede in der 
Pterylose darbieten. Sie besitzen einen rhombischen Sattel , dessen länglicher 
Piain nach hinten bloss von zwei konvergirenden Reihen einzelner oder doppelt 
stehender Konturfedern umschlossen wird, welche auf der Schwanzgrube sich 



HO 

zum schmalen Bürzelstreif vereinen. Bei Allen ist der Bruststreif mit einem am 
Ende etwas abstehenden Ast versehen. Sie haben ferner neunzehn oder zwan- 
zig Schwingen, wovon zehn an der Hand, und unter diesen oft einzelne von 
seltsamer abweichender Bildung, mit auffallend verschmächtigter Fahne. Bei 
P. (Ampelis) carnifex , wo die drei ersten die längsten sind, ist die vierte und 
fünfte so eigen thümlich geformt; bei P. rupicola die erste und die vierte hier 
die längste. Diese Art hat vielleicht nur achtzehn Schwingen und neun an der 
Hand. Ausserdem untersuchte ich noch P. peruviana, P. filicauda, P. caudala 
und P- (Phibalura) Jlaviroslris, denen keine solche Schwingen zukommen. Letz- 
tere hat einen gabeligen Schwanz und spitze Flügel , deren zweite Schwinge 
die längste ist, jene beiden vorletzten haben stufige Schwänze, und die fünfte 
Schwinge ist die längste. Uebrigens sind bei Phibalura die Aüssenzehen am 
Grunde nicht verwachsen , und daher ist die Absonderung dieser als Gattung 
eher zulässig. 

b. Mit einfachem Sattel der Spiiialflnr. 
(Tn der Bekleidung des Laufs stimmen die Mitglieder dieser Sektion ganz 
mit dem Haupttypus der Passerinen überein, die hinteren Stiefelschienen fehlen 
also nicht. Br.) 

7. Procnias ventralis , Temm. pl- col. 5. Der Sattel ist nicht rhom- 
bisch, sondern parallelseitig, aber an beiden Enden zugespitzt und so in den 
vor und hinter ihm befindlichen Theil der Spinalflur übergeführt. Der Aussenast 
des Brustzuges nur sehr wenig frei am Ende. Achtzehn Schwingen, neun an 
der Hand, die drei ersten gleich und die längsten. 

8. Hypolliymus Licht. Der Sattel bei H. chrysorvhoea länglich, seitlich 
abgerundet; bei H. caesia kürzer, breiter, mit spitzen Seitenwinkeln. Brustast 
am Ende etwas gesondert. Neunzehn Schwingen , zehn an der Hand , die er- 
ste klein, die zweite und dritte verkürzt, zugespitzt; die vierte, fünfte und 
sechste gleich, die längsten und abgerundet. Schwanz doppelt so lang wie bei 
Procnias* 

9. Bombycilla. Pterylose ganz die der zweiten Art von HypotJiymus, 
d. h. ein rhombischer spitzwinkeliger Sattel und ein grader am Ende kaum ab- 
gesetzter Brustast. Neunzehn Schwingen, zehn an der Hand, die erste ganz auf- 
fallend klein, die zweite und dritte die längsten. Schwanz kurz, aber etwas 



111 

länger als bei Procnias, Bekannt und merkwürdig sind die Hornblättchen am 
Ende der Armschwingen und Steuerfedern. B. garrula, B. americana, — 

4. TANAGRIDAE. 

Alle Mitglieder dieser Gruppe stimmen, so Tiele ich auch deren untersuch- 
te, ganz und gar mit einander in der Pterylose überein. Sie haben achtzehn 
Schwingen, und neun an der Hand. Der Sattel ist ein scharfwinkeliger Rhom- 
bus, und der Aussenast des Brustzuges steht am Ende etwas ab. Der Schlä- 
fenrain scheint ihnen zu fehlen. 

1. Pardalotus punctatus. Erste bis dritte Schwinge gleich und die 
längsten. 

2. Euphone rufiventris* Erste Schwinge etwas kürzer, zweite dritte 
und vierte die längsten. E. diademata Temm. pl. col. 243., erste Schwinge stark 
verkürzt, die zweite massig, die dritte vierte und fünfte die längsten. 

3. Tanagra. Gewöhnlich die zweite dritte und vierte Schwinge die 
längsten, bisweilen die dritte vierte und fünfte. Untersucht wurden T. missi- 
sippensis, T. cyanislema hEss. f T.vittata, T '. coryphaea 3 T. Leveriana (Belhy- 
lusCuV'), T.archiepiscopus und andere. 

o. FR1NG1LLIDAE s. CONIROSTRES Cuv. 

Diese Gruppe schliesst sich pterylographisch ganz an die vorige , hat einen 
einfachen rhombischen Sattel, einen kaum am Ende abgesetzten Brustast, und 
achtzehn Schwingen, wovon neun an der Hand. Nur die Lerchen (Alau- 
dae) besitzen mitunter neunzehn, selbst zwanzig Schwingen, und einen Rain im 
Sattel, den jedoch die in mehrfacher Hinsicht sehr eigenthümliche AI. bifascia- 
ta Temm. pl. col. 393. nicht hat ; ich finde vielmehr einen einfachen langgezo- 
genen Sattel, der von dem scharfwinkeligen Haupttypus der übrigen Lerchen 
völlig verschieden ist. Folgende Arten dieser Familie habe ich untersucht. 

1. AI au da arvensis> crlslata, arborea, alpestris haben einen grossen 
Sattelrain, und, bis auf die letzte, zehn Handschwingen, diese nur neun. Sehr 
klein ist der Sattelrain bei A. frontalis und A. melanocephala , von denen jene 
bestimmt zehn Handschwingen besitzt. A. bifasciata endlich hat gar keinen 
Sattelrain, aber zehn Handschwingen. 



11g 

2. Emberiza lapponica, nivalis, miliaria, citrinella, Schoeniclus, hör- 
tulana, Cia boten nichts Merkwürdiges oder Eigenthümliches dar. 

3. Fringilla. Ich untersuchte alle einheimischen Arten, mit Einschluss 
der Pyrrhylae } und fand an ihnen nichts Eigenthümliches ; auch den Schläfenrain 
habe ich bei mehreren, z. B. Pyrrh. enucleator , deutlich gesehen. Unter den 
ausländischen ist Fr. erythrophthalma (Emberiza Wils. Pipilio Vieill.) mir durch 
eine mehr verkürzte erste Schwinge aufgefallen; sowie Fr. malaccia (Loxia 
Lath.) durch die Anwesenheit von neunzehn Schwingen, von denen die erste 
äusserst klein ist. Bei Allen pflegt die zweite, dritte oder vierte die längste 
zu sein, aber freilich die benachbarten, und auch die erste, nur wenig an Länge 
zu übertreffen. 

4. Phylotoma. Diese Gattung habe ich bloss ausgestopft untersuchen 
können, und kenne daher ihre Pterylose noch nicht. An den Flügeln fand ich 
achtzehn Schwingen, von denen die erste sehr merklich verkürzt ist, etwa der 
achten gleicht, die zweite aber nur wenig der dritten längsten nachsteht. Die 
Läufe haben vorn die gewöhnlichen Halbgürtel, hinten aber sind sie klein 
geschuppt. 

5. Loxia. Die Kreuzschnäbel stimmen in der Pterylose, wie im Flügel- 
schnitt, ganz mit den ächten Finken überein. 

6. Ploceus. Die drei Arten dieser Gattung, welche ich untersuchte, 
nehmlich Lox. philippina, PL personatus (Textor Alecto , Temm. pl. col. 446.), 
und Fring. ignicolor Vieill. (Oryx ignic. Lesson), haben in der Hauptsache die 
Pterylose der Finken, auch einen sehr deutlichen Schläfenrain, aber neunzehn 
Schwingen und zehn an der Hand, von denen die erste winzig klein, die 
zweite etwas verkürzt, und die dritte oder vierte die längste zu sein pflegt. Bei 
Ploc. phil. war der Sattel fast dreieckig , nehmlich hinten grade abgestutzt, und 
bei PL person. schien er dicht vor dem Anfange des Bürzelzuges einen kleinen 
Rain zu umschliessen. — 

6. STVRNIDAE. 

Zu dieser Gruppe rechne ich die Gattungen Psarocolius Wagl. (Icterus et 
Cassicus au c tor.), Oxyrhynchus, Sturnus, Pastor Temm. (Gracula Licht.), Bu- 
phaga, Oriolus und Sericulus. Von ihnen haben OxyrhyncJius und Psarocolius 



113 

nur achtzehn Schwingen und neun an der Hand, doch fand ich bei Ps. Icte- 
rus Wagl. wirklich zehn, allein die erste war so klein, dass ich zweifeln 
möchte, ob man sie zu den Schwingen rechnen darf. Die übrigen Gattungen 
haben neunzehn Schwingen und zehn an der Hand. Auch hier ist häufig, 
zumal bei Sturnus militaris (Agelaius Vieill.), St. capensis Linn., Pastor tri- 
stis Wagl., P. roseus, BupJiaga africana, und wahrscheinlich bei allen Sturnus- 
und Pcistor - Arten , die erste Schwinge von ganz auffallender Kleinheit und nur 
bei Oriolus, welcher zwanzig Schwingen hat, gleicht sie der zweiten zur Hälfte 
in der Grösse. Im Uebrigen zeigt die Pterylose alle Verhältnisse der Finken, 
namentlich eine am Ende etwas abgesetzte Verbreiterung des Brustzuges und 
einen rhombischen Sattel der Spinalflur. Derselbe nmschliesst bei Buphaga ei- 
nen sehr kleinen Rain vor dem Anfange des Bürzelstreifs, welcher auch bei 
einigen Sturnus- und Pastor- Arten, z. B. bei P. tristis und St. capensis, wahr- 
genommen wird. Ein sehr grosser, die ganze Länge des Sattels erfüllender 
Rain findet sich dagegen bei Oocyrhynchus cristatus und bei Sericvlus regens. 
Bei den ächten Oriolis ist der Rain nicht vorhanden , aber dafür der Sattel viel 
schmäler und lanzettförmig (Taf. III. Fig. 7. 8.). Auch fand ich bei O. galbula 
die Absetzung des sehr kräftigen Brustzuges am Ende der Verbreiterung nicht, 
wohl aber bei O. viridis und 0. melanocephalus , besonders bei letzterem. 

7. D E N T I R O S T R E S Cuv. 

(Laniadae et Muscicapidae auctor.) 

In dieser an Arten höchst zahlreichen Gruppe finde ich folgende pterylo- 
graphische Unterschiede. 

A. Mit zwölf Schwanzfedern. 
a. Sattel ohne Rain. 

1. Bar ita. Zwanzig Schwingen, die ersten bis zur vierten stufig, welche 
mit der fünften die längste ist. Verbreiterung des Brustzuges am Ende etwas 
abgesetzt; Sattel kurz, breit rhombisch, scharf winkelig. B. strepera, B. de» 
slructor , B, varia. 

2. Thamnophilus s. Vanga. Ich untersuchte bloss die grosse schöne 
schon mehrfach beschriebene Hauptart, den Th. striatus Quoy (Voy % de Frey- 

Nitzsch Pterylographie. f g 



114 

einet pl. 18. 19. — Th. Vigorsii, Such, zool. Journ. IV- 554 Lern, undu* 

latus, Mikan delect. Flor, et Faun, Brasil, — Lan, procerusMm. Berol.). Sie 
hat zwanzig Schwingen, die alle sehr breit, stumpf und bis zur fünften stufig 
sind, welche mit der sechsten und siebenten gleiche Länge zeigt. Die Verbrei- 
terung am Bruststreif ist etwas abgesetzt, und der Sattel verkehrt herzförmig, 
eine einzelne Eedernreihe als Anfang des Bürzelstreifs aus seiner Mitte entsendend. 
5. Lantus. Aussei* den einheimischen Arten, die alle einen breit rhom- 
bischen, hinten verkürzten Sattel und neunzehn Schwingen besitzen, untersuchte 
ich noch Lan. phoenicurus (O.Indien), L. plamatus Shaw, L. brubu Licht. , L, 
Guianensis Licht., L. scopidaius Licht, und La cravatte blanche LeVaill.jp?. 115« 
Bei Allen ist die erste Schwinge sehr klein, und auch die zweite merklich ver- 
kürzt. Bei den drei letzten Arten zeigt sich die dritte ebenfalls stufig, und die 
vierte mit der fünften und sechsten sind die längsten; bei den übrigen dagegen ist 
die dritte die längste, und die folgenden zwei nähern sich ihr am "meisten. Unsere 
einheimischen Arten schliessen sich diesem zweiten Verhältniss an , doch ist bei 
L, exeubitor die erste Schwinge viel grösser, als bei den drei anderen Arten. 

4. Ceblepyris (Graucalus et Campephaga alior.). Verbreiterung des 
Brustzuges am Ende etwas abgesetzt, Sattel sehr länglich rhombisch, schmal, 
der Bürzelstreif auffallend breit; neunzehn Schwingen, die erste sehr kurz, die 
vierte die längste. C. novae .Guineae, C. viridis (Graue. Quot und Gaim., Splie- 
cotheras Vieill.), C. fimbriata (hat einen etwas breiteren Sattel). 

3. O cyplerus leucorrhynchus Cuv. Pterylose der vorigen, Sattel 
schmal, aber durch die beiden neben ihm liegenden Puderdunenfluren verbreitert; 
ausserdem noch eine solche Flur neben den Lendenzügen, und am Ende der 
Verbreiterung des Brustzuges (Taf. III. Fig. 4,). Zwanzig Schwingen, die erste 
ganz winzig, zweite dritte und vierte die längsten und verhältnissmässig sehr 
lanjj. Konturfedern ohne Afterschaft. 

6. Trichophorus barbatus Temm. pl. col. 88. Pterylose der Lanien, 
namentlich der breite hinten stumpfe Sattel, von dessen Mitte ein anfangs sehr 
schwacher Bürzelstreif ausgeht. Neunzehn Schwingen, die erste ziemlich kurz, 
die folgenden bis zur vierten stufig und diese mit der fünften die längste. Die 
merkwürdigen borstenfüruiigen Scheitel- und Nackenfedern, welche auch bei 
Edolius crinitus vorkommen , sind sehr lange Fadenfedern. (Vergl. S. 20.) 



115 

7. Muscicapa. Ausser den einheimischen Arten, als M. luctuosa und 
M. grisola, untersuchte ich noch : M . rulicilla, M. coerulea, so wie die mit län- 
geren stufigen Schwänzen {Acis Less.) begabten M. malabarica , M. Bambusae, 
und einige ähnliche , nicht genau bestimmbare. Alle haben zwar einen einfa- 
chen Sattel, aber derselbe ist häufig schmal und lanzettförmig, wie bei M. coe- 
rulea, malabarica. Breit und hinten stumpf, nach Art der Lanien, finde ich 
ihn bei M. Bambusae, rulicilla; gleichförmig rhombisch, mit scharfen Sei- 
tenecken, bei M. luctuosa und grisola. Bei diesen, sowie bei M. Bambusae, 
coerulea, malabarica und anderen, ist die Zahl der Schwingen neunzehn, also 
die erste Schwinge vorhanden, aber klein und die zweite ebenfalls verkürzt. 
Nach der Länge der übrigen bilden sie wieder zwei Gruppen, indem bei 
31. malabarica und einer zweiten noch nicht bestimmten Art, deren Schwänze 
sehr stark stufig sind, die dritte und vierte die längste ist; — bei den übri- 
gen theils die vierte und fünfte, wie bei M. luctuosa, grisola, coerulea; 
theils die fünfte und sechste, wie bei M. Bambusae und einer anderen Art, 
welche sich durch einen viel längeren' breiteren Schnabel auszeichnet, keine 
stufigen Schwanzfedern hat, und eher ein Plalyrhynclius zu sein scheint. — Nur 
achtzehn Schwingen, von denen die dritte und vierte am längsten sind, 
fand ich bei M. rulicilla und einer verwandten Art aus Mexiko. 

b. Mit einem Rain im Sattel der Spinal Nur. 

ct. Der grosse Rain erfüllt den ganzen Sattel. 

(Alle mir bekannten Mitglieder dieser Sektion sind nicht nur durch die Form 
des Sattels ausgezeichnet, sondern auch durch die Bedeckung des Laufs, wel- 
che bloss vorn aus Halbgürteln besteht , aber hinten aus kleinen elliptischen 
Schuppen, von denen eine Reihe grösserer auf der Aussense ite zunächst neben 
den Gürteln auftritt. Merkwürdiger Weise kommt den ebenfalls mit einem gros- 
sen Sattelrain begabten Ampeliden dieselbe Laufbekleidung zu. Br.) 

1. Psaris Temm. Sattel und der Rain in ihm von ganz enormer Grösse, 
übrigens rhombisch und scharf winkelig. Aplerium temporale nicht vorhanden. 
Erste Schwinge nur wenig kürzer als die zweite, die dritte die längste bei 
Ps. cayana und leueospilon; allein bei Ps. valida (Dislingue noir d'Azzara) die 

ia * 



110 

zweite Schwinge auffallend klein, an der Innenfahne verschmächtigt und zuge- 
spitzt, (noch eine Bildung, welche an die Ampeliden erinnert. Br.). 

2. Tyrannus Cuv. Sattel länglicher, der Rain schmäler, aber doch 
völlig so lang wie der scharfwinkelige Sattel. Erste Schwinge wenig kürzer als 
die zweite, beide und auch die folgenden in vielen Fällen auffallend spitz. Kie- 
ferränder des grossen breiten Schnabels fein sarametartig gezähnelt , wenigstens 
bei mehreren Arten, z. B. Lan. tyrannus, L. Pittangua und Muse, cayennensis. 
Zugespitzte erste Schwingen fand ich bei L. tyrannus (2.) und L. Despotes (6.); 
ausserdem untersuchte ich noch Muse, audax Lath. und M. legatus Licht. 

3. Platyrhynchus. Nur eine Art dieser Gruppe habe ich genauer un- 
tersucht, nehmlich: PI. hirundinaceus Spix (PI. rupestris Neu Wie d.). Sie hat 
vollkommen die Pterylose der vorigen Gattung, aber der Sattel ist schwächer, 
zumal der hintere Theil, welcher den Rain nur mit zwei Reihen einzelner Kon- 
turfedern umfasst. 

ß. Der Rain winzig, nur am Ende des Sattels vor dem Anfange des Bürzel- 
streifs sichtbar. 

Drymophtlä carinata, Temm. pl. col. 418. Dieser schöne Vogel zeich- 
net sich pterylographisch durch sehr schmale Flurzüge aus, von denen der er- 
weiterte Theil des Bruststreifs am Ende eine beträchtliche Strecke abgesetzt ist. 
Der Sattel ist länglich rhombisch, hinten etwas stumpfer und umschliesst hier 
den kleinen elliptischen Rain. Am Flügel neunzehn Schwingen, die erste 
kaum halb so lang wie die zweite, noch merklich verkürzte; die dritte so lang 
wie die fünfte und die vierte etwas länger als beide. Der Seitenhaisrain reicht 
fast bis zum Kopf und ist mit Dunen besetzt. 

B. Mit zehn Schwanzfedern. 

Edolius, Pterylose zwar die der Lanien, d. h. der Bruststreif breit, am 
Ende kaum abgesetzt, und der Sattel deutlich rhombisch, aber doch etwas ver- 
schieden, insofern dieser Sattel bei Ed.puella (Irene Horsf.) keinen Rain hat, ein 
solcher aber bei Ed. crinitus und bilobus vorhanden ist, jedoch bei letzterem nur 
einen ganz geringen Umfang besitzt und der Bildung bei Drymophila gleicht; bei 
ersterem dagegen den ganzen Sattel der Länge nach einnimmt. Alle haben neun- 
zehn Schwingen, von denen die erste etwa halb so lang ist wie die zweite, diese 



117 

der achten gleicht, wahrend die dritte der vierten, welche allein (Ed. puella) oder 
mit der fünften (Ed. bilobus, crinitus, malabariats) die längste ist, wenig nach- 
steht. Die angegebene Zahl der Schwanzfedern fand ich bei allen, sie ist indess 
schon von Lesson (Manuel d'Ornithol. J. 148.) bemerkt worden. Die eigen- 
thümlichen langen borstenförmigen , aber doch mit schwachen Aesten begabten 
Stirnfedern bei Ed. crinitus Temm. (Lesson 1. 1.) sind besonders merkwürdig und 
scheinen, wie bei Trichophorus , Fadenfedern zu sein. 

8. SUBULIROSTRES s. CANORAE. 

Diese Gruppe, an Arten wohl die zahlreichste von aljen Passerinflnabthei- 
lungen, zeigt in der Form der Pterylose eine sehr geringe Differenz, indem ich 
bei fast allen von mir Untersuchten eine am Ende mehr oder weniger abge- 
setzte, seltner abgestutzte, aber nur bei Grallina und Menura (Taf. III. Fig. IL) 
mit einem halb freien Aussenast (als einziges Beispiel dieser Bildung unter 
den Singvögeln) begabte Verbreiterung des Brustzuges wahrnehme, und einen 
ungetheilten rhombischen Sattel. Sylvia lurdoides zeigt in ihm einen Längsrain, 
der aber mit zwei Reihen sperriger Konturfedern besetzt ist, und vielleicht auch 
den übrigen Rohrsängern zukommt. Alle haben zwölf Schwanzfedern, nur die 
männliche Menura hat sechszehn. Die Meisten besitzen neunzehn Schwingen, 
aber drei Gruppen: Anthus, Motacilla und Hylophilus Temm., konstaut nur 
achtzehn, indem die erste, immer stark verkleinerte Schwinge ganz fehlt. 
Dagegen besitzt Menura einundzwanzig, die grösste Zahl, welche in dieser 
Gruppe vorkommt. Ueberhaupt scheint nach dem Flügelschnitt eine Gruppirung 
der zahlreichen Gattungen am natürlichsten zu sein. Ich finde nehmlich entweder: 

1. Lange spitzige Flügel , deren zweite, dritte, vierte und fünfte Schwinge 
die längsten sind, nnd dann 

a. Neunzehn Schwingen, bei den Gattungen 

Lampromis (gewöhnlich unrichtig Larnprotornis geschrieben), Turdus, Phyl- 
larius , Accentor, Grallina , Henicurus , Sylvia, Parus , Regulus; oder 

b. Achtzehn Schwingen, indem die erste fehlt. 

Bei Anthus, Motacilla (Taf. III. Fig. 1. 2.) und Hylophilus Temm. (Sylv . poc- 
cilotis Temm. pl. col. 173. 2. , amauroeephala Licht., chry sopt era Wils. , Turd. 
aurocapillus Wjls. und andere.). 



HS 

2. Kurze abgerundete Flügel, deren erste vier, fünf oder sechs Schwingen stufig* 
sind und deren folgende Handschwingen fast gleiche Länge mit den Armschwingen 
haben. In diesem Fall scheint die erste Schwinge nie zu fehlen. Dahin die Gattungen 

Troglodyles , Pleroplochus , Mennra (Taf. III. Fig. 11. 12.), Pitta, Myopho- 
nus f Myoihera f Cinclus (durch die übereinstimmende Länge der zweiten und 
dritten Schwinge mit den beiden folgenden, längsten, ebenso merkwürdig im 
Flügelschnitt, wie ausgezeichnet durch das dichte Dunenkleid, welches nicht bloss 
alle Raine, sondern auch die Räume zwischen den Konturfedern, und selbst die 
Bürzeldrüse überzieht), Ixus (T. ochroeephalus Lath., T. atricapillus Temm,, 
T- leucoceplialus Mus. Frank.), CopsycJiusW agl. (T*. wiwcrtmis Lath. , Tmin- 
danensis, Lantus alior.), Cinclosoma, Timalia, Pomatorhinus, Malurus (mar- 
ginalis), SynaUaxis (selaria), OpeliorJiynchus (turdineus Neu Wied., Turd- sco- 
lopaceus Licht., wohin ich auch noch Campylorhynchus scolopaceus Sri x , Pi- 
colaples zonalus Less. und Ptc. brunnicapillus Guer. Mag, V. 1. 47. ziehe , ferner 
Opel, ruf us Mus. Frank. (Turdus figulus Licht.), Op. rupestris Kitte. , deren 
Flügel etwas spitziger sind , und Ochelorhynchus ruficaudus Mayen.) Die drei 
ersten, von mir im Fell untersuchten Arten haben eine am Ende ziemlich stark 
abgesetzte Verbreiterung des Brustzuges, welche zwischen der Bildung bei Menura 
oder Grallina, und der gewöhnlichen, die Mitte hält. Auch Anahaies steht mei- 
nes Erachtens hier am besten, und bildet den Uebergang zu den Certhiaceen, 
denen sich auch die vorherigen Gattungen sehr anschliessen. — 

9. CERTHIACEAE, 

Diese Gruppe, an Inhalt der vorigen nachstehend, ist doch pterylographisch 
viel mannigfaltiger, und bietet nach der Form des Sattels der Spinalflur die bei- 
den öfters erwähnten Abtheilungen dar. 
A. Mit einfachem Sattel der Spinalfiur. 

1. Silla, Sattel länglich rhombisch, fast lanzettlich ; Verbreiterung des 
Brustzuges am Ende merklich abgesetzt. Neunzehn Schwingen , zehn an der 
Hand, die erste ganz kurz, die dritte vierte und fünfte die längsten. Lauf hin- 
ten mit einfacher ungetheilter Stiefelschiene. S. europaea, carolinensis, 
canadensis. 

2. Dendrocolaples. Pterylose genau wie bei Silla , auch so viele 



tt9 

Schwingen, aber die erste grösser ; dritte, vierte und fünfte die längsten. Lauf 
hinten statt der einfachen Stiefelschiene mit einer Reihe Schilder. 

5. Certhia. Verbreiterung des Brustzuges recht bestimmt eine ziemliche 
Strecke abgesetzt; Sattel breiter, scharfeckiger, hinten stumpfer (Taf. III. Fig. .:>.)• 
Neunzehn Schwingen, die erste ganz klein, dritte bis sechste die längsten. 

4. Philedon. So sehr die Arten dieser Gruppe auch im Schnabelbau 
von einander abweichen, so wenig unterscheiden sie sich in der Pterylose, die 
ganz wie bei bittet ist. Auch die Zahl der Schwingen ist dieselbe , doch pflegt 
die erste halb so lang zu sein wie die zweite , und die vierte allein oder mit 
der fünften alle anderen, doch nur wenig, an Länge zu übertreffen. Breit und 
ziemlich scharfeckig finde ich den Sattel bei Ph. cuculligerus Licht., Ph. no- 
vae Hollandiae Lath.; ganz schmal und lanzettlich bei Ph. phrygius (Merops 
phryg. Lath.) 

o. Campylops hamatus Licht. Pterylose wie bei Cerlhia, doch die 
Absetzung des Brustzuges kürzer. Flügel unvollständig. 

6. Nectarinea. Pterylose genau wie bei der vorigen Gattung. Neun- 
zeh n Schwingen, von denen die erste klein ist, und die dritte vierte und fünfte 
die längsten sind, finde ich bei IV. scarlatina, N. aurifrons und den. Verwandten.; 
achtzehn dagegen, wo dann die erste kleine fehlt, hat N. ßaveola und Ver- 
wandte. Bei diesen ist auch der Sattel schmäler und lanzettförmig. 

B. Mit einem Rain im Sattel der Spinalilur. 

7. Promer ops c äff er. Cuv. Sattel sehr breit scharf eckig, ganz vom 
Rain erfüllt, so dass der Bürzelstreif nur mit zwei konvergirenden Reihen ein- 
zelner Federn beginnt; Bruststreif am Ende etwas abgesetzt. Neunzehn Schwin- 
gen, die ersten stufig, mit einem Ausschnitt der inneren Fahnenhälfte, welcher 
an der fünften ganz auffallend gross ist. Läufe hinten mit kleinen elliptischen 
Schuppen, indem die beiden Stiefelschienen sich hier nicht berühren. Schwanz 
lang, gabelförmig. 

8. Arachnotheres chrysogenys Temm. pl. col. 388. 1. Pterylose 
ganz ebenso, nur der Sattel nach vorn länger und daher auch der Rain grösser. 
Neunzehn Schwingen, die erste sehr klein, die vierte die längste. Ränder des 
Oberkiefers an der Spitze fein gezähnelt. 



120 

9. Dicaeum pectorale. Pterylose ganz wie bei den Schwalben, <1. h. 
der Sattel breit, tief zweilappig, und der Bürzelstreif völlig von ihm getrennt 
(Taf. III. Fig. 14.). Achtzehn Schwingen, erste zweite und dritte beinahe gleich 
lang und die längsten. — 

10. H I R U N D I N E A E. 

Die einzige Gattung Hirundo, welche diese Gruppe bildet, weicht von den 
übrigen Singvögeln mehr im Habitus ab, als irgend eine andere, und steht darin 
einigen Cuculinen, z. B. den Cypselis, ganz nahe* Demnach pflege ich sie ans 
Ende der Passerinen zu stellen, in die Nähe der zuletztgenannten anomalen Ku- 
kuksform, welche sich zu den ächten Kukuken ebenso verhält, wie die Schwal- 
be zu den Singvögeln. — Uebrigens weicht Hiründo pterylographisch nicht ab, 
harmonirt vielmehr ganz mit Dicaeum (siehe Tafel III. Fig. 14.), auch darin, dass 
die den Sattel mit dem Bürzelstreif verbindenden Reihen einzelner Konturfedern 
entweder ganz fehlen (H, rustica, urbica), oder noch durch ein Paar sehr zer- 
streut stehende Konturfedernreihen angedeutet sind {H. rupestris). Die Ver- 
breiterung am Brusttheil der Unterflur ist am Ende etwas abgesetzt. Die Anzahl 
der Schwingen belauft sich auf achtzehn, wovon neun an der Hand, und unter 
diesen ist die erste die läugste ; die sechs ersten Armschwingen sind merkwürdig 
wegen des breiten, ausgeschnittenen Endes. Schwanz gabelig," doch die äusseren 
Federn nur bei H> urbica so auffallend verlängert. 



131 

Drittes Kapitel. 

Spechtvögel. Picariae. 

Die Gruppe der spechtartigen Vögel ist, wie in ihrem gesammten Kör- 
perhaue, so auch in ihrer Pterylose die mannigfaltigste Ton allen, und ich kenne 
in Bezug auf die letztere kein einziges Merkmahl, was ihr allein zukäme. Mit 
den Passerinen stimmt sie im Mangel der Dunen an den meisten Rainen und 
allen Fluren gewöhnlich überein ; aber bei Alcedo sind beide Theile dunig, ähnlich 
wie bei Cinclus, Die Anwesenheit des Afterschaftes ist nicht einmal Kriterium der 
untergeordneten Familien, sondern hier bloss Gattungsmerkmahl. Ich fand ihn 
bei Cj/pselus, Trochilas, Caprimulgus, Coracias, Prioniles, Leplosomus, Prodoles, 
Trogon, Micropogon, Pogonias , Jynx , Picus (wo er jedoch sehr klein ist), 
Psittacus (wo er eine ansehnliche Grösse hat, und dem der Hühner nicht nach- 
steht), Musophaga und Colius; dagegen fehlt er allen anderen von mir unter- 
suchten Gattungen dieser Gruppe bestimmt. Eine gleiche Differenz zeigt die 
Befiederung am Zipfel der Bürzeldrüse , welche wir bei den Passerinen so kon- 
stant vermissten ; denn ich fand sie zwar bei den meisten Gattungen, wenngleich 
mitunter sehr unvollkommen, allein sah sie bestimmt nicht bei Caprimulgus, 
Coracias, Prioniles, Merops , Galbula , allen Cuculinen, Capito und Monasles. 
Der Mangel dieser ganzen Drüse bei vielen Papageien (s. S. äa.) erhöht die 
Ungleichförmigkeit des Gruppencharakters noch um ein Beträchtliches. 

Wenn nun schon in so kleinen Theilen und Organen Hauptunterschiede der 
Bildung angetroffen werden, so wird es uns nicht auffallen dürfen, in den An- 
lagen der Fluren noch viel grössere Abweichungen wahrzunehmen und kaum 
andere als Gattungsmerkmahle bei ihnen zu seilen. Es ist daher unmöglich, eine 
pterylographische Familienschilderung zu geben, und nur die im Allgemeinen 
sperrigfiedrige Bildung der Fluren, die um so beträchtlicher und bestimmter 
wird, je mehr die Vogelgattung aus konstanten Bewohnern der Tropenzone be- 
steht, ist mir aufgefallen. Zahlenverhältnisse in einzelnen bestimmt befiederten 
Theilen als Gruppeneigenheit anzugeben, ist auch unmöglich, da dieselben nicht 
minder mannigfach sind , als die übrigen Bildungen ; indess bemerke ich , dass 
die Kolibris nur sechszehn Schwingen besitzen, als die kleinste Zahl von allen, 
während siebenundzwanzig bis achtundzwauzig bei Buceros vorkommen, welche 

Nitzsch Pterylograpliit?. \Q 



■■ 



13« '■ 

Zahl von keiner Picinengattung überschritten, gewöhnlich aber nicht erreicht 
wird, denn zwanzig bis dreiundzwanzig finden sich in der Regel nur. Minder 
schwankend ist die Anzahl der Steuerfedern, doch allerdings gleichmässiger zwi- 
schen zehn und zwölf vertheilt, als bei den Passerinen. Zwölf finde ich bei 
Coracias, Prionites, Merops , Galbula, Todus, Leptosomus, Prodotes, Trogon, 
Capito, Monastes, Picus } Yunx, Psittacus und Alcedo; zehn dagegen bei Cy- 
pselus, TrochiluSf Caprimulgus, Cuculus, Centropus, Phoenicophanes, Scythrops, 
Crolophaga, Bucco , Micropogon, Pogonias , Rhamphastus , Buceros, Vpupa, 
Colius, Musophaga und Opisthöcomus. 

i. M A C ROCHIRE S. 

In diese Familie stelle ich die beiden Gattungen Cypselus und Trochilus, 
welche einander zwar äusserlich sehr unähnlich , aber durch den Bau ihrer Flü- 
gel sehr nahe verwandt sind. Auch die Form der Fluren rechtfertigt diese Ver- 
bindung, wenn es gleich auch pterylographische Unterschiede giebt. Beide ha- 
ben einen deutlichen dunigen Afterschaft, welcher bei Cypselus grösser ist als 
bei Trochilus, Bei Beiden fehlen Dunen zwischen den Konturfedern , aber Cy- 
pselus hat deutliche dunkelgraue Dunen an den Rainen des Rumpfes, die bei 
Trochilus nicht vorkommen. Uebrigens liefern die breiten, ohne alle Spur eines 
Aussenastes gleichmässig von vorn nach hinten verschmälerten Unterflurzüge, die 
schon vom Kehlwinkel als schmale weit getrennte Streifen beginnen, einen ebenso 
guten Familiencharakter, wie der grosse länglich elliptische oder lanzettliche, bis 
zur Schwanzgrube (Cypselus), oder gar bis zur Bürzeldrüse (Trochilus) reichende 
Rain im Sattel der Spinalflur; durch beide Formen sind sie bestimmt von den 
Passerinen verschieden, während sie sich einigermassen den Caprimulgi- 
nen, namentlich der Gattung Nyctornis, nähern, bei welcher jedoch die Unter- 
flur einen inneren Kehlast hat und die Spinalflur am hinteren Theile zugleich 
geschwächt und verbreitert ist, Charakter«, die bei den Macrochiren nicht 
vorkommen. Beide Gattungen dieser Familie haben übrigens zehn Steuerfe- 
dern, und in der Regel nur sechszehn Schwingen, wovon zehn an der Hand 
sitzen. Letztere zeichnen sich durch enorme Länge, sehr starke Schäfte und 
sehr schmale dicke äussere Fahnenseiten aus. Die erste ist wohl immer mit 
der zweiten gleich lang, und beide sind dann die längsten; nur selten fand 






Igst 

ich jene etwas kürzer als diese. Die nackte Bürzeldrüse hat keinen Federn- 
kranz am Zipfel. 

1. Cypselus. Die Anwesenheit von Dunen auf den Rainen, der sehr 
grosse Afterschaft an den Konturfedern und die schmale Form der Spinalflurzüge 
bilden die Charaktere dieser Gruppe. 

a. Bei Hemiprocne Nob., wohin auch Acanthyllis oder Citadura gezogen 
werden kann, finde ich auffallend lange, kräftige, dichtfiedrige Leudenfluren und 
eine vom Ende der Schulterblätter au im hinteren Theile verschmächtigte Spi- 
nalflur. Bei H. collaris (Temm. pl. col. 193. Cyps. torquatus Licht.) sind die 
Züge dieser Flur ziemlich breit und enthalten mehrere Federnreihen ; bei 
//. acuta (Cyps. acutus Pr. Max v. Neu Wied. Beitr. III. 1 331.) ist der vordere 
Theil zweireihig fiedrig und, wie es schien, am Nacken durchbrochen, der hin- 
tere dagegen einreihig an jeder Hälfte und bis zur Bürzeldrüse getrennt. Letz- 
tere ist sehr klein. Die steifen Schwanzfedern gehen bei beiden Arten in hornige 
nadeiförmige Spitzen aus. Bei der zweiten fand ich sechszehn Schwingen. 

b. Die ächten Cypseli, von denen ich bloss C. apus (Taf. III. Fig. 16. 17.) 
genauer untersuchte, haben sowohl um das Auge, alsauch um die Ohröffnung, eine 
nackte ringförmige Stelle; eine gleichmässige kraftige, an beiden Zügen neben 
dem Rain drei Federnreihen breite Spinalflur, und minder kräftige, wenngleich 
noch sehr lange, Lendenfluren. Auch schienen mir die Achselfluren etwas länger 
zu sein als bei den Hemiprocnis. Die genannte Art besitzt achtzehn Schwingen. 
An ihren Konturfedern fiel mir der Umstand auf, dass alle, auch die untersten, 
Aeste des Hauptschaftes am Grunde eine federnartige Bildung besitzen und erst 
gegen ihre Enden hin dunig Werden. Dies bleibt bis auf zwei Drittel der ganzen 
Feder so, doch nimmt der dunige Theil allmälig an Länge ab. Die Bürzeldrüse 
ist hier relativ noch kleiner als bei Trochilus, auch viel schmäler und spitzer. 

2. Trochilus (Taf. III. Fig. 18. 19.). Gruppencharakter der Kolibris ist 
also hinsichtlich ihrer Pterylose der kleinere Afterschaft an den Konturfe- 
dern, welchen ich deutlich nur an den grossen Bürzelfedern erkannte, so- 
wie der Mangel von Dunen an den Rainen ; ferner die breite rhombische Form 
der Spinalflur; der sehr lange, etwas breitere, von den Schulterblättern bis zur 
Bürzeldrüse reichende Spinalrain ; und die geringe, kaum merkliche Entwickelung 
der Lendenfluren. Ob der bei Tr. moscJtitus von mir gefundene Nackenrain 

16 * 



^^ 



(Fig. 19.), unter dem die langen Hörner des Zungenbeins liegen, allen Arten 
zukomme, kann ich aus Mangel an umfassenden Untersuchungen nicht entschei- 
den. Bei mehreren in Weingeist aufbewahrten Stücken, welche ich «icht ge- 
nauer bestimmen konnte, habe ich ihn noch grösser wieder gefunden. Auffallend 
breit und gross für einen so kleinen Vogel ist übrigens die herzförmige, kurz- 
zipfelige Bürzeldrüse, — 

2. CAPRIMULGINAE. 

Cuculinae nocturnae Nitzsch. 

Diese Familie schliesst sich pterylographisch ganz an Cypselus, doch haben 
die Konturfedern einen schwächeren Afterschaft, und am Flügel stehen ein- 
bis zweiundzwanzig Schwingen, wovon zehn an der Hand. Die Bürzeldrüse 
ist auffallend klein, relativ wohl am kleinsten überhaupt, länglich eiförmig, und 
ohne Federnkranz am Zipfel. Die Form der Fluren hat merkwürdiger Weise 
eine auffallende Aehnlichkeit mit dem Typus mehrerer Raubvögel, ist aber nach 
den Gattungen verschieden. Zu diesen Analogien rechne ich die Gabelung und 
Absetzung der Spinalflur zwischen den Schulterblättern bei Caprimufgns , die 
Ausschickung eines inneren Kehlastes vom Ende des Hatstheils der Unterflur bei 
Nyctornis, und die Spaltung des Rücken- und Bürzeltheiles der Spinalflur bei 
eben dieser Gattung. Uebrigens Hesse sich, als Haupteigenheit der Familie, nur 
der dichtfiedrige Scheitelstreif, welcher sich dadurch von der sperrigen Kopf- 
befiederung leicht unterscheidet, und nach hinten in den Nackentheil der Spi- 
nalflur übergeht, betrachten, der mir bei gleichmässigem Kopfgefieder nicht 
wieder vorgekommen ist, und bei dieser Gruppe um so mehr auffällt, als doch 
kein Mitglied derselben eine grosse auszeichnende Federnholle besitzt. 

1. Caprimulgus (Tai. IV. Fig. 1. 2.). Neben dem dichtfiedrigen Schei- 
telstreifen verlaufen noch jederseits zwei Reihen sperriger Konturfedern (wenig- 
stens bei C europaeus). Spinalflur anfangs breit, zwischen den Schulterblättern 
gegabelt, jeder Ast durch eine Reihe einzelner Konturfedern mit dem breiten 
Bürzelstreifen verbunden. Lenden- und Schulterfluren sehr breit. Unterflur 
schon von der Kehle au getheilt, ohne Innenast am Halse, aber mit gleich brei- 
ter Erweiterung auf der Brust, die am Ende nicht abgesetzt aber abgestutzt 
ist, und hier durch einen einreihigen Haken mit dem Hypopterum in Verbindung 



135 

steht. Die steifen Bartborsten sind wahre Kiele , welche unten zunächst übe* 
der Spuhle eine Reihe kurzer feiner Aeste tragen. Zweiundzwanzig Schwingen, 
die drei ersten die längsten, die zweite und dritte mit Winkelung der äusseren 
Fahnenhälfte. Zeigefinger, und nicht bloss der Daumen, mit einer oft höchst 
winzigen Kralle. Lauf vorn mit Schildern, hinten warzig; berührt, wenigstens 
in der Ruhe, den Boden. Ueberhaupt scheint die Gattung plantigrad zu sein. 
Kralle der Mittelzehe innen gezäjinelt, die Aussenzehe nur viergliedrig. Un- 
tersucht wurden : C europaeus, C. longipennis (wegen der eigentümlich geform- 
ten verlängerten, neunten Handschwinge merkwürdig), C.forcipalus und C. spn- 
lurus, Temm. pl, cot. 157. 158-, beide mit Gabelschwänzen, aber letzterer von 
der vorigen, höchst ähnlichen Art durch die Verlängerung der zwei mittelsten 
Schwanzfedern bestimmt und spezifisch verschieden. — 

Aegotheles novae IloUandiae Vigors (Linn. Iransact. XV. 1. 179.), den 
ich nur ausgestopft untersuchte, und daher über seine Pterylose nichts zu sagen 
weiss, steht im Fussbau den Podargen näher, hat auch eine fünfgliedri- 
ge Aussenzehe, keinen Kamm am Nagel der mittleren, und längere Zehen 
wie Läufe- 

Podargus gigas. Pterylose ganz wie bei Caprtmirfgus , aber der Bür- 
zelstreif kürzer, und die beiden von ihm zur Gabel des Schultertheils gehenden 
divergirenden Schenkel länger und zweireihig federig. Einundzwanzig Schwin- 
gen, die erste so lang wie die achte, die zweite wie die sechste, die dritte, 
vierte und fünfte die längsten. 

Nyctornis aelherem Neu Wied. (Taf. IV. Fig. 3. 4.). Spinalflur ähnlich 
der von Cypselus , also ununterbrochen, mit grossem lanzettlichen Spinalrain, 
aber vom Ende der Schulterblätter an schwächer und daher scheinbar hier ab- 
gesetzt. Der hintere schwächere, vom Ende der Schulterblätter bis zur Bürzel- 
drüse reichende Theil ist von Anfang an nach aussen verbreitert, sperrigfiedriger, 
und besteht nach innen aus drei Pieihen kräftiger Federn, welche den langen 
bis zur Bürzeldrüse reichenden Spinalrain umfassen. Unterflur schon von der 
Kehle an gespalten, am Ende des Halses einen schmalen gebogenen Iunenast 
aussendend, der bis auf die Brust reicht. Hinter dem Ast so verschmälert, dass 
sie, wie bei Gypaelos, mit dessen Unterflur sie im Ganzen grosse Aehnlichkeit 
hat, beinahe unterbrochen ist; dann plötzlich auf der Brust sehr breit, nach 



136 

aussen dichtfiedriger, nach innen sperrigfiedrig verfliessend , nach hinten gegen 
das Ende der Brust allmälig verschmälert, aber noch als breiter Theil auf den 
Bauch übergehend ; zuletzt schmal, zweireihig fedrig. Auch hier entspringt vom 
Ende des Brustzuges ein Haken, der zum Hypopterum geht. Zwanzig Schwin- 
gen (ob vollständig?), die erste kürzer als die fünfte, die dritte die längste« — 
Lauf auffallend kurz, noch kürzer als bei Caprimulgus ; Aussenzehe mit fünf 
Gliedern; Mittelkralle ohne Kamm, aber am Innenrande erweitert. — 

3. T O D I D A E. 

Cuculinae calopterae Nitzsch. 

Konturfedern mit schwachem Afterschaft, wenigstens bei Coracias und Prio- 
niles; zwölf Steuerfedern, eine nackte, am Zipfel oft konische Bürzeldrüse und 
zehn Handschwingen. Im Uebrigen die Pterylose mannigfaltig und zum Theil 
eigenthümlich. 

A. Ohne inneren Ast am Ende des Halstheils der Unterflnr. 
a. Die Spinalflur enthält einen Rain. 

1. Coracias. Mit der auf Taf. IV. Fig. ä. und 6. gegebenen Darstellung 
der Pterylose von Coracias garrula stimmen C bengalensis und Colaris gularis 
vollkommen überein. Alle haben einen wenig abgesetzten, aber dichtfiedrigen 
Aussenast des Brustzuges der Unterflur, von dem ein Haken ausgeht, der sich 
zum Hypopterum begiebt ; der ganze innere Theil der Unterflur ist sperrigfiedrig, 
ebenso die obere Brustgegend aussen neben dem Grunde des Seitenastes. Die 
Spinalflur, zwischen den Schultern gabelig und kräftig, beginnt am Bürzelstreifen 
mit zwei langen konvergirenden Schenkeln, die sich erst auf der Schwanzgrube 
vereinen ; daneben stehen bis zu der zweireihigen kräftigen Lendenflur zerstreute 
Konturfedern. Die Bürzeldrüse ist länglich eiförmig, ohne konischen Zipfel. 
Bei allen drei Arten finden sich dreiundzwanzig Schwingen, die erste ist ver- 
kürzt, die zweite, dritte und vierte sind die längsten. 

2. Merops. Diese Gattung hält in der Pterylose die Mitte zwischen Co- 
racias und Galbula, Mit letzterer hat sie die schmale Form der Fluren, mit 
ersterer den Mangel des Iunenastes am Unterhalse gemein. Der Bruststreif der 
Unterflur ist etwas verbreitert und am Ende abgesetzt ; auch stehen in der Mitte 



13? 

seiner Aussenseite einige Konturfedern, die zum Hypopterum führen. Die Spinal- 
flur ist im Nacken schmal und fast unterbrochen, am übrigen Halse ziemlich breit, 
zwischen den Schultern einfach, oder doch erst am Ende der Schulterblätter 
gespalten und mit dem bis zur Schwanzgrube vom Spinalrain getheilten Bürzelstreif 
durch zwei Reihen einzelner Federn verbunden. Zwei- oder dreiundzwanzig 
Schwingen, die erste sehr kurz, die zweite die längste, die dritte und vierte 
recht merklich verkürzt. Bürzeldrüse mit konischem Zipfel. Untersucht wur- 
den: M' nubicus, philippinus und viridis- 

b. Spinnlflur oluie Rain, 

5. Prionites. Die Fluren schmal, wie bei Galbula und Merops, aber 
der Aussenast des Brnstzuges der Unterflur ist ganz abgesondert, und nicht 
bloss durch einen einreihigen, aus Halbdunen gebildeten, Haken, sondern noch 
durch eine zweite, von seinem Grunde ausgehende, Federnreihe mit dem Hypo- 
pterum verbunden. Auch mit den Schulterfluren hängt die Unterflur dicht vor 
dem Grunde des Aussenastes zusammen. Die Spinalflur läuft als einfacher, zwi- 
schen den Schultern etwas breiterer Streif vom Hinterhaupt bis zur Bürzeldruse } 
diese ist länglich eiförmig. Einundzwanzig Schwingen 5 die ersten bis zur vierten 
stufig, diese mit der fünften und sechsten die längste. Schwanzfedern stufig, die 
zwei mittleren bei Pr. Momota mit elliptischen Endflächen der Fahne. 

4. Todus. Pterylose höchst eigentümlich (Taf. IV. Fig. 9.40.), zumal 
die Unterflur, welche, wie bei den Vorigen, schon an der Kehle sich gabelt, 
und als einfacher Streif auf die Brust tritt, hier aber sich sogleich in zwei breite 
starkfiedrige Aeste theilt, von welcher der äussere kürzere sich zum Oberarm 
begiebt, der innere breitere am Rande des Gabelbein« und Brustbeinkammes 
herabsteigt, und sich bald hinter der Mitte der Brust aufs Neue theilt. Der da- 
durch entstandene breitere Aussenast steht eine ziemliche Strecke vom schmalen 
Hauptzuge ab, welcher gleich anfangs aus zwei Reihen kleinerer Federn be- 
steht und sich in mehr äusserer Richtung auf den Bauch begiebt, hier am Rande 
fortlaufend uiid in der Nähe des Afters endend. Minder auffallend ist die einfache 
Spinalflur, welche ganz der von Prionites gleicht, aber hinter den Schulterblät- 
tern etwas verbreitert ist. Schulter- und Lendenfluren deutlich, aber schmal, 
besonders die letzteren. Neunzehn Schwingen, zehn an der Hand , die erste bis 



138 

zur fünften stufig, welche die längste ist, doch die vierte und sechste nur um 
ein Geringes übertrifft. Bürzeldrüse mit konischem Zipfel. — T> viridis, cinereus, 

B. Mit einem inneren Ast am Ende des Halstheils der Unterflur. 

5. Galbula. Fluren ganz auffallend schmal, an allen Körpertheilen nur 
aus zwei Federnreihen gebildet, sonst denen von Merops höchst ähnlich, und 
hauptsächlich durch den angegebenen Innenast (Taf. IV. Fig. 7.) verschieden. 
Bruststreif nicht erweitert, aber mit kurzem Aussenast am Ende der Brust, und 
einer von der Achsel ausgehenden Federnreihe, die zum Hypopterum sich be- 
giebt. Spinalflur bis zwischen den Schultern einfach (Fig. 8.) , dann sich thei- 
lend und einen breit lanzettlichen Rain umschliessend , der bis zur Schwanz- 
grube reicht, aber keinen Unterschied im Gefieder zwischen dem Schulter- und 
Bürzeltheil zeigt. Lendenfluren schwach, die Schulterfluren bestimmter. Zwan- 
zig (G- gretndis) oder zweiundzwanzig (G. viridis) Schwingen, wovon zehn an 
der Hand : die erste sehr kurz, die zweite und dritte stufig, die vierte bis sechste 
die längsten, aber die vorletzten Handschwingen fast ebenso lang. Bürzeldrüse 
mit konischem Zipfel. Schwanzfedern mitunter (G- gretndis) stufig. — 

4. CUCULINAE. 

Cuculinac verae Nitzsch. 

Diese Gruppe, zu welcher ich die Gattungen Cuculus, Coccygius*), S ent- 
völkeret, Crotopketget , Scytkrops , Pkoenicopketnes , Leptosomus, Prodoles (Indi- 
cettor auctt.) und Trogon rechne, hat kein bestimmtes pterylographiscb.es Merk- 
mahl, bloss die am Zipfel nackte, nicht mit einem Oelfedernkranz versehene 
Bürzeldrüse scheint allen zuzukommen. Vielleicht ist auch der bei Cuculus cet- 
norus bemerkte Mangel der Dunen zwischen den Konturfedern, obgleich alle 
Raine mit Halbdunen bekleidet sind, eine allgemeine Gruppeneigenheit. Zwar 
fehlt den Meisten der Afterschaft an den Konturfedern , allein bei Prodoles und 
Trogon ist er vorhanden. Eben diese Gattungen und Leptosomus haben zwölf 
Schwanzfedern, die anderen nur zehn. Noch mehr differiren die Gattungen in 
der Form der Fluren, und nur die typischen Hauptglieder der Familie, wie Coc- 
cygius , Seturolkeret , Centropus, Scytkrops und Crotopketget harmoniren in allen 



*) So schreibt Nitzsch, von Vieillot wird der Name Coccj/zus geschrieben. Br. 



ige 

Fluren so sehr, dass man sie pterylographisch als eine Gruppe betrachten könnte. 
Demnach lasst sich folgende Anordnung aufstellen. 

A. Mit zehn Schwanzfedern. Konlnrfedern immer ohne Afterschaft. 

a. Der Brnsttheil der Unterflur ist verbreitert, gleichmässig sperrigfiederig , und über 
die ganze Bruslfläche ausgedehnt. 

Cuculus (Taf. IV. Fig. 11. 12.). Diese Gattung unterscheidet sich ferner 
noch dadurch, dass die Unterflur schon an der Kehle sich spaltet; dass ihr 
Bauchtheil sehr breit ist und lange nicht bis zum After reicht ; und dass die ei- 
nen vom Anfange der Schulter bis zur Schwanzgrube reichenden, grossen, lanzett- 
lichen Rain umschliessende Spinalflur sich auf dem ganzen Hinterrücken verbrei- 
tert, mit den Lendenfluren zusammenfliesst, und sehr sperrigfiedrig ist. Auch der 
sehr lange, dicht von grossen Deckfedern bekleidete, Schwanzkörper gehört zu den 
Gattungseigenheiten , so wie die äusserst schwache Befiederung des Unterschen- 
kels. Die Bürzeldrüse ist auffallend schlank in jeder Hälfte , aber bis auf den 
Zipfel ganz versteckt, und daher wie dreistrahlig ; vor ihr steht jederseits eine 
einzige rigide Feder. Schwanzfedern sehr gross, mit auffallend tief in den Schaft 
hineinreichender Höhle der Spuhle. Neunzehn Schwingen, die erste sehr kurz, 
die zweite beträchtlich kürzer als die dritte, diese mit der vierten und fünften, 
die längste. Untersucht wurden: C canorus, serratus, glandarius, lugubr is Ho rsf. 
und orientalis , bei dem der zwischen den Schultern befindliche Theil der Spi- 
nalflur etwas kräftiger ist, während der Theil hinter dieser Stelle sehr geschwächt 
anfängt. — 

b. Der Brnsttheil der Unterflur ist nicht völlig so breit, aber dichth'edriger, und nm- 
schliesst hinten einen schmalen Inselrain. 

Die Gattungen Bubutus, Saurothera, Coccygius , Centropus, Scythrops und 
Crotophaga , welche zu dieser Abtheilung gehören, sind einander in der Ptery- 
lose so ähnlich, dass sie füglich im Allgemeinen geschildert werden können. 
Bei ihnen (vergl. Taf. IV. Fig. J3 — 15.) theilt sich die Unterflur etwas später, 
ziemlich auf der Mitte des Halses, in zwei Sehenkel, und geht, vier Federn- 
reihen breit, auf die Brust über. Hier schwillt sie bald zu sechs bis sieben 
Reihen an, und läuft so mit ziemlich parallelen Rändern bis zur Mitte der Brust 
fort , wo sie sich in zwei Schenkel spaltet. Der innere Schenkel setzt sich als 

Nitzsch Pterylographie. \f 



■^MWBMBH 



18® 

Haupfzng ziemlich parallel mit dem Kamm des Brustbeines fort, und tritt in 
gleicher Entfernung auf den Bauch, über dessen Seitenflächen er bis zum After 
sich hinzieht und vor diesem endet. Der äussere Schenkel entfernt sich etwas 
mehr vom Hauptzuge und wendet sich zum Aussenrande der Brust, hier einen 
Haken aussendend, der in das Hypopterum übergeht. Gleich darauf lenkt er 
nach innen zurück, nähert sich dem Haupfzuge wieder, und mündet als schma- 
ler Streif, gewöhnlich genau auf der Grenze des Brustbeins, wieder in den 
Hauptzug ein, mit ihm einen Inselrain umschliessend. Am deutlichsten ist dieser 
Verlauf bei Centropus (phillppinensis und rufipennis. Fig. 13.), und ziemlich eben- 
so bei Crolophaga Am. — Saurolhera marginaia Kaup. (Cuc. vialicus Licht.) 
weicht darin ab, dass sowohl der Hauptzug, als auch der Ast, schmal ist, jener 
zweireihig, dieser dreireihig ; und der Verbiudnngsstreif nur aus einer Federnreihe 
besteht. Bei Scythrops novae Hollandiae (Fig. lä.) dagegen, wo beide Theile 
ebenso weit von einander abstehen, gleich breit und dreireihig sind, der Ver- 
bindungsstreif aber auch nur ans einer Reihe starker Federn besteht, ist der 
grössere Theil des Raines von kleinen sperrigen Konturfedern bedeckt. Bubu- 
tus Isidori Less. (Tratte, p. 143.) nähert sich dieser Form, insofern der Rain 
auffallend klein ist, und nach aussen bloss von einer einzigen Federnreihe um- 
schlossen wird. Dagegen weicht Coccygius (cujanus , chrysogaster, americanns, 
gcderüus und Guira) mehr ab durch einen am Ende sehr auswärts gewendeten 
Ast, der schmäler ist als der Hauptzug, und auch nur durch eine einzige Fe- 
dernreihe in ihn zurückkehrt. Der so gebildete Rain ist bei den drei zuerst ge- 
nannten Arten sehr klein, bei den beiden anderen sehr gross und der Saurotherct- 
Form ähnlich. In der übrigen Pterylose weichen die sechs Gattungen nicht von 
Cucuhis ab , doch ist bei ihnen die Federnstellung an allen Fluren gedrängter 
und die Bürzelflur auf dem Schwanz schwächer; auch pflegt wohl der Schulter- 
theil der Spinalflur dichtfiedriger und von den Schenkeln des Bürzelzuges durch 
sperrige Federnstellung des letzteren mehr unterschieden zu sein. Die Anzahl 
der Schwingen beläuft sich auf neunzehn oder zwanzig, nur Scythrops hat drei- 
undzwanzig. Bei ihm und bei Cocc. americanus (Cuc. amer. auctt.) ist die dritte 
Schwinge die längste, bei den anderen Gattungen die fünfte, sechste und sie- 
bente, und die vorhergehenden sind immer stark und in gleichen Abständen 
stufig, so dass die erste eine sehr geringe Grösse behält. Auch der lange Schwanz 



13t 

pflegt stufige Federn zu enthalten. Bemerkenswerth sind noch die steifen Wim- 
pern am oberen Augenliede, welche Allen, ausser Bubutus, der allein ganz nackte 
Wangen und Schläfen hat, zukommen. — 

c. Der erweiterte Brusttheil der Unterflur ist schmal, gleich breit und umschliesst kei- 
nen Rain. 

Phoenicophanes viridirufiis. Kopfseiten in der Umgegend des Auges 
nackt und warzig ; sonst der Kopf gleichmässig befiedert. Spinalflur schmal, bis 
zu den Schultern einfach. Dann getheilt und als zwei gleiche schmale Schen- 
kel bis zur Schwanzgrube fortgehend, einen langen Rain umschliessend. Von 
hier einfach aber schmal, mit sperrigen Federn neben sich, die von den zwei- 
reihigen kräftigen Lendenfluren wohl unterschieden sind^ wenn sie gleich bis 
dahin reichen. Unterflur bis zur Halsmitte einfach, dann getheilt in zwei schmale 
Aeste. Jeder Zug auf der Brust doppelt so breit, aber dichtfiederig und pa- 
rallelseitig, am Ende der Verbreiterung abgestutzt und etwas abgesetzt; von da 
wieder sehr schmal und den After nicht erreichend. Neunzehn Schwingen, die 
ersten stufig, die vierte bis sechste die längsten. — 

B. Mit zwölf Schwanzfedern und einem Afterschaft an den Konturfedern. 

Leptosomus afer (CucnL af. auctt.), den ich bloss ausgestopft untersu- 
chen konnte, gehört wegen der Zahl der Schwanzfedern zu dieser Gruppe. Er 
hat einundzwanzig Schwingen, von denen die dritte und vierte die längsten 
sind. *) 

Prodotes Nob. (Indicalor auctt.). Pterylose höchst eigentümlich, indem 
an der erst tief unten am Halse getheilten Unterflur auf der Brust ein ganz freier 
Aussenast (Taf. IV. Fig. 16.) wahrgenommen wird; an der bis zum Becken ein- 
fachen Spiualflur dagegen ein rhombischer Sattel (Fig. 17.), welcher einen lan- 
zettlichen Rain umschliesst. Zwanzig Schwingen, die zweite und dritte die 
längsten. Bürzeldrüse mit einem kleinen Federnkranz am Zipfel, dessen Spuh- 
len die Wände des Zipfels ausspannen. Untersucht wurden Pr. albirostris Temm« 
p?. co?. 367-, Pr.prodilor Licht., und eine dritte sehr kleine Art. 



*) Bei zweien Exemplaren, die ich gesehen habe, schien die Aussenzehe nur vier Glieder zu 
enthalten, eine auffallende Eigenheit, wenn sie genauere Untersuchungen bestätigen sollten. Nicht min- 
der merkwürdig ist das Fehlen der Nasenscheidewand, so dass die nares wahre perviae sind. 

17 * 



las 

Trogon» Die Pterylose dieser Gattung, von welcher ich vier Arten (TV. 
Davaucelii, ardens, glocitans und viridis) untersuchte, ist völlig die eines Sing- 
vogels, nur der sehr lange Afterschaft weicht von dem der Passerinen ah. Die 
Spinalflur verläuft (Taf. IV. Fig. 19.) als schmaler Streif bis zum Kreuz, wo 
sie sich in einen kurzen rhombischen, scharfeckigen, oder bei TV. viridis läng- 
lich rhombischen (Fig. 20.) Sattel erweitert, und dann wieder schmal werdend 
sich zur Bürzeldrüse begiebt, die keinen Federnkranz am Zipfel hat. Die Len- 
denfluren sind zwar deutlich vorhanden, aber kurz und klein. Die Unterflur ist 
wie bei Prodotes, nur dass der Aussenast nicht absteht, sondern ganz anliegt 
und eine gleich breite, dichtfiedrige Verbreiterung bildet, die am Ende schief 
abgestutzt ist. Der nun beginnende Bauchtheil ist ungewöhnlich breit. Im All- 
gemeinen ist das Gefieder merkwürdig wegen der Grösse aller Konturfedern und 
des gänzlichen Mangels der Dunen. Am Flügel fand ich achtzehn bis zwanzig 
Schwingen, doch stets zehn an der Hand; die fünfte ist die längste, die erste 
sehr kurz, aber breit. Aeussere Schwanzfedern stufig. Merkwürdig ist es noch, 
dass von den vier Zehen die erste und zweite nach hinten stehen, nicht, wie 
gewöhnlich bei Kletterf üssen , die erste und vierte. — 

6. P I C I JV A E Nitzschii. 

Auch diese Gruppe hat kein allgemeines pterylographisches Merkmahl, am 
wenigsten ein solches , das ihr allein zukäme. Denn der Zusammenhang der 
Schulterfluren mit der Unterflur, welcher allen Picinen eigen ist, findet sich 
überhaupt nicht selten, und kommt ganz ebenso auch bei Alcedo vor. Es sen- 
det nehmlich nicht bloss der Halstheil vor seinem Ende eine einfache oder dop- 
pelte Reihe Konturfedern zur Schulterflur, sondern auch der Aussenast eine 
zweite von seinem Grunde, da wo er von dem Hauptzuge der Unterflur abgeht. 
Gewöhnlich ist dieser Aussenast in seinem ganzen Verlaufe frei, allein bei Po- 
gonias sulcirostris bemerkt man statt seiner eine blosse Verbreiterung. Diese 
Gattung, nebst ihren Verwandten: Bucco und Micropogon, hat eine auf dem 
Rücken zweischenkelige Spinalflur, welche auch bei Picus und Yynx sich findet, 
hier aber vor derTheilung durchbrochen ist, was bei jenen Gattungen nur hin- 
ter den Schenkeln der Gabel vorzukommen pflegt. Auf der anderen Seite be- 
sitzen Capüo y Pteroglossus und Rhctmphctstus eine bis zwischen den Schultern 



133 

einfache Spinalflur, aber der Bürzelstreif ist hier ganz oder theilweis gespalten. 
Die Anzahl der Steuerfedern schwankt zwischen zwölf und zehn, nicht minder 
die Befiederung des Zipfels der Bürzeldrüse; dagegen scheinen zehn Handschwin- 
gen und Kletterfüsse allen Picinen zuzukommen. Den Afterschaft besitzen Mi' 
cropogon, Pogonias, Jynx und Picus; allen Anderen fehlt er. Nur die Dunen 
fehlen Allen, sowohl zwischen den Konturfedern , als auch an den Rainen. 

a. BUCCONIDAE. 

a. Mii zehn Schwanzfedern und befiedertem Zipfel der Bürzeldrüse. 

Die Mitglieder dieser Gruppe haben zugleich einen ziemlich deutlichen Af- 
terschaft an den Konturfedern. 9 

1. BuccOt Unterflur bis dicht vor dem Ende des Halses einfach, dann 
zweischenkelig , jeder Schenkel verbreitert, und dadurch mit der Schulterflur 
verbunden, so dass die oben erwähnten beiden Federnreihen nicht sichtbar sind, 
Aussenast im ganzen Verlauf frei, derbfiedrig, am Ende mit einem Haken zum 
Hypopterum. Spinalflur bis ans Ende der Schulterblätter einfach, hier getheilt. 
Jeder Schenkel stark erweitert bei B. armillaris (Taf. V. Fig. 1. 2.), aber gleich 
breit bei B. cyanops, und bei beiden völlig von dem Bürzelstreifen getrennt. Da- 
gegen sind bei B. roseicollis (Fig. 3.) , philippinensis und flavifrons die beiden 
schmalen Schenkel durch zwei noch schmälere konvergirende doppelte Federu- 
reihen mit dem einfachen Bürzelstreif verbunden. Lendenfluren vorhanden ; 
entweder einfach und kurz, wie bei B. armillaris, roseicollis; oder winkelförmig, 
indem ein vom Ende des auf dem Schenkel liegenden Streifs ausgehender Ast 
dem Bürzelstreifen parallel lauft, bei B. cyanops und philippinensis. Bei allen 
einundzwanzig Schwingen, die erste sehr kurz, die zweite merklich kürzer als 
die folgenden drei, welche die längsten sind, und zwar bald die dritte, bald 
die vierte. — 

2. Micropogon. Pterylose genau wie bei Bucco, aber alle Fluren schmä- 
ler, und die Verbindungslinien am Ende des Halstheils mit der Schulterflur deut- 
lich, wenngleich nur einreihig. Der Hauptunterschied beider Gattungen* liegt 
im Bürzelstreif, welcher bei Micropogon entweder ganz (Fig. 4. M. cayennen- 
sis , viridiaurantius) , oder nur vorn (Fig. ä. M. erythropygos hicur., margari- 
taceus Temm. pl. col. 490.) gespalten ist. Die Lendenflur fand ich beiM. cayenn. 



134 

und M' erytlir. einfach, bei 31. viridiauraniius nach Art der Bucconen winkelig, 
indess befand sich an der Spitze des Winkels eine Lücke. Bei letzterer Art sind 
auch die beiden Zeilen des Biirzelstreifs anfangs nur einreihig fiederig, und in 
ihrem ganzen Verlauf etwas geschwungen. Alle drei haben zwanzig oder ein- 
undzwanzig Schwingen, von denen die erste sehr kurz ist, die zweite und dritte 
stufig, und die vierte, fünfte und sechste die längsten sind. 

Bei 31. erylhropygos fand ich am Hackengelenk (Fig. 5.) eine eigentümliche, 
aus spitzen Höckern gebildete Krone, die ich auch bei jungen Wendehälsen 
wahrgenommen habe. 

0. Pogonias. Diese Gattung schliesst sich in der Form der Spinalflur 
(Taf. V. Fig. 7.) bei den meisten Arten an die zweite Gruppe der Bucconen, 
und stimmt nur bei P. müdcntatus ganz mit Microp. erythropygos durch die Spal- 
tung und Absetzung des Bürzelstreifs überein. Alle Arten haben die zweischenke- 
ligen, winkeligen Lendenfluren, welche indess, wie bei Micr. viridiaurantins, an 
der Spitze eine Lücke lassen, so dass scheinbar beide Schenkel parallel laufen. 
Sehr bestimmt folgt hier auch die Brustflur zwei Typen; denn bei P. niger, 
unidentatus und senegcäensis ist sie schmal, und der Aussenast bis auf die Mitte 
vom Hauptzuge abgesondert (Fig. 8.); bei P. sulciroslrls (Fig. 6.) dagegen hat 
diese Flur eine beträchtliche Breite , und der kräftigfiedrige Aussenast liegt im 
ganzen Verlauf an den schwachfiedrigen Hauptzug an. Uebrigens stimmen alle 
vier Arten in der Anwesenheit eines neben dem nackten Augenringe gelegenen 
Schläfenrains, der auch bei Bucco armillaris sichtbar ist, mit einander überein. 
Sie haben ferner zwanzig bis einundzwanzig Schwingen, von denen bei P. sul- 
ciroslris schon die dritte mit der vierten , fünften und sechsten ziemlich gleiche 
Länge besitzt ; bei den drei anderen Arten dagegen hinter der vierten, längsten 
merklich zurückbleibt. — 

b. Mit zwölf Schwanzfedern, . nacktem Zipfel der kleinen spitzen Bürzeldrüse und 
ohne Afterschaft an den Kontnrfedorn. 

1. Gapito. Fluren schmal, aber die in ihnen haftenden Federn des Rum- 
pfes sehr gross und dicht gestellt. Spinalflur bis zwischen den Schultern ein- 
fach, dann eine breite Lücke, hinter welcher der halb (bei C Tamatia Tat. V. 
Fig. 9. 10.) oder ganz bis zur Bürzeldrüse (C. collaris, C. melanotis) gespaltene 
Bürzelstreif beginnt. Dieser sendet bei C. Tamulia und collaris vom Anfange 



135 

der beiden Aeste zwei Federnreihen seitlich und hinterwärts aus, ist aber bei 
C melanolis allmülig gegen die Mitte hin verbreitert. Eben diese Art hat einen 
völlig anliegenden Aussenast des Brusttheils der Unterflur, während bei den bei- 
den anderen derselbe zur Hälfte absteht. Die starke Lendenflnr ist einfach, hat 
aber bei C. collaris noch eine Reihe Federn über sich, ganz wie bei Pogonias 
sulcirostris. Schwingen einundzwanzig, die ersten gleichförmig stufig, die vierte 
und fünfte die längsten. 

2. Monastes.*) Die Pterylose in allen Theilen genau wie bei Carito 
Tamalia , indess die Fluren wohl etwas breiter. Der Aussenast der Unterflur 
ist auf der Brust nur am Ende, aber stark, abgesetzt, und die beiden Schenkel 
des Bürzelstreifs sind nach vorn zugespitzt (Fig. 11.); auch fehlen die von ihnen 
ausgehenden Federnreihen. Genauer untersuchte ich bloss M. fuscus, bei dem 
ich zwanzig Schwingen fand, von denen die vierte und fünfte die längsten, und 
die drei ersten sehr stark stufig sind. Die Bürzeldrüse hat einige feine Haare 
am Zipfel. — 

b. RHAMPHAST1DJLE. 

Konturfedern ohne Afterschaft, Bürzeldrüse mit einem Federn kränz 
am Zipfel, zehn Schwanzfedern. 

Die Form der Fluren, welche aus Fig. 12. und 13. der fünften Tafel er- 
sichtlich ist, stimmt in der Hauptsache bei allen von mir untersuchten Arten 
(nehmlich Pleroglossus viridis , Rhamphastus erythrorhynchus, discolorus Wagl., 
Tucai und einer vierten nicht bestimmten Art) dieser Familie ganz überein, und 
schliesst sich wohl am meisten an die von Carito. Ich fand bei allen eine bis 
auf die Mitte des Halses einfache, aber nur bei Rh. erylhrorhynchus so auffallend 
verbreiterte Unterflur, deren beide hier beginnende Schenkel schmal werden, 
einen Ast zur Schulterflur senden, auf der Brust einen kräftigen ganz freien 
Aussenast bilden, der am Ende einen sehr deutlichen Haken hat, und nun als 
schmale zweireihige Streifen über den Rumpf bis zum After verlaufen. Eigen- 
thümlicher ist die Rückgratflur. Bis zwischen den Schultern einfach, hat sie hier 



*) Da Vieillot's Name Monasa auf einer falschen Lesart beruht, und eigentlich Monastes 
heissen mnss, so scheint mir die WAGLER'sche Aenderung in Lypornis überflüssig zu sein. 



13« 

in der Regel*) eine Lücke, hinter welcher der Bürzelstreif mit zwei getrennten 
Schenkeln beginnt, und in dieser Theilung bis auf den Schwanzkörper übergeht, 
die Bürzeldrüse zwischen sich fassend. Beide Theile des Bürzelstreifs sind an- 
fangs genähert, entfernen sich aber bald, werden breiter an der Aussenseite, und 
gehen dann ziemlich parallel fort. Neben ihnen steht in der Kreuzgegend eine 
Reihe starker Konturfedern , welche man für den inneren Schenkel der winke- 
ligen Lendenflür halten kann; der andere äussere Schenkel läuft quer über den 
oberen Theil des Schienbeins und den ganzen Oberschenkel, und stösst, wenig- 
stens bei Rh. erijthrorliynchus , noch an die Bürzelzüge. Bemerkenswerth ist 
übrigens die auffallende Länge des Schwanzkörpers, welcher auf der unteren 
Seite eine eigene, aus einem elliptischen Federnringe bestehende Flur trägt, in 
der die Schwanzdecken haften. Es erklärt sich leicht aus dieser Länge des 
Schwanzes die von Goulo so schön dargestellte Eigenheit der Rhamphasten, im 
Schlafe den Schwanz gegen den Rücken aufzurichten. Uebrigens war der Schwanz- 
körper bei Rh. Tncai viel kürzer als bei den anderen Arten. Alle haben zwei- 
undzwanzig Schwingen, wovon die drei bis vier ersten sehr stufig, die folgenden 
drei aber die längsten sind ; das Hypopterum fehlt gänzlich und das Parapterum 
ist auch so gut wie nicht vorhanden. Auf die Hornplatten, worin die Kopffe- 
dern einiger Pleroglossus- Arten ausgehen, haben mehrere neuere Beobachter 
aufmerksam gemacht (Froriep's Notizen. 1831. Decbr. n. 692 und 1833. no, 816. 
pcig- 24.). Ich sah die von Pöppig beschriebene Peruanische Art: Pt. lepidoce- 
phalus (Pt. Poeppigii, Waol. Isis 1832. 1230-), in den Museen zu Dresden und 
Wien. — 

c. PIC I N A E V E R AE. 

Konturfedern mit schwachem Afterschaft, ähnlich dem der Passerinen; 
zwölf Schwanzfedern, aber die beiden aussersten klein und zwischen die zwei 
vorhergehenden inneren hineingebogen. Bürzeldrüse mit stark befiedertem Zi- 
pfel, überhaupt sehr breit und kräftig. 

1. Picus, Die Pterylose dieser grossen Gattung, von der ich nur wenige 
Arten untersuchen konnte, zeigte mir doch schon bei diesen einige erhebliche 



*) Bei der mir dem Namen nach unbekannten lihamphasius - Art fehlte die Lücke, nnd der 
einfache Theil hing mit den stark nach vorn konvergirenden Hälften des Bürzclztigs zusammen. 



13* __ 

Unterschiede. Dieselben liegen indcss bloss in der Form der Spinalflur, und die 
ganze übrige Flurenbildung stimmt so genau überein , dass letztere füglich im 
Allgemeinen geschildert werden kann. — Am Kopfe (Taf. V. Fig. 15.) ist be- 
sonders der Scheitelrain merkwürdig, ein vom Schnabelgrunde über die Stirn 
bis zum Hinterkopfe sich erstreckender konturfedernloser Streif, den ich bei allen 
Spechten finde ; auch der Schläfenrain fehlt nicht. Die übrige Kopffläche ist 
dicht befiedert. Die Unterflur geht als schmaler Streif von der Kehle aus, und 
theilt sich sehr bald in zwei Schenkel , welche weiterhin den Verbindungsast 
mit der Schulterflur aussenden, auf der Brust einen ganz freien Aussenast bil- 
den, der am Ende einen Haken hat, und nun im leichten Bogen bis zum After 
fortgehen, neben diesem endend. — Eigentümlich und ziemlich allgemein ist 
aber den Spechten eine innere kleinere Schulterflur (Fig. Id.), welche parallel 
mit der tiefer quer über den Oberarm verlaufenden sehr breiten Hauptflur auf 
dem erhabensten Punkte der Schulter sich fortzieht, und augenscheinlich eine 
Fortsetzung des vom Aussenast der Unterflur zur Schulter hingehenden Federn- 
streifes ist (Fig. 44-). Nur bei einer umbrahraunen Sumatrensischen Art, die ich 
P. luridus*) nenne, da sie noch nicht beschrieben zu sein scheint, vermisste ich 
diese kleinere Schulterflur. Die Lendenflur dagegen verhält sich wie bei Rham- 
phastus, und besteht aus zwei nur kürzeren Schenkeln, die daher meistens zwei- 
reihig sind , und sich an der Spitze berühren. — Die Flügel tragen neunzehn 
bis einundzwanzig Schwingen, aber au der Hnnd immer zehn, von denen die 



*) P. luridus NrTzscH. Etwas kleiner als P. medius, mnbrabraun, mit feinen bl'ass ocker- 
gelben Querlinien am Rücken, an den Flügeln, der Kehle, den Brustseiten und dem Bauch ; welche dem 
Oberkopf, dem Nacken und der Brnstmitte fehlen. An jeder Seile des Halses liegt ein länglicher, blass 
ockergelber Streif, und zwischen diesen ist die ganze untere Vorderseite des Halses tief schwarzbraun. 
Beim Männchen findet sich ausserdem noch an der Seite der Kehle neben der dichter gewellten Kehl- 
zeichnung ein länglich blutrother Fleck. Der Schnabel ist länglich konisch, leicht gebogen, sehr spitz, 
und fast ohne Kanten, nur die mittlere obere ist angedeutet. Der Oberschnabel schwarz, der untere 
und die Füsse gelbgrau (im Tode). Neunzehn Schwingen, wovon zehn an der Hand, die drei er- 
sten stark stufig; die vierte, fünfte und sechste gleich und die längsten. Zwölf rigide Schwanzfedern, 
aher die beiden äussersten auffallend klein, und, wie die zwei nächsten jeder Seite, viel weicher als die 
übrigen. — Etwas verwandt mit dieser Art ist Pic. concretus Tejmm. pl. col. 90. und P. poecilofophus 
TzMm.pl.col.i97. 1.; aber beide haben eine abweichend gefärbte Federnholle, die meiner Art fehlt. 
Nilzsch Pterylographie. j£{ 



133 

erste nur kurz ist, die zweite ebenfalls den folgenden nachsteht, die dritte aber 
theils mit der vierten und fünften die längste ist, theils noch von der vierten, 
fünften und sechsten, die unter sich gleich lang sind, übertroffen wird. Die 
allen Spechten eigene Schwanzfedernbildung ist zu bekannt, als dass ich sie noch 
beschreiben dürfte; indess möchte das oben erwähnte Verhältniss der äusseren 
Federn schon manchem Beobachter entgegen sein, insofern mehrere (selbst Wag- 
ler im Systema Avium) die Zahl derselben mitunter auf zehn beschränken, 
was meiner Wahrnehmung nach irrig ist. — 

Die Differenz der Spinalflur betreffend, so zeigt sich dieselbe in mehreren 
Punkten. Zwar geht die Flur bei allen Spechten als einfacher schmaler Streif 
vom Nacken aus, und setzt sich als solcher bis zwischen die Schultern hin iort; 
allein ihr übriger Verlauf ist verschieden. 

1) Bei P. luridus Nob. und P. concretus Temm. (col. 50.) theilt sich die Spi- 
nalflur schon zwischen den Schultern in zwei Schenkel, welche etwas divergi- 
ren, dabei an Breite zunehmen, sich dann wieder verschmälern und so parallel 
bis zur Bürzeldrüse fortlaufen, dieselbe, ganz wie bei Rhamphastus , zwischen 
sich fassend. Bei P. concretus sind beide Züge sehr kräftig und daher ist die 
Lücke zwischen ihnen nur schmal ; bei P. luridus dagegen sind die Züge sehr 
schwachfiederig und die Lücke ist breit, besonders vorn in der Gegend des 
Kreuzes. 

2) Bei Picus tridactylus und carolinus bleibt die Spinalflur bis ans Ende der 
Schulterblätter einfach und theilt sich hier in zwei Schenkel, die Zusehens sich 
verbreitern , aber abgestutzt enden. Von ihnen gehen zwei konvergirende Rei- 
hen einzelner Federn aus, die sich auf dem Kreuze treffen, und nun den einfa- 
chen schmalen Bürzelzug bilden, welcher an der Bürzeldrüse endet, aber an je- 
der Seite eine Reihe von Konturfedern neben sich hat, welche die Bürzeldrüse 
umfassen. Diese Form schliesst sich so ziemlich an die von Pogonias (Taf. V. 
Fig. 7.) oder Bucco (Fig. 2.). Pic. Marlius hat zwar dieselbe Bildung, allein 
die beiden Federnreihen, welche die Schenkel des Schultertheils mit dem Bür- 
zelstreifen verbinden, fehlen ihm, obwohl die ganze Flur kräftiger ist. 

3) Bei den anderen Arten ist die Spinalflur am Ende des einfachen, bis tief 
zwischen die Schultern hinabreichenden Theiles durch eine deutliche aber kurze 
Lücke unterbrochen, und unmittelbar hinter der Lücke bemerkt man zwei drei- 



139 

eckige divergirende Federnflecke, welche den breiter werdenden Schenkeln der 
vorigen Form entsprechen. 

a) Bei P. bengalensis und auralus sind diese Federnflecke durch zwei 
einzelne konvergireude Federnreihen mit dem einfachen Bürzelstreif verbun- 
den; allein 

b) bei P. Macei und den noch übrigen , einheimischen Arten fehlen diese 
Linien, und der Bürzelstreif ist vollkommen von jenen Federnflecken getrennt. 
In beiden Fällen sind gewöhnlich die Federnreihen neben dem Bürzelstreif, 
welche die Bürzeldrüse umfassen, vorhanden (Fig. 15.) ; fehlen aber auch, z. B. 
bei P. medius, oder bestehen hier bloss aus Dunen. Letztere setzen sich auch 
auf den bei den Spechten, im Gegensatz gegen die Tukans, sehr breiten 
Schwanzkörper fort, und bilden hinter der Bürzeldrüse die oberen Deckfedern, 
wahrend die unteren in einem am Schwanz selbst hinter dem After bemerk- 
baren Federnkranze haften. — 

Eine interessante Eigenheit der Spechte, welche sich meines Wissens bloss 
bei Alcedo wieder findet, ist der Mangel eines Nestdunenkleides der Jungen; 
sie sind, bis die bleibenden Federn hervorbrechen, ganz nackt. — 

4. Picumnus ?ninutus. Pterylose völlig wie die der einheimischen 
Spechte, d. h. die Spinalflur doppelt unterbrochen, und der einfache Bürzelstreif 
sehr schwach. Auch hier fand ich zwölf Schwanzfedern und zehn Handschwin- 
gen, von denen die vierte und fünfte die längsten sind. 

5. Yunx torquilla. Pterylose auch wie bei den meisten, zumal ein- 
heimischen Spechten, doch die Lendenflur noch deutlicher, zweireihig fiederig, 
und selbst an der Spitze des Schenkels vollständig. Einundzwanzig Schwingen, 
die erste kaum sichtbar, die zweite und dritte die längsten. Zwölf 
Schwanzfedern, die äusseren wie bei Spechten zwischen den zwei vorhergehen- 
den versteckt. — Bei jungen Vögeln beobachtete ich dieselbe, aus Warzen ge- 
bildete Krone an der äusseren Seite des Hackengelenkes, welche ich oben (S. 134-) 
bei Micropogon erytkropygos angegeben habe. 

7. PSITTACINAE. 

Konturfedern mit deutlichem grossem Afterschaft, sehr sperrig und zerstreut 
gestellt, relativ wohl in der geringsten Zahl vorhanden, daher nicht selten zwi- 

18 * 



wm 

< 

sehen ihnen, zumal am Kopfe und Halse, Dunen, auch Dunen an den Rainen, 
mitunter unvollkommne Puderdunenfluren auf dem Becken. Bürzeldrüse, wenn 
sie vorhanden ist, mit einem Oelfedernkranz am langen, dünnen, zylindrischen 
Zipfel. Am Flügel zwanzig bis vierundzwanzig Schwingen, immer vier 
Daumenfedern und zwölf Schwanzfedern. Form der Fluren verschieden, bald 
auffallend breit, bald schmal. 

Von den zweihundert und acht Arten, die Wagler in seiner Monographie 
dieser Familie aufführt*), konnte ich nur einige dreissig untersuchen, und wage 
es daher nicht, über die Differenzen der Pterylose, welche meinen Beobachtun- 
gen zu Folge nicht unbedeutend sein dürften, im Allgemeinen zu reden; viel- 
mehr werde ich diejenigen Arten, welche ich untersucht habe, in den Wagler- 
schen Gattungen hier aufführen und ihre Federnstellung, so weit es nöthig 
schien, einzeln beschreiben. 

1. SitfaceWAGL. Von den grossen langschwänzigen Aras (Mcicrocercus 
Vieill.) untersuchte ich den Ps. Macno auctt. genauer. Ich fand eine gleich- 
massig sperrige Befiederung des Kopfes, mit Ausnahme der ganz nackten Stellen 
desselben, von welcher zwei Flurzüge ausgehen. Der eine beginnt an der 
Kehle, bald hinter dem Rande des sehr grossen Unterkiefers, wohinter wohl 
unmittelbar bei allen Papageien eine halb kreisförmige Nacktheit sich befindet, 
und ist breiter als der zweite, im Nacken von der hier verschmälerten Kopf- 
befiederung ausgehende. Jener, der Anfang der Unterflur, besteht aus fünf bis 
sechs Federnreihen, bleibt bis über die Mitte des Halses einfach, gabelt sich 
dann, und geht, unter sehr geringer Divergenz beider drei Federn breiten Schen- 
kel, bis zum Gabelbein, über welches er weg setzt, und nun, vier Federn breit, 
auf die Fläche der Brust tritt. Von hier wird jede Hälfte Zusehens breiter, 
und dehnt sich sowohl gegen den Arm , als auch gegen den Kamm des Brust- 
beines so weit aus, dass fast die ganze Fläche der Brustmuskeln von ihnen be- 
deckt ist. Dennoch besteht jeder Zug selbst an seiner breitesten Stelle nur ans 
sechs, höchstens sieben Federnreihen, die ebenso sperrig stehen wie bei Buce- 
ros (Taf. VI. Fig. 1. 2.); nur in der Gegend des Aussenastes sind, nicht weit vom 
Kuieliafen, die beiden äusseren Längsreihen in einer Erstreckung von vier Quer- 



*) Manographia Psittacorum. Monach. 1835. 4/a. 



reihen dichter aneinander gerückt, hier kräftigere Federn tragend. Gegen das 
Ende des Brustbeines wird dann jeder Zug schmaler, und ist anfangs vier, später 
nur noch drei Reihen breit, wodurch zwischen beiden auf der Bauchfläche ein 
breiterer, elliptischer Unterrain entsteht, der an den After stösst. Neben letz- 
terem enden auch die Unterfluren , nachdem sie vorher noch mit der ebenso 
sperrigen, fast gleichmässigen Befiederung des Oberschenkels zusammengeflossen 
waren. Ganz anders verhält sich der vom Hinterkopf ausgehende Nackenzug. 
Er ist gleich anfangs schmal, drei Federn breit, und dichtfiedriger. Bis zu den 
Schultern behält er seine lineare Form bei, und theilt sich hier in zwei schmale, 
nur zwei Federn breite, aber ziemlich kräftige Sehenkel, welche etwas über die 
Mitte der Schulterblätter hinausreichen. Unmittelbar zwischen ihren Enden be- 
ginnt der zweite oder bedeckte Theil der Spinalflur in der Form zweier viel 
mehr sperrigen, schwächeren, parallelen Federnstreifen, die in der ersten Quer- 
reihe nur eine Konturfeder enthalten, in der zweiten zwei, in der dritten drei 
und so fort bis sie so breit geworden sind, dass ihre äussersten sehr schwachen 
und immer mehr sperrig gestellten Reihen mit der gleichmässig sperrigen Befie- 
derung des Ober- wie Unterschenkels zusammengeflossen sind. So gehen beide 
Züge bis zur Schwanzgrube fort, nachdem sie einander von der Mitte des Be- 
ckens an näher treten, und darauf an der bezeichneten Stelle sich berühren. 
Von diesem Punkte zieht sich bis zur Bürzeldrüse ein zweireihiger Streif kräf- 
tiger, dichter gestellter Federn durch die homogene Befiederung des Bürzeltheiles 
fort, und endet an der Bürzeldrüse, welche, wie bei allen grossen Aras, vor- 
handen ist. Ausser diesen Fluren bemerkt man nur noch eine einfache, schma- 
le, zweireihige Schulterflur, welche ziemlich genau hinter der Achselhöhe sich 
fortzieht, und vorn mit der Uuterflur zusammenhängt. Puderdunen fehlten 
gänzlich. Am Flügel fand ich dreiundzwanzig Schwingen, von denen die dritte 
und vierte die längsten sind. 

Genau dieselbe Pterylose glaube ich bei Ps. Avacanga , Araruüna , severus, 
militari s } Macavuanna und carolinensis Wils. gesehen zu haben, auch scheint 
dieselbe allen ächten Aras zuzukommen. Nur Ps. carolinensis weicht durch 
eine dichte sammetartige Befiederung der Wachshaut, einundzwanzig sehr 
lange spitze Schwingen, unter denen die zweite und dritte die längsten sind, und 
den völligen Mangel der Bürzeldrüse von den grösseren, südamerikani- 



1*2 

sehen Arten ab, hat aber übrigens genau die sperrige Befiederung von Ps. Macao, 
ja der Bauchtheil des Unterraines war noch schmäler, und kaum breiter als der 
nackte Streif auf dem scharfen Rande der crista slemi. 

Dagegen weichen die kleineren Südamerikanischen Papageien mit Keil- 
schwänzen, welche Wagler zu Siüace zieht, in mehreren Punkten von den Aras 
ab. Am genauesten habe ich von ihnen den Ps. pertinax untersucht, und seine 
Pterylose auf Taf. V. Fig. 16. 17. 18. dargestellt. Man sieht aus den Abbildungen, 
dass die Unterflur sich schon höher am Halse theilt, dass beide Brustzüge so- 
wohl in der Mitte neben dem Brustbeinkamm, als auch aussen am Rumpfe, einen 
beträchtlichen Theil seiner Fläche als Raine frei lassen, und dass der mittlere 
oder Unterrain schon auf der Brust ebenso breit ist, wie am Bauch. Hiezu 
kommt die beträchtliche Verstärkung des dem Aussenast entsprechenden Theiles 
der Unterflur, welche anfangs aus zwei Reihen kräftigerer Federn besteht, später 
sogar aus drei, und am Ende etwas abgesetzt ist. Die Rückenflur zeigt den 
Unterschied , dass sie theils von den langen, zweireihigen Lendenfluren , wenig- 
stens an ihrem vorderen Ende, getrennt ist, theils hinten von der Schwanzgrube 
an bloss aus einem nicht verbreiterten dichterfiedrigen Streifen besteht. Ganz 
besonders wichtig ist aber die Anwesenheit einer doppelten Schulterflur, wie 
wir sie schon bei Picus kennen lernten, und die hier noch viel deutlicher auf- 
tritt. Auch ist die untere grosse Schulterflur viel kräftiger und breiter als bei 
den ächten Aras. Uebrigens fand ich bei Ps. pertinax einundzwanzig 
Schwingen, von denen die erste nur sehr wenig kürzer war als die zweite und 
dritte, mit welchen auch die durch eine auffallende fast plötzliche 
Verschmä lerung und Zuspitzung ihres Fahnenendes ausgezeich- 
nete vierte dieselbe Lange hat, während die fünfte schon merklich kürzer 
ist als die erste. Ganz dieselbe Bildung fand ich noch bei Ps. uuricapillus Hahn. 
(Sitl- Jendaya Wagl.) und Ps. solstitialis , zwei Arten, die in der Pterylose sich 
an Ps. pertinax anschliessen , und, wie dieser, mit einer kleinen, tief zweilap- 
pigen, am Zipfel von sechs doldendunigen Oelfedern besetzten Bürzeldrüse 
versehen sind. Dagegen fehlt dieselbe bestimmt dem ebenfalls zu dieser Gruppe 
gehörigen Ps. viridissimus Kühl. (Ps. rußroslris Illig. Licht. Silt. TVWca Wagl.), 
an' dem ich übrigens die angegebene Zuspitzung der vierten Handschwinge auch 
vermisse. Puderdunen fehlen diesen Arten «ranz. 



I4S 

2. Domicella Wagl.*) Die Pterylose der beiden von mir untersuchten 
Arten dieser Gattung, des Ps. Domicella av er t. {Dom. atricapilla Wagl.) und 
Ps. garrulus, stimmt fast genau mit der von Ps. perlinax überein, doch war 
die Unterflur wohl etwas sperrigfiedriger und ihr Asttheil keines weges so scharf 
vom Hauptzuge durch kräftigere Bildung der Federn unterschieden. Der ihre 
Hälften trennende Unterrain endete schon unten an der Gurgel, so dass die un- 
tere Halsbefiederung ununterbrochen blieb. Dagegen bestand die Lendenflur aus 
drei Federnreihen und war vorn mit der Unterschenkelflur, die wie bei Raub- 
vögeln Hosen bildete, hinten mit der Spinalflur verflossen. Die Schulternfluren 
waren beide vorhanden, aber die kleine nur als Ecke angedeutet; die grosse 
bestand aus zwei Federnreihen. Einundzwanzig Schwingen, die ersten etwas 
spitz, die erste so lang wie die dritte, die zweite die längste. Bürzeldrüse bei 
beiden vorhanden, ziemlich breit, die Hälften dick, dicht aneinander liegend, 
der Zipfel zylindrisch, ziemlich lang. Keine Puderduuen. 

o. Trichoglossus Wagl. Aus dieser Gruppe habe ich bloss Ps. haema- 
todes auctt. untersucht, und mich überzeugt, dass er sich durch verhältniss- 
mässig schmale Flurzüge auszeichnet So hat die Unterflur auf der Brust einen 
recht deutlichen Aussenast, zwischen welchen und den schwächeren Hauptzug 
aber einzelne zerstreute Konturfedern eingeschoben sind. An der Spinalflur war 
der hintere Theil sehr kurz gegabelt, kürzer als gewöhnlich, so dass der ein- 
fache Stiel der Gabel den beiden Aesten an Länge gleich kommt. Ich fand ein- 
undzwanzig Schwingen, eine deutliche Bürzeldrüse, aber keine Puderdunen. 

4. Psit t actis Wagl. Nach Untersuchung von Ps. Erithacus , dominicen- 
sis , ochroeephalus , leucocephahis und Dufresnianus scheinen die Arten dieser 
Gattung zweien pterylographischen Gruppen anzugehören, denn Ps. Erithacus 
zeigte keine Spur eines Aussenastes der Unterflur, und verhielt sich ganz wie 
Ps. Domicella oder pertinax, während bei Ps. dominicensis und den übrigen 
Amerikanern der zweireihige, kräftig- und dichtfiedrige Aussenast deutlich von 
dem sperrigfiedrigen Hauptzuge der Unterflur gesondert ist. Die Spinalflur war 



*) Wagler sagt iu der Charakteristik dieser Gattung: lingua simplen: g7abra, allein ich finde 
bei beiden Arten eine ebenso stark stachelige Zunge, wie bei Trichoglossus haematodes, wohin also 
diese Arten wohl zu ziehen sind. 



144 

bis zur Gabel von gewöhnlicher Bildung, aber der hintere oder bedeckte Theil 
bildete bei Ps* dominicensis eine allgemein sperrige, mit den Lenden- und Un- 
terschenkelfluren verschmolzene Befiederung, in welcher nur vorn eine gabelige 
Spaltung, aber hinten kein dichtfiedriger Gabelstiel bemerkt wurde; wahrend 
bei Ps. Erilhacus ein solcher dichtfiedriger Stiel am Ende der Gabel sichtbar ist. 
Hiezu kommt, dass Erilhacus allein eine Biirzeldrüse besitzt, die genannten Ame- 
rikaner aber dies Organ gewiss nicht haben, wohl aber zerstreute Puderdunen 
im hinteren Theile der Spinalflur, namentlich sehr bestimmt Ps. ochrocephalus 
und Dufresnianus.*) Die Zahl der Schwingen ist bei diesen dreiundz wanzig, 
und die zweite , dritte und vierte sind die längsten ; Ps. Erilhacus hat vierund- 
zwanzig. Die innere kleine Schulterflur ist zwar, wenigstens bei den Amerika- 
nern , vorhanden , aber viel kleiner als bei Ps. perlinax. 

5. Pionus Wagt.. Von Ps . nienstruus und purpureus, den einzigen Arten 
dieser Gruppe, welche ich untersucht habe, kann ich nur den gänzlichen 
Mangel der Biirzeldrüse, ohne dass gleichzeitig Puderdünen vorhanden gewesen 
wären, erwähnen. Am Flügel fand ich zweiundzwanzig stumpfe Schwingen, de- 
ren dritte die längste ist. Die Form der Fluren habe ich bei diesen nur ein- 
mal zur Untersuchung mir unter die Hände gekommenen Vögeln damals leider 
nicht beachtet. 

6. Psillacula Wagl. Ps. piilhtrins besitzt in der Hauptanlage ganz die 
Pterjlose von Ps. pertinax , aber die Fluren sind überall viel schmäler und fast 
liiiienfürmig. An der Unterflur war der zwei Reihen breite Aussenast zwar 
nicht von dem schmalen Hauptzuge abgesetzt, aber wohl durch stärkere dichtere 
Federn angedeutet. Der hintere Theil der Spinalflur bildet eine schwachfiedrige, 
aber nach aussen nicht verbreiterte Gabel, deren Stiel von der Schwanzgrube 
bis zur deutlich vorhandenen Bürzeldrüse reicht. Puderdunen fehlten. 
Der Flügel trug zwanzig Schwingen, von denen die zweite die längste war. 

7. Plalycercus. Ausser Ps. erylhroplerus , den ich genau untersuchte, 
sah ich von dieser Gattung noch Ps. novae Seelandiae , Ps. Pennantii und einige 
nicht genau bestimmte Arten. Die zuerst genannte Art zeigte eine sehr auffal- 



*) Es ist bcmerkenswerth, dass Puderdunen unr bei solchen Papageien vorkommen, denen die 
Biirzeldrüse fehlt; aber doch nicht bei allen diesen. 



145 

lende Eigenheit der Fluren in der ganz schmalen, nur zwei Federn breiten Bil- 
dung aller, sonst aber die den Papageien eigenen Formen, d. h. die doppelte 
Schulternflur, die gabelige Gestalt des hinteren Theiles der bis zur Schwanzgrube 
gespaltenen Spinalflur, deren Schenkel sich zwischen die kräftigeren Schenkel 
des vorderen Theiles begeben; die lange Lendenflur, und die schon von der Mitte 
des Halses an getheilte Unterflur. An ihr bot sich die Haupteigenheit der P/«- 
tycerci dar, nehmlich ein vollkommener und vollständig, ja weit, 
abgesetzter, etwas kräftiger Aussenast. Die spitzen langen Flügel be- 
standen aus zweiundzwanzig Schwingen, unter denen die zweite die längste ist; 
die Bürzeldrüse war vorhanden, aber die Puderdunen fehlten. Bei PL novae 
Seelandiae war alles ebenso, aber der mehr schief gestellte Aussenast bildete 
am Ende einen Haken, und die Gabel des hinteren Theiles der Spinalflur war 
etwas verbreitert. Auch zählte ich bei ihm nur zwanzig Schwingen. *) 

8. Palaeomis W.agl. Auch bei dieser Gruppe habe ich die Form der 
Fluren übersehen, und mir bloss angemerkt, dass die zwei untersuchten Arten 
(Ps. Alexandra und lorquatus Briss.) eine Bürzeldrüse, aber keine Puderdunen be- 
sassen. Die Anzahl der Schwingen war ein- bis dreiundzwanzig, und die zweite 
die längste; sie sowohl, als auch die erste und dritte, ist an der inneren Fah- 
nenhälfte gegen die Spitze verschmächtigt und mit einem schwachen Winkel- 
ausschnitt versehen. 

9. CalyjjtorhyncJiusViG-WAGL- Die Pterylose hat, nach Untersuchung 
des Ps. Leachit und funerus , ganz die Form der Plcdycerci, besteht aus schma- 
len, zwei Federn breiten Fluren, zeigt einen deutlich abgesetzten schmalen Aus- 
senast an der Unterflur, einen ganz auffallend breiten Unterraiu, und, was wohl 
das Merkwürdigste ist, eine einfache schmale Schulternflur. Neben der ga- 
beligen Biirzelflur stehen Puderdunen, obgleich die Bürzeldrüse bestimmt vorhan- 
den ist. Wie die folgende Gruppe hat auch diese einen grossen kreisför- 
migen Scheitelrain, der unmittelbar hinter den Federn der Holle, die in 



*) Den fast vollständigen Mangel eines Gabelbeines, welcher als Eigenheit mancher Papageien 
(Ps. mifralus, eximiiis und galgulus) schon in Tatlor's phil. 3Iagaz. 1831. no. 51. p. 232. er- 
wähnt wird, linde ich als allgemeinen Charakter der von mir untersuchten Piatycerci , und auch bei 
Ps. pullarius. Ueberliaupt ist dieser Knochen schwach bei allen Papageien. 

Nilzsch Pterylograplüe. ^*) 



140 

zwei Querreihen vorn auf der Stirn stehen, beginnt, und sich bis zum Hinter- 
kopfe ausdehnt. An den Flügeln fand ich .zweiundzwanzig Schwingen, von denen 
die ersten sehr spitz und an der inneren Fahnenseite bis über die Hälfte hinaus 
verschmächtigt sind; unter ihnen ist die dritte die längste. 

10. Pluctolophus Vig. (Cacaüia Wagl.) Die ächten Kakadus, von 
denen ich Ps. cristatus , sulphureus und galerilus untersuchte, besitzen den bei 
der vorigen Gattung beschriebenen Scheitelrain, allein nicht ganz die übrige 
Pterylose derselben. Zwar bemerkte ich noch bei Ps. galeritus einen abgesetz- 
ten Aussenast an der Unterflurj aber die Fluren selbst waren breiter und sper- 
rigfiedriger, wenngleich alle, mit Ausnahme des Nackentheiles der Spinalflur und 
des Aussenastes, welche aus drei Fieihen bestanden, nur zwei Federnreihen ent- 
hielten- Dieselbe Art besass Puderdunen auf der Beckengegend und eine recht 
deutliche Bürzeldrüse, welche ich ebenfalls beide bei Ps. sulphureus wahrnehme ; 
allein bei Ps. cristatus ist die letztere bis auf einen kleinen häutigen mit Federn 
besetzten Zipfel verkümmert. Bei eben dieser Art ging der Unterrain über die 
ganze Unterseite des Halses bis zur Kehle und der Nacktheit hinter dem Unter- 
kiefer, spaltete also die Unterflur „in zwei völlig getrennte Hälften. Zugleich 
schien mir der Aussenast nicht deutlich vom Hauptzuge getrennt zu sein , und 
jede Hälfte der Unterflur einen einfachen, sebr sperrigfiedrigen, vier Reihen breiten 
Streifen zu bilden. Ganz eigenthümlich verhielt sich auch der Flügel, insofern 
die zwei- bis dreiundzwanzig Schwingen am Ende stumpf abgerundet sind, die 
dritte mit der vierten, fünften und sechsten gleiche Länge hat, und die hinter- 
sten Armschwingen diesen vier längsten Handschwingen nur wenig an Länge 
nachstehen. Dabei zeigten die ersten vier bis fünf eine deutliche, tief hinab- 
reichende Verschmächtigung der inneren Fahnenhälfte. So ist wenigstens der 
Flügelschnitt von Ps. crhlalus. 

8. L1POGLOSSAE. 

Die drei Gattungen, welche ich zu dieser Familie ziehe, nehmlich Bucoros, 
Upupa und Alcedo , mit den Unterabtheilungen neuerer Schriftsteller, stimmen 
pterylographisch in dem Mangel eines Afterpchaftes an den Konturfedern und 
dem befiederten Zipfel der BLirzeldrüse überein; weichen aber sonst, sowohl in der 
Form der Fluren, als auch in dun allgemeinen Charakteren ihres Gefieders, sehr 



14? 

von einander ab. Denn während bei Buceros die Federnstellung sehr sperrig 
ist, und fast ein lückenloses Gefieder bildet, hat Upupct schmale linienförmige 
Flurzüge; und obgleich dieselben auch bei Alcedo angetroffen werden, so un- 
terscheidet sich diese Gruppe doch auffallend durch ein allgemeines dichtes Du- 
nenkleid, das bei TJpupa sowohl, als auch bei Buceros fehlt. Eben diese bei- 
den Gattungen haben zehn Steuerfedern, Alcedo dagegen besitzt zwölf. 

1. Buceros. Nach Untersuchung von B. abyssinicus, biarcuulus, plicalus, 
coronalus und nasutus neigen die grösseren Arten zu einem fast lückenlosen 
Gefieder, während bei den kleineren die Raine breiter sind und deutlicher auf- 
treten. Alle haben eine auffallend sperrige Federnstellung und gar keine Dunen 
am Rumpfe, bloss einige auf dem unteren Flügelrain, welcher auch von allen 
Rainen der grösste ist (Taf. VI. Fig. 1.). Ausserdem bemerkte ich einen schma- 
len mittleren Unterram, der erst vom unteren Halsende ausgeht; einen kurzen 
Rumpfseitenrain; einen undeutlichen schmalen oberen Flügelrain neben der Schul- 
ternflur (Fig. 2.) und einen schmalen lanzettlichen Spinalrain zwischen den Schul- 
terblättern. Dieser letztere schien bei B. biarcuulus und coronalus auch zu feh- 
len, war aber bei B. nasutus deutlich sichtbar. Eben diese Art hatte einen 
etwas längeren , breiteren Unterrain und einen sehr deutlichen breiten , sowohl 
oben neben der Spinalflur, als auch unten neben den Zügen der Unterflur be- 
merkbaren Rumpfseitenrain. In ihm treten hinten auf den Oberschenkeln 
zwei Federnreihen als Lendenflur deutlich hervor. Uebrigens ist die Ptery- 
lose auch bei dieser Art ebenso sperrig und schwach, wie bei der abgebildeten 
und den anderen; bloss die drei bis vier Reihen breiten Achselfluren zeichnen 
sich, zumal gegen ihr hinteres Ende hin, durch kräftige dichtergestellte Federn 
aus. Auf dem übrigen Körper sind, mit Ausnahme des Halses, die Konturfedern 
sehr lax, grösstenteils flaumästig, und ihre Fahnenstrahleh nicht recht verkettet. 
Am Flügel zählte ich bei B. abyssinicus siebenundzwanzig, bei B. plicalus sechs- 
undzwaiizig, bei B. biarcuulus vierundzwanzig, bei B. coronalus und nasutus 
nur einundzwanzig Schwingen, von denen die drei ersten sehr stark stufig sind, 
und die vierte, fünfte und sechste eine genau gleiche, grösste Lange haben; nur 
B. biarcuulus unterschied sich dadurch, dass die siebente die längste war und 
alle vorhergehenden stufig. Keine von ihnen zeigt eine Absetzung und Ver- 

19 * 



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148 

schmächtigung der inneren Fahnenhälfte, vielmehr sind sie im Ganzen schmal 
und spitzig. Der Daumen trägt immer vier Federn. 

Die Bürzeldrüse, welche ich nur hei B. abyssinicus genauer untersucht habe, 
erscheint als ein grosser rundlicher überall mit wolligen Flaumfedern besetzter 
Knollen, an welchem ich durchaus keinen Zipfel und keine Oeffnung erkennen 
konnte, vielmehr durchbohrten die Spuhlen jener Federn den Knollen überall 
bis auf den Grund. Bei B. biarcualus und plicalus war das äussere Ansehn die- 
ses Organes ganz dasselbe, aber bei B. nasutus hat die Drüse ein sehr langge- 
zogenes zylindrisches Ansehen, lag eigentlich auf den Mittelfedern des Schwanzes, 
und trug an ihrem stumpfen Ende einen Kranz ganz kurzer Oelfedern. 

Noch habe ich zu bemerken, dass die Augenlieder an ihrem Rande, zumal 
die oberen, mit sehr starken Wimpern besetzt sind, und dass dieselben um so 
grösser werden, je mehr sich die Nacktheit im Umfange des Auges ausbreitet. 
Auch an dor Kehle hinter dem Unterkiefer findet sich, wie bei den Papageien, 
in den meisten Fällen eine nackte Stelle. 

2. Upupa (Taf.yi. Fig. 3. 4.). Die Fluren dieser Gattung sind auffallend 
schmal und auch darin, wie in der Form, denen der analogen Gattung GaJbula ähn- 
lich. Der Kopf ist sperrig befiedert, mit einem schmalen Längsrain in der Mitte der 
Holle versehen, und einem grossen Schläfenrain hinter dem Auge. Der Hals bleibt 
grösstenteils nackt, da Dunen hier nicht bloss an den Fluren, sondern auch an den 
Rainen fast ganz fehlen ; nur am inneren Rande der Unterflur, am äusseren Rande 
des Rumpf theiles der Spinalflur, am unteren Flügelrain , an den Oberschenkel- 
fluren, wo sie ganz unmerklich in die Konturfedern übergehen, und in der Nähe 
der Achsel zwischen ihr und dem Ast der Unterflur habe ich einige, theilweis 
etwas stärkere Dunen wahrgenommen. Die Spinalflur ist ununterbrochen, be- 
ginnt als schmaler, aber doch vier Federn breiter, Streif im Nacken, geht so 
fort bis zu den Schultern und spaltet sich hier in zwei auch vier Federn breite 
Schenkel, welche am inneren Rande der Schulterblätter fortlaufen, das ganze 
Rückgrat zwischen sich fassen, auf der Schwanzgrube wieder zusammentreffen, 
und in gleicher Breite als einfacher Stamm bis zur Bürzeldrüse gehen, dicht vor 
dieser endend. Die Unterflur ist noch schmäler und schwächer, entsteht als ein- 
facher Zug an der Kehle, theilt sich aber sogleich in zwei zweireihige Schen- 
kel, welche am Unterhalse eine Federnreihe zur Achselflur aussenden, und mit 



149 

beträchtlicher Divergenz auf die Brustmuskeln treten. Hier giebt jeder Zug 
einen dreireihigen Aussenast ab, welcher dem Hauptzuge parallel läuft und 
stumpf endet. Der Hauptzug selbst, zwei Federn breit, nähert sich anfangs et- 
was dem Kamm des Brustbeines, zieht sich dann mehr nach aussen, beschreibt 
auf dem Bauch einen massigen Bogen, und endet neben dem After. Die scbwaclie 
Achselflar ist einfach und drei Federn breit; die lange Lendenflur besteht aus 
zwei Fieihen schwacher Federn, aber den Unterschenkel bekleidet eine homogene 
sperrige Befiederung. An den Flügeln fand ich zwanzig Schwingen, deren erste 
sehr klein ist, während die zweite der siebenten gleicht und die dritte, vierte 
und fünfte die längsten sind. Der obere Nebenflügel bestellt aus sieben Federn, 
der untere wird bloss von Halbduuen gebildet, die sich auf die Brust bis zum 
Aussenast der Unterflur fortsetzen, und mit ihm einen Haken bilden. Unten ist 
die grosse Flughaut ein ganzer Rain, der von den Federn des Vorderrandes be- 
deckt wird; oben ist sie etwa zur Hälfte befiedert und der übrige Theil bis zur 
Achselilur ist Rain. Die merkwürdige Bildung der Bürzeldriise dieses Vogels 
wurde schon oben (S. 58.) erwähnt; hier will ich sie jetzt ausführlicher beschrei- 
ben. Sie besteht aus zwei fast vollständig getrennten, weit auseinander liegen- 
den Hälften, welche an ihrem hinteren Ende wie es scheint bloss durch Zell- 
gewebe verwachsen sind, und an eine grosse birnförmige häutige Höhle stossen, 
deren spitzes hinteres Ende von den in ihr steckenden Spirillen der Krauzfedem 
ausgespannt und ollen erhalten wird* Die Fahnen dieser Federn sind rückwärts 
nach aussen gebogen und bilden den weiten trompetenförmigeu Eingang der 
Höhle, in deren Grunde, der Mündung gegenüber, man noch zwei kleine Grüb- 
chen bemerkt , welche die Gegend andeuten , wo die zahlreichen Sekretions- 
röhren jeder einzelnen Drüsenhälfte münden. Letztere enthält keine Höhlung 
weiter, sondern zeigt in ihrem Inneren eine strahlige Textur, wegen der ebenso 
verlaufenden Drüsenkanälchen. In diesen fand ich zu jeder Zeit ein gelbliches 
nicht stinkendes Oel, aber die Höhlung hinter der Drüse enthielt bei den Weib- 
chen zur Brutzeit, aber nicht bei den Männchen, wohl aber bei den jungen im 
Neste liegenden Vögeln, eine dickere schwärzliche Flüssigkeit, welche den un- 
erträglichsten Gestank verbreitete und die Ursache des üblen Rufes ist, in dem 
der Wiedehopf wegen dieser Eigenschaft steht. Er verdient ihn aber nur zur 
Brutzeit, und auch dann nicht das Männchen, bloss das Weibchen und die Jungen. 



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150 



Letztere, welche ich zu wiederholten Malen gesehen habe, besitzen ein lockeres 
Nestduuenkleid , dessen Dunenstrahlen auf den ersten Aesten der späteren Kon- 
turfedern aufsitzen, wie ich dies durch eine sehr genaue Untersuchung aufs Be- 
stimmteste erkannt habe. Indess fehlen solche Dunenstrahlen in allen Theilen 
der Unterflur und am Flügel, finden sich aber an den übrigen Stellen, wo Kon- 
turfedern stehen , von ihren Spitzen ausgehend. Noch war mir die ganz auf- 
fallend breite, schneeweisse Mundwinkelhaut an diesen Jungen merkwürdig. *) 

Upupa africana und U. erythrorhynclia , welche ich ebenfalls untersuchte, 
stimmen in allen pterylographischcn Verhältnissen mit der Europäischen Art genau 
überein, auch die zweite sehr bestimmt in der Form der Bürzeldrüse wie im 
Flügelschnitt; doch hat U. crylhrorhyncha nur neunzehn Schwingen, und die 
vierte, fünfte und sechste Schwinge sind die längsten. Es kann hiernach kei- 
nem Zweifel unterworfen sein, ob diese Art, welche Temminck zu Epimachus 
und Liciitenstein zu Neclarinea zieht, hierher gehöre oder nicht. Auch nach 
dem Skelet, das ich im Frankfurter Museum untersuchte, ist sie eine Upupa. 

3. Alcedo (Taf. VI. Fig. 5 — 7.). In der Form der Fluren stimmt diese 
Gruppe ziemlich mit Upupa überein, allein die Züge sind breiter, besonders die 
der Baiichfläche des Rumpfes, und der Spinalrain fehlt, wenngleich die Rück- 
gratflur ziemlich an derselben Stelle in einen länglich lanzettlichen Sattel er- 
weitert ist. Hauptsächlich aber unterscheiden sich die Eisvögel von Upupa und 
den übrigen Picarien durch einen ziemlich dichten Dunenbesatz auf den Rainen, 
welcher sich auch zwischen die Konturfedern der Fluren fortsetzt und nur an 
der Spinalflur fehlt, oder docli hier sehr schwach ist. An den Halsseitenrainen 
sind die Dunen sehr klein, ziemlich gross an den Rumpfseitenrainen; sie zeigen 
überall einen einfachen Hauptschaft, aber keinen Afterschaft. Auch an den 
Kranzfedern der ziemlich grossen herzförmigen befiederten Bürzeldrüse fand ich 
keine Doldenform, vielmehr einen sehr kurzen flachen am Ende gabeligen Schaft, 
der an jeder Seite fünf bis sechs Aeste trägt, und aus jedem Gabelende drei 
bis vier Aeste ausschickte. Besonders aullallend war es mir, dass die Jungen 



*) In diesem Punkte ähnelt der Wiedehopf viel mehr den Singvögeln, als den anderen Picarien, 
deren Junge, namentlich die von Ale edo und Picus, eine sehr geringe Anschwellung der Mundwinkel- 
haut zu besitzen pflegen. 



151 

gar kein Nestdunenkleid haben, sondern anfangs ganz nackt sind, bald hernach 
aber, wenn die Konturfedern hervorsprossen und noch in den ungeöffneten 
Bälgen stecken, ziemlich das Anschn eines jungen Igels gewähren. Wie reimt 
sich dies mit dem dichten Dunenkleide der Alten? Letzteres hat offenbar seinen 
Grund in dem Aufenthalt der Eisvögel an den Ufern und Gestaden der Binnen- 
gewässer, und scheint, wie bei Clnclus , auf eine gewisse Tauchfälligkeit hin- 
zudeuten. Zur Brutzeit ist diese Dunenhülle lückenhaft, und zeigt alsdann fünf 
grosse Brutflecke, nehmlich einen jederseits zwischen dem Aussenast und dem 
Hauptzuge der Unterflur, einen dritten im Unterrain grade auf dem Kamm des 
Brustbeines, und noch zwei am Bauch neben dem Inneurande der Unterflurzüge. 
An allen diesen Stellen fehlten die Dunen, und die Haut zeigte eine strotzende 
Turgescenz der unter ihr liegenden Blutgefässe; selbst an den benachbarten Kon- 
turfedernzügen liessen sich Spuren der Schwächung erkennen. Das Exemplar, 
welches ich untersuchte, war ein Männchen, das über vier Eiern auf dem Neste 
brütend gefangen wurde; es brüten also bei den Eisvögeln beide Geschlechter. 

Die Verhältnisse der Fluren boten bei den von mir untersuchten Arten nur 
geringe Verschiedenheiten dar. Bei allen war die Unterflur, welche ganz schmal 
im Kinnwinkel beginnt, bis zur Gurgel einfach, spaltete sich erst dicht vor dem 
Gabelbein, sendete an derselben Stelle, wie bei Cuculus , Picus, RJtamphaslus 
und auderen, eine Federnreihe zur Achselflur, trat dann auf die Brust, und 
bildete hier einen mit dem Hauptzuge gleich breiten, aber kräftigeren, parallelen 
Aussenast. Von seiner Aussenfläche entspringt eine zum Hypopterum sich fort- 
ziehende etwas sperrige Befiederung. Der Hauptzug läuft ziemlich parallel mit 
dem Kamm des Brustbeines fort, biegt sich auf dem Bauch mehr nach aussen 
und geht dann unter einem starken Bogen zum After, neben dem er endet. We- 
niger, gleichförmig zeigte sich die Spinalflur. Bei A. ispida und der ihr so ähn- 
lichen A. bengalensis liess sich schon in der gleichmässigen sperrigen Befiederung 
des Kopfes eine vom Schnabel entspringende und dessen Grund umfassende, dich- 
terfiedrige Scheitelflur unterscheiden, die aber am Nacken wieder aufhörte, wo- 
selbst die Spinalflur anfangs sehr geschwächt (Fig. 6.) begann, und sich bis hinter 
die Schulterblätter in gleicher Breite von vier Federnreihen fortsetzte, nachdem 
von der Mitte des Halses au ihre Federn sehr kräftig geworden waren. Dicht 
hinter den Schultern breitete sie sich bis zur Schwanzgrube in einen lanzettlichen 



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15£ 

Sattel aus, der in den kurzen, drei Federn breiten Bürzelzug allmälig überging, 
und mit ihm an der Bürzeldrüse endete. Bei allen anderen Arten, welche ich 
untersuchte, als : A. omnicolor Temm. {ph col. 135.), A. coromanda (Dacelo Less.), 
A. senegalensis pl. enl. 594., A. maxima, A. smyrnensis, A. capensis, A. rudis 
und A. collaris , war die Spinalflur bis zum Anfange der Schulterblätter gleich 
kräftig, hier aber durch eine wahre, oder (bei Dacelo gigantea Fig. 7.) falsche 
Lücke unterbrochen, hinter welcher sie als allseitig erweiterter sperrigfiedriger 
hinterer Theil wieder begann, und so bis zur Schwanzgrube fortging, auf wel- 
cher sie sich in einen kräftigeren, zwei bis drei Federn breiten Bürzelstreif zu- 
sammenzieht. Neben demselben finde ich bei A. coromanda , smyrnensis , ca-? 
pensis und omnicolor zerstreute Konturfedern, welche bis zur Lendenflur gehen, 
und dieselbe undeutlich machen. Bei A. collaris begleiten den sehr langen, bis 
zum Anfange des Beckens reichenden Bürzelstreif zwei Reihen Konturfedern in 
massigem Abstände, und die Lendenflur ist sehr deutlich, ja kräftig ; bei A. rudis, 
inaxima und senegalensis ist dagegen der Bürzelstreif etwas breiter, kräftiger 
und bestimmt begränzt. Alle diese Arten haben, wie 2>. gigantea (Fig. 7.), eine 
ziemlich kräftige breite Lendenflur. Die Anzahl der Schwingen betragt bei den 
kleineren Eisvögeln zweiuudzwanzig, bei den grösseren vier- oder fünfundzwan- 
zig, von denen die dritte stets die längste ist, während die erste und zweite 
merklich kürzer bleiben, und jene nur der zehnten gleicht oder noch kürzer ist. 
Nur bei A. collaris, die sich auch dadurch auflallend unterscheidet, dass der 
Aussenast der Unterflur dem Haupfzuge sehr nahe steht, ist die erste Schwinge 
ebensolang wie die zweite, dritte, vierte und fünfte, welche alle anderen an 
Länge übertreffen. Die Anzahl der Steuerfedern war bei allen Arten zwölf. 

9. AMPHIBOLAE. 

Die Anwesenheit des Afterschaftes an den Konturfedern ist ein den Mit- 
gliedern dieser Familie gemeinsames pter) lographisches Verhält niss ; nicht minder 
das Vorkommen des Federnkranzes am Zipfel der Bürzeldrüse , und die Anzahl 
von zehn Schwanzfedern. Damit scheint aber auch die Uebereinstimmung der 
drei hierher gehörigen Gattungen erschöpft zu sein, und ihre wesentlichen Un- 
terschiede dürften folgende Grnppirung bedingen. 



158 

A. Mit schmalen Zügen der Unterflur und deutlichem, frei abstehendem Aussenast. 
Diese Gruppe enthält die Gattungen Corylhaix und Musophaga, von denen 
die letzte auf Taf. VI. Flg. 8. 9. pterylographisch dargestellt ist. Ich untersuchte 
ausser der abgebildeten Art: M. Paulina, noch M. violacea und variegata (JPha- 
sianus africanus Lath.), so wie die bekannte Corylhaix Persa. Alle stimmen 
mit der gegebenen Abbildung vollkommen überein, besitzen also eine allgemeine 
Befiederung des Kopfes (wenn nicht nackte Augenringe vorhanden sind), von 
welcher zwei Flurzüge, einer am Nacken, der andere an der Kehle, entspringen. 
Jener, der Anfang der Spinalflur, geht als einfacher schmaler Streif bis zum An- 
fange des Rumpfes, wo er sich ein wenig verbreitert und dann aufhört. Nach 
einer grossen, zwischen den Schulterblättern befindlichen Lücke, die jedoch bei 
Corylhaix Persa minder vollständig ist, und zweifelsohne den pterylographischen 
Hauptcharakter der Musophagiden abgiebt, beginnt vom Ende des Interscapu- 
liums der einfache, sich Zusehens verbreiternde hintere Theil der Spinalflur, wel- 
cher sich nach und nach zu einem sperrigfiedrigen , aber aus schief von vorn 
nach hinten verlaufenden Federnreihen bestehenden Sattel ausdehnt, in dem der 
eigentliche Hauptzug als zwei mittlere dichtere Federnreihen noch angedeutet ist. 
Nur bei M. Paulina bleiben die Lendenfluren von diesem grossen Sattel getrennt, 
und der auf dem Schwanzkörper befindliche Theil ist nur hier als schmaler, drei 
Reihen breiter Streif uuterscheidbar; bei allen anderen Arten bedeckt die sper- 
rige Befiederung den ganzen Hinterrücken völlig, und geht nicht bloss auf den 
Oberschenkel, sondern sogar auf den Unterschenkel mit über. Solche Differen- 
zen fand ich an der Unterflur nicht. Bis zur Mitte des Halses einlach und durch 
den breiten Halsseitenrain, der bis zum Kopfe reicht, von der Spinalflur geson- 
dert, spaltete sie sich an der bezeichneten Stelle in zwei Schenkel, die konver- 
girend auf die Brust treten, und hier, nachdem sie eine Federnreihe zur Ach- 
selflur gesendet haben, einen parallelseitigen , kräftigen, ganz freien Aussenast 
bilden, von dessen Spitze nur bei M. variegata ein Haken ausgeht, der nicht auf 
den Arm sich fortsetzt, da das Hypopterum bloss aus Halbdunen besteht. Der 
anfangs verschmälerte Hauptzug läuft dicht neben dem Kamm des Brustbeines fort, 
tritt unter geringer Divergenz auf den Bauch, und endet etwas seitlich neben 
und vor dem After. Ausser diesen Fluren sind nur noch die Achselfluren als 
kräftige Federnstreifen bemerkbar. Den Flügel bedeckt oben eine dichte Befie- 

Nitzsch Pterylograpliie. 20 



1541 

derung, welche ziemlich nahe an die Achselflur reicht, unten aber, bis auf die 
Federnreihen am Vorderrande der Flughaut und die des Unterarms, fast fehlt. 
An diesem unteren Flügelrain, so wie am oberen Ende des mittleren «Unterrains, 
fand ich Dunen, an allen anderen Rainen fehlten sie ebenso wie zwischen den 
Konturfedern. — Die Anzahl der Schwingen ist zwei- bis dreiundzwanzig, wo- 
von zehn an der Hand sitzen; die drei ersten derselben sind stufig und die 
vierte mit der fünften und sechsten ist die längste. Der lange Schwanz besteht 
immer aus zehn Federn. 

B. Mit verbreiterten Zügen der Unterflur, an denen ein abgesetzter Ausseunst nicht be- 
merkt wird. 
i 

a, Spinalflur allseitig verbreitert und sperrigfiedrig. 

Die Gattung Colitis, welche zuerst Burcheix (Reise, Auszug in Oken's Isis. 
1823. 142.) für nahe verwandt mit Carylhaioc erklärte, eine von mir längst 
geahnte und neuerdings durch anatomische Untersuchung bekräftigte Ansicht, hat 
eine sehr merkwürdige Federnstellung, und lässt sich darin bloss mit Buceras ver- 
gleichen. Aus der aufTäf. VI. Fig. 10. 11. gegebenen Abbildung der Pterylose 
des C capensis ist dieses Verhältniss ersichtlich. Ich fand bei ihm und C Stria- 
tus ein allgemeines sperriges Federnkleid, dessen Konturfedern sich durch auf- 
fallend zarte dünne Spuhlen auszeichnen, und daher nicht überall gleich deutlich 
durch die Haut, hindurchragen. Nur in der Gegend des Aussenastes der Unter- 
flur, des Nackentheiles der Spinalflur, und des hinteren Theiles eben dieser 
standen kräftigere Federn, welche am zuletzt genannten Theile nach vorn zwei 
bemerkbare Schenkel bildeten , zwischen welche die schwächere Befiederung 
des Interscapuliums hineindringt. Es bleiben hiernach am Körper nur folgende 
kleine dunenlose Raine übrig: 1) Ein linker und rechter, bis zur Schulter rei- 
chender Halsseitenrain. 2) Ein ebenfalls doppelter sehr schmaler Bürzelrain. 
5) Ein ziemlich grosser doppelter Achselrain, und 4) ein einfacher, ganz auf das 
hinterste Ende des Bauches eingeschränkter Unterrain, in dem die AfteröfFnnng 
liegt. Hiezu kommt 5) ein kaum bemerkbarer einfacher Nackenrain am Ende 
des Hinterkopfes , der dem bei Trochilus erwähnten ähnelt, aber viel kleiner 
ist. — Die untersuchten Arten hatten neunzehn Schwingen, wovon zehn an der 
Hand sitzen. Die vier ersten sind stufig, und die fünfte ist allein die längste. 



155 



Die Anzahl der paarig gleichen, sehr stark stufigen Steuerfedern ist zehn, aber 
die 7 beiden äussere teil sind so klein, und stehen so sehr nach oben, fast über 
den beiden folgenden, dass man sie leicht übersehen kann. — 

b. Spiualflnr sehr eingeschränkt, besonders der hintere Thejl, welcher ein ganz schma- 
ler, zweireihiger Streif ist.- 

Hierher stelle ich die* in vieler Beziehung anomale Gattung Opisthocomus. 
Die Abbildung ihrer Pterjlose (Taf. VI. Fig. 12. 15.) zeigt, dass die kontinuirli- 
che sehr sperrige , aber am Scheitel dichtere Befiederung des Kopfes auch den 
ganzen Hals bedeckt, und einen Halsseitenrain nicht entstehen lässt. Vom un- 
teren Ende dieses Halsgefieders beginnt die Unterfiur mit zwei breiten Zügen, 
die dicht am Kamm des Brustbeins hinablaufen und aussen, da wo der Ast lie- 
gen würde, etwas kräftiger sind. Am Ende des Brustbeins verschmälern sie sich 
und gehen so, immer schwächer werdend, zum After, an dem sie, nur noch zwei 
Federn breit, enden. Sowohl an der Flur selbst, als auch zwischen ihren Zü- 
gen an den Rainen stehen wahre Dunen, wenngleich nicht sehr dicht. Dieselbe 
sperrige Beschaffenheit zeigen übrigens noch die Lendenfluren und das Gefie- 
der des Unterschenkels wie des Flügels; aber die schmalen Achselfluren und die 
Spinalflur enthalten dichter gestellte, wenngleich auch viel kleinere Federn. 
Letztere geht als kräftiger, drei Reihen breiter Zug aus dem Gefieder des un- 
teren Nackens hervor , und spaltet sich zwischen den Schultern in zwei Schen- 
kel, mit deneu die anfangs divergirenden Federnreihen des zweizeiligen hin- 
teren Theiles am Ende verbunden sind; von der Schwanzgrube an wird er 
etwas breiter und umfasst noch die Bürzeldrüse, welche grösser ist und einen 
stärkeren Federnkranz am Zipfel hat , als bei den vorigen Gattungen. Am 
Flügel stehen neunzehn Schwingen , wovon zehn an der Hand ; die ersten vier 
sind stufig, die fünfte und sechste die längsten. Der Schwanz hat zehn grosse 
Steuerfedern. — 



20 



^^^ 



156 

Viertes Kapitel. 

Tauben. Columbinae, 

Nur wenige, nicht sehr erhebliche Momente lassen sich als pterylographische 
Merkmahle der Tauben, mit welchen ich noch die Steppen- und Flughühner 
{Plerocles und Syrrhaptes) verbinde , hervorheben , ja es scheint mir ausser der 
sehr breiten > die grossere Hälfte der Körperoberfläche dicht bekleidenden Form 
der Fluren nur noch die kleine zipfellose völlig nackte Bürzeldrüse einen guten 
Gruppeneharakter abzugeben^ Zwar fehlen beiden, Tauben wie Flughüh- 
nern, die Dunen ganz, aber der Afterschaft, welcher bei den letzteren vor- 
kommt, geht nur den ersteren ab. Dagegen stimmen beide in der gabeligen 
Form des vorderen Theiles der Spinalflur und der auffallenden Schwächung des 
schon zwischen der Gabel beginnenden hinteren Theiles mit einander überein; 
allein eine sehr ähnliche Bildung besitzen auch einige Gallinaceen, z. B. Nu-- 
mida und Penelope. Die Anzahl der Schwingen schwankt zwischen ein- und 
achtundzwanzig, die der Steuerfedern zwischen zwölf und sechszehn. 

1. C O L U M B A. 

Ich nehme diese grosse Gattung noch in dem alten Umfange, der leichteren 
Darstellung wegen, glaube indess sehr gern, dass sie mit demselben Rechte, 
wie Psittacus, Falco und andere gleichen Umfanges, in mehrere Gattungen auf- 
gelöst werden könne; denn dafür spricht schon die grosse Differenz in der Pte- 
rylose der wenigen Arten, welche ich untersucht habe. Allgemein war diesen 
nur Folgendes. * 

Die Konturfedern haben durchaus keinen Afterschaft und stehen dicht ge- 
drängt, kräftige Fluren bildend. Dunen bemerkt mau nicht zwischen ihnen, 
auch fehlen dieselben an den meisten Rainen; nur am unteren Flügelrain und 
an den Rumpfseitenrainen habe ich einige wahrgenommen. Selbst die jungen, 
noch im Neste liegenden Vögel haben keine Dunen, sondern einfache gelbe Bor- 
stenbüschel, welche auf den Spitzen der Konturfedern aufsitzen. Sie stimmen 
darin ganz mit den Passerinen überein (s. S. 106.). Die Form der Fluren ist auf 
der Rückenseite bei allen Arten dieselbe, zeigt also immer einen kräftigen ga- 
beligen vorderen Theil der Spinalflur, und einen anfangs und am Rande ge- 
schwächten, durch einen schmalen Längsrain gespaltenen hinteren Theil, von 



15* 

dem übrigens die breiten Lendenfluren ziemlich deutlich getrennt sind. Ersterer 
ist durch den beinahe bis zum Kopfe aufsteigenden Halsseitenrain recht deut- 
lich von der Unterflur geschieden. Die Unterflur beginnt . breit an der Kehle, 
theilt sich unten am Halse und hat in der Regel einen allgemein verbreiterten, 
selten einen schmäleren, mit einem deutlichen Aussenast versehenen Brustzug. 
Die Bürzeldrüse, wenn sie sich findet, ist stumpf herzförmig und völlig nackt. 
Ihre beiden Hälften sind sehr dünnwandig, und haben eine sehr weite, durch 
die ganze Drüse ausgedehnte Höhle. Die meistens langen und zugespitzten 
Schwingen belaufen sich höchstens auf fünfündz wanzig } von denen die zweite 
die längste ist. 

Nach der Anzahl der Steuerfedern kann man zwei Gruppen aufstellen, und 
zwar: 

I. Tauben mit zwölf Steuerfedern. 

Die hierher gehörigen Arten, unter denen sich sämmtliche einheimische be- 
finden, zeigen in ihrer Pterj lose die schon geschilderte, und von C. livia (Taf . VII. 
Fig. 1.2.) abgebildete Form, haben alle eine sehr breite kräftige Unterflur, wel- 
che die ganze untere Seite des Halses einnimmt, sich erst dicht vor dem Ga- 
belbein spaltet, dann noch breiter werdend auf die Brust tritt, aber hier keinen 
Aussenast bildet, sondern allgemein verbreitert bis zum hinteren Rande des wiw- 
sculus pectoralis major fortgeht, und sich, indem sie an dessen Rande fortläuft, 
zum Bauchtheil verschmälert. Letzterer- ist kurz , halb so breit wie der Brust- 
theil, und endet neben dem After. Die Gegend des Aussenastes ist am Brusttheil 
sehr kräftig, und sendet vorn einige Federnreihen aus, welche zum Hjpopterum 
sich begeben. Oben findet man neben der Spinalflur eine breite, nach hinten 
zugespitzte, kräftige Schulterflur. 

Bei C livia war die Spaltung des hinteren Theiles der Spinalflur, welche 
bis zur Schwanzgrube reicht, ganz auffallend schmal, und die breiten Lenden- 
fluren hingen durch einige Federn mit diesem hinteren Theile zusammen; bei 
Ctigrina fand ich einen viel breiteren Spinalrain und eine ringsum freie Len- 
denflur. v Die übrigen Arten dieser Sektion, als C>oenas, palumbiis, turlur, ro- 
sotea, stimmen mehr mit der Haustaube überein. Eine auffallende Eigenheit 
zeigte mir noch C. talpacoti in ihren kürzeren stumpfen Flügeln, deren zweite* 
dritte und vierte Schwinge mit einem allmälig schwächeren Winkelaussohnitt 



158 

vor der Spitze der äusseren Fahnenhälfte versehen sind, wahrend die vierte allein 
am Grunde der inneren Fahnephälfte eine sehr spitze vorspringende Ecke be- 
sitzt. D>ie zweite Schwinge war die längste, aber die erste und dritte nur sehr 
wenig kürzer. 

H. Tauben mit sechszehn Steuerfedern. 
Die beiden mir bekannt gewordenen Arten dieser Gruppe, nehmlich C mi~ 
litaris und C. cöronala, unterscheiden sich ferner noch sehr auffallend durch 
den volligen Mangel der Bürzeldrüse von den anderen Tauben. Die 
erstere stimmt dabei in der Pterylose ganz mit C livia überein, weicht aber 
doch ab durch die Form der drei ersten, sehr auffallend zugespitzten Schwin- 
gen, von welchen die dritte am Grunde der inneren Fahnenhälfte eine sehr son- 
derbare Ausbuchtung besitzt. C. coronata entfernt sich auch in der Flurenbil- 
dung sehr bestimmt von allen anderen mir vorgekommenen Tauben, und nähert 
sich darin etwas mehr den Hühnern. . Sie hat nehmlich am Halse ein fast 
lückenloses Gefieder, indem der Halsseitenrain auffallend kurz ist, Und die Spal- 
tung der Unterflur erst dicht vor dem Gabelbein beginnt. Jeder Schenkel tritt 
sehr breit und ziemlich sperrigfiedrig auf die Brust, und nimmt hier noch eine 
Strecke an Breite zu. Dann theilt er sich in drei Aeste; der innerste j dem 
Kamm des Brustbeins ziemlich genäherte, ist der eigentliche Hauptzug, besteht 
auch aus den meisten (drei bis vier) Federnreihen, geht ununterbrochen bis zum 
Bauche fort, wendet sich hier etwas mehr nach aussen, und kehrt unter einem 
Bogen zum After zurück. Der zweite mittlere Ast ist sperrigfiedriger , aber 
schmäler ; er geht parallel dem Hauptzuge fort, und endet am Rande des nwscii- 
lus pectoralis major in der Nähe des Kniehafens. Er ist der eigentliche Aus- 
senast der Unterflur. Der dritte, seiner Liage nach äusserste Ast entspringt ziem- 
lich in der Gegend des Achselgelenkes, ist kräftig aber auch sehr sperrigfiedrig, 
wendet sich mehr nach der Innenseite des Oberarms, und läuft an diesem als 
Hypopterum hinab. Die übrige Pterylose hat Nichts Abweichendes. Die Spinal- 
flur ist im vorderen gabeligen Theile kräftig, im hinteren xler Länge nach ge- 
spaltenen, sperrigfiedrig und nach aussen verbreitert, hangt aber mit den ziem- 
lich kräftigen Lendenfluren nicht zusammen. Am Unterschenkel zeigt sich eine 
schwache Befiederung. Der Flügel trägt fünfundzwanzig Schwingen, deren Schäfte 
vierkantig sind, und auf der flachen Unterseite drei Furchen haben, eine in der 



159 

.Mitte, die beiden anderen auf jeder Seite ; die Form derselben ist minder schmal 
und spitzig als bei anderen Tauben, und der ganze Flügel mehr abgerundet.*) 

2. PTEROCLES. 

Die Pterylose dieser Gattung, Ton der ich drei Arten: Pt. coronatus, exu- 
' stus und setarius untersucht habe, stimmt an der Bauchseite ziemlich mit der 
von C. livla überein (Taf. VII. Fig. 3-), doch möchte die gleich breite, parallel- 
seitige Form der Unterflurzüge, an denen auf der Brust ein Aussenast auch nicht 
einmal angedeutet ist, ein gutes Unterscheidungsmerkmahl abgeben. Jeder 
Unterflurzug ist übrigens an der Aussenseite am kräftigsten, und wird allmälig 
nach innen zu schwächer. Oben auf dem Schultergelenk hat er einige schwä- 
chere Federn neben sich, welche ihn mit der AchseliHur verbinden $ das Hypo- 
' pterüm aber hängt nicht mit ihm zusammen, sondern läuft neben ihm am Rande 
des musculus pectoralis major herab. Die Piückenseite (Fig* 4.) bietet mehrere 
Unterschiede dar, zumal 1) die Kürze des nur bis auf den Anfang des Halses 
reichenden Halsseitenraines , 2) den Mangel des oberen Flügelraines, 3) die Ver- 
schmelzung der Lendenfluren mit dem hinteren Theil der Spinalflur, und 4) den 
Zusammenhang eben jener Flur mit der Befiederung des Unterschenkels. Da- 
gegen ist die Form und Bildung des vorderen Theiles der Spinalflur ganz wie 
bei den Tauben, während der hintere zwar im Allgemeinen dieselbe Anlage 
hat, aber doch viel mehr verbreitert ist, vind viel tiefer zwischen die Schenkel 
der Schultergabel hineinreicht. Dazu kommt, dass bei Pt. coronatus und exustus 
der schmale Spinalrain ganz fehlt, bei Pt. setarius aber deutlich vorhanden ist. 
Bei allen dreien fand ich sieben- bis achtun dz wanzig Schwingen, von de- 
nen die zehn des Handtheiles sämmtlich und auflallend stufig sind, mithin die 
erste die längste ist; die Armschwingen nehmen wieder etwas an Länge zu, aber 
die längste ist doch kaum halb so lang wie die erste Handschwinge. Der Schwanz 
enthält immer sechszehu Steuerfedern. Uebrigens entfernen sich die Flug- 
hühner durch die Anwesenheit des freilich nur kleinen Afterschaftes an den 
Konturfedern ebensosehr von den Tauben, wie durch die völlig, auch am Zi- 



*) Im inneren Bau gleicht dieser Yogel minder auffallend den Hühnern , und hat namentlich keine 
Spur von Blinddärmen , welche bei den anderen Tauben noch im Rudimeute vorhanden sind. Auch die 
Gallenblase fehlt gänzlich. 



16Q 

pfel, nackte Bürzeldrüse von den Hühnern; und von beiden zugleich durch 
den bemerkbaren, wenngleich schwachen, Dunenbesatz ihrer Raine. 



Fünfte» Kapitel. 

Hühner. Gallin aceae. 

Wenige Familien gleichen Umfanges haben eine so übereinstimmende Pte- 
rylose, als die, deren Betrachtung wir uns zuwenden, und kaum kann, ausser 
den noch viel gleichförmigem Passerinen, irgend eine Vogelgruppe dieses 
Ranges sich mit ihr an Bestimmtheit des Gesammttypus messen. Daher lässt 
sich auch eine umfassende und genaue Schilderung von ihr besonders leicht und 
vollständig geben. 

Die Konturfedern haben einen beträchtlichen, aber bloss dunigen Afterschaft, 
welcher am Ende der sehr kurzen zarten Spuhle haftet und gegen den sehr 
kräftigen Stamm des Hauptschaftes nur schwach ist. Letzterei* trägt auch bei 
weitem mehr dunige als federnartige Aeste, und zeichnet sich an den Rücken- 
federn bei sehr vielen Gattungen (z. B. Polypleclron , Argus, Cryptonyx, Pene- 
lope , Crax , Cryplurus) durch eine enorme Breite an demjenigen Theile seiner 
Erstreckung aus, an welchem die dunigen Aeste sitzen (siehe Taf. I. Fig. 1.). 
Eigentliche Dunen sin$ selten und fehlen zwischen den Konturfedern ganz} sie 
stehen vielmehr nur sehr einzeln hie und da auf den Rainen , am häufigsten 
noch auf den Rumpfseitenrainen, und gehen, je mehr sie sich den Konturfedern- 
fluren nähern , in Halbdunen über. Auch in dem Raum zwischen Aussenast und 
Hauptzug der Unterflur, sowie am Unterraih in der Gegend der Gurgel dicht über 
dem Gabelbein, habe ich Dunen beobachtet; dagegen ist der fast bis zum Kopfe 
reichende Halsseitenrain stets nackt. Nur einmal, nehmlich bei Cryplurus, sah 
ich Puderdunen, welche den Saum des sehr länglichen Sattels der Spiualflur 
bildeten, und theilweis zwischen die äussersten Konturfedern sich eindrängten. 

Die Fluren selbst sind immer sehr bestimmt begrünzt, doch keinesweges 
sehr breit, wohl aber ziemlich kräftig und dichtfieclerig ; allein nirgends, auch 
nicht im Aussenast der Unterflur, so gedrängt, wie z. B. bei den Passerinen. 
Die Spinalflur geht stets einfach Vom Nacken aus, und bleibt entweder so 



161 

bis zur Biirzeldrüse, oder spaltet sich in der Gegend der Schulter in zwei Schen- 
kel, welche später wieder zusammenfliessen und einen lanzettlichen Spinalrain 
umschreiben. Dabei ist dieselbe in allen Theilen entweder gleich kräftig, 
der bei weitem häufigere Fall, oder sie hat zwischen den Schulterblättern 
eine Lücke, welche am Ende der Gabelung liegt und noch dadurch ausge- 
zeichnet ist, dass die Federn des vorderen Theiles kräftiger sind als die des hin- 
teren. Diesen Fall sah ich bloss bei Numida , und einen ähnlichen hinsichtlich 
der Federnbildung, wenngleich ohne eigentliche Lücke, bei Penelope. Beide 
Formen, zumal die erstere, nähern sich auffallend dem Typus der Tauben. — 
Die Achsel fluren sind immer breit, aber kurz; die Lendenfluren un- 
gemein gross und kräftig, aber meistentheils ganz frei, vom Bürzeltheil der Spi- 
nalflur gesondert, aus langen starken, doch grösstentheils flaumigen Federn ge- 
bildet, deren Länge sehr auffällt, wenn man die Beine nach hinten zieht. — 
Die Unter flur längt bald einfach (Galhis , Pavo), bald getheilt (Crypturus) 
an der Kehle an, spaltet sich aber im ersteren Falle jederzeit schon vor der 
Mitte des Halses in zwei Schenkel , welche nach und nach mehr divergiren und- 
dabei Zusehens breiter werden. Gleich am Anfange der Brustfläche bedecken 
sie diese daher völlig, bis auf einen schmalen Raum neben dem Kamm des Brust- 
beines, und hängen dadurch nach aussen mit der Achselflur zusammen. Nach 
kurzem Verlauf lässt diese Breite nach, und man unterscheidet alsbald einen 
kräftigen stets keilförmigen Aussenast, dessen starkfiedriger äusserer Rand 
dem inneren Rande des Brustzuges parallel läuft, während der innere Rand mit 
dem Hauptzuge einen spitzen Winkel bildet. Gewöhnlich endet der Ast am hin- 
teren Rande des musculus pecloralis major, selten (bei Crypturus Taf. VII. 
Fig. 11.) geht er über denselben fort, und verbindet sich nach hinten mit 
der Lendenflur. Der Hauptzug verhält sich gerade entgegengesetzt wie der 
Ast, ist also eines Theils sehr schmal, anderen Theils geschwächt, und läuft 
dicht am Kamm des Brustbeins hinab. Auf der Bauchfläche angekommen, ent- 
fernen sich beide Züge nicht von einander, sondern fliessen vielmehr häufig 
in einen Stamm zusammen, welcher gerade dem After zusteuert und 
an ihm endet. Diese ganz eigenth um liehe Form der Unterflur ist der 
achte und wahre Hühnertypus, welcher um so undeutlicher wird, je mehr 
überhaupt die charakteristischen Hühnerbildungen verwischt werden , weshalb 

Nitzsch Pterylographie. 21 



im 



■■■ 



er schon bei Crypturus (Fig. 11.) fehlt, und einer taubenähnlichen Bildung 
Platz macht. 

Auffallend harmonirt mit dieser Form der Unterflur der kurze abgerundete 
Flügelschnitt, welcher eine ebenso ächte hühnerartige Bildung ist. Genauer un- 
tersucht zeigen die Flügel der Gallinaceen zwei - bis neunundzwanzig Schwingen, 
von denen zehn oder elf am Handtheile sitzen, unter welchen die vierte, fünfte 
und sechste die längsten zu sein pflegen, während die früheren wie folgenden 
gleichmässig stufig verkürzt sind und die elfte von allen die kleinste ist. Diese 
sehr kleine Schwinge ist theils die letzte der Hand (Phasianus), theils die erste 
des Arms (Tetrao), und scheint häufig (z. B. bei JYumida, Polyplectron , Lopho- 
phorus, Crax, Penelope, Crypturus) zu fehlen. Die nächste ist darauf wieder so 
lang wie die zehnte, und 4'on ihr an nimmt jede folgende bis zur Ellenbogen- 
schwinge (der achtzehnten, neunzehnten oder zwanzigsten) etwas an Länge zu, 
und dann erst fallen die noch übrigen schnell stufig ab. Dadurch erhält der 
gespannte Flügel sein eigenthümliches zweilappiges Ansehn. Am Daumen fand 
ich übrigens immer vier Federn, am Schwanz aber alle Zahlenverhältnisse, wel- 
che ausserdem innerhalb der ganzen Klasse auftreten, nehmlich zehn, zwölf, 
vierzehn, sechzehn, achtzehn und zwanzig. 

Von der Bürzeldrüse habe ich noch zu erwähnen , dass sie zwar in der 
Regel eine stumpf herzförmige platte Gestalt hat,, allein bei Crypturus völlig 
elliptisch gestaltet ist und bei Argus ganz fehlt. Im ersteren Falle besitzt sie 
einen recht deutlichen Zipfel, dessen Ende von einem aus sechs bis sieben grossen 
Doldendunen gebildeten Kranze besetzt ist; im zweiten fehlt der Zipfel, und die 
kaum bemerkbaren Oeffnungen liegen oben auf der Drüse, von vier Dolden- 
dunen umgeben. Immer sind beide Hälften deutlich getrennt., wenn sie gleich 
ganz dicht aneinander liegen, und jede von ihnen enthält eine sehr weite tief 
hineinreichende Höhle. 

Dieser grossen und fast vollständigen Uebereinstimmung wegen ist es unmög- 
lich, die Hühnergattungen pterylographisch zu gruppiren; ich benutze daher lieber 
meine nach anderweitigen meistens anatomischen Charakteren festgesetzten Grup- 
pen, und gebe in jeder die von mir beobachteten Arten an, diejenigen Abwei- 
chungen, welche ich wahrnehmen konnte, hervorhebend. Zuerst scheide ich, 
wie schon bei den Tauben bemerkt wurde, die Flughühner (SyrrJiaptidae) 



163 

von den Gallinaceen aus. Dieselben bringe ich dann in zwei Hauptgruppen, von 
denen die eine bloss die Gattungen Hemipodius, Cryplurus und Megapodius, 
die andere alle übrigen Hühner enthalt. Letztere lassen sich noch in die Te- 
traoniden, Fhasianiden und Penelopiden sondern.*) 

1. TETRAONIDAE. 

1. Tetrao. Nach Untersuchung von T. lagopus, Cupido, umbellus, 7ty- 
bridus , Tetrix und Urogallus verhalt sich die Pterylose ziemlich wie bei Me- 
leagris (Taf. VII. Fig. 9. 10.), doch ist mir eine etwas kräftige Bildung der Gabel 
des Schultertheiles der Spinalflur als den Tetraonen eigenthümlich erschienen; 
auch dürfte der lanzettliche Spinalrain etwas länger sein. Die Unterflurzüge sind 
vom Ende des Brustbeins an verbunden, und dieser gerne insohaftliche Theil ist 
hier ziemlich lang. Am Flügel zählte ich bei T- umbellus fünfundzwanzig, bei 
Cupido achtundzwanzig, bei hybridus sechsundzwanzig, bei Tetrix fünfundzwan- 
zig und bei Urogallus neunundzwanzig Schwingen, von denen die dritte oder 
vierte die längste und die elfte ziemlich auffallend verkürzt ist. Im Schwänze 
sind bei allen achtzehn Federn. 

2. Perdix. Aus dieser Gattung untersuchte ich P. cinerea, pelrosa, sa- 
xalilis, javanica, dentala Temm. (guianensis Lath. Licht.), marylandica und 
Colurnix. Bei zweien, nehmlich P. petrosa und javanica, fand ich einen schma- 
len Spinalrain an derselben Stelle, wie bei Telrao und Meleagris , auch ganz 
die Form der Spinalflur; bei den anderen ist mir dieser Rain nicht aufgefallen, 
obwohl die Spinalflur genau dieselbe Form hat. Bei allen ist der Brustzug oben 
dicht neben dem Aussenast auffallend schwach, fast lückenhaft, und der auf 
dem Bauche befindliche Theil beider Züge ist in eins verschmolzen. Die Len- 
denfluren sind frei. P. Colurnix, denlata, marylandica und javanica haben zwölf 
Schwanzfedern und zweiundzwanzig bis dreiundzwanzig Schwingen; bei P. pe- 
lrosa und saxatilis fand ich vierzehn Steuerfedern nebst vierundzwanzig Schwin- 
gen; P. cinerea hat achtzehn Federn im Schwänze und dreiundzwanzig am Flügel. 
Bekanntlich ist bei den Wachteln die erste Schwinge die längste; bei den 



*) Mau vergleiche über die anatomischen Eigenheiten dieser Gruppen meine Bemerkungen zu Nau- 
manns Naturgeschichte der Vögel Deutschlands. Bd. VI. S. 270. und 429. 

21 * 



eigentKchen Repliühnern dagegen die dritte, vierte oder fünfte; die drei er- 
sten sind bald (bei P. dentala, marylandicii) sichelförmig nach innen gekrümmt, 
bald (P. cinerea, petrosa) an der inneren Fahnenhälfte ausgeschnitten und ver- 
schmälert. 

2. P H A S I AN 1 D A E. 

a. Die Hauptzüge der Unterflur bleiben bis zum After hin völlig getrennt. 

4. Meleagris. Die Pterylose des Truthahns (M. gattopavo Taf. VII. 
Fig. 9. 10.) bietet, ausser der bemerkten Abweichung der Unterflur, welche 
tlurch die geringere Länge des Brustbeines und die damit korrespondirende grös- 
sere Ausdehnung der Bauchfläche vielleicht bedingt ist, keine anderen Eigen- 
heiten dar, als etwa die grössere Breite der beiden Hauptzüge der Unterflur. 
Die Spinalflur ist in der Mitte ziemlich sperrigfiedrig, und umschliesst einen lan- 
zettförmigen Kain zwischen den Schulterblättern, welcher sich auch in den ver- 
breiterten Theil hinein erstreckt. Die Lendenfluren sind ganz frei, und die 
Achselfluren im ganzen nicht so kräftig als sonst. Wegen der nackten schwie- 
ligen Theile des Kopfes und des Vorderhalses beginnen die beiden Züge der Un- 
terflur erst auf der Mitte des letzteren, getrennt von einander j aber die Spinal- 
flur reicht ziemlich bis zum Hinterkopf hinauf. Am Flügel zählte ich achtund- 
zwanzig Schwingen, von denen die elfte sehr klein ist ; am Schwänze sitzen acht- 
zehn Steuerfedern. Der Afterschaft an den Konturfedern ist winzig, aber ziem- 
lich gross an den Dunen 5 welche die Grenze der Fluren bilden. Auch der An- 
fang jedes Unterflurzuges neben dem Ast bestellt bloss aus solchen Dunen. Die 
Bürzeldrüse hat am Zipfel sieben grosse Doldenduuen. Am Unterrain der Männ- 
chen sitzt bekanntlich dicht vor dem Gabelbein an der Gurgel ein langer Bart- 
büschel, welcher aus mehren, völlig astlosen, aber hohlen, steifen Borstenhaa- 
ren besteht. 

2. Numida. Diese Gattung sehliesst sich auch in ihrer Pterylose am 
meisten an die vorige , unterscheidet sich aber , nach Untersuchung von N. 3fe- 
lecigris und mitrata Lath. , in folgenden Punkten. Die Spinalflhur ist am Ende 
der kräftigen Schultergabel durchbrochen, und der ziemlich schmale, indess, 
wie bei Meleagris, vorn breitere Rückentheil hat keinen Längsrain. Die Ach- 
selfluren sind viel schmäler, aber die Lendenfluren wenigstens vorn so breit, 



165 

dass sie an die Spinalflur stossen. Der Hauptzug der Unterflur fängt vorn neben 
dem Ast nur mit einer FedernreiJie an, und scheint hinten bis zum After vom 
Nachbar getrennt zu sein. Die Konturfedern haben einen noch kleineren After- 
schaft. Am Flügel finden sich vierundzwanzig Schwingen, aber die elfte ist nicht 
so auffallend verkleinert; der Schwanz besteht aus sechzehn Federn. 

b. Die Hauptzüge der Unterflur fliessen vom Ende des Brustbeines an in einen Stamm 
zusammen. 

1. Cryptonyx. Die von mir untersuchte Art: Cr. coronata, hat die Spi- 
nalflur von Meleagris, und die breiten Lendenfluren, welche mit jener zusam- 
menfliessen, von Numida; unterscheidet sich aber von beiden durch einen auf- 
fallend schmalen spitzen Aussenast an der Unterflur und sehr schmale Hauptzüge, 
von denen ich nicht mit Sicherheit erkennen konnte, ob sie hinten zusammen- 
fliessen; doch schien es so. Der Flügel trägt zweiundzwanzig Schwingen, von 
denen die elfte sehr klein ist; am Schwanz zählte ich vierzehn Steuerfedern. 
Die Konturfedern haben einen ziemlich grossen Afterschaft und, was ganz be- 
sonders merkwürdig ist, auch auf der Oberseite des unteren dickeren Schaft- 
theiles eine feine Längsrinne. Den langen Nackenfedern fehlen an den zerstreut 
stehenden Aesten des Lichttheiles alle Strahlen, unten werden sie dunig und 
tragen einen ganz kleinen Afterschaft. 

2. Polyplectron chinquis , Temm. pl. coL S39. — Die Pterylose von 
Cryptonyx, aber der breite hintere Theil der Spinalflur ist vorn noch etwas schmä- 
ler, der Längsrain darin ganz spaltenförmig und die Verbindung der Lendenflu« 
ren mit der SpinalftVir nicht so breit. Unterflur zwar schmal, aber der Ast etwas 
breiter. Konturfedern mit grossem Afterschaft und sehr breitem unterem Schaft- 
theil, an dem auch die innere Seite keine Längs rinne hat. Schwingen wohl 
dreiundzwanzig, die drei ersten sehr stufig und sichelförmig; die kleine elfte 
wurde nicht bemerkt; am Schwanz zwanzig Federn, und drüber etwa zehn grosse, 
halb so lange Deckfedern. 

5. Lophophorus refulgetts, Temm. pl. col. o07. d% 513$. Die Fluren 
zeigen durchaus keinen anderen Unterschied von den bei Polypleclron und Cry- 
ptonyx beobachteten Formen, als dass die erweiterte Stelle der Spinalflur, der 
Längsrain in ihr und der Aussenast der Spinalflur breiter ist; doch scheinen die 
Lendenfluren ganz vom Bürzeltheil der Spinalflur getrennt zu sein. Die Flügel 



im 

tragen sechsundzwanzig Schwingen, und die elfte ist nicht verkleinert; die drei 
ersten sind sichelförmig, aber nicht so kurz wie bei Polyplectron. Der Schwanz 
enthalt achtzehn Federn. 

4. Gallus. Die auf Taf. VII. Fig. 5. und 6. gegebene Abbildung der Flu- 
ren des gemeinen Haushahns zeigt, als Haupteigenheit derselben, den Mangel des 
Inselrains in dem minder erweiterten Rückentheile der Spinalflur; alles andere 
harmonirt mit den vorigen Gattungen, wenngleich die Lendenflureu unvollstän- 
dig von der Spinalflur getrennt sind. Eine zweite von mir untersuchte Art, 
G-furcatus, Temm. pl. col. 483., hatte einen sehr deutlichen Inselrain in der Spi- 
nalflur, die auch am Rückentheile vorn breiter war, sonst aber keine Unterschiede 
darbot. Beide hatten vierzehn Schwanzfedern, aber G. Bankiva besitzt vier- 
undzwanzig, G-furcalus nur zweiundzwanzig Schwingen, unter denen bei bei- 
den die elfte die kleinste ist. 

5. Phasianus. Diese Gattung unterscheidet sich, nach Untersuchung von 
Ph. picliis, nychlhemerus, Sieboldi, Diardi, veneratus und colchicus , pterylogra- 
phisch durchaus in Nichts von Gallus Bankiva, als bloss in der Zahl der Schwanz- 
federn, welche achtzehn ist. Die Zahl der Schwingen beläuft sich auf sechsund- 
zwanzig, und die elfte hat eine sehr unbedeutende Grösse. Zwei kleine kegel- 
förmige Fleischlappen oben am Ende der nackten Wangen neben dem Hinter- 
kopfe tragen die Federn, welche manche Fasane, z. B. colchicus, gleich Ohr- 
büscheln aufrichten können , und sind offenbar analoge Gebilde mit den Hörn- 
chen von Tragopan Salyrus- 

6. Argus. Auch diese Gattung weicht gar nicht vom Flurentypus des 
Haushahns und der Fasane ab, unterscheidet sich aber höchst auflallend von allen 
anderen Hühnern durch den völligen Mangel der Bürzeldrüse bei beiden 
Geschlechtern. Ich zählte sechsundzwanzig Schwingen, darunter eine ganz auf- 
fallend kleine elfte ; aber nur zwölf Steuerfedern. Die enorme Länge der mittle- 
ren Armschwingen, welche beiden Geschlechtern, doch dem Weibchen im geringe- 
ren Grade, eigen ist, gehört zu den wichtigen Gattungscharakteren; am Handtheile 
sind die ersten fünf Schwingen stufig, und die anderen fünf alle gleich lang. 

7. Pavo. Bei völlig gleicher Form der übrigen Fluren mit denen von 
Gallus, Phasianus und Argus (Tu f. VII. Fig. 7. 8.) weicht allein die Spinalflur 
des Pfaues sehr eigentümlich vom Hühnertypus ab. Dieselbe ist bis hinter die 



16? 

Schulterblätter gleich breit und linienförmig (Fig. 8.), fängt aber in der Gegend 
des Beckens an, sich zu erweitern. Vorn dicht hinter den Schulterblättern ste- 
hen neben ihr wenige zerstreute Konturfedern. Bis dahin aus drei Federnreihen 
bestehend, setzt sie schon am Ende der Schultern eine vierte Reihe an, nimmt 
dann auf dem Becken in jeder Querreihe um eine Feder zu, und bildet so ei- 
nen grossen Sattel, welcher die ganze Bürzelgegend bis zum Schwänze bedeckt. 
Dieser Sattel besteht aus fünfzehn bis zwanzig Querreihen, von denen die sieben 
letzten je sechzehn, die vier vorhergehenden je zwölf, und die sechs diesen 
vorhergehenden je zehn Federn breit sind, worauf noch einige Reihen mit neun, 
acht, sieben, sechs und fünf Federn sich anschliessen , welche die schmale Rü- 
ckenflur ganz allmälig in den breiten Bürzeltheil hinüber führen. Nur in letz- 
terem sitzen die schönen Federn der Männchen, und daher ist eben dieser Theil 
beim Weibchen viel kleiner, kürzer und schwächer, wenngleich der Anlage 
nach ähnlich. Am Flügel zählte ich achtundzwanzig bis dreissig Schwingen ; die 
zehn des Handtheiles sind von beiden Seiten stufig, so dass die sechste die läng- 
ste ist; die elfte war auch hier sehr klein. Der Schwanz enthält beim Männ- 
chen zwanzig, oder ausnahmsweise neunzehn Federn ; beim Weibchen regelmässig 
nur achtzehn. Die Bürzeldrüse ist vorhanden, aber bis auf den Zipfel im Fleische 
versteckt. — Die Konturfedern zeigen keine auffallende und plötzliche Verdi- 
ckung am unteren Ende des Schaftes, und der Afterschaft ist sehr klein; sie 
gleichen in beiden Verhältnissen denen des Truthahns. 

3. PENELOPIDAE. 

i. Crax. Diese Gattung hat die meiste Aehnlichkeit in der Pterylose 
mit dem Pfau, und unterscheidet sich von ihm bloss dadurch, dass die Spinal- 
flur schon vom Anfange der Schulterblätter an sich verbreitert und dabei nach 
und nach so breit wird, dass sie mit den Leudenfluren völlig verschmolzen ist. 
Dieser ganze verbreiterte Theil ist jedoch sperrigfiedrig. An der Unterflur wa- 
ren die beiden Hauptzüge bis zum After getrennt, auch ist der Aussenast schmäler 
und schwächer. Die Konturfedern haben eine massige Verdickung am unteren 
Ende des Schaftes und einen sehr kleinen Afterschaft. Die Flügel bestehen aus 
vierundzwanzig Schwingen , von denen erst die siebente die längste und die 
elfte nicht verkleinert ist. Am Schwanz zählte ich zwölf stufige Steuerfedern; 



die Bürzeldrüse trug nur wenige kleine Federn am Zipfel, -r— Untersucht wur- 
den Cr. Alector und Blumenbachii , die ganz übereinstimmten. 

2. Penelope. Nur zwei Arten, nehmlich P. Jaculinga und superciliaris, 
habe ich untersuchen können. Die letztere stimmt genau mit Crax überein, bei 
der ersteren findet sich dagegen in der ganz allgemein verbreiterten, die Rücken- 
fläche völlig bedeckenden Spinalflur vorn zwischen den Schulterblättern ein 
schmaler Rain, welcher Von den ziemlich kräftigen Schenkeln der Schultergabel 
umfasst wird, und in den hinteren Theil nur sehr wenig hineinreicht. An der 
Unterflur sah ich bei beiden Arten keinen Unterschied von Crax, und es scheint 
hiernach die völlige Trennung beider Hauptzüge bis zum After allen Penelopiden 
gemein zu sein. Doch waren dieselben bei P. Jaculinga durch einen Querstreif 
dicht vor dem After mit einander verbunden. Bei eben dieser Art standen aussen 
neben den Zügen einzelne sehr zerstreute Konturfedern; auch ist mir die ganz 
enorme Verdickung des unteren, hier zwei Drittheile der ganzen Schaftlänge 
einnehmenden, Theiles des Hauptschaftes der Konturfedern bei ihr aufgefallen. 
Dieser Theil ist stumpf dreikantig, vorn flach gewölbt, hinten an der Kante ab- 
gerundet und ohne Mittelriime. Der Afterschaft ist dabei auffallend klein. Am 
Flügel zählte ich bei P. Jaculinga sechsundzwanzig, bei P. superciliaris dreiund- 
zwanzig Schwingen, dort war die siebente, hier die sechste am längsten, und 
die ihnen vorhergehenden zeichneten sich durch eine schmale,- starkgebogene, fast 
sichelförmige Gestalt aus. Der Schwanz bestand bei beiden Arten aus zwölf 
Federn. Bürzeldrüse wie bei Crax. 

4. C RY P T U R I D A E. 

Wiewohl sich diese Gruppe bestimmt in vielen Organisationsverhältnissen 
von den übrigen Gallinaceen unterscheidet, so fehlt es doch an einem aus- 
schliessenden pterylographischen Merkmahl; vielmehr ist ihr Federntypus dem 
der ächten Hühner ganz analog. Ich sah aber nie eine starke Verdickung der 
unteren Schafthälfte an ihren Konturfedern, und immer eine vollkommne Tren- 
nung der Unterflurzüge bis zum After. 

1. Crypturus. Diese Gattung hat zWei merkwürdige Eigenheiten. Die 
eine findet sich an der Spinalflur, und besteht in der Anwesenheit von Puder- 
dunen, welche die Verbreiterung des hinteren Theiles einfassen, und sie sowohl 






169 

von den Rainen, als auch Ton den Lendenfluren sondern (Taf. VII. Fig. 12.). 
Diese Puderdunen bilden also keine eigenthümlichen Fluren, sondern sind in die 
Lücken der Konturfedern hineingeschoben, so dass man bei Crypturus an diesen 
Stellen wahre Dunen zwischen Konturfedern findet; eine Eigenschaft, die keiner 
anderen Gallinacee zukommt. Uebrigens ist der verbreiterte Flurtheil nur 
bei Cr. Tataupa und variegalus hinten so plötzlich von dem schmalen Bürzel- 
streifen abgesetzt, bei Cr. Tao verengt er sich allmal ig, und schliesst sich da* 
durch mehr an die Form von Phasianus, Argus u. a. Die zweite Eigenheit be- 
steht in der Bildung der Unterflur, welche schon hoch oben, fast an der Kehle, 
sich spaltet und von ihrem Uebergange auf die Brust an eine sehr merkwürdige 
Form hat. Man erkennt daselbst zwar bald den Unterschied zwischen dem kraf- 
tigen Aussenast und dem schwachen Hauptzuge, allein jener ist, ganz gegen den 
ächten Gallinaceentypus , schmäler als dieser. Dazu kommt , dass der Aussenast 
nicht etwa, wie gewöhnlich, auf der Brust endet, sondern über die Brustgrenze 
hinaus sich fortsetzt, durch den Rumpfseitenrain geht, und sich mit dem vor- 
deren Ende der gleichnamigen Lendenflur verbindet. Eine solche Vereinigung 
beider Fluren ist mir nirgends wieder vorgekommen. Die Lendenflur selbst ist 
übrigens gross, wie bei allen Hühnern, und von der Spinalflur gesondert (Fig. 12.). 
— Schon früher habe ich erwähnt, dass die Crypturi eine sehr kleine ellipti- 
sche Bürzeldrüse besitzen, deren Mündungen oben auf dem Rücken sich befin- 
den. Hinter derselben fand ich bei Cr. Tao zehn ziemlich grosse Steuerfedern; 
allein bei Cr. Tataupa und rufescens fehlten sie gewiss. Jene erstgenannte Art 
weicht auch durch den Mangel des Afterschaftes an den Konturfedern ab, den 
die beiden anderen ganz deutlich besitzen. Am Flügel aller vier Arten fand ich 
dreiundzwanzig bis sechsundzwanzig Schwingen , darunter keine verkleinerte 
elfte; die dritte (rufescens) oder fünfte (variegatus , Tao) war die längste, und 
die ersten sind schmäler, sichelförmig gekrümmt, wenigstens bei Tao. 

2. Heinipodius s. Ortygis. Auch diese Gattung hat manche bemerkens- 
werthe Eigenheiten. Die wichtigste liegt offenbar in der Spiualflur, welche 
sich vom Ende der Schulterblätter an verbreitert, und erst an der Seh Wanzgru- 
be wieder zusammenzieht , einen lanzettlich elliptischen Sattel bildend , den 
seiner ganzen Länge nach ein ebenfalls lanzettförmiger Spinalrain erfüllt. Da- 
bei sind die Konturfedern am Rande des Rains kräftig, werden aber je mein? 

Nitzsch Pterylographie. 22 



1?Q 

nach aussen, desto schwächer. An den übrigen Fluren ist mir bloss ihre schma- 
le Form aufgefallen , namentlich am Aussenast der Unterflur , welcher am En- 
de stumpf ist und einen Haken zum Hypopterum sendet. Die Hauptzüge blei- 
ben bis zum After getrennt. Die Lendenflur ist zwar ebenso lang wie bei den 
achten Gallinaceen, aber nicht so kräftig. Am Flügel ' zählte ich fünfund- 
zwanzig auflallend kurze Schwingen: die erste ist die längste, wird aber von 
der zweiten, dritten und vierten fast erreicht j die folgenden werden schnell kür- 
zer, aber die elfte, ist nicht kleiner als die anderen; die hinteren Armschwingen 
sind wieder ziemlich lang. Die Anzahl der Schwanzfedern habe ich nicht genau 
ermitteln können, nach Temminck (Jiist. nett, des Gallinac. III. 609.) hat die 
Gattung zehn ; bei H. pugnax fand ich nur sechs, aber es fehlten einige. Aus- 
serdem untersuchte ich noch II. tackydromus. Die Bürzeldrüse ist vorhanden 
und hat einen Federnkranz am Zipfel. 

15. Megapodius. Von dieser seltenen abweichenden Bühnerform habe 
ich nur ein Stück des M.rubripes ausgestopft in der TEMMiNCK'schen Sammlung 
untersuchen können, und mich dadurch überzeugt, dass sie die allgemeinen Cha- 
raktere der Hühner besitze. Die Schwingen waren kurz und an den Leib ge- 
krümmt, doch leider im Nachwachsen begriffen, allein die ersten bestimmt stufig ; 
am Schwänz fand ich nur acht Federn, wohl aus demselben Grunde. Die Kon- 
turfedern hatten einen deutlichen Afterschaft und die Bürzeldrüse trug einen 
Federnkranz am Zipfel. 



Sechstes Kapitel. 

Laufvögel.' Currentes auctt. 
. Platysternae Nitzsch.*) 

Die vier bekannten Mitglieder dieser merkwürdigen und abnormen Familie 
unterscheiden sich auch pterylographisch von allen anderen Vögeln besonders 
dadurch, dass bei ihnen Verhältnisse der Befiederung als allgemeine Regel auf- 

*) Wiewohl Nitzsch in seiner Abhandlung über die Carotis der Vögel diese Gruppe ans Ende sei- 
nes Systems gestellt hat, so war er doch später der Ansicht, dass sie hier, zwischen Hühner nnd Sumpf- 
vögel, eingeschoben werden müsse. Ba. 



treten, welche sonst nur hin und wieder als Ausnahmen angetroffen werden. 
Das erste und wichtigste ist ohne Zweifel der völlige Mangel eines lückenhaften 
Gefieders, insofern ihr ganzer Körper, mit Ausnahme der beständig nackten Stellen 
am Kopfe und Halse, des nackten Streifs an der Brust längst dem Kamme des 
Brustbeins, der Läufe und beim afrikanischen Strauss auch der Schenkel und 
Rumpfseiten, nach Art der Säugethiere von einem homogenen Federnkleide be- 
deckt ist, welches bloss aus Konturfedern besteht. Bei den beiden Kasuaren 
haben diese Konturfedern einen dem Hauptschaft gleichen Afterschaft, bei den 
Straussen fehlt der Afterschaft ganz ; bei allen aber vermisst man die eigenthüm- 
liche Hakenbildung an den Strahlen, und die Konturfedern stellen daher nirgends 
zusammenhängende Flächen dar, sondern bloss regelmässig verästelte Büschel. 
Demnach halten die Federn der Laufvögel eigentlich die Mitte zwischen Dunen 
und Konturfedern, indem sie zwar stark und kräftig gebildet sind, wie diese, 
allein nach der Weise jener, nicht zu kontinuirlichen Flächen verbunden. Der 
zweite Hauptcharakter ist ohne Frage der völlige Mangel der Bürzeldrüse. — 
Mit dem Flugvermögen fehlen übrigens Sowohl Schwingen, als auch Steuerfe- 
dern, nur beim Indischen Kasuar sind die steifen Schäfte jeuer unter der Form 
von dicken, langen, kräftigen Stacheln noch angedeutet. 

Dies ist Alles, was ich von der Pterylose der Laufvögel, deren sämmtliche 
Glieder ich zu wiederholten Malen, und sogar frisch, untersucht habe, zu sagen 
weiss. Nur das erste Jugendkleid bietet noch Stoff zu einigen Bemerkungen 
dar. Dasselbe besteht, wie überall, aus wahrhaft dunigen Aesten, welche auf 
der Spitze der späteren Konturfedern aufsitzen. Von der Art dieser Verbindung 
habe ich mich, bei Dromaeus novae Hollctndiae , von dem ich, wie auch von 
Rhea americana, ganz junge, zwei bis drei Wochen alle Exemplare untersuchen 
konnte, genau überzeugt und gefunden, dass die Dune anfangs eine wahre voll- 
ständige Feder ist, welche auch in demselben Balge steckt, aus dem hernach 
die Konturfeder hervorwächst. Jede dieser Dunen hat bei Dromaeus zwei Schäfte 
von gleicher Bildung und analoger Verästelung mit der späteren Konturfeder; 
allein die Anzahl der Aeste ist viel geringer , höchstens je sechs oder acht. Die 
beiden obersten letzten Aeste, in welche, wie in eine Gabel, immer der Haupt- 
schaft sowohl, als auch der Afterschaft, ausgeht, sind grösstentheils gar nicht fe- 
deruartig, sondern einfache, gegen das Ende feinere, runde, nach unten flache, 

22 * 



__ 



linear lanzettliche Borsten von einer Ausdehnung , welche die der ganzen Dune 
nicht selten übertrifft. Auch die benachbarten zwei bis drei Aeste tragen ähn- 
liche, aber viel kleinere Borsten. Daher kommt nun das scheinbare Haarkleid, 
welches die jungen Kasuare besitzen und in Abbildungen derselben meistens gut 
ausgedrückt ist. Am Grunde hat jede Dune eine kleine Spuhle, mit deren un- 
terem offenem und zerspaltenem Ende die äussersten Spitzen der nachfolgenden 
Konturfedern^ sowohl der Schäfte als auch ihrer Aeste, verwachsen sind, so dass 
die Dunen, sobald die Konturfedern hervorsprossen, auf ihnen sehweben und erst 
später abgestossen werden oder von selbst abfallen. Ganz ähnlich ist der Bau 
bei Rhea, allein da diese Gattung nur einen einfachen Federnschaft hat, so ist 
auch die Dune bloss mit einem solchen versehen.*) 



Siebentes Kapitel. 

Sumpfvögel. G r a l l a e. 
In dieser an Arten zahlreichen Abtheilung der Vögel herrscht eine ziemlich 
bedeutende Differenz der Pterylose, wie es auch die grosse Abweichung der 
äusseren Formen ihrer Mitglieder nicht anders wahrscheinlich macht. Daher 



*) Ich hatte Gelegenheit , das Dunenkleid eines afrikanischen Strausses im Alter von höchstens eini- 
gen Wochen untersuchen zu können. Dasselbe zeigte genau die beschriebene Federnbildung und wenn- 
gleich , wegen der Jugend des Stückes, von den späteren Konturfedern noch keine Spur sich erkennen Hess, 
also die Dunen selbst noch in der Haut steckten, so zweifle ich doch nicht, dass auch bei dieser Gattung 
sie von den Konturfedern gehoben und abgestossen werden. Die obersten vier oder sechs Aeste dieser Du- 
nen liefen in linearlanzettiörmige , lange, hornige, durchaus nackte, strahlenlose Fortsätze aus, welche an 
den Leib gebogen waren und das eigentliche Dunenkleid, wenigstens am Rumpfe, locker bedeckten. So- 
wohl die Dunen, als auch diese Anhänge derselben, waren theils gelbgrau, theils schwarz gefärbt, d.h. 
die ganzen Federn, einige so, andere so, und standen gemischt unter einander. Auch am Kopfe und, Halse 
hatte dieser junge Strauss ein allgemeines borslenartiges Kleid, welches eine sehr bestimmte Färbung und 
Zeichnuug darbot. Scheitel und Stirn waren gelbbraun, Kehle, und Vorderhals röthlich weiss, der Hin- 
terhals mehr gräulich und an den Seiten des Halses liefen Reihen schwarzer läuglicher flecke hinab. 
Am Rumpf standen schwarze nnd weisse Federn gemischt untereinander, doch herrschten oben jene, an 
den Seiten mehr diese vor. Die Rumpfseiten in der Umgebung des Oberschenkels waren nackt, der Ober- 
schenkel selbst aber ist so gut wie der Unterschenkel von dem feineren borstigen Dunenkleidc bedeckt. Ba. 



JW3 

lassen sich kaum ausschliessende pterylographische Merkmahle hervorheben. Mit 
der folgenden gleich werthigen Abtheilung, den Schwimmvögeln, harmonirt 
sie in der Anwesenheit von Dunen nicht bloss an den Piainen, sondern auch 
zwischen den Konturfedern. Dieses für alle Wasservögel gemeinsame Gesetz 
scheint nur eine einzige wahre Ausnahme (bei Otts) zu erleiden, wenngleich 
hinsichtlich der Grösse und Gedrängtheit der Dunen, zumal an den Rainen, noch 
manche Unterschiede angetroffen werden. Am spärlichsten fand ich übrigens 
die Dunen auf den Rainen von Dicholophus, am dichtesten dagegen bei Fulica. 
Hiermit scheint die beständige Anwesenheit des Afterschaftes an den Konturfe- 
dern zu harmoniren und namentlich sein allgemeines Vorkommen (mit Ausnahme 
von Palamedea cornuta und Podoa) einen ziemlich sicheren Unterschied der 
Sumpfvögel von den Schwimmvögeln abzugeben, bei denen er ganzen 
Familien (z. B. den Unguirostres) fehlt. Ist er freilich auch bei den Mitgliedern 
der vorliegenden Familie mitunter sehr klein und zart, wie z. B. bei Palamedea^ 
Grus, Fulica, so fehlt er doch wohl nur jenen beiden oben genannten Vögeln, 
bei welchen ich ihn durchaus nicht wahrnehmen konnte ; in vielen Fällen aber, 
z. B. bei Otts, ist er gross und steht dem der Hühner wenig nach. Immer finde 
ich ihn an den Federn der Unterflur am grössten, besonders in der Gegend der 
Brust, kleiner ist er an den Federn des vorderen Theils der Spinalflur, und am 
kleinsten am hinteren Theile eben dieser. Uebrigeus haben ihn auch die Du- 
nen, wenn er den Konturfedern zukommt. Von der Form der Fluren lässt sich 
nicht gut etwas Allgemeines sagen; ich bemerke bloss, dass die Lendenflur nie 
fehlt, und dass die Spinalflur immer f wenigstens an gewissen Stellen ihrer Er- 
streckung, einen Rain umschliesst, aber nicht immer eine Lücke hat oder un- 
terbrochen ist. Die Unterflur ist sehr mannigfach* Gewöhnlich sind ihre Züge 
schmal, und bei einer Gattung (Ardea) wohl am schmälsten unter allen Vögeln; 
indess kommt auch eine grosse Breite, zumal des Brusttheiles, hier vor, und 
einmal sogar (bei Palamedea) ein fast lückenloses Gefieder. Die Bürzeldrüse ist in 
der Regel gross, kurzzipfelig und mit einem Federnkranz versehen. Dieser fehlt 
bloss der Gattung Dicholophus; die ganze Drüse aber vermisste ich regelmässig 
bei Otis. Am Zipfel sind mitunter, z. B. bei Grus, Ciconia jund Anasiomus, 
mehrere Mündungen jeder Hälfte sichtbar. — Die Anzahl der Schwingen schwankt 
zwischen zwanzig und sechsunddreissig, an der Hand finden sich meistens zehn, 



1*4 

mitunter (bei Störchen und dem Flamingo) elf. Der Schwanz enthält sehr 
verschiedene Mengen von Steuerfedern, wenigstens aber zehn (bei Parva, Can- 
crorna und einigen Rohrdommeln, hier aber auch elf oder zwölf), in der 
Regel zwölf, selten vierzehn (Phoenicoplerus 9 Fulica) oder achtzehn (Po- 
döa), bei Otts immer zwanzig und bei einer Schnepfe (Scolopax stenoptera) 
sogar s echsundz wanzig; die grösste Anzahl, welche bei Vögeln überhaupt 
-vorkommt. 

1. A L E C T O R I D E S. 

Hierher ziehe ich die Gattungen Palarnedea, Otts, Dicholophus, Psophia 
und Grus, kann aber von ihnen kein besonderes pterylographisches Merkmahl 
angeben, wiewohl mehrere für sich sehr bestimmte, ja ganz eigenthümliche Ver- 
hältnisse darbieten. 

A. Mit breiten Florzügen, oder mit universellem Gefieder. 

1. Palamedea. Diese Gattung macht einen sehr passenden pterylogra- 
phischen Uebergang von den Laufvögeln zu den Sumpfvögeln, insofern 
ihre Pterylose sowohl an die eine, als auch an die andere Gruppe in gewissen 
Charakteren sich anschliesst. Folgende Merkmahle bietet sie dar. Die Koritur- 
federn haben bei P. Chavaria einen sehr schwachen, kaum bemerkbaren, nur 
an den Nackenfedern etwas deutlicheren Afterschaft, welchen ich bei P. cornuta 
ganz vermisse. Eben dieser Art fehlt' an der unteren Fläche des beiderseits 
ganz ebenen Schaftes die gewöhnliehe Längsrinne, welche bei P- Chavaria be- 
merkt wird. Das Gefieder ist übrigens beinahe lückenlos, ziemlich gleichmässig 
sperrig und besteht aus Dunen und Konturfedern, die mit einander gemischt 
sind. Nur in der Gegend der Achselfluren bemerkte ich eine dichtere Stellung 
und kräftigere Bildung der Konturfedern, so wie ein gleiches Verhältniss am 
Rande der Brust, da wo man den Aussenast der Unterflur vermuthen würde. 
Zwischen beiden dichter befiederten Stellen, also genau in der Achselhöhle, ist 
auch der einzige bloss dunige Rain , welchen ich entdecken konnte. Er zieht 
sich übrigens etwas an den Rumpfseiten hinab und endet in der Gegend des 
Oberschenkels. Ausser diesem Rain findet sich bei P. Chavaria noch der ganz 
nackte, völlig federnlose Halsring; bei P. cornuta aber fehlt auch dieser. Ich 
fand übrigens siebenundzwanzig Schwingen, von denen die erste der neunten 



175 

gleicht, die zweite der sechsten, und die drei zwischen beiden allmälig etwas 
länger werden, so dass die fünfte wohl die längste ist, aber die vierte nur we- 
nig überragt. Der Schwanz enthält zwölf Federn, und die befiederte Bürzel- 
drüse hat einen Federnkranz am Zipfel.*) Am Fell selbst ist mir seine em- 
physematische Beschaffenheit an mehreren Stellen, z. B. an der Bauchfläche, auf- 
gefallen. 

2. Otis (Taf. VIII. Fig. i. 2.). Keine Dunen zwischen den Konturfedern, 
aber ziemlich zerstreute an den Rainen, namentlich am deutlichsten am Rumpf- 
seitenrain und unteren Flügelrain , aber auch ziemlich bestimmt am Nackentheil 
des Spinalraines. Diese Dunen sowohl , als auch die untersten dunigen Aeste 
der Konturfedern , zeichnen sich durch eine sehr intensive rosenrothe Färbung 
aus, und weichen darin von den entweder grauen, oder weissen Dunen aller 
übrigen Vögel sehr ab*. Dem Lichte ausgesetzt, verliert sich die Farbe, und 
wird daher je höher hinauf an der Feder um desto heller. Die Fluren sind in 
mancher Beziehung merkwürdig. Die Spinalflur spaltet sich schon oben am Hin- 
terhalse und geht bis ans Ende der Schulterblätter, gleichmässig kräftiger wer- 
dend, fort. Hier beginnt dicht am Iimenrande jedes Schenkels der viel schwä- 
chere hintere Theil, welcher dann einen viel schmäleren Rain umschliesst und 
sich nach aussen verbreitert. I)aher stossen die starken kräftigen, bis zum Knie 
reichenden Lendenfluren beinahe mit ihm zusammen. Von der Schwanzgrube 
an wird die Spinalflur einfach, und bekleidet, mit den Lendenfluren verbunden, 
die hintere Beckengegend und den Schwanz als lückenloses Gefieder, in wel- 



*) Ich habe von dieser höchst eigcnthümlichen Yogelgattung nur noch die Knochen beider Glied- 
massen, welche ich im Museum zu München vorfand (in den Museen zu Berlin, Leyden, Paris und 
Wien fehlten anatomische Präparate von Palamedea zur Zeit meiner Anwesenheit völlig) untersuchen 
können, und mich dadurch wenigstens überzeugt, dass dieselben bis in ihre äussersten Enden 
pneumatisch sind, eine Eigenheit, welche meines Wissens nur noch bei Buceros (vergl. Naujuann's 
Naturgesch. d. Vögel Deulschl. Bd. IX. S. 225.) vorkommt. Die beiden Flügelsporen überziehen zwei 
kegelförmige Tuberkeln, von welchen der grössere am Basalende, der kleinere am Terminalende des 
ossts tnetacarpi digiti medii s. maximi entspringt. Auch am Terminalende des zweiten Gliedes 
desselben Fingers findet sich die Spur eines solchen Tuberkels. Ueber die wahre Verwandtschaft dieser 
Vogelgattung bin ich übrigens noch in Zweifel, und stelle sie nur vorläufig hierher; sie scheint den 
Fulicarien anzugehören. 



IT« 

ehem. die Bürzeldrüse liegen würde, wenn sie vorhanden wäre; sie fehlt aber 
gänzlich. Die Unterflur ist wenigstens bis zur Mitte (O. tetrax), oder auch 
bis ans Ende des Halses (O. tarda) ungetheilt, und hängt seitlich. mit der Spi- 
nalflur zusammen, so dass der Halsseitenrain bis auf ein kleines Rudiment am 
Grunde dicht vor der Schulterhöhe fehlt. Bei O. tetrax tritt jeder Schenkel 
etwas breiter werdend auf die Brust, und sendet hier einen dem Hauptzuge glei- 
chen, ihm parallelen und dicht an ihn heran gerückten Ast aus, der schon vor 
dem Ende des musculus pectoralis major aufhört, während der Hauptzug auf 
den Bauch geht, und sehr nach aussen gerückt bis zum After fortläuft, gegen 
diesen unter einem Bogen sich hinwendend. Der durch $esen Lauf der Unter- 
flurzüge gebildete, auffallend breite Unterrain ist nicht nackt» auch nicht bloss 
von Dunen ,bekleidet, sondern trägt sechs Reihen sperriger, in gleichen Abstän- 
den über die Fläche des Rains vertheiiter Konturfedern, welche indess kürzer 
sind als der Flurzug, und auf der Mitte des Bauches enden, nach vorn aber bis 
ans Ende der Theilung beider Züge reichen. Anders ist die Unterflur bei O. tarda 
(Fig. 1-). Hier spaltet sie sich erst hinter der furcula, und sendet keinen Aus- 
senast ab, sondern ist vorn auf der Brust stark verbreitert, wenngleich der Aus- 
senast durch eine plötzliche Verschmälerung am Ende des pectoralis major 
und die hier stehenden kräftigeren Federn angedeutet ist. Statt der sechs Rei- 
hen von Konturfedern finden sich in dem noch breiteren Unterrain zwei innere 
Flurzüge, die anfangs vier, 'bald darauf drei, und vom Ende des Brustbeins an 
nur noch zwei Federn breit sind, und so in grader Linie bis zum After gehen, 
wo sie mit den äusseren Hauptzügen verschmelzen. Die Achselfluren sind breit 
und stark, kaum durch einen schmalen Rain von der homogenen Befiederung 
des Flügels getrennt; unten ist statt deren ein allgemeiner Rain am Flügel, in 
dem am Oberarm die von der Brust herkommenden Federn des Hypopterum 
stehen. Die Anzahl der Schwingen beträgt bei O. tarda zweiunddreissig , bei 
O. tetrax dreissig, wovon zehn am Handtheil sitzen; die erste von ihnen ist 
merklich verkürzt, die zweite wenig, die dritte und vierte sind die längsten. Im 
Schwanz zählte ich bei beiden Arten zwanzig Federn. Ausser 0. tarda und te- 
trax habe ich keine Art pterylographiscli untersuchen können.*) 



*) Die genaue Bestimmung der natürlichen Verwandtschaft, nnd somit die Stellung der Trappen 



1¥9 

B. Mit schmalen, sehr eingeschränkten Flurzügen. 
2. Dicholophus. Die Pterylose dieses merkwürdigen Vogels hat manches 
Eigene, schliesst sich jedoch am meisten an die von Psophia und Grus. Den Kopf 
bekleidet, gleichwie den grösseren Theil des Halses, ein ununterbrochenes Gefie- 
der; doch ist an ersterem die Augengegend nackt und hinter der Ohröffnung 
findet sich ein ziemlich grosser, kreisrunder Rain. An der Nacktheit über dem 
oberen Augenliede zählte ich gegen zwanzig sehr grosse Wimpern. Zwischen den 
Konturfedern stehen spärliche Dunen, welche auch an den Rainen vorkommen, 
aber hier fast noch zerstreuter sind. Am Halse fehlt ein Seitenrain ganz; der 
Unterram dagegen beginnt etwa auf der Mitte des Halses, wird aber nach hinten 
nicht breiter, sondern sogar etwas enger, indem, völlig wie bei Gypaelos (Taf. II. 
Fig. 1.), vom unteren Ende des Halsgefieders ein starker Innenast ausgeht, und 
sich am Rande der furcula ziemlich bis zu ihrem tiefsten Theile hinabzieht. 
Mit diesem Innenast steht der Brustzug nur durch wenige Federn in Verbindung, 
wieder eine Eigenschaft , welche ganz an Falkenbildung erinnert. Der Brustzug 
selbst besteht, merkwürdiger Weise, anfangs bloss aus dem massig breiten, 
ziemlich dichtfiedrigen , S-förmig geschwungenen Aussenast; der Hauptzug aber 
ist völlig von ihm getrennt und fängt erst auf der Höhe der Brust dicht neben dem 
Kamm des Gabelbeines da an, wo aussen am Rande des niuscahis pectoralis ma- 
jor der Ast endet. Dieser Theil des Brustzuges läuft dann dicht am Kamm des 
Brustbeines fort, ■wendet sich, auf dem Bauche angekommen, etwas mehr nach 
aussen und endet genau neben der hintersten Spitze des Beckens, ziemlich ent- 
fernt vom After. Zugleich mit so grossen Eigenheiten der Pterylos'e findet sich 



im System, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Im Skeletbau harmonirt Otis, besonders iu der Form 
des Brust- und Gabelbeines ^ völlig mit den Schnepfen, zumal mit Numenius, schliesst sich im Bau 
des Schädels am meisten an Oedicnemus, springt aber doch theilweis, z. B. durch die Lage der klei- 
nen Nasendrüse in der Augenhöhle selbst, sehr bestimmt vom Typus der Limicolae ab. Ich habe daher 
meine früher in Naumann's Naturgeschichte der Vögel Deutschi. Bd. VII. S. 7. ausgesprochene Ansicht, 
dass Otis letzterer Familie sehr nahe stehe, nach reiflicher Prüfung nicht so weit ausdehnen wollen, 
dass ich dieselbe mit ihr verbände; sondern ziehe eine Verbindung derselben mit Dicholophus, Psophia 
und Grus, als welche Gattungen alle in vielen Punkten harmoniren , aber auch wieder von einander 
abweichen, bis jetzt noch vor. Grus und Psophia nähern sich übrigens ebenso sehr den Fulicarien, 
Wie Otis den Limicolen, und Dicholophus hält zwischen beideu die Mitte. 

Kitzsch Pterylograpla«. . . 23 



eine ganz wie bei Psophia und Grus gebildete Spinalflur. Sie entspringt, als 
ziemlich kräftige Gabel, unmittelbar vom Ende der Halsbefiederung und endet 
noch vor dem Ende der Schulterblätter./ Bald darauf beginnt der hintere 
Theil mit zwei Federnreihen, die sich Zusehens nach aussen verbreitern und 
einander nähern, bis sie auf der Mitte des Beckens in einen etwas sperrigfiedri* 
gen Bürzelstreif zusammen fliessen. Ziemlich fern von diesem bemerkt man 
die schmalen, aber doch kräftigen Lendenfluren. Die Achselfluren haben nichts 
Auszeichnendes, und sind durch einen schmalen Rain von der oberen Flügelbefie- 
derung getrennt. Unten ist der ganze Flügel, mit Ausnahme der am Vorder- 
rande der grossen Flughaut stehenden Federn, eiii blosser Rain, selbst das Hy- 
popterum fehlt völlig. Schwingen fand ich etwa fünfundzwanzig, die 
ersten sind stufig, besonders die vier äussersteu, denn erst die siebente ist die 
längste; am Daumen sitzen fünf Federn, und im Schwänze zählte ich zwölf 
Steuerfedern. Die deutlich sichtbare Bürzeldrüse ist- konisch birnförmig, ganz 
nackt, selbst am Zipfel. 

4. P sophia (Taf. VIII. Fig. 3. 4-). Die Pterylose des A gami unterscheidet 
sich von der des Dicholophus in folgenden Punkten. Die homogene Kopf befiede- 
rung, in der ich keinen Rain hinter dem Ohr bemerke, reicht nur bis auf den Anfang 
des Halses und sendet hier zwei Flurzüge aus. Der obere oder Na ckenziig wird 
je mehr nach unten um so kräftiger und theilt sich zwischen den Schulterblät- 
tern in zwei sehr kräftige, sieben bis acht Federn breite Schenkel, welche 
sich allmälig zuspitzen, und mit einer einzigen Feder enden. Von ihnen 
entspringt der hintere Theil der Spinalflur mit zwei konvergirenden Reihen ein- 
zeljner Kontur federn, welche beide am Anfange des Beckens in einen schwa- 
chen, aber breiten, sperrigfiedrigen Bürzelstreif sich einsenken. Letzterer endet 
am Schwänze vor der nackten, mit einem Federn kränz am Zipfel ver- 
sehenen Biirzeldrüse. Die Unterflur theilt sich schon weit vor der Mitte des 
Halses und besteht aus zwei schmalen schwachen Zügen, die ziemlich kräftig 
auf die Brust treten, und hier einen kräftigen, einwärts gekrümmten, vier 
bis fünf Federn breiten Aussenast bilden, mit dem der sehr schwache, dicht am 
Kamm des Brustbeins herablaufende Hauptzug anfangs nur durch eine ein- 
zige Federnreihe verbunden ist. Gegen die Mitte der Brust, da wo bei 
Dicholophus der Hauptzug erst beginnt, wird derselbe bei Psophia zweireihig, 



und bleibt so bis zum After, v vor dem er endet, auf dem Bauche sich bogen- 
förmig nach aussen krümmend. Die übrigen Fluren sind nicht eigenthümlich ; 
die Lendenflur ist vorhanden , aber schmal und vom Biirzelstreif ganz getrennt. 
Der Flügel hat oben eine homogene Befiederung, welche ziemlich dicht an die 
Achselflur heran rückt; unten bedeckt ihn der grosse Flügelrain, in welchem 
das Hypopterum nicht fehlt (Fig. 3.). Schwingen zählte ich vierundzwan- 
zig, wovon zehn an der Hand, unter denen die dritte oder vierte die längste 
ist; am Daumen sassen vier Federn und der Schwanz enthielt zwölf. Noch 
muss ich bemerken, dass die eigenthümliche Beschaffenheit des Halsgefieders von 
einer Aufwärtskrümmung des Schaftes herrührt, womit eine sehr weiche fast 
dunenartige Bildung der Aeste und Strahlen verbunden ist. Wahre Dunen sind 
übrigens nur sehr sparsam über die Raine vertheilt, fehlten aber wenigstens 
zwischen den Konturfedern des Aussenastes nicht. 

ä. Grus. Nachuntersuchung von Gr. cinerea stimmt die Ptery lose in der 
ganzen Anlage völlig mit der von Psophia überein, und unterscheidet sich bloss 
durch folgende Verhältnisse. Die Konturfedern haben einen schwächeren, dem 
bei Palamedea chavaria am ähnlichsten Afterschaft; an den Dunen dagegen sind 
beide Schäfte gleich gross. Die homogene Kopfbefiederung, welche indess am 
Hinterhaupt von der bekannten, ziemlich nackten Stelle unterbrochen wird, reicht 
bis auf die Mitte des längen Halses. Auf jener Stelle des Hinterkopfs stehen 
borstenförmige Federn, an deren haarnrtigem Hauptschaft ich jedoch einige Aeste 
und selbst einen kleinen dunigen Afterschaft wahrnehme. Der vordere Theil 
der Spinalflur ist weiter gespalten, und der zwischen den Gabelästen befindliche 
Rain reicht bis dahin , wo die plilosis conlinua des Halses aufhört. Der ganz 
wie bei Psophia gestaltete hintere Theil der Spinalflur hängt durch seine Ver- 
breiterung mit dem Ende der ziemlich kräftigen Lendenfluren zusammen. Die 
Unterflur ist vorn da, wo sie auf die Brust tritt, ziemlich breit und der Haupt- 
zug steht länger mit dem Ausseuast in Verbindung. Der Hauptzug selbst ist von 
Anfang bis zu Ende gleich breit und gleich kräftig; der Ausseuast aber stellt am 
Ende mit dem Hypopterum in Verbindung, das also nicht fehlt. Die Bürzeldrüse 
hat nicht bloss einen r aus etwa zwanzig Doldendunen bestehenden Federnkranz 
am Zipfel, sondern noch grosse Dunen auf der Fläche; jede Hälfte umschliesst 
drei Höhlen und hat ebenso viele Mündungen. Am Flügel zählte ich drei- 

23 * 



ISO 

unddreissig Schwingen, von denen die erste der vierten gleicht und die zweite 
mit der dritten die längste ist ; alle sind am Grunde breiter und von einem Drit- 
tel ihrer Länge abwärts, besonders an der inneren Fahnenhälfte, verschmächtigt. 
Der Schwanz enthält zwölf Federn. 

2. F U L 1 C A R I A E. 

Diese Familie ist pterylographisch gar nicht von der vorigen zu sondern, 
und ich habe lange angestanden, ob ich nicht die beiden letzten Gattungen jener 
mit dieser verbinden solle. Dennoch bietet sie in sich ziemlich bemerkbare 
Unterschiede dar, welche ich am liebsten schematisch ausdrücke. 

I. Mit schmalen Flurzügen und deutlich abgesetztem Aussenast an der Unterflur. 

A. Die Spinalflur hat am Ende der Schulterblätter eine wahre Lücke. 

Die hierher gehörige Gattung Aramus Vjeill. (Nollierodius TEMM.y ist von 
dem bei PsopJria und Grus geschilderten Typus in nichts verschieden, und könnte 
füglich mit jenen in die Familie der Alectorides gestellt werden, wenn nicht 
die Schnabel form und die langen Zehen so bestimmt an Rallus erinnerten. Es 
scheint aus dieser zuletzt erwähnten Uebereinstimmüng mit einiger Sicherheit 
hervorzugehen, dass Liciitenstein's Ansicht, nach welcher dieser Vogel ein 
Rallus ist (er nennt ihn Rallus gigas), der Wahrheit am nächsten kommt, und 
dnss diese Gattung weder zu den Reihern, noch zu den Störchen gestellt 
Averden könne, wenn sie gleich auch mit Grus, wie Temminck meint, wenig- 
stens in der Pterylose nahe verwandt ist. Zur näheren Charakteristik bemerke 
ich, dass die ptilosis continua bis über die Mitte des Halses hinausgeht, und der 
die Gabelung des vorderen Theiles der Spinalflur bedingende Rain bis zu ihr 
reicht. Der hintere Theil eben dieser Flur ist sehr schwach, bis zur Schwanz- 
grube gespalten, hinten verbreitert und mit den Lendenfluren verflossen. Die 
Unterflur ist vorn auf der Brust nicht so breit wie bei Grus, und der Hauptzug 
scheint hier, wie bei Psophia , geschwächt zu sein, wird aber am Ende der 
Brust kräftiger und breiter. Beide Züge treffen schon vor dem After zusam- 
men. Der Flügelsclmitt und die Beschaffenheit des Gefieders ist übrigens ganz 
wie bei Rallus; am Flügel zählte ich sechsundzwanzig Schwingen, worunter die 
erste der zehnten gleicht, die zweite der siebenten, die dritte, vierte, fünfte 



181 

und sechste aber die längsten sind. Alle enden stumpf abgerundet und ziem- 
lich breit, nicht spitz, wie beim Kranich, und die erste hat sowohl am Grunde 
der inneren, als auch an der Spitze der äusseren Fahnenhälfte einen Ausschnitt, 
wodurch sie eine sehr merkwürdige und eigenthümliche Bildung bekommt. v Am 
Schwanz stehen zwölf Federn. 

B. Die Spinalflur ist am Ende der Schulterblätter weder durchbrochen, noch auffallend 
geschwächt. _ \ 

Diese Form der Spinalflur, welche aus Fig. 6. auf Taf. VIII. ersichtlich ist, 
bildet den ächten Fulicarien -Typus, und findet sich bei allen, die zugleich kleine, 
geschwächte und weiche Schwanzfedern besitzen. Der Aussenast weicht übri- 
gens durch seine auffallend breite, nach hinten zugespitzte Form und die kräftige 
Bildung in dieser zweiten Gruppe wesentlich vom Typus der Alectoriden ab. 
Auch giebt es hier keine ptilosis conlinua, als bloss am Kopfe, denn der Seiten- 
halsrain berührt fast die Spitze des Unterkiefers (Fig. 7.) , und der Unterram 
überschreitet die Mitte des Halses bedeutend. Nur der Spinalrain ist kürzer, und 
betritt bloss das untere Ende des Halses. Mehr erinnert der Hauptzug der Un- 
terflur an die Bildung von Psophia, Aramus und Dic/iolophus , indem derselbe 
anfangs als einzelne schwache Federnreihe vom Aste ausgeht, und erst gegen 
die Mitte oder das Ende der Brust breiter wird (Fig. 5.). Die Spinalflur im Be- 
sonderen anlangend, so ist sie eigentlich nicht kräftig, enthält vielmehr ziemlich 
kleine Federn und ist nirgends mehr als drei Reihen breit. Sie bildet vom Ende 
des Halses bis zur Schwanzgrube eine längliche Ellipse, welche einen ähnlichen, 
oder noch richtiger lanzettförmigen Rain vollkommen umschliesst. Der ganz 
kurze einfache Bürzelstreif endet noch vor der Bürzeldrüse , welche klein ist, 
aber doch einen Federnkranz trägt. Neben jenem Biirzelzuge verlaufen die auf- 
fallend langen, in der Mitte nach aussen erweiterten, kräftigen Lendenfluren; 
ziehen sich sogar etwas über das Knie fort, und scheinen sich bis in die Lei- 
stengegenden zu erstrecken. So starke kräftige Lendenfluren kommen wohl 
nirgends wieder vor; dennoch sind sie in der Regel weder mit der Spinal-, noch 
mit der Unterschenkelflur -irgend wie verbunden. -Die übrige Pterylose bietet 
nichts Eigenes dar. Die Achselfluren sind kurz, nicht grade breit, aber kräftig; 
die homogene sperrige Befiederung des Flügels stösst fast mit ihnen zusammen. 
Unten ist der grössere Theil des Flügels ein Rain, in den am Oberarm das Hy- 



18* 

popterum herabläuft. Die Schwingen sind kurz, aber breit und die^ Flügelform 
ist rundlich, wenngleich schon die zweite oder dritte Feder die längste ist. Noch 
eigentümlicher sind aber die Steuerfedern durch ihre geringe Grösse und auf- 
fallende Weichheit, welche die Konsistenz der Rückenfedern um wenig oder gar 
nichts überbietet. So eigentümliche laxe Steaerfedern fand ich auch nur bei 
ächten Fulicarien. 

Der geschilderten Gruppe gehören übrigens die Gattungen Rallus, Crex, Por- 
phyrio und Parra an. Die drei ersteren haben zwölf Schwanzfedern und ge- 
nau dieselbe Pterylose, welche ich von R. aquaticus abgebildet habe. Bei Parra, 
wovon ich alle vier Hauptarten (P. sinensis, africana, aenea und Jassana) un- 
tersuchte, fand ich nur zehn Schwanzfedern und eine auffallende Verschmäle- 
,- rung der Spinalflurzüge dicht hinter den Schulterblättern, wogegen der hinterste, 
auf dem Becken befindliche Theil derselben sich verbreiterte. Eben diese Gat- 
tung hat auch minder kräftige Lendenfluren, welche durch sperrige Kouturfe- 
deru mit dem Bürzeltheil der Spinalflur zusammenhingen. Von den drei anderen 
Gattungen untersuchte ich folgende Arten: i) Porphyr io hyacinthinus. — 2) Crex 
pratensis, porzana, pusilla, phoenicurus, und lateralis, — 3) Rallus aquaticus. 
Bei allen schwankte die Zahl der Schwingen , je nach der Grösse des Vogels, 
zwischen einundzwanzig und vierundzwanzig, von denen immer zehn an der 
Hand stehen. Die erste ist ziemlich verkürzt, aber die zweite bei Rallus und 
Porphyrio gar nicht, wohl aber bei den Crex- Arten. Diese haben auch die 
breitesten, am meisten abgerundeten Schwungfedern; denn bei Porphyrio ist ihre 
Form viel mehr zugespitzt. 

II. Mit breiten Flurziigeii und nicht abgesetztem Aussenast der Unterflur. (Fig. 8.) 

Zu dieser Gruppe gehören die Gattungen: Güllinula , Fnlica und Podoa. 
Bei gleicher Form der Unterflur, welche sich durch eine allgemeine Verbreite- 
rung auf der Brust, woran der Aussenast durch die plötzliche Verschmälerung 
der Flur am Rande des m. pectoralis major noch angedeutet ist, auszeichnet, 
differirt die Spinalflur nach denselben beiden Typen, die wir in der vorigen 
Gruppe kennen lernten. 

Ä. Der Typus von Rallus, Crex , Porphyrio und Parra tritt hier bei den 
Gattungen GalUnuta und Fulica auf, und zwar genau so, wie er von Rallus 
dargestellt ist, also in seiner reinsten Form. Zugleich nähert sich die erste 



Gattung, Von der ich freilich nur eine Art: G. chlor opus, untersucht habe, dem 
Typus der R allinen noch mehr durch einen schwachen kurzen Einschnitt am 
Ende des verbreiterten Theiles der Unterflur, wodurch derselbe noch bestimmter 
als Ast angedeutet, ja sogar etwas abgesetzt ist. Alles Uebrige ist wie bei Fu- 
licciy wo doch der bemerkte Einschnitt ganz fehlt. Der Seitenrain reicht, wie 
der Unterrain, bei Gallinula noch nicht bis auf die Mitte des Halses, und der 
lanzettliche Sphralrain berührt den Hals gar nicht mehr; bei Fulipa gehen die 
beiden ersten Raine höher am Halse hinauf, und vom Spinalrain ist noch ein 
Theil am Halse sichtbar. Die Lendenfluren sind sein* lang, und haben an der 
Rückenseite, wenigstens bei Gallinula, sperrige Konturfedern neben sich. Der 
Schwanz trägt ebenso kleine weiche Steuerfedern wie bei den Rallinen, deren 
Anzahl bei Gallinula zwischen zehn und zwölf zu schwanken scheint, bei Fu~ 
lica aber gewiss vierzehn ist. Schwingen fand ich bei Gallinula dreiundzwan- 
zig, bei Fulica fünfundzwanzig, von welchen hier die zweite, dort die dritte 
die längste war. . 

R. Rei Podoa (Fig. 9.) findet sich der Typus von Aramus , Grus, Psophia 
und Dicholophus wieder , also eine am Ende der Schulterblätter abgesetzte Spi- 
nalflur, deren vorderer gabeliger Theil viel kräftiger ist als der bis zum Bür- 
zel gespaltene hintere. Letzterer beginnt mit einfachen Federnreihen vom Ende 
der Gabel, wird nach und nach breiter und erreicht seine grösste Ausdehnung 
erst dicht vor der Schwanzgrube, wo er wieder einfach wird. Dabei sind die 
Schultern- und Lendenfluren auffallend schwach, nur zweireihig,- und letztere 
zumal viel kürzer als bei anderen Fulicarien. Auffallend war es mir noch, eine 
fast bis zum Ende des Halses reichende ptilosis continua zu finden, welche die von 
Aramus noch übertrifft-; denn sowohl die Halsseitenraine, als auch der Unterrain, 
gehen kaum über die Schulterhühe hinaus, während der Spinalrain dieselbe noch 
nicht erreicht. Der Flügel weicht durch seine langgezogene spitzige Form, bei 
gleichem relativen Verhaltniss der Schwingen, von denen der Fulica- Arten sehr 
ab; die Anzahl seiner Schwungfedern ist wohl einundzwanzig, die der Steuer- 
federn aber bestimmt achtzehn. Letztere überbieten in der Konsistenz die 
von Fulica, Gallinula und den Rallinen. Den völligen Mangel des Afterschaftes 
an den Konturfedern habe ich schon oben (S. 173.) erwähnt. 



3. E R O D 1 I. 

Die eigenthürnliclien Puderclunenfluren , welche allein bei Mitgliedern dieser 
Familie unter den Sumpfvögeln vorkommen, bilden wohl ihren besten pterylo- 
graphischen Charakter; denn in der Form der anderen Fluren zeigen sich wich- 
tige und höchst auffallende Unterschiede zwischen den hierher» gehörigen Gat- 
tungen. Im Ganzen lässt sich die äusserst schmale, öfters nur zweireihige An- 
lage der Fluren als Gruppencharakter mit ansprechen , wenngleich bei einer 
Gattung (Eurypyget) auch ein lückenloses Gefieder am ganzen Halse bis zum 
Rumpfe hin wahrgenommen wird. Der hierdurch bedingte Mangel eines Hals- 
seitenraines ist übrigens zugleich ein Familiencharakter, insofern bei Ardea und 
Cancroma grade da, wo dieser Rain verlaufen müsste, eine Flur sich fortzieht. 
Damit sind alle Gesammtcharaktere der Erodien erschöpft, denn die Dunen auf 
den Rainen und der den Dunen wie den Konturfedern eigene Afterschaft sind 
ja Merkmahle, die fast allen Sumpfvögeln zukommen. Dasselbe gilt vom Fe- 
dernkranze am kurzen Zipfel der auch sonst nicht eigenthümlich gebildeten Bür- 
zeldrüse. 

Die schon erwähnten Puderdunenfluren zeigen übrigens in dieser Familie 
manches Eigene, und difleriren sowohl in der Zahl, als auch in der Lage. Wenn 
bloss zwei vorhanden sind , wie bei Ejurypyga , so liegen sie auf dem Rücken 
neben dem hinteren Theile der Spinalflur und reichen vom Bürzel bis beinahe 
zu den Schulterblättern, jede einer halben Ellipse ähnelnd (Taf. VIII. Fig. ib.). 
Finden sich aber vier Fluren, wie bei den Rohrdommeln (Fig. 10. IL), so liegt 
das eine Paar an derselben Stelle, ist aber viel kleiner und bloss auf die hin- 
tere Beckengegend beschränkt. Jede Flur für sich ist elliptisch und so breit, 
dass der ganze hintere Theil des Oberschenkels von ihr mit bedeckt wird. Das 
andere Paar findet sich auf der Bauchseite, und besteht aus zwei länglieh elli- 
ptischen Streifen, die genau dem Laufe der furcula folgen, und den Halstheil der 
Unterflur vom Brusttheil trennen. Kommen endlich sechs Puderdunenfluren, wie 
bei allen anderen Erodien, vor, so findet sich ausser den schon beschriebenen 
zwei Paaren noch ein drittes, aus zwei kleinen und sehr schmalen Streifen be- 
stehend, die in der Leistengegend neben dem Aussenrande des Unterflurzuges auf 
den Bauchseiten, angebracht sind. 

1. Ardea (Taf. VIII. Fig. 10 — 12.)- Die Pterylose des Kopfes ist lücken- 



185 



los, aber im Umfange des Ohrs zeigt sich ein beim Rohrdommel sehr deutlicher 
kreisförmiger Rain. Unmittelbar am Hinterkopf beginnt ein breiter Rain, wel- 
cher auf dem Rücken des ganzen Halses herabläuft, und bis zur Bürzeldrüse hin 
das Rückgrat begleitet. An der Unterseite erstreckt sich das Kopfgefieder etwas 
über den Kehlwinkel hinaus und spaltet sich dann in zwei schmale Schenkel, 
welche sich nach aussen wenden , und genau an den Seiten des Halses hinab- 
laufen. Ich nenne sie daher Halsseitenfluren. Bis zu dem bemerkten Punkte 
drei bis vier Federnreihen breit, werden sie daselbst plötzlich schmal, ziehen 
sich als ein- oder zweireihige Züge mehr auf die Rückenseite des Halses, treten 
so auf den Anfang des Rumpfes und laufen hier, allmälig breiter und" kräftiger 
werdend, zwischen den Schulterblättern fort, woselbst sie auch enden, ehe sie 
die Spitze derselben erreicht haben. Man kann diese beiden Flurzüge für den 
Schultertheil der Spinalflur halten und annehmen, dass der Spinalrain, welcher 
gewöhnlich nur bis zwischen die Schulterblätter reicht, oder höchstens auf den 
Anfang des Halses tritt, hier bis zum Kopfe hin sich verlängert habe. Dieser 
Umstand wäre dann die merkwürdigste Eigenheit in der Pterylose der Reiher. 
Vom Ende der beschriebenen Fluren beginnt der tief bis zur Bürzeldrüse ge- 
spaltene hintere Theil der Spinalflur , gewöhnlich durch eine kleine Lücke vom 
vorderen getrennt und zuerst bloss aus einer oder zwei Federnreihen bestehend. 
Dicht vor der Bürzeldrüse wird er einfach, sehr breit, ja selbst verbreitert, so 
dass er den ganzen Grundtheil des Schwanzes bedeckt. Die beschriebenen Hals- 
seitenfluren sind übrigens auch ebenso gut die Anfänge der Unterflur und eigent- 
lich aus dem Vereine der bis zum Kopfe gespaltenen Spinal-, wie Unterflur- 
schenkel entstanden. Daher geht auch der Rumpftheil der Unterflur vom Ende 
der Halsseitenflur aus, läuft auf der Brust als schmaler, drei bis vier Federn 
breiter Streif fort, ist sogar am Ende des musculus pecloralis major mehr oder 
weniger abgesetzt (A. nycticoraoc), und wird auf dem Bauche sowohl schwächer 
als auch schmäler. Beim Rohrdommel ist der Bnisttheil vorn bloss mit der Ach- 
selflur und durch diese mit dem vorderen Theile der gespaltenen Spina^flur ver- 
bunden, bevor er in die am Ende deutlich von ihm abgesetzte Halsseitenflur 
übergeht j so dass es bei der Ansicht von unten (Fig. 10.) aussieht, als wäre die 
Unterflur ganz von der Halsseitenflur getrennt, was eigentlich nicht der Fall ist; 
vielmehr bildet letztere an ihrem Ende einen kurzen, gegen das Gabelbein sich 

Nitzsch Pterylograjjliie. 24 



18« 

"Wendenden Innenast, der bei den ächten Reihern, besonders der A. russalaW agl. 
noch viel länger ist , und bei Cancroma (Fig. 13.) sogar mit seinem Gegner in 
der Mitte zusammentrifft. Dies sind die wichtigsten und eigentümlichen Ver- 
hältnisse der Pterylose bei Ardea; ich erwähne daher bloss, dass alle Reiher 
kurze aber kräftige Lendenfluren besitzen , welche hinten au die Puderdunen- 
fluren stossen, und dass ihr Flügel oben eine allgemeine Befiederung »zeigt, wel- 
che durch einen schmalen Rain von der sehr kräftige Federn enthaltenden Ach- 
selflur getrennt ist. Unten bleibt der grössere Theil des Flügels Rain, in dem 
am Oberarm die starken Federn des Hypopterum stellen, welche auch auf die 
Brust übergehen und an die Uuterflur stossen (Fig. 10. 12.). Nicht minder kräftig 
ist das Parapterum (Fig. 11.). Am Rande des Flügels zählte ich fünfundzwanzig 
bis neunundzwanzig Schwingen, je nach der Grosse der Art, wovon zehn an 
der Hand stehen. Gewöhnlich ist die dritte die längste, doch wenig länger als 
die vorhergehende und folgende, während die anderen von der fünften ab 
schneller sich verkürzen; die zwei oder drei ersten pflegen einen Winkelaus- 
schnitt an der Spitze der inneren Fahnenhälfte zu besitzen. Der Schwanz ent- 
hält in der Pvegel zwölf Federn, doch fand ich bei manchen Arten {A.stella- 
ris, wo mitunter auch elf oder zwölf vorhanden sind, scapularis , tigrina) nur 
zehn oder gar neun (A. sibilalrix). 

Nach der Anzahl der Puderdunenfluren, von deren Läge schon oben die Rede 
war, giebt es übrigens zwei Gruppen, die auch anderweitige Unterschiede dar- 
bieten. 

1) Vier solcher Fluren, oder zwei Paare, fand ich bei A. minuta und 
slellaris. 

2) Sechs Puderdunenfluren haben A. scapularis , ralloides, tigrina, vif 
rescens, Nyclicorax, sibilalrix, russalaW agl., Leuce, Egrelta, speciosaW agl. 
(mqlaccensis alior.), cinerea und purpurea. 

2) Cancroma (Taf. VIII. Fig. 13. 14.). Die Pterylose stimmt in der gan- 
zen Anlage mit dem Typus der ächten Reiher überein, und weicht bloss darin 
ab, dass die Halsseitenfluren etwas breiter sind und dervon ihrem unteren Ende 
ausgehende Innenast am Gabelbein hinabläuft, bis er mit seinem Gegner unter 
einem spitzen Winkel zusammentrifft. Ein anderer Unterschied liegt in der 
Form des Brusttheiles der Unterflur, welcher einen sehr deutlichen freien vier 



jgt 

I 

Federn breiton Aussenast besitzt, mit dessen ein wenig nach aussen gebogener 
Spilze das Hypoptentm in Verbindung steht. Der Hauptzug selbst ist zweireihig 
und viel schwächer als der Ast-, er geht näher am Kamm des Brustbeins als 
bei den Reihern fort , und wendet sich auf dem Bauche mehr nach innen , so 
dass dadurch für die etwas grössere Leistenpuderdunenflur eine freiere Stelle ge- 
wonnen wird. Die Spinalflur ist wie bei den Reihern, aber der hintere Theil 
an seinem einfachen Bürzelstreifen wohl etwas länger. Dadurch gewinnen eben- 
falls die neben ihm liegenden Puderdunenfluren einen grösseren Raum, den sie 
auch ganz erfüllen. Desto kürzer und schwächer sind dafür die Lendenfluren. 
Am Flügel zählte ich zweiundzwanzig Schwingen und zehn an der Hand; die 
ersten sind etwas sichelförmig und am Ende der inneren Fahne verschmächtigt, 
die dritte, vierte und fünfte waren die längsten. Am Schwanz sah ich nur zehn 
Federn; auch vermisste ich die Dunen zwischen den Konturfedern. 

5. Enryyyga (Taf. VIII. Fig. 15.). Die lückenlose Befiederung nicht bloss 
des Kopfes, sondern auch des ganzen Halses, ist unstreitig der Hauptunterschied 
dieser Gattung von Ardea. Vom Ende dieser plilosis conlinua geht die Spinal- 
flur als zwei parallele zweireihige Streifen aus, welche ebenso weit wie bei 
Ardea reichen. Von jedem Streifen entspringt eine Reihe schwacher Federn, 
welche beiden sich sehr bald zu dem schwachen zweireihigen Bürzelstreifen ver- 
einen. Derselbe beginnt schon auf der Mitte des Rückens und endet erst an 
der Bürzeldrüse, neben welcher sich die auffallend langen aber schmalen Len- 
denfluren mit ihm verbinden. Genau in dem auf diese Weise von jeder Len- 
denflur und dem Bürzelzuge gebildeten Raum liegt eine Puderdunenflur, und füllt 
ihn, wenigstens nach hinten, ganz aus. Die Unterflur, welche etwas vor dem 
Gabelbein mit zwei divergirenden Schenkeln von dem Halsgefieder entspringt, 
hat genau die Bildung wie bei Cancroma , daher eine nähere Schilderung über- 
flüssig ist. Nur die Puderdunenfluren neben ihr fehlen dem Sonnenreiher. Lei- 
der habe ich die Anzahl der Schwingen nicht genau ermitteln können, weil das 
von mir untersuchte Exemplar sich in der Mauser befand , doch sind am Hand- 
theil des Flügels bestimmt zehn vorhanden, von denen die dritte die längste ist. 
— Am Schwanz zählte ich nur neun Federn, aber zwischen den mittleren wa- 
ren deutliche Lücken , so dass die wirkliche Zahl wohl. zwölf sein könnte. — 

24 * 



■■ 



4. P E L A R G 1. 

Die Familie 3er Störche, zu welcher ich die Gattungen Scopus, Ciconia, 
Anastomvs und Tantalus ziehe, bildet in vielen Beziehungen einen auffallenden 
Gegensatz mit den Reihern, und hat mit ihnen nur die allgemeinsten Verhält- 
nisse aller Sumpfvögel in der Pterylose gemein. Der wichtigste Gruppenunter- 
schied ist aber wohl die auffallende Verbreiterung beider Unterflurzüge auf der 
Brust, welche die ganze Fläche über dem muscuTus pectoralis major bekleidet, 
am Rande desselben nach hinten schief abgestutzt ist, und so in den kaum halb 
so breiten Bauchtheil übergeht, welcher sich zum After begiebt und neben die- 
sem endet. Von einem Aussehast, wie ihn die Reiher zum Theil besitzen, ist 
also keine Spur, ja nicht einmal eine kräftigere Federnbildung zeigt sich an 
seiner Stelle , vielmehr nimmt jeder Unterflurzug ganz allmälig von aussen nach 
innen an Kräftigkeit ab und Verschwindet so erst neben dem Kamm des -Brust- 
beines. Diese Form der Unterflur ist übrigens der einzige, allen vier Gattungen 
gemeinsame pterylographische Charakter, indess kann die geringe Entwickelung 
der vorn abgekürzten Lendenfluren und das auffallend grosse, aus mehreren Fe- 
dernreihen bestehende paraplerum super ius wie inferius, welche beide am lan- 
gen Oberarm der Störche hinablaufen, mit als Gruppeneigenheit der Pelargi* 
betrachtet werden. 

i, Scopus (Taf. IX. Fig. 3 — 5). Diese Gattung hat eine sehr merkwür- 
dige Halsbefiederung, welche von der bei den Reihern geschilderten Form der 
Fluren bloss darin abweicht, dass ein Halsseitenrain vorhanden ist. Dadurcli 
entstehen am Halse vier Flurzüjje und vier Raine. Die beiden oberen Fluren 
(Fig. 4.), welche den breiten Halsoberrain zwischen sich nehmen, sind die Hälf- 
ten des bis zum Kopfe gespaltenen vorderen Theils der Spinalflur; sie haben 
anfangs nur zwei Federn Breite, wachsen aber vom Ende des Halses auf drei 
Federn an, und enden ziemlich kräftig noch vor den Schulterblättern. Die bei- 
den unteren Fluren (Fig. o.) stellen den gespaltenen Halstheil der Unterflur, vor, 
sind etwas breiter als die oberen , und enden stumpf abgerundet ziemlich nahe 
an der Schulter. Von ihnen getrennt, aber mit der benachbarten Achselflur ver- 
bunden (Fig. 5.), beginnt der breite Brustzug auf der Schulterhöhe, und folgt in 
seinem ferneren Verlauf ganz dem Typus der Familie. Eigenthümlich aber ver- 
hält sich der hintere Theil der Spinalflur (Fig. 4k), insofern er einen einfachen, 



189 

drei Federn breiten, ziemlich schwachen Streifen darstellt, der getrennt vom 
vorderen Theile hinter dessen Schenkeln anfängt, und an der Bürzeldrüse endet. 
Am Flügel zählte ich sechsundzwauzig Schwingen, wovon zehn an der Hand; 
die vordersten waren stufig, und die erste glich der siebenten. Der Schwanz 
trägt zwölf Steuerfedern. 

2. Ciconia. Die Störche mit befiedertem Halse, von denen ich C alba 
(Taf. IX. Fig. i. 2.), nigra und leucocephala (timbellata Wagl.) untersuchte, ha- 
ben bis auf die Mitte des Halses ein lückenloses Federnkleid. Von hier an spaltet 
dasselbe oben der Spinalrain, und unten der Unterrain, denn der Halsseitenrain 
ist nur am Grunde vor den Schultern als kurzer Zipfel bemerkbar. Die Spinal- 
flur geht mit zwei schmalen parallelen Zügen bis zwischen die Schulterblätter 
fort, und endet etwas vor diesen ziemlich kräftig. Der hintere Theil erreicht 
die Enden des vorderen nicht, ist überall sehr schwach, zumal nach aussen, und 
hat bis zur Schwanzgrube einen Längsrain. Die Unterflur ist vorn an der Schulter 
mit den Achselfluren verbunden, aber sonst ohne Eigenheiten. Auch die anderen 
Fluren zeigen nichts besonderes. Dagegen war es mir merkwürdig , bei C. Zeu- 
cocephala durchaus keinen Afterschaft an den Konturfedern zu finden, der doch 
den einheimischen Arten nicht fehlt, wenn er gleich nur klein und schwach 
ist. — Ein Organ von auffallender Eigenthümlichkeit mag übrigens bei den Stör- 
chen die grosse, dicke, stumpfe und mit einem starken Federnkranz besetzte 
Bürzeldrüse sein, insofern sie eine sehr verschiedene Anzahl von Mündungen und 
inneren Höhlungen zu besitzen scheint. Bei C- alba sind deren zwei an jeder 
Hälfte, bei C- nigra aber fünf. Alle drei genannten Arten haben elf Hand- 
schwingen, von denen die ersten bjs zur vierten oder fünften stufig sind; im 
Ganzen fand Ich bei 'ۥ leucocephala dreissig Schwingen, bei C. nigra zweiund- 
dreissig, bei C- alba vierunddreissig. Die Anzahl der Steuerfedern ist zwölf. 
Bei C. leucocephala bilden sie einen starken Gabelschwanz, über den in der 
Mitte die langen unteren Schwanzdecken weit hinausragen. Dadurch erhält der 
Schwanz eine sehr merkwürdige dreilappige Form. 

Die Störche mit nacktem Halse, wie C Mycleria und Argala, weichen in 
der Anlage der Fluren nicht sonderlich von den vorigen ab. Gewöhnlich be- 
ginnt das Gefieder erst dicht vor dem Ende des Halses und ist dann unten vom 
Unterrain, wie oben vom Spiualraiu ganz durchbrochen. Ein Halsseitenraiu 



^^^^^^^^^^^■■■^^■■■■■■■■1 



loa 

fehlt auch hier. An der Spinalflur zeichnet sich der hintere Theil durch seine 
sperrige Federnstellung ehenso sehr, wie durch den Mangel des Spinalrains aus. 
Nur in der Mitte sah ich bei C. Argala eine Spur dieses Raines. Dabei reicht 
der Anfang des hinteren Theiles bei beiden Arten weit zwischen die Schenkel 
des vorderen hinein. Die Unterflur zeigt keine Abweichung , doch ist ihre Fe- 
dernstellung sperriger. Die Lendenflur besteht bloss aus einer einzigen Reihe 
ziemlich kräftiger Federn, und reicht bis. zum Knie. - Die Anzahl der Schwingen 
ist sechsunddreissig, wovon bei C. Mycleria elf; bei C. Argala zehn an der Hand 
sitzen; dort war die dritte, hier die zweite Schwinge die längste. Beide haben 
zwölf Steuerfedern; aber jene Art sechs, diese nur fünf Federn am Daumen. 
Ebenso viele haben auch C. alba und nigra, aber C leucocephala besitzt nur 
vier. Jene Zahlen sind wohl die grössten Federnmengen, welche am Flügel- 
daumen der Vögel vorkommen. An der Bürzeldrüse von C. Argala fand ich 
sechs besondere Oeflnungen und Höhlen jeder Hälfte, welche von kurzen Oel- 
federn so umfasst werden , dass jede Hälfte einen besonderen Kranz hat. Bei 
C. Mycleria habe ich die Drüse nicht so genau untersucht; dagegen fand ich bei 
dieser *Art keinen Afterschaft an den Konturfedern. Bemerkenswerth sind end- 
lich noch die ganz enorm grossen dicken Spuhlen an den Schwungfedern die- 
ser Störche; meines , Wissens die dicksten, welche' bei Vögeln überhaupt ge- 
funden werden. 

3. Anastomus. Die Pterylose des A. coromandelicus stimmt vollkommen 
mit der von Ciconia alba überein, daher ich dieselbe nicht weiter zu schildern 
brauche. Am Flügel zählte ich achtundzwanzig Schwingen, wovon elf am Hand- 
theil sassen; die dritte war die längste. Das Hypopterum war ebenso gross wie 
beim Storch. An der Bürzeldrüse sind wenigstens drei Oeffhungen jeder Hälfte 
sichtbar, mehr konnte ich, an dem trocknen Exemplar nicht erkennen. Der 
Schwanz enthält zwölf Federn. 

4. Tantalus. Diese Gattung scheint, nach Untersuchung von T. Ibis, 
leucocephalus und lacteus (Temm. pl. col. 352-), die beiden Formen der nactt- 
halsigen und am Halse befiederten Störche in sich zu wiederholen, obgleich am 
Halse vom Ende des nackten Gesichtes an immer ein dichtes, erst hinter der 
Mitte vom Spinal- wie Unterraiu durchbrochenes Federnkleid vorhanden ist. 
Ich fand nehmlich bei T. Ibis genau die Federstellung des gemeinen Storchs, 



191 

namentlich auch den langen Rain im hinteren Theile der Spinalflur, und die kur- 
zen, auf das hintere Ende des Oberschenkels beschränkten Lendenfluren. Da- 
gegen zeigten die beiden anderen Arten ganz auffallend weit getrennte Schenkel 
des vorderen Theiles der Spinalflur, zwischen welche der sperrigfiedrige lücken- 
lose hintere Theil etwas hineinragte. Der Seitenhaisrain fehlte übrigens allen 
drei Arten, gleich wie den Störchen und allen Pelargis. Die Anzahl der Schwin- 
gen war einunddreissig bis dreiunddreissig, von denen bei T. Ictcleus bestimmt 
elf an der Hand sitzen ; die dritte ist die längste , und gleich wie die erste, 
zweite und vierte, an der inneren Fahnenseite nahe über dem Grunde auffallend 
verschmächtigt und dann zugespitzt. Das Hypopterum war bei T. leucoceplialus 
sehr gross und schien aus mehreren Federnreihen zu bestehen. Die Länge des 
Oberarms , eine allen Pelargis mit den Erodiis gemeinsame Eigenschaft, begün- 
stigt seine Entwickelung ganz besonders. Hiermit mag die auffallende Grösse 
der hinteren Armschwingen, welche den Reihern ebenso gut, wie den Störchen, 
eigen ist, im Zusammenhange stehen. An der ungemein dicken, am Ende brei- 
ten, abgestutzten Bürzeldrüse habe ich mehrere Oeifnungen jeder Hälfte erkannt, 
welche bei T. Ibis im Kreise gestellt waren; doch sind mir die genauen Zahlen 
dieser Mündungen entgangen. Am Schwänze fand ich immer zwölf Steuerfe- 
dern. Eine Eigenheit, die ich bei mehreren Wasservögeln wahrgenommen habe, 
und hier zuerst von T. leucocephcdus und lacteus erwähne, ist die pneumatische 
Beschaffenheit ihrer Haut. Es gelangt nehmlich aus den vorderen Seitenzellen 
des Rumpfes durch die Achselhöhle Luft unter die Haut, und verbreitet sich 
nicht bloss hier eine grössere oder geringere Strecke weit, sondern dringt auch 
in kleine Taschen der Haut selbst ein, welche zwischen den Spuhlen von je 
vier Konturfedern sich befinden, und durch eine meistens ziemlich enge Mündung 1 
von dem Hauptluftbehälter her erfüllt werden. Bei diesen Tanlalis fand ich 
solche Taschen an den beiden kräftigfiedrigen Schenkeln des vorderen Theiles 
der Spinalflur, sonst aber nirgends. Am grössten sind sie bei Dysporus und Pe- 
lecanus y woselbst ich ihrer noch ausführlicher gedenken werde. — 

6. ODONTOGLOSSAE. 

Unter diesen Namen stelle ich die eigentümliche Gattung PJioenicoplenis, 
deren Europäische Art ; Ph. unliquorum, ich genauer untersucht habe, als beson- 



193 

dere, hinreichend und' vielseitig cliarakterisirte Familie auf. Die Pterylose der- 
selben (Taf. IX. Fig. 6.' 7.) ist ganz storchartig, und hält gleichsam die Mitte zwi- 
schen den beiden bei Ciconia und -Tantalus unterschiedenen Gruppen. Den Hals 
überzieht ein lückenloses sehr dichtes Gefieder, in dem der Halsseitenrain ganz 
fehlt, wohl aber unten zuerst der Ünterrain auftritt, während der Spinalrain die 
vordere Grenze des Rumpfes nur wenig überschreitet. Die beiden Schenkel der 
Unterflnr sind daher* bis zur Schulter mit den Schenkeln der Spinalflur verbun- 
den; hier erst trennen sie sich, und jene, die Unterflurzüge, nehmen bald her- 
nach die breiten , auffallend dichtiiedrigen, hinten abgerundeten Achselfluren in 
sich auf. Yon da ist die Unterflur ganz storchartig, aber dichtfiedriger und 
zumal nach aussen kräftiger, namentlich in der Gegend des Aussenastes. Die 
beiden Schenkel des vorderen Theiles der Spinalflur sind nur schmal, auch 
schwächer als bei den Störchen, einander mehr genähert und viel kürzer; 
denn sie erreichen nur so eben die Mitte der Schulterblätter. Bald darauf be- 
ginnt der hintere Theil, anfangs sehr schwachfiedrig, dann etwas kräftiger wer- 
dend, und so zusehends sich verstärkend, bis er auf der Sahwanzgrube den Zügen 
der Unterflur nichts nachsteht in der Kräftigkeit. Ein Spinalrain fehlt in ihm 
ganz, grade wie bei den nackthalsigen Störchen, während doch beim Flamingo 
der Hals dicht befiedert ist. Sehr merkwürdig sind noch die aus einer einzigen 
Reihe kräftiger Federn bestehenden Lendenfluren, welche ziemlich vorn vom 
Knie anfangen und neben dorn Bürzelgefieder bis fast zum Schwänze hin fortlaufen. 
Auch die freilich spärliche Befiederung der Aftergegend hinter den beiden vor 
dem After unter einem Bogen vereinten Bauchzügen der Unterflur ist eine Eigen- 
heit des Flamingos. An den langen Flügeln, deren Länge ganz besonders durch 
j n - 

den Oberarm bedingt ist, finde ich oben einen ziemlich grossen, unten einen 

fast vollständigen Flügelrain, in dem das starke, aus achtzehn platten Federn 
bestehende Hypopferum verläuft. Die Anzahl der Schwingen ist vierunddreissig, 
von denen wieder elf am Handtheile sitzen; die drei ersten, ziemlich gleichen, 
sind die längsten und haben dicht neben der Spitze an der inneren Fahnenhälfte 
feinen scharfen Winkelausschnitt. Am Daumen fand ich nur drei Federn und am 
Schwanz vierzehn auffallend schwache und kleine Steuerfedern. Die breite 
grosse Bürzeldrüse hat einen dichten Federnkranz an der abgestutzten Endfläche 
und vielleicht mehr als zwei Mündungen. 



193 

6. HEMIGL0TT1DES. 

Zwei Sumpfvögelgattungen , Platalea und Ibis , von denen man die eine 
ganz allgemein mit den Störchen verbunden hat, wahrend die andere bald zu 
den Störchen, bald zu den Schnepfen gestellt wurde, vereinige ich unter dem 
obigen Namen, der sich auf die überraschende Kleinheit ihrer Zunge beziehen 
soll, zu einer besonderen Familie, und sehe sie als ein Bindeglied zwischen den 
Störchen und Schnepfen an, mit welchen beiden namentlich die letztere 
auffallend nahe verwandt ist. Ihre anderweitigen nicht unbeträchtlichen Fami- 
lienmerkmahle unberücksichtigt lassend, mag uns hier bloss die Pterylose be- 
schäftigen. Dieselbe verhält sich bei beiden bis in die kleinsten Einzelnheiten 
vollkommen wie bei den einheimischen Störchen, und bedarf daher weder einer 
bildlichen Darstellung , noch einer ausführlichen Beschreibung. 

1. Platalea leucerodia hat bis zum unteren Halsende- ein lückenloses 
Gefieder, keinen Halsseitenrain , und der Unterrain beginnt erst dicht vor dem 
Gabelbein, wie der Spinalrain unmittelbar neben der Schulterhöhe. Alles an- 
dere ist wie bei Ciconia alba. Am Flügel zahlte ich dreissig Schwingen, wovon 
zehn an der Hand stehen; unter diesen ist die zweite die längste. Der Schwanz 
trägt zwölf Federn. Zwischen den Konturfedern fehlten die Dunen nicht. An 
der kurzen aber breiten und dicken Bürzeldrüse fand ich drei Oeffnungen jeder 
Hälfte, die zusammen in einer muldigen Vertiefung liegen. / 

2. Ibis. Nachuntersuchung von Ib. falcinellus, rubra, leucon und sacra 
hat diese Gattung, zumal auf der Bauchseite, genau die Pterylose der Störche, 
auch den Unterschied in der Befiederung des Halses, welchen wir bei Ardea wahr- 
nahmen. Die einzige Abweichung ist an der Unterflur eine etwas kräftigere 
Bildung der zwei bis drei äusseren Federnreihen des Brustzuges in der Gegend 
des Aussenastes, wodurch letzterer etwas deutlicher hervortritt, besonders wenn, 
wie bei J. sacra, die Federn dicht neben ihm sehr schwach sind. Indess kommt 
es zu einem frei abgesetzten Aussenast, wie er allen Schnepfen eigen ist, nicht. 
Die Spinalflur ist bis zum Becken ebenfalls ganz storchartig , allein die bei- 
den Schenkel des hinteren Theiles vereinen sich früher, schon am Anfange des 
Beckens, und bilden mithin einen längeren Bürzelstreifen, der bloss durch seine 
gedrängte Fed ernsteil mag von dem allgemeinen sperrigen Gefieder der ganzen 
Beckengegend, mit welchem auch die Lendenfluren zusammenhängen, uuterschie- 

Nitzsch Pterylographie. 25 



194 s - , 

den ist. Im Uebrigen finde ich alles wie beim Storch. Am Flügel, dessen Ober- 
arm auch eine sehr lange storchartige Form hat , fand ich verschiedene Mengen 
von Schwingen, nehmlich siebenundzwanzig bei I. falcinellus , fünfundzwanzig 
oder sechsundzwanzig bei I- rubra, dreissig bei I. leucon und sacra; doch stan- 
den an der Hand immer zehn und die zweite oder dritte war die längste, oft 
freilich kaum länger als die erste, vierte und fünfte. Der Schwanz enthielt 
immer zwölf Federn. An der Bürzeldrüse konnte ich, bei gleicher Form mit der 
der Störche, doch nur eine Mündung jeder Hälfte entdecken. 

7. LIMICOLAE s. SCOLOPACINAE. 

Nächst den Passerinen, und Gallinaceen scheint diese Gruppe die ge- 
ringste pterylographische Differenz darzubieten; was sehr auffallen muss, wenn 
man bedenkt, dass sie aus so zahlreichen und äusserlich oft sehr von einander 
abweichenden Gliedern zusammengesetzt ist. — In den allgemeinsten Verhält- 
nissen hat sie alle Charaktere eines Sumpfvogels, doch einen relativ grösseren 
Afterschaft und spärlichere Dunen, welche an manchen Rainen, z. B. dem unteren 
in der Gegend zwischen dem Aussenast und dem Hauptzuge, zur Brutzeit ganz 
fehlen. In der Form der Fluren schliesst sie sich am meisten an die Rallinen, 
oder noch genauer an einige (Psophia, Grus) Alectoriden, von denen die 
Scolopa einen wohl nur durch eine verhältnissmässig grössere Breite der Flur- 
züge abweichen. Zu diesen Uebereinstimmungen gehört besonders die vollständige 
Trennung der Spinalflur in zwei Hälften : eine vordere, kräftigere und zwischen 
den Schulterblättern gabelig getheilte; und eine hintere viel schwächere, wel- 
che den ziemlich schmalen Längsrain enthält. Noch grössere Aehnlichkeit bietet 
die Unterflur dar, insofern sie einen breiten aber ganz freien Aussenast bildet, 
welcher ziemlich auf der Mitte jeder Brusthälfte liegt, wahrend der schmälere in- 
nere Hauptzug ganz dicht an den Kamm des Brustbeines gerückt ist, und erst auf 
dem Bauche sich unter einem Bogen mehr nach aussen wendet. Hier pflegt er auch, 
was eine Annäherung an den Typus mancher Schwimmvögel (siehe das folg. Kap.) 
ist, nach aussen verbreitert und sperriger gefiedert zu sein, und zwar in vielen 
Fällen (Thinocorus, Chionis , Haemalopus , Scolopacc) noch bestimmter, als es 
die Abbildung bei Charadius yluvialis (Taf. IX. Fig. 8.) angiebt. Minder kräftig 
als bei den Rallinieii ist die Lendenflur der Schnepfen; doch ebenfalls lang und 



195 

meistens aus zwei Federnreihen gebildet. Bloss bei den achten Schnepfen habe 
ich sie, wegen ihrer auffallend schiefen Lage, mit dem hinteren Theile der Spi- 
nalflur verbunden gesehen (Fig. 10.), Eine Art dieser Gattung (Sc- ruslicola) 
weicht darin etwas ab, dass der hintere Theil der Spinalflur ganz mit dem vor- 
deren verflossen ist, welcher letztere sich bloss durch seine etwas kräftige Fe- 
dernbildung als besonderer Theil unterscheidet; die übrigen Scolopax - Arten fol- 
gen dagegen dem gewöhnlichen Typus, doch ist die Spaltung des hinteren Thei- 
les etwas länger als bei Charctdrius. Mitunter, z. B. bei Rhynchaea capensis, 
fehlt eine wahre Theilung an der hinteren Hälfte der Spinalflur ganz, und kaum 
ist durch sehr sperrige Stellung ihrer Federn in der Mitte der Flur noch die 
Spaltung angedeutet. Dann reicht auch wohl der Anfang des hinteren Theiles 
zwischen die Schenkel des vorderen hinein, eine Eigenheit, die auch solchen 
Gattungen zukommt, bei welchen der Längsrain im hinteren Theile nur schmal 
ist (Ilypsibales, Recurviroslra , Haematopus , Thinocorus). Dergleichen Abwei- 
chungen vom Familientypus sind übrigens selten, und mir, ausser bei den be- 
merkten Gattungen, nicht weiter vorgekommen. Dagegen herrscht in der Be- 
fiederung des. Halses ein bemerkbarer und konstanter Unterschied. Die Gattung 
Rhynchaea macht auch hierin eine Ausnahme, insofern sie am ganzen Halse eine 
ptilosis conlinua besitzt, gar keinen Halsseitenrain hat, und der Unterrain nur 
so eben die Höhe der furcula überschreitet. Bei allen anderen Gattungen ist 
ein Halsseitenrain vorhanden, ja selbst ein sehr deutlicher, weil er nur wenige 
oder gar keine Dunen trägt. Dieser Rain geht bei Charadrius, Scolopax, iVw- 
menius, Tolanus, Limosa, Tringa, Phalaropus und den meisten Gattungen ganz 
oder fast bis zum Kopfe hinauf, und trennt dadurch die Spinalflur von der Un- 
terflur ziemlich vollständig (Fig. 9. 10.). Bei anderen Gattungen , wie Ilypsiba- 
les , Recurviroslra, scheint er die Mitte des Halses nicht zu überschreiten, und 
das obere Ende lückenlos zu lassen. Damit harmonirt einigermassen die Thei- 
lung der Unterfluizüge. Bei keiner einzigen Gattung reicht dieselbe weiter am 
Halse hinauf als der Halsseitenrain, aber in vielen Fällen ist sie kürzer. Bei- 
spiele hiervon liefern die Gattungen Scolopax, Trlnga, Phalaropus uud Tachy- 
dromus, bei denen die Unterfluizüge, erst dicht vor dem Gabelbein sich trennen, 
während doch die Halsseitenraiue bis zum Kopfe reichen. Auf der andern Seite 
aber giebt es Beispiele von gleicher Ausdehnung beider Raine, welche theils, 

25 * 



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19« 



wie bei Charadrius und Niitneniits, den Kopf berührt, theils über die Mitte des 
Halses nur wenig hinausgeht, wie bei TlypsibateSj Recurvirostra , Haemalopus, 
Chionis, Thinocorus und Glareola. Diese im Ganzen geringen Unterschiede sind 
die einzigen, welche mir bei den zahlreichen Arten alier untersuchten Gattun- 
gen auffielen ; im Uebrigen herrscht die grösste Uebereinstimmung. Auch in der 
Flügelanlage, wenn auch nicht gerade in der Form, ist ein und derselbe Grund- 
typus vorhanden. Derselbe besteht darin, dass die hinteren Arinschwingen eine 
mit den vorderen Handschwingeu ziemlich gleiche Länge haben, und dadurch den 
Flügel zweilappig erscheinen lassen. Die Anzahl aller Schwingen wechselt von 
dreiundzwanzig bis auf dreissig, doch stehen an der Hand immer zehn, von 
denen die erste, mit wenigen Ausnahmen (bei Scolopax) , die längste ist. Der 
nicht sehr lange Oberarm trägt dennoch ziemlich kräftige Paraptera, von denen 
das obere spitziger ist als das untere, aber aus wenigem Federn besteht; letz- 
teres geht auf die Brust über und steht mit der Spitze des Aussenastes der Un- 
terflur in Verbindung. Die hintersten Federn der allermeist kräftigen Achselflur 
übertreffen die Paraptera noch an Länge und liegen im Zustande der Ausstre- 
ckung, wie immer, nach innen zu daneben, zwischen ihnen und dem Rumpfe. 
Am Flügel selbst ist der obere Rain nicht sehr breit, aber der untere zieht sich 
über den grösseren Theil des Oberarms , der Flughaut und des Unterarms fort. 
Am Schwanz fand ich gewöhnlich zwölf Federn, bei Rhynchaea nur zehn, 
bei einigen Scolopax - Arten aber mehr als zwölf, selbst sechsundzwanzig. Die 
massig grosse Biirzeldrüse hat einen starken Federnkranz am Zipfel, aber nie 
mehr als zwei aber meistens sehr weite Mündungen, eine an jeder Hälfte. — * 

Nach solchen vielseitigen Uebereinstimmungen scheint eine spezielle Schilde- 
rung der Gattungen und Arten überflüssig zu sein; ich beschränke mich also da- „ 
rauf, die untersuchten namhaft zu machen und bei jeder das noch anzuführen, 
was ihr etwa Eigenthümliches zukommt. 

1. Numenius. Höchst merkwürdig durch die tiefe, an den Storchtypus 
erinnernde Spaltung des vorderen Theiles der Spinalflur, welche noch weit über 
die Mitte des Halses hinausreicht, aber dem bis zum Kopfe reichenden Halssei- 
tenrain und Unterrain in der Länge nachsteht. So fand ich das Verhältniss bei 
N. arquata und tenuiroslris , die beide dreissig Schwingen besitzen. 

2. Rhyncliaea capensis. Die Eigenheit der plilosis continua des Hai- 



ses und der Mangel eines Rains im hinteren Theile der Spinalflur wurde schon 
erwähnt; von letzterem bemerkte ich jedoch eine schwache Andeutung über den 
Lendenwirbeln. Die auflallend kurzen Flügel enthalten etwa zwanzig stumpfe 
Schwingen, von denen die zweite die längste ist. Am Schwanz fand ich nur 
zehn Federn. 

3. Scolopax. Die Verschmelzung der Lendenfluren mit dem hinteren 
Theile der Spinalflur und der auffallend grosse Rain, den derselbe Flurzug um- 
schliesst, sind die wichtigsten pterylographischen Eigenheiten dieser Gattung 
(Taf. IX. Fig. 10.). Der Halsseitenrain reicht bis zum Kopfe, aber der Unterrain 
nur bis auf das untere Ende des Halses; der Spinalraiu, wie gewöhnlich, kaum 
bis zur Schulterhöhe. Bei den untersuchten Arten fand ich folgende Federn- 
mengen: Sc. rusticola, sechsundzwanzig Schwingen, bisweilen nur neun an der 
Hand, zwölf Steuerfedern. Sc. major, fünfundzwanzig Schwingen, sechzehn 
Steuerfedern. Sc. gallinula, vieruitdzwanzig Schwingen, zwölf Steuerfedern. 
Sc. stenoplera, fünfundzwanzig (?) Schwingen, an der Hand bestimmt zehn, aber 
sechsundzwanzig Steuerfedern, von denen die acht äusseren jeder Seite eine 
auffallend schmale linienförmige Gestall haben und abgerundet enden. Sc. mi- 
nor, sechsundzwanzig Schwingen, die drei ersten sonderbar verschmälert und 
säbelförmig gekrümmt, die vierte und fünfte die längsten; vierzehn Steuerfedern. 
Sc. grisea, zwanzig (?) Schwingen, zwölf Steuerfedern. — Sehr merkwürdig 
ist auch noch die Bürzeldrüse dieser Gattung durch die breit herzförmige Gestalt 
und den langen zylindrischen Zipfel , welcher von den Spuhlen der Kranzfederu 
ausgespannt erhalten wird, ähnlich wie beim Wiedehopf; allein die Höhlen bei- 
der Hälften sind getrennt, jede reicht tief in die Masse der Drüse hinein und 
spitzt sich nach hinten zu. 

4. Tringa. Die Pterylose hat nichts Merkwürdiges; alle Arten besitzen 
zwölf Steuerfedern und die kleinen dreiundzwanzig bis vierundzwanzig, die grös- 
seren fünfundzwanzig bis sechsundzwanzig Schwingen, von denen die erste die 
längste ist. Der Spjnalrain reicht bis zur Schwanzgrube, und der Unterrain 
scheint nicht weit über den Grund des Halses hinauszugehen. Untersucht wur- 
den: TV. subarquala, minuta, Temminckii '; jplalyrhynclia , islandica , alpina 
und pugnax. 

_ä. Limosa. Der Unterrain geht bis auf die Mitte des Halses fort, sonst 



198 

alles genau wie bei Tringa; auch eben so viele Steuerfedern, aber die Schwin- 
gen steigen bis auf achtundzwanzig. L. rufet und melanura wurden untersucht. 

6. Totanus. Die Pterylose stimmt völlig mit der von Limosa überein; 
auch darin, dass, wie bei Tringa, der ungetheilte Bürzektreif sehr breit und 
sperrigfiedrig ist, aber nicht mit den schmalen- langen Ledenfluren zusammen- 
hängt. Steuerfedern finde ich stets zwölf, aber bald vierundzwanzig (T. hypo- 
leucus), bald fünfundzwanzig (T. ochropus) , bald sechsundzwanzig (T. glareola, 
Bartramia), bald siebenundzwanzig (T.glollis, mriculalus) Schwingen, von de- 
nen die erste immer die längste zu sein scheint. 

7. Phalaropus. Die Spinalflur ist sehr schmal und schmächtig, die Züge 
der Unterflur aber sind breit, und trennen sich erst dicht vor dem Gabelbein.' 
Der Halsseitenrain reicht etwas über die Mitte des Halses hinaus. Immer fand ich 
zwölf Schwanzfedern und fünfundzwanzig lange zugespitzte Schwingen, von denen 
die der Hand viel länger sind als die am Unterarm; die erste ist von allen die 
längste- Das Hypopterum verbindet sich nicht mit der Spitze, sondern mit der 
Mitte des Aüssenastes. Ph. fimbriatus , plalyrhynchus und hype,rboreus wurden 
untersucht. Von den Brutflecken, welche ich bei diesen Vögeln beobachtete, war 
schon oben (S. 46.*]) 'die Rede; sie lagen im Unterram zwischen dem Hauptzuge 
und dem Aussenast der Unterflur, und waren durch Fehlen der Dunen, die von 
selbst ausfallen, entstanden. Ganz auf dieselbe Weise gebildete Brutflecke sind 
mir bei mehreren anderen Schnepfenarten vorgekommen. _ 

8. Hypsibales htm ant opus (Himanlopus rufipes alior.). Am Kopfe 
und bis zur Mitte des Halses ist das Gefieder lückenlos; hier beginnt erst der 
breite Halsseitenrain, und bald darauf auch der Unterraiu. Die übrige Ptery- 
lose ist nicht eigenthümlich, aber alle Fluren sind schmal. Der hintere Theil 
der Spinalflur ist fast bis zur Schwanzgrube gespalten und der darauf folgende 
einfache Bürzelzug nicht verbreitert, wohl aber sind- es die vor ihm befindlichen 
Schenkel. Die lange Lendenflur ist ziemlich kräftig. Am Flügel zählte ich 
neunundzwanzig Schwingen, wovon die erste die längste ist; am Schwänze zwölf 
Steuerledern. 

9. Itecurviroslra avocella. Der Halsseitenrain und der Unterraiu rei- 
chen mir bis auf die Mitte des Halses. An der Unterflur fiel mir die viel be- 
trächtlichere Entfernung beider Hauptzüge vom Kamm des Brustbeines auf. Die 



199 

hintere Hälfte der Spinalflur ist anfangs sperrigfiedrig, vielleicht ohne allen Längs- 
rain, und reicht weit zwischen die Gabeläste des vorderen hinein. Der einfache 
Bürzelstreif ist dichtfiedriger und beginnt schon auf der Mitte des Beckens; er 
hat, zumal vorn, zerstreute Konturfedern neben sich, bleibt aber von den Len- 
denfluren ganz getrennt. Die Konturfedern, welche zwischen den Aesten der 
Gabel des vorderen Theiles der Spinalflur stehen, sind so lang wie die grossen 
Federn der Achselfluren, was sehr merkwürdig ist. Am Flügel zählte ich dreis- 
sig Schwingen und die erste war, wie gewöhnlich, die längste; am Schwänze 
stehen zwölf Federn. 

- 10. Dromas ardeola. Pterylose ganz wie beim Säbelschnabler, auch 
die Spinalflur, Schwingen und Steuerfedern genau ebenso. Die Bürzeldrüse auf- 
fallend dick und gross, ähnlich der des Storchs, aber nur zwei weite Mündungen. 
Sie ist übrigens auch bei Recurviroslra, Hypsibates, Limosa, Scolopax und iVw- 
menius mit ebenso weiten Mündungen versehen. 

[11. Chionis alba. Dieser merkwürdige Vogel, den ich vor Kurzem 
genau pterylographisch untersucht habe, gehört in jeder Beziehung, wie es zuerst 
Blainville aussprach (Annal. des scienc. natur. noav. ser. Tom. VI- png. 99.), zu 
den Scolopacinen und verhält sich meiner Meinung nach zu Ilaemalopus, wie Dro- 
mas zu Recurviroslra. Er hat ganz die Pterylose von Recurviroslra, doch reicht 
der Halsseitenrain wie der Üriterraiu höher am Halse hinauf*), und in dem dich- 
ten lückenlosen Gefieder des Kopfes findet sich unter dem Auge eine vom Mund- 
winkel bis fast zum Ohr sich erstreckende nackte , mit Warzen besetzte, Stelle. 
Die Flurzüge sind auffallend breit und kräftig, zumal auch der Hauptzug der 
Unterflur, welcher dichter als gewöhnlich an den Aussenast herangerückt ist, 
ganz wie bei Recurviroslra. Die, Spinalflur konnte ich nicht genau erkennen, 
weil der Balg oben der Lauge nach aufgeschnitten war, ich sah nur die kräf- 
tigen Schenkel des vorderen Theiles und- eine besonders vorn schwache Bildung 
am hinteren. Die Lendenfluren, welche sehr kräftig sind, berührt der hintere 
Theil nicht. Am Flügel , der durch einen kurzen dicken , am Handgelenk 
sitzenden Sporn merkwürdig ist, stehen fünfundzwanzig sehr spitzige Schwingen, 



*) Dies scheint Eigenheit aller kiirzhalsigen Gattungen zu sein, und den langhalsigen wenigstens 
oben eine ptilosis conlinua zuzukommen. Br, 



ZOO 

von welchen die hinteren des Armes ehenso lang sind als die vorderen der Hand, 
doch im Zustande der Ptuhe von den langen Achselfedern heinahe vollständig 
bedeckt werden. Der Schwanz trägt zwölf Federn, wovon die mittelsten etwas 
verkürzt sind, so dass-er leicht ausgeschnitten erscheint; doch ist die äusserste 
jeder Seite auch kürzer als die nächstfolgenden, längsten. Die Bürzeldrüse war 
auffallend dick und gross, überhaupt das ganze Gefieder so kräftig und dicht, 
wie wohl bei keinem anderen Schnepfenvogel. Die Füsse sind kurz, erst vom 
Hackengelenk an nackt, dicht von kleinen warzenförmigen §chuppen bedeckt, 
aber auf der Oberfläche der Zehen von vielen kleinen gleichgrossen Halbgürteln. 
Die Hinlerzehe ist massig gross und berührt den Boden. Br.] 

[12. Die Pterylose von Haematopus ostralegus , welche Nitzsch 
nicht untersucht hatte, hielt ich, wegen der nahen Verwandtschaft dieses Vo- 
gels mit Chionis, einer genaueren Betrachtung für bedürftig, und fand sie auch 
vollkommen ähnlich, besonders alle Fluren ebenso gedrängt und kräftig, bis auf 
den hinteren Theil der Spinalflur, welcher allein schwach ist und einen schma- 
len , bis zur Schwanzgrube reichenden Längsrain hat. Der Aussenast und der 
Bauchtheil der Unterflur sind sehr breit, und bestehen aus sechs bis acht Federn 
in jeder schiefen Reihe. Die Achselfluren sind nur drei Federn breit und vorn 
mit dem Aussenast der Unterflur durch einen schmalen Zug verbunden. Die lan- 
gen Lendenfluren waren ganz frei. Am Flügel fand ich neuuundzwanzig Schwin- 
gen, die sechsundzwanzigste steht am Ellenbogen und hat mit der dritten Hand- 
schwinge gleiche Länge. Die grosse Bürzeldrüse war mit einem Konturfedern- 
kranze besetzt und an ihrem Zipfel sassen viele graue Oelfedern. Der Schwanz 
troff zwölf Steuerfedern. Br.1 

13. Stvepsilas inlerpres. Das Konturgefieder ist fast ganz wie bei 
Tringa plnlyrhyncha , aber der Hauptzug der Unterflur verbreitert sich auf der 
Bauclifläcbe etwas mehr nach aussen, und die Gabeläste des vorderen Theiles 
der Spinalflur sind schmäler, die übrigen Flurziige aber im Ganzen etwas brei- 
ter und kräftiger. Am Flügel zählte ich fünfundzwanzig Schwingen, am Schwanz 
zwölf Sleuerfedern. 

14. Charadrius. Aus der auf Ta f. IX. Fig. 8. 9. gegebenen Darstellung 
der Pterylose von Ch. pluvialis ist ersichtlich, dass diese Gattung alle Chara- 
ktere der Familie besitzt , und hinsichtlich ihrer untergeordneten Differenzen zu 



201 

derjenigen Gruppe gehört, brei deren Mitgliedern die Halsseitenraine und der Un- 
terrain bis zum Kopf hinaufreichen. Eigentümlicher ist ihr die kurze Gabelung 
des hinteren Theiles der Spinalflur und die lange schmale Form des Bürzelzuges 
eben dieses Theiles, welcher von den ziemlich kräftigen Lendenfluren weit ab- 
steht. Bei den untersuchten Arten, als CA', minor, kiaticulci, pluvialis und mo- 
rinellus, fand ich fünfundzwanzig bis sechsundzwauzig Schwingen, von denen bei 
morinellus die ersten des Unterarmes auffallend breit" und am Ende schief buchtig 
abgestutzt sind, die erste der Hand aber einen ganz auffallend dicken Schaft 
hat. Auch der Kiebitz (CA. vanellus) verhält sich ganz wie die übrigen Regen- 
pfeiffer; aber CA. Oedicnemus (Oedicnemus crepilans Tejvtm.) hat neunundzwan- 
zig Schwingen und, wenn ich anders richtig beobachtet habe, einen mehr sper- 
rigen und zerstreuter fiedrigen Bürzelstreifen. Alle genannten besitzen übrigens 
zwölf Steuerfedern. 

Auch untersuchte ich bei dieser Gattung das Nestdunenkleid, und zwar am 
gemeinen Kiebitz (CA. Vanellus), woraus sich ergab, dass dasselbe ganz dem der 
übrigen Sumpfvögel analog ist. Die Nestdunen bestehen nehmlieh auch hier aus 
dunigen Aesten , welche auf den zuerst fertigen Aesten aller Konturfedern, auch 
den bloss dunigen an den Seiten -des Rumpfes, aufsitzen und später abfallen. 
Die obersten Enden dieser hinfälligen Nestdunen haben ziemlich lange haarartige 
Spitzen, und sind zumal hier besonders gefärbt, wodurch die bekannte Zeich- 
nung der jungen Nestvögel entsteht. Da letztere bei allen Schnepfen aualog 
ist, so scheint dieselbe Bildung dieses Nestkleides sämmtlichen Scolopacmen eigen 
zu sein. — i 

15. T a chy dx omus isabellinus unterscheidet sich von Charadrius bloss 
durch einen tiefer bis zur Schwanzgrube gespalteuen hinteren Theil der Spiual- 
flur und sehr breite, hinten abgerundete Achselfluren, welche vorn durch einen 
schmalen Streifen mit dem Brustast der Unterflur an seinem Anfange in Ver- 
bindung stehen. Die Anzahl der Schwingen beläuft sich auf siebenuudzwanzig 
bis achtundzwanzig. 

16. Thinocorus rumicivorus Eschsch. zool. ÄÜ. (Ocypetes torqualus 
Wagl. Isis 1829. 762-) Dieser merkwürdige Vogel, den Wagler sehr unpas- 
send mit den Flughühnern (Pterocles) vergleicht, (ist in jeder Beziehung eine ab- 
errante Schnepfenform, welche sich zu Glareola gerade so verhält , wie Ckionis , 

Nitzsch Pterylograpkie. i - 26 



p 



SOS 



zu Haematöpus, oder Dromas zu Recurvirostra, Br. -*] ) Seine Pterylose weicht 
von der bei Charadrius abgebildeten Form bloss darin ab, dass der Aussenast 
der Unterflur dichter an den Hauptzug gerückt ist und genau auf der Mitte der 
Brust liegt; dass der Bauchtheil derselben Flur sehr stark gebogen und nach 
aussen erweitert ist; dass der hintere Theil der Spinalflur einen tiefer hinab- 
reichenden Längsraiu hat, im Ganzen etwas breiter ist, und vorn an die Gabel 
des vorderen Theiles stösst ; dass der Unterrain bis über die Mitte des Halses 
hinaufreicht; und endlich dass die Achselfluren, wie bei Tachydromus, breit ab- 
gerundet und nach vorn mit der Unterflur verbunden sind. Am Flügel, der 
beinahe so lang und spitz ist wie bei Glareoldj zählte ich sechsundzwanzig 
Schwingen ; der etwas keilförmige Schwanz besteht aus zwölf Federn. 

17. Glareola. Bei beiden Arten dieser Gattung fand ich genau dieselbe 
Pterylose wie bei Thinocorus und Tachydromus; auch die Anzahl der Schwin- 
gen ist ebenso, nicht minder die der Steuerfedern, obwohl der Schwanz durch 
seine gabelige Form sehr ausgezeichnet ist. Uebrigens konnte ich bei Gh orien- 
talis durchaus keine Dunen zwischen den Konturfedern entdecken; dafür schien 
der Aussenast der Unterflur hier etwas breiter zu sein, und oben etwas mehr 
mit dem Hauptzuge zusammenzuhängen. — 



Achtes Kapitel. 

Schwimmvögel. Natatores. 

Der allgemeinste pterylographische Charakter dieser letzten Hauptabtheilung 
der Vögel besteht in der sehr breiten Form ihrer Fluren, womit denn eine ver- 
hältnissmassig schmale Form der Raine verbunden ist. Dennoch nähert sich die 
Anlage des Gefieders viel weniger dem lückenlosen Federnkleide, als bei anderen 
breitflurigCu Vögeln, namentlich jenen Picarien, denen, wie den Aras, Kalaos 
und Golien, beinahe eine pttlosis conlinua zukommt; weil bei den Schwimm- 



*) Nitzsch war geneigt, ihn zu den Alecloriden zu stellen, eine Ansicht, die insofern uicht un- 
passend ist, als die Alectorideu selbst nur aberrante Formen sind,. die theils den »Scolopacineu (0/?s), 
Üieils den Fulicarien (Dicholophus, Grus, Psophia und Palamedca) angehören dürften. 



ijfclj 

vögeln die Konturfedern auffallend dicht an einander stehen und so gedrängte 
Fluren bilden, dass auch ein sehr schmaler Rain noch bestimmt als solcher er- 
kannt werden kann. In den Fluren sitzen übrigens die Konturfedern völlig re- 
gelmässig in parallelen Reihen, die immer schief gegen die Längendimension 
des Körpers gestellt sind und an den Rändern der senkrechten Mittelfläche, 
welche den Leib in zwei symmetrische Hälften theilen würde, sich so begegnen, 
dass sie hier unter einem spitzen Winkel zusammen stossen, falls nicht ein da- 
selbst gelegener Rain sie trennt. Diese schiefe Richtung der Konturfedernreihen 
in den Fluren selbst gilt nicht bloss für jede einzelne Flur, sei sie nun breit 
oder schmal, in dieser Familie, sondern auch für die Federnstellung aller Vö- 
gel, und ist ebenso gut bei den Luft-, Erd- und Sumpfvögeln vorhanden; kann 
indess bei allen diesen, wegen der schmalen Fluren, nicht immer gleich deutlich 
wahrgenommen werden. Eigentlich scheint die natürliche Richtung dieser Reihen 
von innen und vorn nach aussen und hinten zu gehen, so dass der von je zwei 
Reihen im Berührungspunkte auf der Mittellinie gebildete Winkel nach hinten 
offen sein würde; da aber diese Berührung auf der Bauchseite immer fehlt, auf 
der Rückenseite aber nur dann deutlich wird, wenn die, Spinalflur keinen Längs- 
rain enthält, so scheint an vielen Stellen die Richtung der Federnreihen nicht 
bloss eine entgegengesetzte zu sein, sondern es scheinen auch zwei Reihen sich 
zu begegnen und unter spitzen und ihren stumpfen Nebenwinkeln sich zu schnei- 
den ; natürlich weil der Abstand von je zwei Federn in jeder Reihe derselbe 
ist , diese einander entsprechenden Federn also selbst wieder Reihen bilden. 
Sehr deutlich erkennt man diese Reihen bei völlig rein gerupften Vögeln an den 
Balgen, in denen die Federn steckten und an den kleinen Hautmuskeln, die von 
dem inneren untersten Ende jeder Kojiturfeder nach allen vier benachbarten 
Federn gehen , und sich an die innere Hautfläche im Umfange des Balges , in 
welcher die Konturfeder steckt , ansetzen. Diese Federnmuskeln , welche zum 
Sträuben und Anlegen der Konturfedern bestimmt sind (vergl. S. 17.), sieht man 
wegen ihrer Grösse am deutlichsten bei den Schwimmvögeln, und ganz besonders 
bei denen mit pneumatischer Haut, wie Dysporus und Pelecanus. Niemand kann 
sie indess auch bei unseren zahmen Gänsen, wenn ihre Unterfluren schön gerei- 
nigt mit der geräucherten Gänsebrust auf den Esstisch kommen, übersehen, und 
die hier so -bestimmt ausgedrückte regelmässig reihige Stellung der Konturfedern 

26 * 



1 ■ 



204 



verkennen. Zwischen je vier Konturfedern, welche miteinander einen Rhombus 
bilden, sitzt jedesmal wenigstens eine Dune, Und zwar genau im Mittelpunkte 
des bezeichneten Feldes ; allein nicht selten findet man ausser dieser noch andere, 
welche, so scheint es, in die Mitte zwischen je zwei Konturfedern jeder Reihe 
eingeschoben sind, so dass in einem solchen Falle die Federnreihen aus abwech- 
selnden Konturfedern und Dunen bestehen; oder auf der Fläche jeder einzelneu 
Raute, doch in derselben Richtung gegen die Konturfedernreihen, sitzen. Diese 
Dunen sind dann immer kleiner als die Dunen , welche die Mitte der Rauten 
einnehmen, und beider Stellen sieht man nicht mehr, sobald sie ausgerissen 
sind, da eines Theils die, Dunen viel kleinere Spuhlen haben, anderen Theils 
aber die beschriebenen Federnmuskeln ihnen ganz fehlen. Der Unterschied zwir 
sehen den Dunen ist übrigens der Regel nach bloss ein relativer, insofern die 
der. Mitte grösser sind , als die zwischen den Konturfedernreihen ; indess habe 
ich bei Anas Penelope die grösseren Dunen auch dunkler gefärbt gefunden, als 
die kleineren. Natürlich muss dieser Unterschied schwinden, wenn beide Dunen 
weiss sind, wie bei den zahmen weissen Gänsen/ oder Schwänen, oder den 
anderen weissen Schwimmvögeln ; denn bei buntfarbigen sind die Diinen, wie in 
der Regel , grau. Was die Raine der Schwimmvögel betrifft , so haben diese 
ebenfalls ein dichtes Duneiikleid, das vielleicht auch noch aus doppelten Dunen 
besteht. Kaum brauche ich zu bemerken, da dies schon in der ersten Abtheimng 
gesagt ist, dass jede Konturfeder ihre Fadenfedern neben sich hat, und dass deren 
Anzahl hier, z.B. bei den Gänsen, bis auf zehn "sich steigern kann. Dieselben 
haben alsdann, bei gleicher Bildung, eine sehr verschiedene Länge. Aus dieser 
gedrängten Stellung der Federn, welche ohnehin ein sehr dichtes, sicher schüt- 
zendes Kleid bildet, scheint der ziemlich häufige, wenn auch nicht allgemeine 
Maugel des Afterschaftes an den Konturfedern und Dunen hervorzugehen, denn 
gerade solchen Schwimmvögeln, deren Federnkleide eine sehr gedrängte Stellung 
zukommt, als z. B. den Gattungen Diomedea, Halieus und der Familie dei* Un- 
guiroslreSf fehlt er ganz. Hiermit harmonirt seine auffallende Grösse bei solchen 
Vögeln, denen Dunen mangeln, als z. R. den Hühnern, Singvögeln und vielen 
Picarien, sei es nun bloss zwischen den Konturfedern, oder auch an den Rainen. 
Auch hier geht er sogleich verlohren, wenn, wie bei Alcedo, dichte Dunen auf- 
treten.; Nur die Tauben, deren breite Fluren dafür aber sehr dichtßedrig sind, 

, .. - - 



305 

\ 

haben zugleich weder Dunen noch Afterschaft, und die T-agraub vögel sind, 
wie die meisten Sumpfvögel, mit beiden versehen; allein ihre Flurenform ist 
schmal und die Züge derselben bestehen oft nur aus zwei, höchstens aus fünf 
bis sechs Reihen. 

Was nun die Umrisse der Fluren bei den Schwimmvögeln im Allgemeinen 
betrifft, so stimmen dieselben weit mehr bei allen Mitgliedern überein, als z. B. 
bei den Sumpfvögeln. Hauptregel ist es, dass weder die Unterflur einen deutli- 
chen ganz freien Aussenast besitzt, noch die Spinalflur durch eine wahre Lücke 
unterbrochen ist. Ausnahmen von beiden Gesetzen machen die Longipennes, 
welche sich dadurch an die Schnepfen anschliessen. Dann haben Diomedea, 
Colymbus und Eudytes eine wahre Lücke in der Spinalflur, aber Urin, Alca 
und Mormon einen halb freien, bis über den Kniehafen hinansreichenden Aus- 
senast. Eine Spur desselben findet sich noch bei den Unguiroslres und deutlicher 
als hier bei den Titbinares. In allen diesen Fällen pflegt der oft nur vom Ende 
des Brustbeines an selbstständige Bauchtheil nicht bloss sehr breit zu sein, sondern 
auch mitten auf dem Bauche gegen die Seiten hin sich mehr zu verbreitern; 
eine Bildung, die nur bei Wasservögeln vorkommt, und schon früher bei den 
Schnepfen sehr deutlich erkannt wurde (s. S. 194.). Desto mannigfaltiger sind 

, in dieser Gruppe die Zahlenverhältnisse der Schwingen und Schwanzfedern. 
Erstere erreichen hier ihre grösste Anzahl, nehmlich fünfzig bei Diomedea, halten ' 
sich in der Regel auf dreissig, und fallen nur selten, z. B. bei den kleinen Co- 
lymbus - Arten , auf fünfundzwanzig. Von den Schwanzfedern lässt sich im All- 
gemeinen behaupten, dass sie sehr klein, weicli und zahlreich sind , dabei aber 
oft in der Menge variiren. So' finde ich bei den Unguiroslres zwar in der Regel 
zwölf, vierzehn, sechzehn, achtzehn, zwanzig oder vierundzwanzig~Steuerfedern, 
aber auch wohl fünfzehn, siebenzelm, neunzehn, einundzwanzig oder dreiund- 
zwanzig , in welchem Falle dann auf der einen Seite eine mehr vorhanden ist 
als auf der anderen. Die meisten sah ich bei Aplenodyles , nehmlich dreissig, 
aber sie sind auffallend klein. Zwölf grosse kräftige haben ohne Ausnahme nur 
Hie. Longipennes; zehn, als kleinste Zahl, scheinen die kleinen Sturmvögel zu be- 
sitzen, die meisten haben auch hier zwölf, und Procellaria giganlca hat vierzehn. 

. Bei den Unguiroslres und Pygopodes hat fast jede Art ihr eigues Zahlenverhält- 
niss, aber bei den Steganopodes , wo sie auch wieder kräftiger werden, ist die 



3Q6 

gewöhnlichste Zahl zwölf, nur Phaeton hat sechzehn, einige Halieus - Arten 
besitzen vierzehn und Pelecanus zweiundzwanzig, dreiundzwanzig oder vierund- 
zwanzig. — - Die Bürzeldrüse ist bei den beständigen Schwimmvögeln, wie den 
Tuhinares und Steganopodes , sehr gross und öfters mit mehr als zwei Mün- 
dungen versehen ; bei den übrigen Familien hat sie nur zwei Oeffnungen und 
eine geringere Grösse. Ein Oelfedernkranz an ihr fehlt ebenso wenig wie die 
ganze Drüse in dieser Abtheihmg. — 

1. L O N G 1 PENNE S. 

Die Pterylose dieser Familie schliesst sich sehr innig an den Typus der 
Schnepfenvögel, und kann kaum von diesem durch irgend ein Merkmahl 
sicher unterschieden w erden. Sie besteht am Kopf aus einem ununterbrochenen 
Gefieder, in dem ich bloss um das Auge und die Ohröffnung einen Rain be- 
merke. Von demselben gehen zwei Flurzüge aus, ein etwas breiterer im Rü- 
cken, ein schmälerer am Kehlwinkel, welche- beide durch die ziemlich breiten 
Halsseitenraine getrennt werden. - Der erstere bleibt bis zu den Schulterblättern 
einlach, und spaltet sich daselbst in eine Gabel, deren ziemlich starke Aeste 
noch vor den Schulterblättern enden. An dieser Stelle ist die Spinalflur ge- 
wöhnlich durch eine wahre Lücke zerrissen; allein bei Lesiris parasitica fehlt 
dieselbe entweder ganz, oder ist doch sehr unvollkommen. Der darauf folgende 
hintere Theil ist anfangs um so mehr geschwächt, je deutlicher eine Lücke in 
der Spinalflur auftritt, und beginnt dann mit zwei parallelen Federnreihen zwi- 
schen den Schenkel der Gabel , welche sich hinterwärts an der äusseren Seite 
verbreitern und dabei etwas kräftiger werden , erst auf der Schwanzgrube in 
einen kurzen kräftigen Stamm zusammenfliessend, welcher zur Bürzeldrüse geht 
und gleichsam auf ihr endet. Von diesem hinteren Theile sind die Lendenfluren 
in der Regel ganz getrennt; nur bei Lesiris cuüirrliacles , wo sie viel schiefer 
stehen, berühren sie den Stamm des Bürzelstreifen. Die Unterflur, welche, wie 
wir schon sahen, einfach vom Kehlgefieder ausgeht, bleibt bis zur Mitte des 
Halses ungetheilt, worauf sie sich in zwei divergireude Schenkel spaltet, und 
mit diesen über die Mitte des Gabelheines fortsetzend auf die Brnstfläche tritt. 
Hier bildet sie alsbald einen theils ganz, theils nur an der hinteren Hälfte freien 
Aussenast, welcher etwas kräftiger ist als der Hauptzug, und ziemlich weit nach 



hinten am Rande des musculus pectoralis major endet. Der etwas schmälere und 
schwächere Hauptzug wendet sich anfangs nach innen und ist in der Mitte des 
Brustheinkammes seinem Nachbar am nächsten; von da entfernen sich beide 
Züge mehr, bilden auf dem Bauche, wo sie etwas breiter und kräftiger werden, 
einen Bogen, und enden dicht neben dem After. Das übrige Gefieder ist ohne 
besondere Eigenheiten. Am Oberarm, welcher sich durch eine grosse Länge 
auszeichnet, verläuft unten ein kräftiges Hypopterum, welches auch auf die Brust 
tritt, aber mit dem Ast der Unterflur eigentlich nicht zusammenhängt. Dieser 
Theil des Flügels ist übrigens bloss Rain, die obere Fläche dagegen hat ein 
lückenloses Gefieder, welches von den kräftigen Achselfluren durch einen klei- 
nen , zumal hinten sehr unbedeutenden Flügelrain gesondert wird. — An den 
Konturfedern bemerkte ich einen schwachen flaumigen Afterschaft; die grosse 
breite hinten stark abgestutzte Bürzeldrüse trägt einen dichten Oelfedernkranz. 
Sie hat öfters, vielleicht immer, mehrere Mündungen an jeder Hälfte. — 

1. Slerna (Taf. IX. Fig. H. 12.). Bei dieser Gattung sind, wegen des 
schlanken zierlichen Körperbaues, die Fluren sehr schmal und völlig schnepfen- 
artig, übrigens aber ganz der im Allgemeinen gegebenen Schilderung entspre- 
chend. Von den untersuchten Arten, als: St. caspia, leucopareia, liirundo, arctica 
Temm., fissipes und minuta, hat die erste dreiunddreissig Schwingen, die folgen- 
den drei haben neunundzwanzig, aber die zwei letzten nur sechsundzwanzig, von 
denen immer die erste am längsten ist und zehn am Handtheil des Flügels sitzen. 
Der Schwanz enthält zwölf Federn und ist in der Regel gabelförmig, doch 
sind nicht immer die zwei äussersten Federn die längsten, sondern mitunter zwei 
innere, z. B. bei St. stolida die vierte jeder Seite von aussen gerechnet. Bei 
St. hirundo ist mir die erste Armschwinge, die elfte des ganzen Flügels, wegen 
ihrer breiten , am Ende buchtig abgestutzten Form aufgefallen. Eben diese Art 
hat drei Mündungen an jeder Drüsenhälfte, bei St. fissipes dagegen sah ich 
nur eine. — 

2. Rhynchops» Nach Untersuchung von Rh. nigra und albirostris Licht . 
hat diese Gattung genau die Pterylose von Sterna, doch schienen die Dünen bei 
ihr kleiner zu sein und zwischen den Konturfedern der Fluren ganz zu fehlen. 
Beide Arten haben zwölf Schwanzfedern und neunundzwanzig bis dreissig Schwin- 
gen, wovon zehn an der Hand sitzen und die erste die längste ist- 



%o§ 

o. Larus. Die kleineren Arten dieser Gattung, z. B. L. minutus , ridi- 
bundus und canus, haben genau die Pterylose von Sterna, allein hei den grös- 
seren und grössten , wie L. argenlaius , tridaclylus , eburneus und niarinus , er- 
scheinen die Flurzüge merklich breiter, wenngleich in der Anlage ganz ebenso, 
woraus denn eine geringere Ausdehnung der Raine sich von selbst ergiebt. Den- 
noch sinjl Aussenast und Hauptzug der Brustflur nicht mit einander theilweis 
verschmolzen, vielmehr ist der sie trennende Raiu relativ breiter, als bei Sterna. 
Dunen sah ich hier überall am Körper , auch bestimmt zwischen den Kontur- 
federn; selbst auf dem Körper der übrigens nicht sehr grossen Bürzeldrüse stan- 
den Halbdunen in mehreren Reihen. Der Zipfel dieser Drüse ist etwas länger 
als bei Sterna, und enthält für jade Hälfte drei Ausgänge, welche in eine mul- 
denförmige Vertiefung neben einander münden. So fand ich diese Drüse bei 
L. inarinus und iridactylus ; glaube aber dieselbe Bildung bei allen Larus- Arten 
annehmen zu dürfen. Von den untersuchten hatte L. minutus achtundzwanzig 
Schwingen, ridibundus dreissig, canus und tridactyhis einunddreissig, argentaius 
und inarinus vierunddreissig ; bei allen stehen zehn am Handtheil des Flügels 
und die erste ist überall die längste. Die Anzahl der Steuerfedern beträgt zwölf. 

4. Lestris. Diese Gattung weicht von den übrigen Longipennen beson- 
ders dadurch ab, dass der Aussenast der Unterßur im ersten Theile seines Laufes 
mit dem Haupfzuge verbunden bleibt (Taf. IX. Fig. 13.) , und dass alle Flurzüge 
noch breiter und kräftiger sind als bei Larus. Die Spinalflur stimmt bei L. ca- 
larrhactes und pomarinus mit dem Typus der Longipennes überein, wenngleich 
der Längsrain in ihr relativ breiter ist, wegen der breitereu Bildung des Brust- 
kastens der Fiaubmöven. Daher mag es auch kommen, dass die Lendenfluren 
schiefer stehen, als bei den Möven und hinten mit dem Bürzelstreifen der Spi- 
nalflur zusammenfliessen (Fig. 44-). Schon früher erwähnte ich von L. parasi- 
tiert, dass bei ihr der vordere Theil der Spinalflur von dem hinteren nicht deut- 
lich getrennt ist; hier füge ich noch hinzu, dass die Schenkel des ersteren un- 
mittelbar in die beiden Schenkel des letzteren übergehen , und so eine Form 
ergeben, welche dem Typus der Rallinen (siehe S. 181.) sehr ahnlioh sieht. 
Hiermit ist eine längere Absetzung des Aussenastes vom Hauptzuge der Unterflur 
verbunden. Alle drei Arten haben zwölf Schwanzfedern und sechsundzwanzig 
bis achtundzwanzig Schwingen , wovon zehn an der Hand sitzen und die erste 



jag 

die längste ist. Die grosse Bürzeldrüse stimmt bei Lesiris catarrhactes im Bau 
ganz mit der von Larus marinus überein; sie hat Halbdunen auf ihrer Fläche, 
aber nur am Grunde einen sehr breiten kurzen Zipfel und drei Mündungen 
an jeder Hälfte. — 

2. NASVTAE s. TUBIN ARES. 

In dieser Familie ist die Flurenbildung von Lestris zum Grnppentypus er- 
hoben, welcher in der Gestalt der. Unterflur gar keine Aenderung erleidet, an 
der Spinalflur aber eine geringe Modifikation eingeht. Wir finden daher am Kopfe 
ein gleichmässig dichtes Gefieder, von dem beide Hauptfluren ausgehen. Letztere 
sind durch den hoch hinauf bis beinahe zum Kopfe reichenden Halsseitenrain 
von einander geschieden. Die Unterflur spaltet sich schon in der Nahe des Kopfes, 
wird noch am Halse ansehnlich breit, und tritt so auf die Brust, deren Flüche 
jeder Zug in ziemlich breiter parallelseitiger Form bedeckt, bis zum Rande 
des musculus pectoralis major keinen Ast aussendend. Hier wird er durch ei- 
nen vom Kuiehafen ausgehenden Rain so getheilt, dass eine kurze, als Aus- 
seiest zu betrachtende Fortsetzung der Flur neben dem Knie vorbei in den 
Rumpfseitenrain sich begiebt, über dem Oberschenkel fortgeht und bald darauf 
endet. Der andere innere Ast, welcher den Hauptzug darstellt, geht dann auf 
den Bauch fort, wendet, sich etwas bogenförmig nach aussen, verbreitert sich 
in der Mitte des Bogens beträchtlich, und. endet neben dem After. Dadurch ge- 
winnt die Unterflur ziemlich das Ansehn der Gattungen Haematopits , Chionis, 
Dromas, -Recurvirostra , Thinocorus u. s. w. unter den Schnepfenvögeln, und 
weicht hauptsächlich nur durch den viel kürzeren, bloss am Ende freien Aussenast 
von dem Typus dieser Schnepfenvögel ab. Die Spinalflur ist anfangs breit, wird 
gegen die Mitte des Halses schmäler, dehnt sich dann bis zu den Schultern mehr 
aus, und spaltet sich von da, oder von der Mitte der Schulterblätter an, in zwei 
Schenkel. Bei den meisten Röhrnasen gehen diese Schenkel ununterbrochen 
in die hintere Hälfte der Spinalflur über, und dieser Umstand bildet alsdann 
den Familiencharakter zum Unterschiede von den Longipennen. Die hintere 
Hälfte der Spinalflur umschliesst in diesem Falle bis zur Schwanzgrube einen 
Längsrain, verbreitert sich auf dem Becken etwas nach aussen, hängt dadurch 
in der Regel mit den sehr schief gestellten Lendenfluren zusammen, und wird 

Nitzsih Pterylograpliie. 27 



31Q 

an dem einfachen Bürzelstreif en ziemlich kräftig, den Grund der Bürzeldrüse 
noch mit bedeckend. Letztere hat immer eine ganz auffallende Grösse, einen 
starken Federnkranz am stumpfen Zipfel , aber nur selten mehr als zwei Mün- 
dungen. Diomedea, welcher Gattung eine solche grössere Anzahl eigen ist, weicht 
auch durch einen vom hinteren einfachen Theile der Spinalflur getrennten vor- 
deren Theil abj und bietet, zumal in der Lange ihres Flügels und einigen ande- 
ren Verhältnissen, noch mehrere Abweichungen vom Familientypus dar. Derselbe 
ist übrigens auch in den sehr breiten kräftigen Achselfluren und dem nicht sehr 
grossen Hypopterum ausgedrückt. 

X, Procellaria. Die Flurenbildung von Pr. glacialis, welche auf Taf. X. 
in Fig. 1. und 2. dargestellt ist, kann man als den Hauptrepräsentanten der all- 
gemeinen Familienschilderung ansehen , von welcher indess einige Arten in ein- 
zelnen Punkten abweichen. Aus der Abbildung ist ersichtlich, dass der Unterrain 
vrirklich bis zum Kehlwinkel reicht, der Einschnitt in die Unterflur am Kniehafen 
massig tief -ist, der Bauchtheil eben dieser Flur nur wenig sich erweitert, und 
dass die Spinalflur hinten, da wo sie sehr breit wird, mit den nicht sehr kräftigen, 
von der Befiederung des Unterschenkels gar nicht getrennten Lendenfluren zu- 
sammenhängt. Am Flügel fand ich zweiunddreissig Schwingen, wovon zehn am 
Handtheile sitzen und die erste die längste ist. Der Schwanz enthielt vierzehn 
Steuerfedern. Ganz ähnlich ist die Pterylose von Pr. capensis, bloss der Ein- 
schnitt in der Unterflur neben dem Knie ist tiefer und der Bauchtheil breiter. 
Die Anzahl der Schwingen ist bloss einunddreissig , aber die der Schwanzfedern 
auch vierzehn. — Proc giganlca zeigt an der Unterflur keinen anderen Unter- 
schied, als dass dieselbe noch breiter und der Einschnitt daher relativ noch tiefer 
ist. An der Spinalflur liess sich jedoch der vordere Theil von dem hinteren 
durch eine kräftigere dichterfiedrige Bildung deutlich unterscheiden, "wenngleich 
beide unmittelbar in einander übergehen. Der hintere besteht aus zwei konver- 
girenden Reihen starker Konturledern, die von der Schwanzgrube an parallel 
werden und den einfachen Bürzelstreifen bilden, übrigens aber zerstreute schwä- 
chere Konturfedern neben sich haben, wodurch sie an die zweireihigen, ziemlich 
kräftigen, aber kurzen Lendenfluren stossen. Der vordere Theil ist im Verhältniss 
tiefer gespalten und der Spinalrain reicht bis zur Schulterhöhe. Die Anzahl der 
Schwingen beträgt bei gleichem Längenverhältniss achtunddreissig oder vierzig, die 



311 

der Steuerfedern sechzehn. An der grossen Bürzeldrüse glaube ich mehrere 
Mündungen jeder Hälfte wahrgenommen zu haben. — Pr. pelagica zeichnet sich 
durch schmälere Flurzüge aus , hat übrigens ganz die Form der Spinalflur von 
Pr. giganlea, aber die zerstreuten Konturfedern neben dem hinteren Theile fehlen. 
Am Flügel zählte ich zweiundzwanzig Schwingen, von denen die erste der vierten 
glich und die zweite die längste war.*) 

2. Pachyptila coerulea verhält sich pterylographisch ganz wie eine 
Procellaria, allein der kurze Halsseitenrain geht nur sehr wenig nach vorn und 
der Einschnitt in die Unterflur ist so tief, dass die hintere oder Bauchhälfte der- 
selben ganz von der vorderen getrennt wird. Die Spinalflur verhält sich mehr 
wie bei Pr. gigantea, aber die Spaltung des vorderen Theiles ist nicht so tief und 
die Lendenfluren stossen in derselben schiefen Richtung, wie ich es bei Pufßnus 
obscurus (Taf. X. Fig. 3.) dargestellt habe, an den hinteren Theil. Die Anzahl 
der Schwingen ist achtundzwänzig, von denen ebenfalls die zweite die längste 
ist. Die Anzahl der Steuerfedern betrug nur zwölf. 

3. Puffinus obscurus (Taf . X. Fig. 3.). Die Federnfluren dieser Gat- 
tung unterscheiden sich von denen bei Procellaria bloss darin , dass der Spinal- 
rain mehr nach vorn liegt, bis zur Schulterhöhe reicht, aber den Anfang der 
Beckengegend nicht überschreitet. Hier wird diese Flur, welche übrigens weder 
durch Stellung noch durch Kräftigkeit der Federn in zwei Theile zerfält, einfach 
und nimmt ebenda die schief von hinten nach vorn verlängerten, etwas sperrig- 
fiedrigen Lendenfluren in sich auf. Hierdurch stellen sie gerade zu die Umkehrung 
der von Procellaria abgebildeten Form dar, und nähern sich ganz der Bildung 
von Pachyptila, welche Aehnlichkeit durch den kurzen, nur bis zur Mitte des 
Halses reichenden Halsseitenrain noch mehr vergrössert wird. - Paff, obscurus hat 
übrigens dreissig Schwingen , von denen die erste die längste ist, und zwölf 
Schwanzfedern, wieder eine Analogie mit der erwähnten zweiten Gattung. 

4. Diomedea. Diese Gattung hat, nach Untersuchung von D. exulans 
(Taf. X. Fig. 4.) und chlororhynchos , au der Bauchseite ganz die Pterylose von 
Procellaria, indess beginnt der Unterrain erst auf der Mitte des Halses. Die 



*) Die akademische Sammlung enthält ausserdem noch die der zuletzt genannten Art höchst ähn- 
liche Pr. oceanica. Bei letzterer sind bestimmt zwölf Steuerfedern vorhanden, bei der anderen finde 

ich nur neun, doch fehlen einige der linken Seite. Bn. 

27 * 



— •— — — — — — ^ -^^•'«^«R^h^^^^^^H 



3IS 

Spinalflur hat dagegen manches Eigene. Der wichtigste Charakter ist ohne Frage 
die völlige Absetzung des vorderen Theiles vom hinteren, bei gleichzeitiger grosser 
Derbheit jenes und Schwächung dieses. Ersterer ist breit, dichtfiedrig , vom 
Schultergelenk an zweischenkelig und am Ende jedes Schenkels abgerundet. Der 
hintere Theil bildet vom Ende des vorderen bis zur Schwanzgrube eine schwach- 
fiedrige Ellipse, deren Federn, wie gewöhnlich, in schiefe, |in der Mittellinie 
konvergirende , von innen und vorn nach aussen und hinten verlaufende Reihen 
gestellt sind. Auf der Schwanzgrube zieht sich die Ellipse in einen parallel- 
seitigen derberfiedrigen Bürzelstreifen zusammen, dessen Ende die grosse Bürzel- 
driise noch berührt. Letztere ist am Grunde von Halbdunen bedeckt und hat 
einen starken Federnkranz um die fünf in eine senkrechte Reihe gestellten Oeff- 
nungen an jeder Hälfte. Zu diesen Eigenheiten kommen noch sehr schwache, 
dem Bürzel genäherte, einreihige Lendenfluren; aber desto kräftigere, breite, 
sechsreihige Achselfluren, welche in der Ruhe die enorm langen Flügel ganz 
bedecken. Diese Länge hat in der beispielslosen Ausdehnung des Ober- wie 
Unterarms ihren Grund. Daher ist auch die Anzahl der auf fünfzig sich be- 
laufenden Schwingen die grösste, welche ich jemals bei einem Vogel beobachtet 
habe. Uebrigens stehen bloss zehn am Handtheile des Flügels, und die erste der- 
selben ist die längste j die übrigen vierzig nehmen der Reihe nach den Unterarm 
ein, und sind mithin nur sehr klein. Auf sie folgt dann am Oberarm das aus ei- 
nigen zwanzig Federn bestehende, ebenfalls grosse Parapterum, dem ein nicht 
minder kräftiges Hypopterum auf der Unterseite entspricht. — Die Anzahl der 
Steuerfedern ist bloss zwölf. Die Konturfedern sind übrigens ganz ohne After- 
schaft, haben aber dennoch eine sehr dicke, aufgeblasene Spuhle. 

5. VNGV1ROSTRES s. DERMORHYNCHI.*) 

Die Flurenform dieser auch anderweitig sehr conformen Familie folgt einem 
sehr bestimmten Typus und stimmt bei allen von mir untersuchten Arten, bis 
auf eine geringe Differenz in der Länge des Spinalrains, vollkommen überein. 
Den Kopf überzieht ein lückenloses Gefieder, welches bis zur Mitte des Halses 



*) Man vergleiche über den Gesammtbau dieser Familie den gleichnamigen Artikel in Ersch und 
Grubers allgem. Enzykl. Erste Sekt. Bd. 24. S. 206. 



gm m 

reicht. Hier beginnt der Unterrain (Taf. X. Fig. 5.) als schmaler Streif, erweitert 
sich etwas auf dem Rumpfe , und läuft genau über dem Kamm des Brustbeines 
in gleicher Breite bis zum Bauche, wo er ein wenig breiter wird, so fortgeht, 
und am After endet. Diesem Raine entspricht in der Lage und Form ein noch 
etwas schmälerer Spinalrain (Fig. 6.), welcher nach vorn und hinten immer 
kürzer ist als der Unterrain, allein doch in der Piegel vom Ende des Halses bis 
zur Schwanzgrube reicht, bisweilen aber bloss auf das Interscapulium beschränkt 
ist. Die diesen Rain umschliessende Spinalflur ist in allen Theilen gleich kräftig, 
nirgends irgendwie unterbrochen, aber nicht überall gleich breit, sondern anfangs 
nur sehr schmal, dann breiter, und zuletzt so breit, dass sie mit den Lenden- 
fluren völlig verbunden ist; weder von diesen, noch von der Befiederung des 
Unterschenkels in der Beschaffenheit sich unterscheidend. Ausser den beschrie- 
benen beiden Rainen findet sich noch ein ziemlich breiter Rumpfseitenrain (Fig. 7.). 
Von ihm geht nach vorn zwischen der Spinal- und Achselflur eine Fortsetzung 
bis zur Schulterhöhe, und bildet, das untere Ende des Halses betretend, den 
sehr kurzen Halsseitenrain. Eine andere Fortsetzung zieht sich neben dem äus- 
seren Rande der Unterflur und unter dem Flügel fort, umfasst den Grund des- 
selben und verbindet sich mit dem Halsseitenraine, die Achselflur ganz von der 
Unterflur sondernd. Nach hinten erstreckt sich der Rumpfseitenrain bis zum Knie, 
geht an der innern Seite des Unterschenkels neben dem Bauchtheile der Un- 
terflur fort, und berührt die Schwanzfedern, zu beiden Seiten von der Spinal - 
wie Unterflur begrenzt. Bevor er aber in die Gegend des Kniehafens kommt, 
dringt in ihn eine vom Rande der grossen Brustmuskeln ausgehende sehr kräftige 
Fortsetzung der Unterflur ein, welche man für die Andeutung eines Aussenastes 
ansehen muss. Von letzterem wäre also anzunehmen, dass er auf der Brust 
ganz mit dem Hauptzuge der Unterflur verbuuden ist, aber nicht am Rande der 
Brust schief abgestutzt endet, sondern nach Art der Procellarien die Brustgänge 
überschreitet und neben dem Knie vorbei an die Rumpfseiten hin sich fortsetzt. 
Diese sehr beträchtliche Länge' des Aussenastes ist vielen Sumpfvögeln eigen, und 
schon früher einmal bei Cryplurus (S. 169.) uns vorgekommen. Uebrigens ist die- 
ser kurze Aussenast mit der breiten stumpfen Achselflur der kräftigste Theil des 
ganzen Rumpfgefieders. Von den Federn selbst ist wenig zu sagen. Ihrer Stel- 
lung nach folgen sie genau den einleitungsweise von den Schwimmvögelu ange- 



gebenen Gesetzen, und da zwischen je vier Konturfedern nicht bloss immer eine, 
sondern in der Regel mehrere Dunen enthalten sind, so fehlt der zur Verdichtung 
des Gefieders bestimmte Afterschaft hier in der Regel ganz. Die Konturfedern des 
Rumpftheiles der Uuterflur sind meistens sehr breit, abgerundet, auffallend stark 
gekrümmt, und elastisch. Hierdurch schliessen sie dicht aneinander und halten 
das Wasser beim Schwimmen ganz zurück. Die durch ihr Sekret diese Eigen- 
schaft des Konturgefieders unterstützende Rürzeldrüse hat eine herzförmige Ge- 
stalt und eine ansehnliche Grösse. Jede Hälfte enthält nur eine Höhlung und 
mündet mit besonderer Oeffnung am spitzigen, von einem Oelfedernkranze ge- 
krönten Zipfel. Die kräftigen Schwingen wechseln von vierundzwanzig bis vier-, 
unddreissig, doch stehen immer zehn an der Hand und die erste dieser ist in 
der Regel die längste; seltener die zweite, sehr selten (bei Anas moschala) die 
vierte. Die Steuerfedern sind auffallend weich, klein und in der Zahl höchst 
veränderlich; sie wechseln zwischen zwölf und vierundzwanzig. 

Von den fünf Gattungen dieser Familie habe ich nur eine: Cereopsis*), 
nicht untersuchen können, von den andern vier waren mir folgende Arten zu- 
gänglich. 

1, Cygnus. Konturfedernfluren völlig wie bei Anser cinereus, auch der 
Spinalrain von derselben Länge, wenigstens bei C. olor und musiats, die ich 
untersuchte. Beide haben über dreissig Schwingen, der letztere bestimmt vier- 
unddreissig, wovon zehn am Handtheile sitzen und die zweite am längsten ist. 
Die drei ersten haben einen starken Winkelausschnitt an der inneren Fahnen- 
seite. Am Schwänze fand ich bei C- tnusicus vierundzwanzig Federn, bei C olor 
nur einundzwanzig, einmal selbst sechzehn. Die grosse Bürzeldrüse hat starke 
lange Oelfedern und zwei weite Mündungen. (Vergl. S. 88. -**]) 

2. Anas. Diese Gattung zeichnet sich durch einen längeren und kräfti- 
geren Endast der Unterflur aus und hat einen noch kürzeren Halsseitenrain als 
die übrigen. Trotz der grossen Gesammtähnlichkeit lassen sich doch zwei pte- 
rylographische Gruppen aufstellen, welche auch zoologisch nach der Form der 
Hinterzehe von einander abweichen. ' 

a. Die Tau chen ten {Ilydrobates Temm.) haben einen kürzeren Spinalrain, 



*) Bloss die Auzahl der Schwanzfedern habe ich erkannt, sie ist sechzehn. 



315 

welcher in der Regel nur auf das Interscapulium beschränkt ist (ähnlich wie bei 
Dysporus, Taf. X. Fig. 9.) und nie über den Anfang des Beckens hinausreicht. 
Sonst unterscheiden sie sich durch ein noch dichteres Gefieder und die Anwe- 
senheit des Afterschaftes, der freilich oft sehr klein ist, z. B. bei A. fuligula. 
Deutlicher sah ich ihn bei A. lobata Temm. und clangula, wo er einen beträcht- 
lichen Umfang besitzt. Die meisten Arten, als A. lobata, fuligula, ferina, leu- 
cophthalma, rufina, mollissima , marila, nigra, clangula und glacialis haben 
sechsundzwanzig, selten siebenundzwanzig Schwingen, wovon zehn an der Hand 
sitzen, und vierzehn Steiierfedern; aber A. lobata besitzt deren zwanzig, A. leu- 
cocephala achtzehn, A. rufina und nigra sechzehn, so wie clangula ausnahms- 
weise siebenzehn und leucopJithahna fünfzehn. 

b. Bei den eigentlichen Enten reicht der Spinalrain in der Regel vom 
Ende des Halses bis zur Schwanzgrube (Taf. X. Fig. 6.), und ist nur bei einzelnen 
Arten, z. B. A. Tadorna, crecca, etwas kürzer. Einen Afterschaft bemerk- 
te ich bei ihnen niemals. Am Flügel zählte ich gewöhnlich sechsundzwanzig 
Schwingen, von denen die zweite detf Regel nach die längste ist 5 nur bei A. mo- 
schata war es die vierte und die drei ersten waren stufig. A. Tadorna hat 
dreissig Schwingen, A. crecca aber nur vierundzwanzig. Am Schwänze fand 
ich vierzehn Federn bei A. Penelope, Tadorna, Bosch as , querquedula, clypeata; 
sechzehn bei A. crecca und acuta ; allein die aufgekrümmten Federn der männ- 
lichen Individuen sind wirkliche Steuerfedern, keine Schwanzdecken, und stei- 
gern die Zahl, wenigstens bei A. Boschas, auf zwanzig. So viele haben auch 
die Weibchen. ; 

3. Ans er. Der Spinalrain reicht bis auf den Anfang des Beckens und 
der Halsseitenrain beinahe bis zur Mitte des Halses. Dabei ist der Aussenast 
der Unterflur (Fig. 7.) kleiner und schwächer, gleichwie der lautere Theil der 
Spinalflur sperrigfiedriger. Am Flügel sitzen bei A. cinereus, canadensis , cy- 
gnoides, albifrons und leucopsis neunundzwanzig Schwingen , bei A. torquatus 
dreissig; am Schwänze finde ich vierzehn Federn bei A. torquatus und pollicaris, 
sechzehn bei den meisten, ausnahmsweise wohl siebenzehn, aber achtzehn nur 
bei A. canadensis. A. gerrhia, eine der A. madagascariensis sehr ähnliche Ost- 
indische Art, hat zwölf Steuerfedern und fünfundzwanzig Schwingen. 

4. Mergus. Diese Gattung schliesst sich durch den Mangel des Halssei- 



£16 

tenraines und die Kürze des Spinalraines am meisten an die Tauchenten ; allein 
der letztere geht doch höher am Halse hinauf, und erreicht hier sogar dessen 
Mitte. M. merg unser , serrulor und cucullutus haben achtzehn Steuerfedern, 
M . ulbellus besitzt bloss sechzehn ; dennoch haben alle vier gleich viel Schwingen, 
nehmlich siebenundzwanzig. 

Zuletzt gedenke ich noch des Nestkleides in dieser Familie, und bemerke 
von Ansev dömesticus, woselbst ich es genauer untersuchte, dass die Dunen, aus 
denen es besteht, wahre mit Schaft und Spuhle versehene Federn sind, welche 
indess wohl ebenso auf den Spitzen der späteren Konturfedern aufsitzen, wie 
wir dies oben bei den Laufvögeln (S. 171.) gesehen haben. Schaft und Aeste die- 
ser Dunen sind rigide, gelb von Farbe, und enden in feine haarförmige Spitzen. 
Die an dem unteren Theile der Aeste haftenden Strahlen sind ebenfalls dünn 
faden - oder haarförmig, haben aber eine kurze blattförmige Wurzelstrecke, allein 
keine Spur von Knötchen oder Haken. Die Aeste stehen übrigens sehr weit- 
läufig am Schafte und sind daher nicht zahlreich. 

4. STEGANOPODES. 

i. i f v„ 

Auch diese Familie hat, gleich der vorigen, einen sehr feststehenden Typus 
der Pterylose und zeigt keine anderen GattungsdilFerenzen, als etwa eine Ver- 
schiedenheit in der Dichtigkeit des Gefieders, welche von den Himmelsstrichen, 
in denen der Vogel lebt, abhängig zu sein scheint, und bei nordischen Gattungen 
viel beträchtlicher ist, als bei tropischen. Letztere, wie Phaelon, Tuchyyetes 
und auch Hulieus, haben gewiss keinen Afterschaft an den Konturfedern, doch 
ist er auch bei den übrigen Gattungen mir nicht aufgefallen, fehlt also wohl 
allgemein. In Hinsicht der Federn und Fluren unterscheiden sich übrigens die 
Steganopodeu von den Unguirostren deutlich genug. Erstere sind hier 
immer kleiner, spitziger, und lange nicht so stark gekrümmt wie bei Enten und 
Gänsen. Dennoch ist ihre Stellung nicht gedrängter, vielmehr im Ganzen etwas 
weitläuftiger und sperriger. An den Fluren zeigt sich als Hauptunterschied der 
völlige Mangel eines Brustastes der Unterflur, indem letztere vom Anfange der 
Brust an allmälig schmäler wird und ohne den geringsten Absatz von der Brust- 
fläche auf den Bauch übergeht. Hiermit steht eine Abkürzung des sehr schmalen 
, Unterrains, im Zusammenhange ; denn niemals geht derselbe vorn über die Thei- 



317 

lungsstelle des Gabelbeins hinaus, hinten aber erreicht er den After. Breiter ist 
der Rumpfseitenrain, wenigstens bei Dysporus, wo er sich zwischen die Lenden - 
und Spinalflur fortsetzt und den Schwanzkörper erreicht, jvas wohl bei keiner 
anderen Gattung, der Fall ist. Dafür hat Dysporus einen ganz kurzen Spinalrain 
im Interscapulium, allein die Achselfluren hangen mit den sperrigen Seitentheilen 
der Spinalflur zusammen. Dasselbe findet bei allen übrigen Gattungen in noch 
höherem Grade Statt, wenn man gleich die Achselfluren auch hier sehr bestimmt 
an ihrer gedrängten Federnstellung von der Spinalflur unterscheiden kann. In 
ihr fehlt der bei Dysporns bemerkte Piain dem Seeraben (Carbo) und Anhinga 
(Plolns), alle anderen Gattungen haben einen recht deutlichen Spinalrain, der 
vom Schultergelenk bis zum Anfange des Beckens reicht. Ausserdem ist ein 
kurzer aber breiter inselartig abgeschlossener Halsseitenrain in der Regel vor- 
banden, sonst aber nur noch die innere Seite der Schenkel und Flügel von Kon- 
turfedern frei; letztere jedoch enthält das grosse starke Parapterum. Die Anzahl 
der kräftigen Schwingen ist beträchtlich und schwebt zwischen sechsunddreissig 
und vierzig ; dabei ist die Form jeder einzelnen sehr gestreckt , schmal spitzig 
und die erste immer die längste. Am Schwänze findet man gewöhnlich zwölf, 
vierzehn oder sechzehn kräftige Steuerfedern, nur Pelecanüs hat vierundzwanzig 
kleine und weiche. Diese Gattung zeichnet sich durch die Grösse ihrer Bürzel- 
drüse und die sechs Oeffnungen jeder Hälfte aus, Phaelon scheint drei Mündun- 
gen zu besitzen, die 'übrigen Gattungen aber nur je eine. Nach diesen Angaben 
bleiben für die einzelnen Gattungen nur noch wenige Eigenthümlichkeiten zu 
berichten. 

1. Pelecanüs. Durch die schon erwähnte weiche Bildung und grosse 
Anzahl ihrer Schwanzfedern schliesst sich diese Gattung am meisten an die Un- 
guiroslres. Das Konturfedernkleid ist beinahe nicht gesondert und fehlt bloss 
an dem sehr schmalen Unterram, in der Achselgegend, an der Unterseite des 
Armes in der Gegend der Flughaut und innen am Unterschenkel. Ich fand am 
Arm neununddreissig eigentliche Schwingen und etwa fünfzehn Federn in jedem 
Parapterum , von denen zumal das untere sehr kräftig ist. Die Bürzeldrüse hat 
fast, die Grösse eines Hühnereies und eine völlig herzförmige Gestalt. Auf der 
gewölbten Oberfläche wird bald hinter der Mitte von den Oelfedern ein kleineres 
herzförmiges Feld umschrieben, und auf diesem stehen in zwei parallelen Längs- 

Nitzsch Pterylographie. 28 



I 

reihen die je sechs Müudungen nehen einander. Die schon mehrmals erwähnte 
pneumatische Beschaffenheit der Haut verhalt sich wie hei Dysporus, wo ich 
sie ausführlicher beschreiben werde. 

2. Halieus. Die von mir untersuchten Arten: H. carbo und africanus, 
verhalten sich in der Pterylose ganz wie Pelecanus, und haben ausser den dort 
erwähnten Rainen nur noch einen an den Seiten des Beckens hinter den Schen- 
keln , der mir bei Pelecanus nicht aufgefallen ist. Der Afferschaft fehlte völlig. 
Am Flügel fand ich bei II. carbo zweiunddreissig Schwingen, bei H. ctfricanus 
nur sechsundzwanzig; das parapterum superius besteht dort aus neun, das infe- 
rius aus sechs platten Hauptfedern, und der Daumen trägt vier Federn. Steuer- 
federn zählte ich bei II. carbo vierzehn, und bei einem Individuum anomal 
fünfzehn; bei H. africanus zwölf. Ueber die weissen Flecke, welche die alten 
Seeraben im Frühlinge an den Unterschenkeln und am Halse besitzen, habe 
ich mich schon früher (S. 20.) ausgesprochen, und wiederhole es, dass sie aus 
Fadenfedern bestehen ; ob aber die grösseren weissen Flecke am Oberschenkel; 
deren Federn sich völlig wie Konturfedern verhalten, auch aus solchen Faden- 
federn entstanden sind, weiss ich nicht zu sagen. 

5. Tachypelcs aqudlus hat ganz die Pterylose von Halieus, aber eine 
sehr auffallend sperrige Federnstellung und einen deutlichen Spinalrain, der vom 
Schult ergelenk bis zum Becken reicht. Selbst eine Zerfällung der Spinalflur in 
zwei Hälften ist durch eine viel kräftigere Bildung ihrer Konturfedern im Inter- 
scapulium angedeutet, allein eine Lücke bemerkt man hinten den kräftigen Fe- 
dern nicht. Ueberhaupt weicht die Fregatte wie in so vielen Punkten*), so 
auch in der Pterylose von dem Typus der Schwimmvögel ab, zumal durch die 
geringe Elastizität , Krümmung und besonders die weitläufige Stellung der Kon- 
turfedern. Dunen bemerkte ich zwischen ihnen, und zwar, wie auch bei Pele- 
canus, bloss Doldendunen. Am Flügel zählte ich vierunddreissig Schwingen, von 
denen sich die zehn des Handtheiles durch sehr kräftige Bildung und starke 
vierkantige Schäfte auszeichnen. Die paraptera bestehen aus sechs bis acht 
Federn und der Schwanz aus zwölf. 



*) Eine der merkwürdigsten Eigenheiten ist noch die Kürze des Laufs, welche besonders am 
Skelet sichtbar wird, und wohl bei keinem anderen Yogel in diesem Grade wieder vorkommt. 



810 

4. Dysporus. Von dieser Gattung untersuchte ich D- bassanus und D. Su- 
hl, zwei schon durch die Farbe der nackten Gesichtshaut gut unterschiedene, 
wenngleich ähnliche Arten, die auch in ihrer Pterylose vollkommen übereinstim- 
men. Die auf Taf. X. Fig. 8. und 9. gegebene Abbildung derselben von D. bas- 
sanus zeigt alle Eigenschaften der Familie , und scheint bloss durch den kurzen, 
relativ breiten Spinälrain im Interscapulium neben den Achselfluren als besondere 
Gattung sich auszuzeichnen. Merkwürdig ist indess noch die Bürzeldrüse wegen ih- 
rer flachen schildförmigen Gestalt, welche es unmöglich macht, sie durch die Haut 
als bestimmt begrenzten Körper zu unterscheiden; und da auch das Gefieder hier 
nicht fehlt, so kostet es einige Mühe, sie aufzufinden. Auch die hinten auf der 
Drüse ziemlich weit vom Ende befindlichen beiden OeiFnungen sind sehr klein 
und schwer zu entdecken, wenngleich die dichtgestellten weissen Oelfedern ihre 
Lage bald anzeigen. Auflallend lang ist übrigens der Schwanzkörper, auf dem 
die Drüse liegt, und ihn grösstentheils bedeckt, aber nach hinten noch ein Be- 
trächtliches von ihm überragt wird. An demselben fand ich bei D. bassanus nur 
zwölf, bei D. Sula s vierzehn Steuerfedern, welche einen Keilschwanz bilden; 
am Flügel zählte ich achtunddreissig bis neununddreissig Schwingen, wovon zehn 
am Handtheile sitzen; das Hypopterum bestand aus achtzehn Federn. Ein von 
mir untersuchtes Junge des D. bassanus war, obgleich es schon die Grösse einer 
Gans besass, überall mit schneeweissen Dunen bekleidet, nur nicht an^der schon 
schwarzen nackten Gesichtshaut, auf welcher indess ebenfalls einzelne winzige 
Dunen stehen. — Noch verweile ich bei der Schilderung dieser Gattung, um 
die mehrmals schon berührte merkwürdige Pneumatizität ihres Körpers, die sich 
bis auf einen grossen Theii der Haut erstreckt, näher zu beschreiben. Im In- 
nern des Rumpfes haben die Luftzellen ihre gewöhnliche Lage, doch sind die 
grösseren Seitenzellen von einem sehr beträchtlichen Umfange. Dagegen ha- 
ben die Leberzellen eine sehr geringe Grösse und enthalten, wie gewöhnlich, 
gar keine Luft. Ihre Scheidewand sitzt nicht auf der Leberkommissur fest, 
sondern liegt nur lose auf ihr und umfasst sie gleichsam, was ich auch beim 
Kranich wiedergefunden habe. Die kleineren oder vorderen Seitenzellen er- 
kannte ich nur undeutlich , weil diese Luftbehälter • in mehr Abtheiluugen als 
gewöhnlich zerfallen waren. Aus letzteren gelangt die Luft durch die Achsel- 

28 * 



$3® 

höhle unter die Haut, uiid verbreitet sich hier über die ganze Brust- und Bauch- 
gegend, von der furcula bis an die Sehamfreine. Es sind für diese grossen 
Lufträume jederseits zwei Zellen abgetheilt, welche aber mit einander in Ver- 
bindung stehen und parallel neben einander fortlaufen. Die eine nimmt die 
Rippengegend von der Achselhöhle an ein, die andere die Brustbein- und 
Bauchgegend, und diese grenzt au die benachbarte der anderen Seite, wird 
aber durch eine vom Kamm des Brustbeines ausgehende aponeurotische Scheide- 
wand von ihr getrennt. Au den Stellen also, wo diese Lufthöhlen sich befinden, 
sitzt die Haut nicht eigentlich am Leibe, sondern hängt um ihn, und schlottert 
hin und her, wenn die Höhlen nicht voll Luft sind. Besonders merkwürdig aber ist 
es, dass das Fell nicht zunächst die äussere Decke der beschriebenen Lufträume 
bildet, sondern dass eine andere dünnere und sehr zarte Haut zwischen den 
Spitzen der im Fell steckenden Konturfedern ausgespannt ist. Dadurch entsteht 
zwischen dieser inneren Haut, welche die eigentliche Decke der Lufträume ab- 
giebt, und der äusseren Körperhaut ein Raum von der Höhe des in die Haut 
eindringenden Theiles der Federnspulen. Auch dieser Raum enthält Luft, und 
bekommt dieselbe durch ein kleines Loch in der unteren zarten Haut, welches 
neben der kopfwärts gewendeten Seite jeder Konturfeder befindlich ist. Indem 
nun zwischen je vier Konturfedern immer die kleinen Hautmuskeln hin und her- 
gezogen und die Lücken zwischen diesen Muskeln auch durch ein zartes Häut- 
chen, welches üie Muskeln selbst überzieht, ausgefüllt sind, entstehen zwischen 
ihnen Hauttaschen, in welche die Luft von der grossen Höhle aus durch die be- 
merkte OefFnung eindringen kann. Nirgends fand sich zwischen den ohne Zweifel 
Bus zarten Zellgewebeschichten gebildeten Häutchen auch nur eine Spur von 
Fett, und alle die Räume, welche sonst diesen Stoff reichlieh zu enthalten pfle- 
gen, enthielten hier bloss Luft. — Ganz dieselbe Bildung beobachtete ich auch 
bei Pelecanus crispus, den ich in Weingeist aus Wien erhielt, und sah die sonst 
mit Luft angefüllten Räume theilweis schon diese Flüssigkeit umschliessen. - 

5. Phaeton. Die Pterylose ist ohne Eigenheit und der von Dysporus 
sehr ähnlich, aber der schmale Spinalrain reicht bis zur Schwanzgrube und 
die Spinalflurzüge berühren die Achselfluren nicht. Dagegen ist die ganze hin- 
tere Rückengegend über dem Becken gleicbmässig befiedert, und am Oberschen- 
kel zeichnen sich zwei Reihen kräftiger Konturfedern als Lendenfluren aus. 



Sgl 

Am Flügel zahlte ich zweiunddreissig Schwingen; am Schwänze sechzehn Steuer- 
federn. Die Bürzeldrüse hat einen sehr kurzen, ziemlich senkrechten Zipfel und 
drei Mündungen an jeder Seite, von denen die vordere deutlich grösser ist als 
die hinteren. — Zu den vielen Uebereinstimmuugen dieser Gattung mit der 
vorigen gehört auch die Pneumatizität der Haut über der Brust, und die Anwe- 
senheit der kleinen Luftzellen zwischen den Konturfedern. Letztere sind übri- 
gens viel elastischer und gekrümmter als bei Tachypeies t und gleichen mehr 
denen der Gänse. 

6. PI olus. Der Anhinga gleicht in der Befiederung einigermassen den 
Pinguinen, insofern sein Leib von kleinen ziemlich weichen Konturfedern und sehr 
zarten Dunen fast gleichmässig bekleidet wird. Nur an den Seiten des Unter- 
halses fangen die Federn an, rigider zu werden, noch mehr aber an den Achsel- 
fluren, in welche jene Halsfedern übergehen. Ausserdem haben nur noch die 
oberen Flügeldecken, die Schwingendecken ? die sehr spitzen Schwungfedern und 
die Steuerfedern eine kräftigere Bildung. Die Anzahl der letztem ist zwölf, die 
der Schwingen sechsundzwanzig. Uebrigens fand ich ausser dem Rumpfseiten- 
raiae nur noch den schmalen Unterrain, alle anderen Raine fehlen. — 

5. PYGOPODES. 

Unter den Schwimmvögeln ist unstreitig diese Familie pterylographisch am 
ausgezeichnetsten, sowohl durch die Form der Fluren, als auch durch die Be- 
schaffenheit des Gefieders. Letzteres ist überall, wo Federn stehen (und das ist 
bei mehreren Mitgliedern an der ganzen Körperoberfläche , mit Ausnahme des 
Schnabels und der Füsse, der Fall) so dicht und gedrängt wie bei keinem anderen 
Vogel, und besteht natürlich aus Konturfedern und Dunen, nur nicht an den 
Rainen, wo bloss Dunen sich finden. Dennoch besitzen sowohl die Konturfedern, 
als auch die Dunen einen deutlichen Afterschaft ; selbst an den fast schuppenför- 
migen Konturfedern der Pinguine fehlt er nicht. Offenbar hat seine Anwesenheit 
hier den Zweck, das Gefieder dieser perpetuirlichsten aller Wasservögel so dicht 
als möglich zu machen. Rücksichtlich der Flürenformen giebt es in dieser Fa- 
milie drei Typen, welche sich sehr bestimmt von einander unterscheiden; sie 
entsprechen den Gruppen der Taucher (Colymbus oder Podiceps und Eudytes)-, 
Lummen ( Uria , Alca , Mormon) und Pinguine (Spheniscus und Aptenody- 



mmm 

tus) und lassen sich folgendermassen nach ihren Hauptcharakteren von einander 
unterscheiden. 

A. Das Gefieder ist noch durch mehrere Raine in bestimmte Fluren gesondert. 

a. Die Uuterflurzüge haben keine Spur eines Aussenastes. 

In diese Abtheilung kommen die Taucher. Sie schliessen sich in der Form 
ihrer Fluren ziemlich genau an die Steganopoden, besonders durch die völlig 
wie bei diesen gebildete, ganz astlose Unterflur. Der Hauptunterschied beider 
Gruppen Hegt in der Spinalflur, insofern diese hier eine Spaltung in die gewöhn- 
lichen zwei Theile ziemlich bestimmt erkennen lässt, welche den Steganopoden 
fehlt. Der vordere Theil ist kräftiger und wenigstens vom Anfange des Rum- 
pfes an gespalten; der hintere viel schwächere Theil reicht zwar bis zum vor- 
deren hinauf, unterscheidet sich jedoch leicht von ihm durch die mehr sperrige 
Stellung und schwächere Bildung der Konturfedern. Uebrigens ist der Hals 
gleichmässig befiedert, wenn nicht der Spinal- oder Unterrain noch an ihm ver- 
laufen; Halsseitenraine fehlen völlig. Grösser als bei den Steganopoden ist der 
Rumpfseitenrain, besonders dehnt er sich mehr auf den Rücken hin aus, und 
trennt hier nicht bloss die Spinalflur von den kräftigen Achselfluren ganz, son- 
dern auch von den schwachen Lendenfluren. Ein oberer Fiügelrain ist ausserhalb 
neben den Achselfluren vorhanden, doch hinten sehr schmal. Die Flügelfedern 
sind nicht merkwürdig, aber die kleinen weichen, oft gar nicht unterscheidbaren, 
Schwanzfedern erinnern an die Bildung der Enten. Mit diesen harmonirt auch 
die Bürzeldrüse in Grösse und Gestalt, zumal durch den kleinen zarten Zipfel, 
der nie mehr als zwei Mündungen hat. 

1. Colymbus (Taf. X. Fig. 40. IL). Diese Gattung, von der ich die 
grosse Hauptart, C. crislutus , genau untersuchte, und mit ihr die kleineren Ar- 
ten, als C- rubricoUis , minor u. a. verglich, unterscheidet sich von der folgenden 
besonders durch die Länge der beiden Mittelraine. Nicht bloss der Unterrain, 
welcher hinten auf dem Bauche sehr breit wird, reicht weit am Halse hinauf, 
sondern auch der Spinalrain, Daher mag es kommen, dass die Schenkel des 
vorderen Theiles der- Spinalflur nur wenig über den Anfang der Schulterblät- 
ter hinausgehen, und der auffallend schwache, nur schmale hintere Theil sich 
bis weit zwischen die Schulterblätter hinauf erstreckt. Die Bürzeldrüse, wel- 



che an diese Flur stösst, ist sehr länglich, tief getheilt, nach vorn an beiden 
Hälften zugespitzt, am stumpfen Hinterende mit einem hohen senkrechten Zipfel 
versehen und innen ihrem grösseren Theile nach von einer weiten Höhle erfüllt. 
Der Oelfedernkranz sitzt in der. Mitte des kegelförmigen Zipfels, und an der 
Spitze desselben bemerkt man mit Mühe die beiden kleinen Oeffnungen. Eigent- 
liche oder vielmehr besonders ausgezeichnete Steuerfedern konnte ich an dem 
kleinen konischen Schwanzkörper nicht entdecken; am Flügel zählte ich bei 
C. crislatus zweiunddreissig Schwingen, wovon elf an der Hand sitzen und die 

Oft 7 ' 

erste die längste ist; die paraptcra sind ansehnlich und bestehen aus acht bis 
zehn Federn. Bei C. rukricollis zählte ich dreissig Schwingen, aber auch elf 
an der Hand; bei C minor fanden sich nur sechsundzwanzig , aber dennoch elf 
am Handtheile. Diese Art hat auch eine viel breitere, vorn stumpfe und dickere 
Bürzeldrüse, deren innere Höhlung ganz auffallend klein ist. 

2- Eudytes (Taf. X. Fig. 12-). Nach Untersuchung von E. arclicus und 
seplentrionalts (s. rufogularis) unterscheidet sich diese Gattung pterylographisch 
von der vorigen in folgenden Punkten: 1) Der Unterrain ist sehr schmal, bleibt 
überall gleich breit, und reicht vorn nur bis zur furcula. 2) Der vordere Theil 
der Spinalflur ist bloss bis zur Schulter gespalten und seine etwas kräftigeren 
Schenkel reichen bis ans Ende der Schulterblätter; der sehr breite hintere Theil 
ist viel kürzer und erreicht die Schulterblätter nicht. 5) Der breitere Schwanz- 
körper trägt bestimmter unterscheidbare' Steuerfedern, deren Anzahl achtzehn 
oder zw ab zig ist. 4) Am Handtheile des Flügels stehen wahrscheinlich nur 
zehn Federn, und die Gesammtzahl aller Schwingen beträgt über dreissig. 

b. Die Unlerflurzüge haben einen deutlichen, selbst langen, wenngleich schmalen 
Aussenast. 

Bei den Mitgliedern dieser Gruppe, zu welcher die Gattungen TJria, Alca, 
Phaleris und Mormon gehören, erstreckt sich die ptilosis conlinua bis auf die Mitte 
des Halses. Hier wird sie von den bis dahin reichenden Halsseitenrainen unterbro- 
chen, und bald darauf beginnt auch der Unterrain, während <ler Spinalrain die 
Grenze des Rumpfes nicht leicht überschreitet. Die Unterflur, deren Theilung 
also etwas vor der Gurgel sichtbar wird, besteht aus zwei breiten dichtfiedrigen 
Zügen (Taf. X. Fig. 43.), deren Federn die gewöhnliche Stellung in schiefen 
Reihen zeigen, und die parallel mit einander und dem Kamm des Brustbeines 



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fortlaufen bis zum After,, vor dem sie enden, bloss durch den sehr schmalen 
Unterram von einander gesondert. Nach aussen zu ist jeder Zug gleich anfangs 
so breit wie die ganze Brustfläche, und stellt daher auch mit dem vorderen Ende 
der Achselflur in Verbindung. Von hier geht der Zug unter der Achselhöhle 
fort, umfasst vorn das Schultergelenk, und dehnt sich an den Seiten des Rum- 
pfes bis zum Kniehafen hin aus, allmälig nach hinten etwas breiter werdend. 
Diese grössere Breite ist iudess nur scheinbar, denn es schiebt sich vom Knie- 
hafen aus ein Fortsatz des Rumpfseitenraines so in die Flur hinein , dass dieselbe 
dadurch in zwei parallel neben einander liegende Streifen getheilt wird. Der 
innere dieser Streifen, welcher ununterbrochen von der Brustfläche auf den Bauch 
übergeht, und hier gemeiniglich noch etwas an Breite zunimmt, ist ohne Frage 
der Hauptzug, den äusseren dagegen muss man für den gewöhnlich viel kürzeren 
und alsdann relativ breiteren Brustast erklären. Bei Alca Torda , welche zur 
bildlichen Darstellung dieser Verhältnisse gewählt wurde , ist der Hauptzug im 
Vergleich mit dem Aste noch ziemlich schmal, doch augenscheinlich breiter als 
dieser; viel mehr gesteigert ist dasselbe Verhältniss bei Alca impennis 9 doch 
minder bei Uri'a und Mormon, wo beide Streifen ziemlich dieselbe Breite haben. 
Ueberhaupt weicht Alca impennis etwas mehr von den anderen Gruppengenossen 
ab, zumal durch die auffallende Erweiterung des Hauptzuges auf der Bauchfläche, 
die rückwärts spitzwinkelig in die Leistengegend eindringt, und dem Bauchtheile 
beider Fluren zusammen das -Ansehn einer breiten Pfeilspitze giebt. Diese Art 
hat auch den schmälsten Uuterrain, wie überhaupt sehr schmale Raine. — Die 
Spinalflur weicht eigentlich von dem Typus bei den Ungnirüstres und Sleganopo- 
des nicht ab, ist ununterbrochen, überall gleich kräftig, nach hinten verbreitert, 
hier mit den Lendenfluren und durch diese mit dem Gefieder des Unterschenkels 
verflossen. Bei Mormon arclicas schien der Spinalrain zu fehlen, aber bei den 
übrigen -Gattungen tritt er in ihr zwischen deAi Schulterblättern als ein schmaler 
Streifen auf, welcher gewöhnlich bis zur Schwanzgrube reicht (Taf. X. Fig. 14.), 
bei Alca impennis aber nur bis zum Anfange des Beckens. Diese durch die 
geringe Grösse ihrer Flügel so merkwürdig ausgezeichnete Art hat doch neun- 
undzwanzig bis dreissig Schwingen und zehn an der Hand ; ebenso viele sah 
ich auch bei A. Torda und TJria Grylle, aber Urin Trolle und Alle haben nur 
sechsundzwanzig, von denen, w ie auch bei den anderen Arten, elf am Handtheile 



325 _ 

zu sitzen schienen. Die Anzahl der Schwanzfedern ist bei den Lummen, als Uria 
Trolle, Grylle und Alle, bestimmt zwölf; eben so viele fand ich bei Phaleris 
crislatella und Alca Torda, allein A. impennis hat achtzehn freilich nur kleine 
und schwäche. Die Bürzeldrüse ist bei allen Gattungen von relativ geringer 
Grösse, breit herzförmig, tief zweilappig und vorn abgerundet; der Körper trägt 
Halbdunen und der kurze dicke Zipfel einen starken Oelfedernkranz um die 
Mündungen , deren Anzahl sich wenigstens bei Uria Trotte auf vier an jeder 
Hälfte beläuft. Nur bei dieser Art habe ich indess das genannte Organ genauer 
untersuchen können. 

B. Das Gefieder zeigt keinen Unterschied zwischen Fluren und Rainen, sondern ist überall 
von gleicher ■Bildung. 

Bei den Gattungen Spheniscus (demersits) und Aptenodyles (patagonicus) 
stehen die Konturfedern in der vollständigsten Gleichförmigkeit auf der ganzen 
Oberfläche des Körpers, und nirgends, nicht einmal in der Achselhöhle, lässt 
sich die geringste Spur eines Piaines wahrnehmen. Ihre Stellung ist sehr ge- 
drängt, doch in. hergebrachter Weise nach bestimmten Reihen geordnet. Sie 
selbst haben eine schmale lanzettförmige Gestalt und einen sehr breiten aber 
flachen unterhalb gewölbten Schaft, dem die gewöhnliche Furche der Unterseite 
fehlt, und von dem die Aeste wie Splitter, zumal der oberen Hornlamelle, aus- 
gehen. Am oberen Ende der Feder sind die Aeste derb und ziemlich borsten- 
förmig, wenngleich flach ; am unteren werden sie weicher und dunenartig. Eben 
diese Beschaffenheit hat der deutlich erkennbare Afterschaft. Unter letzterem 
folgt die durch eine tiefe Einschnürung vom Schaft unterschiedene, spindelförmig 
aufgetriebene kurze Spuhle, mit welcher der Hauptschaft nicht, wie gewöhn- 
lich, in derselben Achsenrichtung, sondern unter einem bestimmten, recht merk- 
lichen Winkel zusammentrifft. Zwischen den Konturfedern stehen natürlich 
überall Dunen. "Wahre eigentümlich gebildete Schwingen erkennt man in dem 
dichten Schuppenkleide des Flügels nicht, aber am Schwänze lassen sich steife 
Steuerfedern unterscheiden. Ihre Anzahl ist bei A. patagonicus zweiunddreissig, 
oder einige mehr. Die Bürzeldrüse fehlt nicht, ist aber wegen des dichten stei- 
fen sie bedeckenden "Federnkleides schwer zu finden. Hat man sie entdeckt, so 
erkennt man auch bald den dichten Oelfedernkrauz , dessen Federn sich durch 
feinere aber doch rigide Schäfte und viel längere haarartige weiche, unten du- 

Nitzsch Pterylograpliie. 29 



336 

nige Aest& vor dem übrigen Gefieder auszeichnen« Die Anzahl der Mündungen 
konnte ich nicht genau ermitteln. 

Ausser diesen beiden Arten habe ich kein Mitglied der Pinguingruppe 
untersuchen können. 



Druckfehler. 

Seite 13. Zeile 2. V. o. ist Pterocles als solche Gattung mit erwähnt, der ein Afterschaft am Kon- 
turgefieder felüe ; nach späteren Beobachtungen ist er jedoch vorhanden. 
Vergl. S/159. 

— 15. — 3. v. ii. lies Hooke st. Horker. 

— '23. — 12. T. u. — Maasse st. Masse, 

— 48. — 6. t. o. — S e i t e n r a i n st. Saitenrain. 

— 70. — 3. v. n. setze 5) st. 3). 

— 72. — 15. V. o. lies durchbrochen st. dnrbbrochen. *» 

— 114. — 15. V. n. schalte hinter breit das Zitat ein (Taf. III. Fig. 5.)- 

— 146. — ■ 5. v. 0. lies Plyctolophus st. Pluctol ophus. 

— 205. — 3. v. n. — sechzehn st. vierzehn. 

— 211. — 2. v. u. — Leachii st. oceanica. 



I 



Erklärung der ersten Kupfertafel. 



(NB, Diese Tafel wurde von mir grösstentheils nach der Natur und eignen Untersuchungen gezeich- 
net* Nitzsch war ; wie er sich gegen den Herrn Verleger ausgesprochen hat , noch his zum letzten Au- 
genblicke unschlüssig, ob er die einzelnen Theile und Arten der Federn auf ihr darstellen, oder lieber eine 
schematische Darstellung aller Fluren mit ihren Benennungen geben solle. Ich wählte das Erstere, als das 
meiner Ansicht nach mehr Bedürftige und Werthvolle , insofern die Lage der Fluren hinreichend aus den 
übrigen Tafeln ersehen werden kann. Diese fand ich vollendet vor; sie sind nach NlTzscHens Hand- 
zeichnungen gestochen und bedürfen keiner besonderen Erklärung. Br.) 

Fig.. 1. Eine Rückenfeder des ^irgus giganteus in natürlicher Grösse von der Unterseite, an 
welcher die linke Astreihe des Hauptschaftes, so wie die rechte des Afterschaftes, weggenommen ist, 
am das Yerhältniss beider Schäfte zu einander/anschaulicher zu machen, a. Der verdickte Theil des 
Hauptschaftes mit seiner Längsfurche, b. Der/ Afterschaft, c. c. c. Beider Aeste. d. Die kurze stum- 
pfe Spuhle. / 

Fig. 2. Vier Aeste derselben Feder, ais dem oberen Theile, mit ihren Strahlen in massiger 
Vergrösserung von oben gesehen. «. Die Aeste selbst, b. Strahlen der vorderen Reihe, an welchen 
die Häkchen sitzen, c. Hakenlose Strahlen Jer hinteren Reiheu. 

Fig. 3. Sechs Aeste (o. a.) im Quenchnitt , von der Schnittfläche gesehen , mit ihren vorderen 
(b. b. b.) und hinteren (c. c. c.) Strahlen./ Aus der äusseren Fahnenseite einer Gänseschwungfeder, 
massig vergrössert. / 

Fig. 4. Ein vorderer Strahl ebeudeser Feder, stark vergrössert, mit seinen Häkchen (&.) nnd 
Wimpern (a.). 

Fig. 5. Ein hinterer, ebenso s^k vergrösserter Strahl derselben Feder. 

Fig. 6. Ein Stück der unter Fj. 1. dargestellten Feder von oben gesehen, woran a. derHanpt- 
6chaft ist, und b. b. zwei Aeste dcsselpn, von denen die an noch haken- und wimpernlosen, merkwürdig 
gekrümmten, blattförmigen Strahlen flsgehen. Besonders soll die Figur zeigen, dass auch der Hanpt- 
schaft Strahlen trägt, wenn die Ae» einander ferner stehen. . 

Fig. 7. Eine Fadenfeder de/' Gaus, massig vergrössert. 

Fig. 8. Das obere Ende d/selben, mit abgeschnittenen Spitzen, stärker vergrössert. 

Fig. 9. Ein Strahl dersejen Feder, sehr stark vergrössert. Mau erkennt noch die Höhlungen 
der Zellen an ihm. 



- 






333 

Fig. 10. Eine junge Feder der Gans von vorn gesehen , welche ans dem Balge (a.) schon mit 
der Spitze der Fahne (b.) hervorragt. 

Fig. 11. Dieselbe von hinten, der Länge nach geöffnet, a. Der Balg, b.b. Federnsloff c. Ma- 
trix mit ihren Blutgefässen , d. d. abgestossene und vertrocknete Theile derselben. 

Fig. 12. Ein unreifer Strahl der hinteren Reihe von einer grauen Taubenfeder. 

Fig. 13. Ein unreifer Strahl der vorderen Reihe eben dieser Feder. 

Fig. 14. Das unterste Ende eines Astes, an dem noch kein Unterschied zwischen ihm und seinen 
Strahlen erkannt wird , aus homogenen Zellen und deren Kernen bestehend. Aus der Fig. 10. abge- 
bildeten Feder entnommen. 

Fig. 15. Ein Stück eines unreifen Astes, an dem die Strahlen schon angedeutet, aber noch nicht 
abgeschnürt sind; links die der hinteren, rechts die der vorderen Reihe. Von einer grauen Tanbsn- 
feder genommen. ■"- 

Fig. 16. Modifizirte, in feste Hornsubstanz sich verwandelnde Zellen aus der obersten Schicht eines 
jungen Astes eben dieser Feder. 

Fig. 17. Die Zellen des Epitbeliums, aus denen der Balg besteht; mit ihren Kernen und Kern- 
körperchen. 

Fig. 18. Unteres Ende einer von hinten gesehenen Taubenschwungfeder, an' der die Spuhle durch 
einen Schnitt oben geöffnet ist, der Hauptschaft und die Aeste aber abgestutzt sind ; auch die untersten 
Aeste dicht über der Spuhle sind entfernt worden, a. Trockne abgestossene Reste der Matrix, welche 
aus der oberen Oeffnung der Spuhle hervorragen und noch in der Furche am Schafte liegen, b. Die 
Stelle der Oeffnung, welche durch den Schnitt entfent wurde, c. Trockne abgestossene Theile der 
Matrix im Inneren der Spuhle, die gleich den vorigen wie eine Reihe von Tuten in_ einander stecken; 
d. äussere Fahnenseite; e. innere Fahnenseite. 

Fig. 19. Weisse Dunenstrahlen der Hausente, 13t mal vergrössert. Nach Nitzsch in Voigt's 
Magaz. etc. Bd. XI. Taf. VI. 

Fig. 20. Dunenstrahlen vom unteren Ende einer lonturfeder derselben Ente. Ebendaher. 

Fig. 21. Anfang eines Duucnstrahles vom unteren Unde einer Konturfeder des Conus glanda- 
rnis. Ebendaher. 

Fig. 22. Derselbe von Sj/lvia rubecula. Ebendaher, 

Fig. 23. Derselbe von der Ente. Ebendaher. 

Fig. 24. Derselbe von Stria; otus. Ebendaher. 

Fig. 25. Derselbe von der Lachtaube. Ebendaher. 



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